Jungfernhäutchen - Funktionsloses Relikt?

  • In einigen Kulturen immer noch ein Beweis für die Unschuld der Frau: Das intakte Hymen.
Foto: Tom Kleiner/www.pixelio.de
    foto: tom kleiner/pixelio.de

    In einigen Kulturen immer noch ein Beweis für die Unschuld der Frau: Das intakte Hymen.

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Kritiker bezweifeln die Existenz rudimentärer Organe - Das Jungfernhäutchen macht es der Wissenschaft schwer

Appendix, Steißbein, Tonsillen, Weisheitszähne, Jungfernhäutchen und Co - Die Liste rudimentärer Organe war 1893 noch ziemlich lang. 86 vermeintlich nutzlose Körperteile hat der deutsche Anatom Robert Wiedersheim damals zusammengefasst und als Beweis für die Evolutionstheorie herangezogen. 

117 Jahre später ist die Liste beträchtlich kürzer. Die Funktionsträchtigkeit diverser Organe ist mittlerweile wissenschaftlich belegt. Blinddarm und Tonsillen haben unter anderem den Ruf der Überflüssigkeit verloren. Zahlreiche Kritiker bezweifeln generell die Existenz rudimentärer Organe, tun sich mit dem Jungfernhäutchen vermutlich aber auch schwer.

Kein Schutz vor Infektionen

„Das Jungfernhäutchen besitzt heute keine medizinisch biologische Funktion mehr", konstatiert Claudia Neudecker, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Krankenanstalt Rudolfstiftung in Wien. Der Theorie, dass dieses phylogenetische Relikt der Urzeitfrau als mechanische Barriere diente, kann die Gynäkologin noch folgen. Als Infektionsschutz hält sie das Jungfernhäutchen aber sowohl damals wie heute für ungeeignet. „Ein Schutz vor Keimen kann es nicht sein, weil es ja nie komplett geschlossen ist", erklärt Neudecker.

Vermutlich rührt die Theorie mit dem eventuellen Infektionsschutz daher, dass die Vorstellung über die anatomische Beschaffenheit des Jungfernhäutchens häufig eine vollkommen falsche ist. Und die Bezeichnung „intaktes" Hymen führt noch mehr in die Irre, indem es das Bild einer homogenen Gewebeplatte, die den Vaginaleingang zur Gänze verschließt, impliziert.

Vaginaleingang nur zum Teil verschlossen

Richtig ist jedoch: Das „intakte" Hymen ist eine elastische Membran, die physiologischerweise von mehr oder weniger Löchern durchsiebt ist oder aber Gewebebänder, sogenannte Stege ausbildet. Häufig schmiegt es sich auch als halbmondförmiger Saum an die intravaginale Schleimhaut. Knapp hinter den kleinen Schamlippen gelegen verschließt dieses Häutchen die Scheidenöffnung also immer nur zum Teil. 

„Ist das Jungfernhäutchen verschlossen, dann ist das ein pathologischer Befund", erklärt Neudecker, die in der Rudolfstiftung auch die First-Love-Ambulanz leitet. Spätestens mit dem Einsetzen der Regel wird diese sogenannte Hymenalatresie zum Problem für das pubertierende Mädchen. Das Menstruationsblut kann nicht abfließen, das führt zu heftigen Unterbauchschmerzen. Das Jungfernhäutchen wölbt sich nach außen vor und das Blut staut gegebenenfalls zurück bis in die Gebärmutter (Hämatometra) oder den Eileiter (Hämatosalpinx) zurück.

Seltene Blutung

Aufgrund der anatomischen Bandbreite ist der Begriff „intakt" in Zusammenhang mit dem Jungfernhäutchen jedenfalls ein sehr dehnbarer. Trotzdem gilt in einigen Kulturen und Religionen das intakte, ergo unbeschädigte Hymen immer noch als Beweis für die Unschuld der Frau. Und da die wenigsten Frauen und schon gar nicht deren Männer wissen, wie das jeweilige Jungfernhäutchen beschaffen ist, wird der berühmte Blutfleck auf dem Laken nach der Hochzeitsnacht als Beweismittel für die vorangegangene „Intaktheit" herangezogen.

Ein fragwürdiges Indiz, wenn man davon ausgeht, dass viele Frauen trotz sexueller Kontakte über ein unversehrtes Hymen verfügen und außerdem nicht jede Verletzung des Häutchens auch mit einer Blutung einhergeht. „Eine Studie unserer First-Love-Ambulanz hat ergeben, dass 70% aller befragten Mädchen beim ersten Geschlechtsverkehr keine Blutung hatten", erzählt Neudecker. Trotz der miserablen Beweiskraft einer Blutung beziehungsweise ausbleibenden Blutung ist die chirurgische Rekonstruktion des Hymens ein Angebot, dass so manche Frau für sich nützt. Neudecker bezeichnet die Wiederherstellung des Jungfernhäutchens primär als gutes Geschäft für Chirurgen und befürwortet diesen Eingriff eigentlich nicht. „Meistens gelingt es uns mit den Mädchen gemeinsam eine andere Lösung zu finden", erzählt die Frauenärztin und will die operative „Revirginisierung" nur als letzten Ausweg begrüßen. (derStandard.at, 2010)

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aufklärung tut not - es gibt kein jungfern/häutchen

es ist kein funktionsloses relikt sondern ein mythos aus archaischen zeiten. mit dem das patriarchat bis heute aufgrund seiner frauenfeindl., kulturellen, religiösen vorgaben sich berechtigt fühlt/e, auch i.d. sexualität über frauen bestimmen zu können. viele frauen müssen sich einer hymenrekonstruktion unterziehen, was überhaupt nicht erforderlich ist- das ist ein weiterer unmenschlicher eingriff an körper und seele. es gibt keine haut, die anzeigt, ob eine frau jungfrau ist oder nicht. der mythos ist eine botschaft an weibl. menschen , dass sie nicht selbstbestimmt über ihre sexualität entscheiden können sondern v. aussen auf einen aspekt davon reduziert werden.

http://www.emma.de/news-arti... haeutchen/

Einfach wegreden?

Du meine Güte!

Revirginisierung ist einer der absurdesten Eingriffe an der Frau überhaupt. Direkt nach vaginaler Beschneidung. Man sollte den Schwachsinn verbieten, weil es nur diese zurückgebliebene Mentalität der heiligen Jungfrau (Das ist jetzt nicht im christlichen Sinne gemeint) oder der verdorbenen Schlampe bekräftigt und teilweise ermöglicht. Man muss sich gegen solche hanebüchenen Idiotien stellen und sie bekämpfen.

Wenn die Vorhaut,

Wenn die Vorhaut zuhaut, und die Jungernhaut abhaut, dann..... Blöde Männersprüche, aber lustig

"Jungfernhäutchen - Funktionsloses Relikt?"

Nein, zumindest im deutschsprachigen Raum.

die Meisten verwechseln die Worte Hymne und Hymen, deswegen: wenn es blutet Hymen ;)

immer ein großes Männerproblem ...

;-). Bin froh, dass ich keins hab (Problem). Geht den Männern eigentlich gar nix an.

Der Theorie, dass dieses phylogenetische Relikt der Urzeitfrau als mechanische Barriere diente, kann die Gynäkologin noch folgen

Ich kann diesem Gedanken nicht folgen. Wozu eine mechanische Barriere? Wo doch Keime trotzdem eindringen könnten? Und erwachsene Frauen verfügen ohnehin nicht mehr darüber?

Aufgrund der anatomischen Bandbreite ist der Begriff „intakt" in Zusammenhang mit dem Jungfernhäutchen jedenfalls ein sehr dehnbarer.

Alles ist dehnbar, nix ist fix!!

Nicht alles, was Spaß macht, muß auch Sinn machen.

es macht dir spaß frauen schmerzen zuzufügen?

er reisst es ja nicht mit der zange heraus.

das tut nicht weh.

Muß das wehtun?

Nein.
Im Übrigen kann Schmerz manchesmal auch Lust bereiten.
Aber das übersteigt vielleicht Ihren Horizont.

Ich dachte, das hat Allah so eingerichtet, dass die Männer Frauen und Schl***** leichter voneinander unterscheiden können

irgendeine

vermutung wofür das hymen gut sein könnte wär in einem vermeintlich wissenschaftlich angehauchten artikel aber schon drin gewesen oder?

Ich fordere statt der Gummibärlis eine Ansichtssache ...

Ich kann mir das jetzt auch nicht richtig vorstellen.
Ich bitte um eine grafische Darstellung. Möglichst unter filmischer Einbettung in einen erklärendem Kontext.

bei der gelegenheit könnte man ja endlich auch gleich klären,

warum da stroh rumliegt.

Nanu - dass so etwas heute überhaupt noch ein Thema ist???? ;-)
(... ich dachte mir, zu diesem Thema muss ich jetzt auch meinen Senf dazugeben, da mein Nick Name so gut dazu passt! :-))))

PS: Das Bild mit den Gummibärchen ist schon etwas "hart", oder???? ;-)

Ich bekomm jedes Mal Gusto.... muß mal schauen, irgendwo muß doch noch so ein Sackerl herumliegen....

Sie bekommen Lust und sind auf der Suche nach einem "Sackerl" ? ;-)

nein

dazu hätten sie hartgummi nehmen müssen

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