15 Tote bei Anschlag auf Markt in Wladikawkas

9. September 2010, 20:54

Achtzig weitere Menschen bei Attentat in nordossetischer Hauptstadt verletzt

Moskau - Zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan haben mutmaßliche Fundamentalisten in der Konfliktregion Nordkaukasus ein neues Blutbad angerichtet. Diesmal zündeten Selbstmordattentäter eine Bombe in der christlich geprägten russischen Teilrepublik Nordossetien.

Bei dem Selbstmordanschlag auf einen belebten Markt in der russischen Großstadt Wladikawkas, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Nordossetien, haben mutmaßliche Islamisten mindestens 16 Menschen getötet. Weitere 110 seien bei dem Attentat am Donnerstag verletzt worden, als zwei Terroristen in ihrem Auto die Bombe mit einer Sprengkraft von bis zu 40 Kilogramm TNT zündeten. Das teilte das Innenministerium der Teilrepublik Nordossetien nach Angaben der Agentur Interfax mit. Der Wagen hatte ein Nummernschild der angrenzenden muslimisch geprägten Konfliktrepublik Inguschetien.

Die Explosion am letzten Tag des für die Muslime heiligen Fastenmonats Ramadan beschädigte zahlreiche Gebäude, Autos brannten aus. Das russische Staatsfernsehen zeigte Bilder der Verwüstung. Der russische Präsident Dmitri Medwedew und Ministerpräsident Wladimir Putin verurteilten den Anschlag. Sie forderten die muslimische Gemeinschaft auf, bei der Verhinderung solcher Bluttaten zu helfen.

Die Sicherheitsvorkehrungen im ganzen Land wurden verschärft. Nach einer anonymen Bombendrohung evakuierten die Behörden in Nordossetien alle Schulen und Kindergärten. Vor sechs Jahren hatten Islamisten im nordossetischen Beslan den bisher folgenschwersten Anschlag in Russland verübt. Damals starben mehr als 330 Menschen, darunter 168 Kinder.

Bereits im März 1999 waren bei einem Anschlag auf den Zentralmarkt von Wladikawkas 52 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt worden. Im November 2008 starben zwölf Menschen, als eine Selbstmordattentäterin sich in der Stadt in die Luft sprengte.

Präsident Medwedew beorderte seinen Sondergesandten für den Nordkaukasus, Alexander Chloponin, zum Anschlagsort. Sicherheitskräfte konnten eine zweite Bombe entschärfen, die am Eingang zum Markt versteckt war. Auch in der Hauptstadt Moskau wurde die Alarmbereitschaft erhöht.

Die Terroristen wollten mit dem Anschlag Zwietracht säen, sagte Regierungschef Wladimir Putin bei einem Treffen mit dem höchsten muslimischen Geistlichen Russlands. "Wir zählen darauf, dass die muslimische Bevölkerung einen entscheidenden Beitrag zum Kampf (gegen den Terrorismus) leisten wird."

In den muslimisch geprägten Konfliktrepubliken im Nordkaukasus - Tschetschenien, Inguschetien und Dagestan - kämpfen islamistische Separatisten gegen kremltreue Einheiten für ein unabhängiges "Kaukasus-Emirat". Die Lage in der Region gerät trotz milliardenschwerer Investitionen und starker Präsenz von Sicherheitskräften zunehmend außer Kontrolle. Mittlerweile steigt die Zahl der Terroranschläge in südrussischen Städten. Die Untergrundkämpfer hatten wiederholt angekündigt, den Terror auf das ganze Land auszuweiten. (APA)

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20 Postings
cremeflöte
 
52
10.9.2010, 09:41

Eine Katastrophe wie diese ist eigentlich nicht geeignet, sich zu streiten.
Ein paar Ungereimtheiten darf man aber wohl anführen. Wieso war schon unmittelbar nach der Explosion klar, dass es sich um einen Selbstmordattentäter gehandelt hat. Selbstmord war gar nicht nötig. Der Attentäter brauchte bloß den Wagen parken und weggehen...
Und was sollen das für Verdächtige sein, die schon Stunden nach dem Attentat verhaftet wurden? Den Selbstmordattentäter konnte man ja nicht mehr nach Komplizen befragen. Das Vorgehen der Behörden sieht nach Show aber nicht überzeugend aus.

Und es bleibt dabei, es handelt sich im russischen Kaukasus zu einem gehörigen Anteil um einen sezessionistischen Konflikt, weniger um einen islamistischen.

Loquer Mar
00
18.9.2010, 15:23
Definitionssache

"Und es bleibt dabei, es handelt sich im russischen Kaukasus zu einem gehörigen Anteil um einen sezessionistischen Konflikt, weniger um einen islamistischen."

Natürlich muss man um einen Gottesstaat errichten zu können, sich irgendwie zu nächst abspalten. Wie man zB auch in den dortigen Kreisen Kopf vom Rumpf abspaltet. Daher ist es auch kein "sezessionistischer Konflik" sondern ein "moralisch-philosophischer Konflikt" (natürlich ohne jegliche islamische Wurzel), da hier die Wahhabiten klar auf der moralisch überlegenerern Seite stehen. Demnächst also bitte nur noch diese Formulierung verwenden.

Red Core
01
10.9.2010, 00:35

Von dem spricht nur nicht putin sonern ganz russland

pepitant
01
mutmaßliche Fundamentalisten,

mutmaßliche Islamisten...
Von Terroristen spricht offenbar nur Putin ?

sonne-licht
 
00
aufmerksamkeit erregen

um mehr gehts nicht!

gedenken an die unschuldigen die sterben mussten
und hinterbliebenen die verzweifelt zurück bleiben!

wannst dir ansiehst, wo wladikawskas liegt wird dir bewusst wie unwichtig "jeder" als mensch ist!

OhOhOh
 
01
10.9.2010, 04:23
Was meinst Du mit Unwichtig?

ich war vor gute 3 Wochen noch in Wladikawkas. Und da ist jeder genauso wichtig wie anderswo. Von gastfreundlichen und lieben Menschen mal ganz zu schweigen. Ausserdem haben die die besten Automechaniker. Da kommen sogar Scheichs hin.

a grünes stricherl
 
00
was reizt islamisten eigentlich so an der vorstellung unschuldige muslime hinmetzeln zu dürfen?

Starwolf90
111
Koran verbrennen oder Leute in die Luft sprengen

Was ist schlimmer? Es geht sogar schon so weit das sich die US Außenministerin und sogar die UNO ihren Senf zu einer Koranverbrennung dazu geben müssen mal sehen wie sie jetzt du dem Anschlag stehen, wahrscheinlich kommt garnix. Typische Appeasment-Politik.

Noitulover
00
10.9.2010, 00:06

Obama hat den Anschlag bereits verurteilt und sein bedauern geäußert.

Helicopterman
28
Scheinbar

das Markenzeichen islamistischer Fundis weltweit: das zynische Hinmetzeln unschuldiger Zivilisten!

Ha Ko
41

Na ja wenn die Nummerntafel des Bombenautos aus einer Islamischen Region stammt …
also Islamisten, …

cremeflöte
 
143

Es wird gerne übersehen, dass der Konflikt im Nordkaukasus zu einem großen Teil eher nationalistisch als islamistisch ist. Die Menschen wollen das gleiche Recht von Moskau haben, das der Kreml jenseits der Grenze den Abchasen und Südosseten großzügig zugesteht: Unabhängigkeit.
Die doppelzüngige Strategie wird Russland jetzt zum Verhängnis. Mit dem Unrecht, das man den Georgiern zugefügt hat, wird man jetzt in den eigenen Grenzen konfrontiert.

Das ändert aber nichts daran, dass es sich um einen feigen und hinterhältigen Terrorakt gehandelt hat. Größtes Mitgefühl den Opfern und ihren Angehörigen. Rechtsstaatliche Bestrafung den Tätern.

bixente uhudla
 
12
10.9.2010, 09:52

unabhängigkeit ist den islamisten scheissegal
...würde in russland die scharia gelten,würde die unabhängigkeit von moskau keien rolle spielen
...die islamisten träumen ja auch nicht von unabhängigen und freien staaten,sondern vom kalifat-was so ziemlich das gegenteil von unabhängigkeit bedeuten würde,das wäre dann eine neue zentralmacht,der sich die einzelnen völker(tschetschenen,inguscheten,dagestaner) erst wieder unterordnen müssten...zudem nordossetien,wie schon im artikel erwähnt,mehrheitlich christlich geprägt ist-die wären dann im kalifat bloß menschen zweiter klasse

Weiß der Kuckuck ...
04
10.9.2010, 08:18

Es ist schon ziemlich unwahrscheinlich, dass ein Selbstmordattentäter nationalistische und keine religiösen Motive hat.
Die sind in der Geschichte in der Minderheit.

Warentester
312

Sie wissen aber schon, was damals in Tschetschien los war, als Moskau ihm defacto die Unabhängigkeit zugestanden hat? Das war die Hölle in bunt, und eine Terroristenzuchtanstalt die in alle umliegenden Regionen abgestrahlt hat, das es eine Freude war.

Franz B
82
Unabhängigkeit?

Soviel ich weiss, hat Moskau die von Dudajew ausgerufene Unabhängigkeit nie anerkannt.

BMA
110
Kennen Sie den Unterschied zwischen "defacto" und "dejure"?

Der Vorposter schrieb defacto.

Franz B
30
10.9.2010, 09:38
defacto

Denn Unterschied gibt es hier nicht, Moskau hat die Unabhängigkeit auch defacto nicht anerkannt.

"Grund für das Eingreifen russischer Truppen waren die Machtbestrebungen Russlands, da die von Dudajew ausgerufene Unabhängigkeit Tschetscheniens nicht akzeptiert wurde." (Wikipedia)

Noitulover
06
10.9.2010, 22:54

"Nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages von Chassawjurt 1996 wurde Tschetschenien de facto, allerdings nicht de jure eine unabhängige Republik."
(Wikipedia)

Übersehen Sie sowas zufällig oder mit Absicht?

Svyatoslav Bulanenkov1
00
21.9.2010, 11:47
aha, haben sie den vertragstext selbst gelesen oder durch wikipedia-brillen?

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