"Zähle die Stunden schon lange nicht mehr"

Oliver Mark
9. September 2010, 11:36
  • Wolfgang Anzengruber: Arbeitstage "beginnen meist um acht Uhr und enden selten vor Mitternacht".
    foto: verbund

    Wolfgang Anzengruber: Arbeitstage "beginnen meist um acht Uhr und enden selten vor Mitternacht".

Wolfgang Anzengruber, Verbund-Chef, im Karriere-Telegramm über seinen Beruf, Stressbewältigung und wie man Strom spart

derStandard.at: Wie sieht ein "typischer" Arbeitstag von Wolfgang Anzengruber aus?

Anzengruber: Es gibt keine Typik, außer dass alle Tage sehr lange sind, aber deshalb sicher nicht langweilig. Sie beginnen meist um acht Uhr und enden selten vor Mitternacht. Meistens ist es eine Mischung aus Terminen in Österreich oder im Ausland mit Kunden, Mitarbeitern, Kollegen aus der Branche, mit Journalisten, mit Banken etc.

derStandard.at: Wie viele Stunden arbeiten Sie im Schnitt pro Woche?

Anzengruber: Ich zähle die Stunden schon lange nicht mehr. Was zählt, ist der möglichst erfolgreiche Output. Die Wochenenden gehören meiner Familie in Salzburg, aber unter der Woche, wenn ich in Wien wohne, bestimmt die Arbeit mein Leben.

derStandard.at: Wie entspannen Sie sich vom beruflichen Stress?

Anzengruber: Unter der Woche am besten im Kaffeehaus, mit Zeitungen. Am Wochenende mit meiner Familie, ein wenig Laufen, Bergwandern und vielen Büchern, aber kaum Fachliteratur. Derzeit lese ich "Das Vaterspiel" von Josef Haslinger.

derStandard.at: Welches Rezept haben Sie, um Berufliches und Privates unter einen Hut zu bringen?

Anzengruber: Zwei Wohnsitze. Einen Arbeitswohnsitz in Wien und einen Familienwohnsitz in Salzburg.

derStandard.at: Was war Ihr bis jetzt größter Karriereerfolg bzw. Karriereflop?

Anzengruber: Aktuell freuen mich die positiven Entscheidungen für die geplante erste Kapitalerhöhung bei Verbund seit dem Börsegang 1988. Über Erfolge und Misserfolge der Vergangenheit denke ich nicht nach, mich interessieren heutige Aufgaben und zukünftige Ziele viel mehr.

derStandard.at: Welche beruflichen Vorbilder haben Sie?

Anzengruber: Ich eifere keinem Idol nach. Mich beeindrucken vor allem Menschen, die trotz Karriere die Bodenhaftung nicht verlieren.

derStandard.at: Sollten alle Gehälter in Österreich transparent gemacht werden?

Anzengruber: Mein Gehalt wird bereits im jährlichen Geschäftsbericht offengelegt, daher könnte ich es mir einfach machen und ja sagen. Aber Transparenz ist leider kein Mittel gegen Neid und daher für alle Gehälter sinnlos. Gut hingegen ist die Transparenz der Gehaltsstufen, das gibt Orientierung und spornt vielleicht an.

derStandard.at: Sind Sie im Urlaub für geschäftliche Dinge erreichbar? Rufen Sie Ihre Büro-Mails ab?

Anzengruber: Telefonisch erreichbar bin ich immer, aber meine Mails versuche ich nicht abzurufen. Gelingt leider nicht immer, heuer nur an vier Tagen.

derStandard.at: Welchen Traumberuf hatten Sie? Was wollten Sie als Kind werden?

Anzengruber: Traumberuf hatte ich keinen, aber ich habe mich schon als Kind für Technik interessiert. Mein Firmpate hatte ein Elektrogeschäft. Jeden Samstag war ich dort und habe versucht zu helfen. Wie das funktioniert, hat mich fasziniert, und war sicher der Grund, warum ich eine technische Ausbildung gemacht habe und viele Jahre auf verschiedenen Seiten der Energiebranche gearbeitet habe.

derStandard.at: Über welche drei Eigenschaften sollten gute Mitarbeiter unbedingt verfügen?

Anzengruber: Freude an der Arbeit, konstruktive Kritikfähigkeit, Mut neue Wege zu gehen

derStandard.at: Was ist Ihre größte Schwäche?

Anzengruber: Diese Frage sollte von meinem Umfeld beantwortet werden.

derStandard.at: Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Anzengruber: Da bin ich 64 und habe hoffentlich noch immer eine spannende berufliche Herausforderung.

derStandard.at: Wie sparen Sie Strom?

Anzengruber: Mit einem maßvollen und bewussten Umgang mit Energie und verbrauchsoptimierten Geräten, da kann man Geld und Energie sparen. Das sollten eigentlich alle machen, denn es hilft mit, den generell ansteigenden Strombedarf in den Griff zu bekommen. Strom ist wertvoll, vor allem wenn er aus erneuerbaren Quellen wie Wasser, Wind und Sonne gewonnen wird und fossile, das Klima beeinträchtigende Energieverbraucher - z.B. im Verkehr - ersetzen kann. Bei Wasser und Wind haben wir in Österreich noch Potenzial, aber nicht endlos, bei Sonne muss die Technologie noch reifen und kostengünstiger werden. (derStandard.at, 9.9.2010)

WOLFGANG ANZENGRUBER, geboren 1956 in Steyr, leitet seit 1. Jänner 2009 die Geschicke des börsennotierten Verbunds, Österreichs größtem Stromunternehmen. Zuvor war der 54-Jährige fünf Jahre lang Vorstands-Vorsitzender der Palfinger Gruppe. Anzengruber studierte an der TU Wien Maschinenbau/Betriebswissenschaften. Weitere berufliche Stationen waren bei der ABB Energie AG, ABB Österreich oder der Salzburger Stadtwerke AG.

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3 Postings
aha

interessant, jeden tag bis mitternacht arbeiten und doch immer genug zeit für kaffehaus und zeitungen währen der woche....ein wunderwuzzi !

vielleicht

hat er ja gemeint er sitzt jeden tag bis mitternacht im kaffehaus und liest zeitung;)

Fussballpräsident Windtner macht seinen Job nebenbei. ;-)

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