Rechnungshof

Schulbuch-Selbstbehalt von Familienbeihilfe abziehen

09. September 2010 10:42

Zuständiger Minister Mitterlehner hat neue Regelung angekündigt

Wien - Der Rechnungshof (RH) empfiehlt Änderungen beim Schulbuch-Selbstbehalt. Im Sinne einer Verwaltungsvereinfachung sollte der jährlich zu zahlende Selbstbehalt einmal im Jahr von der Familienbeihilfe abgezogen werden, so der RH in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht, in dem die Schulbuchaktion überprüft wurde. Dazu wäre es notwendig, die Höhe der Selbstbehalte - ähnlich der altersabhängigen Staffelung der Familienbeihilfe - an das Alter der Schüler zu knüpfen. Derzeit hängt der Selbstbehalt vom jeweiligen Schulbuchlimit für die einzelnen Schulformen ab. Der zuständige Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) hat bereits reagiert und Änderungen angekündigt.

Keine Erlagscheine mehr

Vorteil einer solchen Regelung wäre, dass der Druck und die Verteilung von mehr als einer Million Erlagscheinen wegfiele, mit denen die Selbstbehalte in Höhe zwischen rund zwei und 20 Euro pro Schüler überwiesen werden. Dies würde nicht nur die Finanzämter von einem hohen Manipulationsaufwand befreien, sondern auch die Schulen wesentlich entlasten, betonten die Prüfer.

Grundsätzlich hält der RH die 1972 eingeführte Schulbuchaktion für "zweckmäßig", um das gesteckte Ziel zu erreichen, die finanziellen Lasten, die den Eltern durch die Erziehung und Ausbildung ihrer Kinder erwachsen, zu erleichtern. Dafür wurden 2007/08 rund 104 Millionen Euro aufgewendet, die durchschnittlichen Kosten pro Schüler beliefen sich auf rund 87 Euro.

Allerdings hätten nur 22 Prozent der Schulen mit dem limitierten Schulbuchbudget das Auslangen gefunden, zitiert der RH eine 2009 im Auftrag des Familienministeriums erstellte Evaluierungsstudie der Schulbuchaktion. Diese Schulen hätten das vor allem durch die Wiederverwertung von Schulbüchern erreicht. An drei von vier Schulen reichte das vorhandene Schulbuchbudget nicht für eine Vollversorgung der Schüler aus, selbst bei Wiederverwendung von Schulbüchern.

Geringe Akzeptanz bei Buch-Wiederverwendung

87 Prozent der Schulen organisierten eine Wiederverwendung von Schulbüchern. Diese wurde allerdings u.a. durch den wachsenden Anteil an Arbeitsbüchern, die mangelnde Haltbarkeit, die Kurzlebigkeit von Schulbüchern, die geringe Akzeptanz der Wiederverwendung und den hohen Aufwand für die Schulen erschwert. Die Prüfer empfehlen daher, in den Verhandlungen mit den Schulbuchverlagen zu versuchen, beispielsweise Neuauflagen mit nur unwesentlichen Änderungen zu verringern.

Mitterlehner kündigt neue Selbstbehalt-Regelung an

Der für die Abwicklung der Schulbuchaktion hauptverantwortliche Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) kündigte am Donnerstag eine Neuregelung für den Schulbuch-Selbstbehalt an. Mitterlehner teilt die Meinung des Rechnungshofes und bezeichnete die derzeitige Lösung für Eltern und Schulen als "zu kompliziert". Er will deshalb im Rahmen der Budgeterstellung "ein neues und sehr vereinfachtes Modell" präsentieren, so Mitterlehner in einer Aussendung.

Dieses neue Modell, über das derzeit noch keine Details bekannt gegeben werden, sei in den Grundzügen fertig. "Es wird den bürokratischen Aufwand für alle Beteiligten beträchtlich reduzieren", ist Mitterlehner überzeugt. Es soll zu Beginn des nächsten Schuljahres in Kraft treten. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 36
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metalwoman
22.09.2010 11:57
Das endet wieder in Bürokratie

wenn man sich anschaut, welchen Aufwand es schon kostet, die Zahlscheine für die Eltern mit und ohne Beitrag fürs Religionsbuch bereitzustellen...

metalwoman
22.09.2010 12:01

Außerdem sind die Beiträge in jeder Schule anders, weil überall andere Schulbücher verwendet werden und sogar in der gleichen Schule die nächste KLasse nicht zwingendermaßen die gleichen Bücher verwendet. Es soll ja auch Leute geben, die Schulbücher von den Geschwistern wiederverwenden.

DagmarRehak
 
10.09.2010 21:53
No, prack!

Das ist eine Exekution ohne Exekutionstitel. Aber "bequemer" rechtfertigt wohl jeden Rechtsbruch.
Was ist mit den Eltern, die alle Bücher gebraucht übernehmen?
Was ist mit behinderten Kindern, die keine normalen Schulbücher haben?
Was ist mit den häuslich unterrichteten Kindern, die nicht einmal Anspruch auf fast-gratis-Schulbücher haben, sondern sie zum vollen Preis kaufen dürfen?
Ich gehe jede Wette ein, denen allen wird ungschaut der Betrag abgezogen, und wenn sie ihn wieder zurückhaben wollen, müssen sie sich schon selber rühren und mühsam beweisen, dass ihnen das Geld zu Unrecht abgezogen wurde.

Murmelchen1
12.09.2010 08:06
Naja, um wahnsinnige Summen geht es ja nicht

und statt, dass dann Hunderttausende Schüler mit Erlagschein herumrennen und tausende Lehrer irgendwelche Listen abgleichen, würden halt ein paar wenige mit einem Formular ihren Selbstbehalt zurückfordern. Ich glaube, das wäre vertretbar. Allerdings wird es so sicher nicht laufen, da werden sicher ganz neue Formulare erfunden, die dann von zig Personen überprüft werden und zum Schluss ist das Ganze teurer als vorher.

jana_einsteinova
15.10.2010 22:55

oder doch besser iPad für alle? ;-)

DagmarRehak
 
12.09.2010 12:46

Das mit dem Formular glaub ich auch. Und dann den rosa Durchschlag abstempeln und in die Box werfen, und den grünen Durchschlag dem Direktor geben, gegenzeichnen lassen und 20 Jahre aufbewahren.
Ist das ganze nicht eh schon teurer als vor dem Selbstbehalt? Oder es WÄRE zumindest teurer, wenn man den Mehraufwand bezahlen würde.
Aber wie dem auch sei: Bei unverlangt zugesendeten Mehrwert-sms handelt es sich auch nicht um große Beträge. Aber abgezogen werden dürfen sie mir trotzdem nicht.

Ich hab mir da weiter unten den Tipp mit dem sbx geholt und bin begeistert. Als ich mir das nur kurz angeschaut hab, ist mein Sohn angerannt gekommen, hat mich weggeschubst und die ganze Demoversion durchgemacht. In der Schule kann es zwar auch ganz lustig sein, aber mit so einer Verve sind da die Kinder glaub ich nicht dahinter. Online-Lernen ist DIE Lernmethode der Zukunft. Und wenn es etwas gibt, wo das Kind nicht am End furchtbar piefkelt (Caillou und Schlaumäuse zB mag ich deswegen nicht), noch besser.

ulli zeller
10.09.2010 20:02
gibt es hier eltern

die sich noch erinnern können, dass alles mit einer GRATISschulbuchaktion begann? nichts war dazuzuzahlen! dann kam ein "selbstbehalt" von 10% des gesamtpreises der bücher, die das betreffende kind ERHALTEN hat. dann wurde diese berechnung als zu kompliziert erachtet (musste der lehrer machen und abwickeln), also wurden einfach 10% der summe kassiert, die maximal für einen schüler der betreffenden klasse ausgegeben werden durfte (klassenlimit), egal, wie viele bücher das kind tatsächlich neu erhielt. mich hat immer gewundert, dass sich eltern nicht geschlossen gegen diese vorgangsweise gewehrt haben. ich glaube, das wunschziel der regierung ist, eltern überweisen jeden september dem familien-/finanzministerium einen netten betrag ...

RS69
16.10.2010 18:21

Die 90% der Bücher sind ja noch immer deutlich mer als die 10% der Maximalsumme.

DagmarRehak
 
10.09.2010 21:48

Was hat das Kind erhalten? Ich kann mich nur erinnern, dass die Eltern 10% zahlen mussten.

Quim Barreiros
09.09.2010 19:21
Tja

Da kann man durchaus noch viel einsparen. Es soll Schulen geben, wo Bücher bestellt werden, die dann NIE verwendet werden. Für notwendige Bücher fehlt dann das Geld.

Sche
10.09.2010 08:13
Tja...

...wenn das so einfach wäre. Ich würde auch lieber Jugendliteratur statt eines unbrauchbaren Deutschbuches bestellen, geht aber nicht, weil die nicht in der Schulbuchliste zu finden ist.

Übrigens: Der Schulbuchselbstbehalt bleibt immer gleich hoch (Ausnahme: mit oder ohne Religion), auch wenn z. B. das NIE verwendete Deutschbuch NICHT bestellt wird.

Murmelchen1
12.09.2010 07:52
Das stimmt so nicht.

Wir verzichten schon lange auf bestimmte Bücher. Z.B. bei den computerbezogenen Fächern (Office Management, Angewandte Informatik und wie sie alle heißen), denn da ist der Inhalt schon veraltet, wenn das Buch akkreditiert wird. Wir schreiben in diesen Fächern unsere Unterlagen selber und stellen sie Online zur Verfügung. Außerdem sind im Kollegium alles so ehrlich es zu sagen, wenn sie ein Buch wirklich nicht unbedingt brauchen. Das Geld, das wir dann unter dem Schulbuchlimit liegen, steht uns dann als "Unterrrichtsmittel freier Wahl" zur Verfügung und wir können davon dann auch Sachen kaufen die nicht auf der Schulbuchliste stehen und die Eltern so entlasten (Klassenlektüre, ...) bzw. wirklich gute Bücher kaufen.

Sche
12.09.2010 12:42
Schulbuchmittel eigener Wahl...

...ist korrekt, stehen aber nicht gleich am Schulanfang zur Verfügung, sondern erst, wenn die Schulbuchaktion vom Finanzamt abgeschlossen wurde - sprich im 2. Semester.

Und wie gesagt, der Schulbuchselbstbehalt bleibt der gleiche, egal ob nun auf bestimmte Bücher verzichtet wird oder nicht.

Daskleineichbinich1
14.09.2010 08:45
Blödsinn, selbstverständlich stehen sie zu Schulbeginn zur Verfügung.

Sche
22.09.2010 15:18
Nun, wenn dem so ist...

...gebe ich diese Information gerne an meinen Direktor weiter.
Bei uns ist es jedenfalls erst ab dem 2. Semester erlaubt, aus dem Topf "Unterrichtsmittel eigener Wahl" Bestellungen vorzunehmen.

Murmelchen1
16.09.2010 19:19
Also wir wissen den Betrag der uns zur Verfügung steht,

spätestens Mitte Oktober, d.h. Ende Oktober haben alle ihre "Unterrichtsmittel eigener Wahl".

Firemonkey
09.09.2010 16:55
Man muss halt ernsthaft im 21. Jhdt mal über die

Schulbuchverlage diskutieren. Wollen sie weiterhin Bücher an die Schulen verkaufen, müssen diese massiv billiger werden (bei Medikamenten hat man es mittlerweile geschnallt dass sie zu teuer sind).

Warum stellt der Staat eigentlich keine Lehrer für die Erstellung der Unterrichtsmaterialien wie Bücher an? In ein paar Jahren wird eh auf Ebooks umgestellt (derzeit sind die Ebook Reader aber noch nicht so weit) und spätestens dann sollte auch die Erstellung von Unterrichtsmaterialien im 21. Jhdt angekommen sein.

Sche
10.09.2010 08:28
Ich will...

...auf gar keinen Fall den Eindruck erwecken, die Schulbuchverlage in Schutz nehmen zu wollen, aber ich glaube, Sie tun diesen unrecht.
Bücher werden, wie so ziemlich alles im Leben, teurer, nur der Staat hat verabsäumt den Pro-Kopf-Betrag anzupassen. An der PTS ist dieser z. B. schon seit vielen Jahren knapp unter 90 Euro. Man kann sich vorstellen, dass um diesen Betrag von Jahr zu Jahr weniger Bücher angeschafft werden können.
Die Schulbuchverlage sind übrigens durchaus im 21. Jhdt. angekommen, SBX (Online-Inhalte zu den Schulbüchern) ist fast schon der Normalfall, allerdings so kompliziert in der Handhabung, dass sich das kaum jemand antun möchte. Da bräuchte es einfachere Zugangsmöglichkeiten - und natürlich Internet für ALLE!

DagmarRehak
 
11.09.2010 16:44
Danke für den Tipp mit dem SBX!

Allein die Demoversionen waren sehr interessant.

Firemonkey
10.09.2010 10:39
"so kompliziert in der Handhabung, dass sich das

kaum jemand antun möchtw." Eben sie sind noch nicht im 21. Jhdt angekommen.

Die Frage die ich jetzt aufwerfe meine ich ernst: Benötigen wir Schulbuchverlage "überhaupt" noch?
Der Hintergrund ist, dass die Ausbildung von Lehrern immer mehr hin zu Universitäten geht. Dort soll ja nicht nur gelehrt werden sondern eben auch wissenschaftlich gearbeitet werden. Die Profs. dort werden doch so wie an anderen Unis auch ihre Unterlagen weiterentwickeln. Und es müsste doch ein leichtes sein, dort Unterrichtsmaterialien zu erstellen. Dazu Dissertationen wie man diese Materialien so weiterentwickelt dass der Stoff möglichst leicht von den Schülern aufgenommen wird, etc. ....

Mehrwolf
10.09.2010 14:50

Irgendwer muss die Schulmaterialien aber auch so gestalten, dass die Schüler sie auch benützen wollen. Es hilft ja nichts, wenn ein Mathematiker ein einfach zu verstehendes Mathe-Buch mit LaTeX im A4-Format schreibt, welches in der Aufmachung einfach nur langweilig ist. Dann brauchen Sie erst recht wieder jemanden, der die Grafiken ordentlich macht, der den Satz macht, der sich mit dem Druck auskennt und voila sind Sie bei einem Verlag gelandet.

Firemonkey
10.09.2010 16:00
Kann schon sein dass man derzeit noch einen

Verlag benötigt. Aber die Zeiten für die Schulbuchverlage sind spätestens in ein paar Jahren wenn ausgereifte Ebookreader in den Schulen Einzug halten entweder vorbei, oder es müssen zumindest die Kosten massivst sinken. Es kann nicht sein dass der Staat dann für digitale Kopien pro Stück bezahlt, sondern er wird einen geringeren Betrag als bisher bezahlen egal wie oft dieses Buch in Öst. und über wieviele Jahre dieses dann verwendet und verbreitet wird. Also pro Buch einen Fixbetrag und aus. Dazu noch nur noch alle paar Jahre eine Neuauflage.
In Wahrheit ändert sich jetzt meist schon nicht viel, aber durch die geringe ohne pädagogischen Hintergrund erfolgte Änderung wird eine Weiterverwendung effektiv verhindert.

Murmelchen1
12.09.2010 08:02
Was ich den Verlagen wirklich ankreide ist,

dass nicht einmal mehr Lehrerexemplare für jede Klasse rausrücken. Langsam wirds wirklich abenteuerlich, wenn ich mir neben Computer, Drucker, Internetanschluss, Fachbüchern, etc... auch noch die unmittelbaren Unterrichtsmaterialien selber kaufen muss.

Sche
12.09.2010 12:46
Das ist leider wahr...

...dazu kommt, dass die LehrerInnen nur alle paar Jahre ein neues Lehrerexemplar erhalten.
Dadurch kommt es dann zu teilweise "skurilen" Abgleichversuchen zwischen Schüler- und Lehrerbuch.

Bleibt aber immer noch die Möglichkeit, wie Sie richtig feststellten, dass man sich das notwendige Buch eben selber kauft - man gönnt sich ja sonst nichts ;-)

gurgl
09.09.2010 16:07
HÖCHSTE ZEIT!

Der Unsinn mit den Extra-Erlagscheinen für symbolische Beträge kann wirklich durch Gegenverrechnen ganz einfach gelöst werden.

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