Telekommärkte in Osteuropa ab 2011 auf Erholungskurs

09. September 2010 14:49

Erste-Analystin: Glasfaser-Netze sorgen für Investitionsschub in kommenden Jahren - Rentabilität wegen hoher Kosten fraglich

Die Telekommärkte Mittel- und Osteuropas (CEE) sind im zweiten Quartal langsamer geschrumpft als bisher, eine Erholung erwartet CEE-Telekom-Analystin Vera Sutedja aber erst ab 2011. Der Sektor stehe vor einem neuen Investitionsschub durch den Ausbau des Glasfaser-Netzwerks, allerdings seien die Kosten zwischen 500 und 2.500 Dollar (1.969 Euro) pro Haushalt in Ballungsräumen sehr hoch. Die Rentabilität sei daher "die große Frage", erklärte Sutedja bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien.

Als Beispiel für einen billigen Ausbau nennt Sutedja etwa Paris mit einem sehr guten Kanalisationssystem, das auch für die Glasfaser-Leitungen genutzt wird. Dort würden die Kosten bei etwa 300 Euro pro Haushalt liegen. Im Gegensatz dazu müssen etwa bei den in Wien gestarteten Pilotprojekten die Leitungen vergraben werden, was die Investition deutlich verteuere.

"Nur eine Frage der Zeit"

Trotz der hohen Kosten sei der Glasfaser-Roll-Out "nur eine Frage der Zeit", um eine Überlastung der Netze zu vermeiden, die Servicequalität zu erhöhen und neue Produkte verkaufen zu können, so Sutedja. Daher erwartet sie, dass die in der Krise stabil gebliebenen Dividendenzahlungen künftig eingeschränkten werden dürften. Telekom-Aktien würden vor allem wegen den Dividendenausschüttungen gekauft. Während der Wirtschaftskrise wurde die Anlegerperformance zu 76 Prozent über die Dividenden erzielt. Im CEE-Raum haben mit dem Roll-Out die Telekom Slovenije sowie die Töchter der Deutschen Telekom in Ungarn und Kroatien, Magyar Telekom und Hrvatski Telekom, begonnen.

Im Vorjahr litt auch die Telekombranche unter der Wirtschaftskrise. Die Segmente Festnetz und Mobilfunk erlitten Umsatzrückgänge von 6,3 Prozent bzw. 1,8 Prozent, während die Wachstumstreiber das Bezahlfernsehen, der mobile Datenverkehr und das Festnetz-Internet waren, allerdings betrug ihr Anteil am Gesamtumsatz nur ein Drittel, sodass die Rückgänge bei der Sprachtelefonie nicht wettgemacht werden konnten, so die Analystin. Anders sieht es etwa in der Türkei aus: Die Erste-Analystin gibt eine Kaufempfehlung für türkische Turk Telekom, die im zweiten Quartal 2010 wieder ein zweistelliges Wachstum erzielte.

Interesse

Derzeit stehen "mehr und mehr Telekom-Unternehmen" in der Region zum Verkauf an, sodass eine neue M&A-Welle bevorstehen dürfte. Geplant seien unter anderem der Verkauf der serbischen Telekom Srbija, der slowenischen Tusmobil, die zum Firmenimperium des angeschlagenen slowenischen Geschäftsmanns Mirko Tus gehört, und der rumänischen RomTelecom.

Sutedja sieht einen möglichen Einstieg der Telekom Austria bei der serbischen Telekom skeptisch. Eine Teilnahme an einer Privatisierung sei aber für Unternehmen eine gute Möglichkeit, um zu sehen, was die Konkurrenz verdient. Sie würde sich anstelle der TA eher im Kosovo umsehen, wo etwa das Telekomunternehmen Vala 900 verkauft werden soll. Auch die Telekom Austria selbst sei ein attraktives Übernahmeziel, allerdings sei das Österreich-Geschäft problematisch, das in den letzten Quartalen rückläufig sei, meint Sutedja. Das Interesse an der österreichischen Telekom dürfte nachgelassen haben, aber man soll "niemals nie sagen".

Der Bericht "Erste Sector Telecom" untersucht die Märkte in Österreich, Kroatien, Tschechien, Ungarn, Polen, Slowenien und der Türkei und analysiert die führenden börsenotierten Unternehmen der Region. Der Telekommarkt in Österreich erzielte im Vorjahr einen Umsatz von 5,08 Mrd. Euro, ein Rückgang um 5,3 Prozent. Zwei Drittel davon werden bereits im mobilen Bereich erwirtschaftet. (APA)

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