"paraflows"-Festival: "Mind and Matter"-Ausstellung im Künstlerhaus

09. September 2010 13:35

25 Werke digitaler Kunst zwischen Gehirnplastik und Geistesblitz - "Verbindung von Idee zur Materie"

Ein riesiges, virtuelles Gehirn wird auf eine Wand projiziert, es blinkt wild und dreht sich. Das Tor zur Ausstellung "Mind and Matter" im Künstlerhaus scheint wie eine Rahmung von Peter Koglers Werk. Davor in einer Vitrine: eine jüngst entstandene Gehirnplastik Koglers. Von der Videoinstallation zur realisierten Plastik - ein Symbol für die Verbindung von der Idee zur Materie, dem Fokus der Schau. Die Ausstellung ist im Rahmen des "paraflows"-Festivals für digitale Kunst ab morgen, 10. September, ein Monat lang zu sehen.

Rund 25 Positionen zu "Idee und Materie", "Hard- und Software", "Mensch und technologischem System" sind in den Räumen im ersten Stock des Künstlerhauses versammelt. Neben der Arbeit von Peter Kogler sind auch zwei frühe Skulptur-Arbeiten des 2006 verstorbenen "Pioniers der österreichischen Medienkunst", Zelko Wiener, ausgestellt, "worüber wir sehr froh sind", so Ausstellungsleiterin Judith Fegerl bei einer Presseführung heute, Donnerstag. Wer mit Wieners "Kin-Objekten" (1983) oder "Sinnenwerkzeugen" (1978) wenig anfangen kann, schaut sich einen Raum weiter im einem Atelier nachempfundenen "Schau-Labor" von Agnes Fuchs um. In dem Raum finden sich Objekte, Malereien, Grafiken und Oberflächen, die sich mit Wissenschaft auseinandersetzen.

"Thinking about moviemaking" (1998-2008)

Neben Medienkünstlern hat sich auch der österreichische Avantgarde-Filmemacher Sigfried A. Fruhauf, dem bei der diesjährigen Viennale ein Special gewidmet wird, mit dem Vorgang der Ideenfindung auseinandergesetzt. In "Thinking about moviemaking" (1998-2008) stellt Fruhauf auf zwei Bildschirmen die Computertomographie seines eigenen Gehirns einem Video gegenüber, in dem er sprichwörtlich von einem Geistesblitz getroffen wird. "Damit vereinen wir die wissenschaftliche mit einer sehr poetischen Repräsentation", schilderte Fegerl.

Auch die stets populäre "interaktive Kunst" darf in der Ausstellung nicht fehlen. So können zwei verschiedene Computergrafiken der Grazer Künstlerin LIA mit Hilfe von Reglern verändert werden, während die auf eine Wand projizierte Computersoftware "Fabulous" dem Besucher zum "Sterne-Verbinden" einlädt. Mit einem Ball sollen in einer "unsichtbaren 3D-Welt", so Spieleentwicklerin Heather Kelley, Linien zwischen leuchtenden Sternen geschaffen werden. "Interaktive Kunst mit Augenzwinkern", so Fegerl, zeigt sich im Maschinenmodell "Education Archetype" von Daniel Hafner. Zwei Schalter führen durch einen Prozessor zu einem kleinen Licht - oder einem Megafon. Die "Regeln" besagen: "Drück Schalter A, nicht B" - wer sich dem widersetzt, wird von einem ohrenbetäubend lauten Tröten aus dem Megafon überrascht.

"paraflows .10" wird heute, Donnerstag, Abend offiziell im Künstlerhaus eröffnet. Bis 10. Oktober wird Fans der digitalen Kunst ein Programm aus Symposien, Lesungen und Buchpräsentationen geboten. Die dazugehörige Ausstellung, "Mind and Matter", findet im Rahmen der fünften Festivalausgabe erstmals im Künstlerhaus statt. (APA)

 

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