BP-Report zur Ölkatastrophe zeigt Fehlerkette auf

08. September 2010 19:50
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    Foto: ap/dapd/herbert

    Elf Menschen starben bei der Explosion der Deepwater Horizon am 20. April 2010. Erste Hinweise auf die drohende Gefahr sollen 40 Minuten lang nicht bemerkt worden sein.

BP sieht die Schuld auch bei anderen Unternehmen

London/Wien - BP räumt eine Reihe technischer und menschlicher Fehler ein, die am 20. April 2010 zur Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko geführt haben. Das geht aus dem internen Abschlussbericht des Ölkonzerns hervor, den BP am Mittwoch veröffentlicht hat. Allerdings müssten auch andere Firmen, die an der Ölförderung beteiligt waren, Verantwortung tragen.

Der 193 Seiten umfassende interne Report wurde von einem Team unter der Leitung des BP-Sicherheitschefs Mark Bly anhand von Interviews, Dokumenten und Echtzeitaufzeichnungen erstellt und listet acht Kernfehler auf:

  •  Mängel beim Zement Am Tag vor der Explosion der Ölplattform wurde Zement in das Bohrrohr gepumpt, um einen Austritt von Kohlenwasserstoffen in Form eines Gas-Flüssigkeits-Mixes zu blockieren. Die dabei verwendete Zementmischung soll nicht zu dem gewünschten Effekt geführt haben, was aber sowohl BP-Mitarbeiter als auch Angestellte des Plattformbetreibers Transocean nicht bemerkt haben sollen.
  •  Gasgemisch strömte ungehindert weiter Zwei eingebaute mechanische Barrieren, die das Gas-Flüssigkeits-Gemisch am Weiterströmen hindern sollten, versagten.
  •  Negativer Drucktest Trotz des Ausfalls der Barrieren kamen Transocean- und BP-Mitarbeiter bei einem Drucktest zu dem Ergebnis, der Gas-Flüssigkeit-Mix sei erfolgreich zurückgehalten worden.
  •  Späte Reaktion Die Plattformcrew bemerkte den Austritt des Gemisches erst, als es schon durch das Ventil namens Blowout-Preventer strömte. Von ersten offenbar unbemerkt gebliebenen Anzeichen bis zu einer Reaktion der Mitarbeiter waren bereits 40 Minuten verstrichen.
  •  An falscher Stelle angesetzt Die ersten Versuche, die Situation unter Kontrolle zu bringen, konzentrierten sich auf den Blowout-Preventer - und schlugen fehl. Der Report kommt zu dem Schluss, dass die Mitarbeiter in einem anderen Teil der Bohranlage hätten ansetzen sollen, da sie dadurch etwas Zeit gewonnen hätten.
  •  Gas strömte direkt in Bohrinsel Das Gemisch geriet in den "Mud-Gas-Seperator", das Gas konnte direkt in die Bohrinsel strömen.
  •  Gas über Lüftungssystem verteilt Das Gas strömte direkt in Zonen der Bohrinsel, in denen die Gefahr, dass es sich entzündete, besonders groß war. Gas dürfte über Heizungen, Ventilatoren und das Lüftungssystem in Maschinenräume gelangt sein. Ein Schutzsystem hätte das eigentlich verhindern sollen. Dieses hatte offenbar nicht funktioniert.
  •  Blowout-Preventer (BOP) versagte ganz Der Notfallmodus des Ventils namens Blowout-Preventer, der einen Austritt von Öl stoppen sollte, versagte völlig. Im Report wird festgehalten, dass es Hinweise darauf gebe, dass Tests und die Instandhaltung des BOP von den Zuständigen mangelhaft betrieben worden waren.

Der BP-Report wird nicht die letzte Untersuchung zu dem Vorfall gewesen sein: Verschiedene US-Behörden untersuchen derzeit noch selbst, wie es zu dem Vorfall mit elf Toten kommen konnte. 87 Tage lang war Öl ins Meer geströmt - was sich zur größten Ölkatastrophe der US-Geschichte entwickelte. (Gudrun Springer/DER STANDARD - Printausgabe, 9.9.2010)

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14 Postings
Bumo1
10.09.2010 11:14
würde mich interessieren, wann BP anfängt ...

die Sub Unternehmer zu klagen?

Ganz klar hat BP als "Generalunternehmer" nach Aussen die Verantwortung ... aber die Subunternehmer können sich trotzdem BP gegenüber nicht aus der Verantwortung ziehen wenn diese auf Schadenersatz klagen.

Die Subs kommen da auch nicht raus, wenn sie auf klare Anweisung von BP gehandelt hätten. Es ist nun mal Ihre Verantwortung was Ihr Unternehmen macht.

Wenn ich in Österreich als Sublieferant von meinem Auftraggeber "genötigt" werde, Gesetze und Auflagen zu verletzten hafte am Ende trotzdem ich ... was auch klar ist, denn schlußendlich habe ich ja die Auflagen verletzt.

"Herr Richter, der hat abba gesaagt ich muss den erschießen" zieht wohl vor keinem Gericht

helm.helm
09.09.2010 11:04
verstehe die aufregung hier nicht.

verschwörungstheorien entstehen deswegen, weil menschen nicht glauben, wie trivial, verworren, unlogisch und bizarr die wirklichkeit ist. natürlich ist die ursachenforschung völlig plausibel. weil es sich dabei um eine völlig "normale" ansammlung von schlampereien und nachlässigkeiten handelt, die aus kumuliertem kostendruck, schlechter führung und laissez-faire nach dem motto "passiert ja eh nix" (weil lange nix passiert ist) heraus entstehen.

der fehlerbericht ist ein eingeständnis, dass die bp-internen kontrollen völlig versagt haben. weil am ende *jeder* unternehmer dafür verantwortlich ist, dass subunternehmer die arbeiten tatsächlich so machen, wie vorgegeben. offensichtlich wollte bp einfach nicht genau genug hinschauen...

Pi der Grieche
09.09.2010 13:07
Die Existenz von Verschwörungstheorien widerlegt nicht die Existenz von Verschwörungen.

Es wäre naiv zu glauben, dass alles was in Wirtschaft und Politik passiert, dem puren Zufall überlassen bleibt. Der Bogen spannt sich dabei von Preisabsprachen bis hin zu - von Geheimdiensten vorbereiteten - Staatsstreichen. Dass sich viele Verschwörungen am Ende nicht ausgezahlt haben, ist eine Folge der von ihnen beschriebenen trivialen Vorgehensweise trotz komplexer Wirklichkeit.

ikepod
09.09.2010 10:51
nicht offizielle version

die geld gier war die ursache.

nach aussagen einer person die im ölgeschäft arbeitet
wurde auf vollen touren produziert.
dabei gab es ein gasabscheide ventil das nicht für diese durchsatzmengen ausgelegt war und lief heiss.

trotz mehrmaliger warnung des herstellers des ventiles produzierte BP auf "teufel komm ruas".
die ersten warnungen kamen drei bis vier monate vor der explosion.
zum unfallzeitpunkt waren die alarmanlagen abgestellt damit die arbeiter in ruhe schlafen konnten.

Michael Schmied
09.09.2010 11:12

Der BP-Report ist wahrscheinlich ein Meisterwerk der Ablenkung.
Ist der Online verfügbar, damit man sich eine fundierte Meinung bilden kann?

Da war doch auch eine Meldung ganz am Anfang, dass am Tag vor der Katastrophe die BP Manager ein riskantes Vorgehen erzwangen, um einen Tag schneller zu sein und Ausgaben in vierstelliger Höhe zu sparen. Die Folge sind Milliardenausgaben.

Schrödinger's Cat
09.09.2010 12:35

Den Bericht gibts auf:

http://www.bp.com/sectionge... Id=7064891

@ ikepod: Die Plattform hat keinen Tropfen Öl gefördert, die Explosion passierte noch vor der Fertigstellung des Bohrlochs. Begonnen wurde mit der Bohrung Anfang Februar, also würden mich die Warnungen 3-4 Monate vorher wundern.

Michael Schmied
10.09.2010 11:23

Kann jemand sagen, wie man den Film auf Festplatte speichert:
http://bp.concerts.com/gom/deepw... t_long.htm

ikepod
09.09.2010 13:25

würde mich wundern dass die informationen aus meiner quelle flasch sind.
er machte immerhin alle wirbschaflichen berechnungen der erdölindustrie. petrofinanc

Lord Helmet
09.09.2010 22:12
Habe auch beruflich sehr eng mit der Branche zu tun,

und kann ihnen eines versichern: da wurde nicht produziert, sondern gebohrt. Deswegen hieß es auch Bohrinseln. Soche Sachen sind sehr teuer zu mieten, deswegen schippert man damit weg sobald die Löcher fertig sind und bastelt was fixes hin, oder teilweise auch einen fix verankerten Produktionstanker.

ikepod
09.09.2010 22:28

erscheint sehr logisch merci.

maruh
09.09.2010 09:36

wow

bp untersucht den eigenen unfall und stellt fest das nicht nur bp schuld ist.

so versucht man die schadenersatzforderungen so breit wie möglich zu fächern.

heinz feichtinger
09.09.2010 07:57
Es muss halt schnell gehen !

Immerhin hat man einen Fehlerbericht abgefasst - aber der ist auch mit Lücken und hat damit seine Tücken. Der Urgrund unseres Lebens - der abgrundtiefe Ozean wird uns entschwinden bevor wir ihn noch erforscht haben.
Das Leben jeglicher Zivilisation steht wie immer auf immer wackligeren Beinen - bis diese sich selbst dem Untergang übergibt ! Dasselbe bei der Kernenergie - Schrottreaktoren werden eben weiter gefahren als ein Auto das aushalten könnte. Atombomber aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts werden bis zum Jahre 2046 geflogen (B 52) in der Hoffnung, dass sie doch nicht ihre Atombombenlast fallen lassen müssen.
"Death is so permanently !" Das war das erste Graffito in München - und eindrucksvoll - für mich wenigstens.

Ferdinand Lachinger
09.09.2010 07:49

Wenn Ich mir die angeführten Gründe durchlese kann Ich nicht glauben das sie der Wahrheit entsprechen, klingt vielmehr danach das was vertuscht werden soll.
Denn soviele offensichtliche Fehler traue Ich nicht mal BP zu. Die Wahrheit muß schon sehr heftig sein wenn sich BP als so unfähig darstellt, eigentlich zum Teppen macht ....

DDr.Klugscheisser
09.09.2010 00:33
Nun, die Behörden werden einen 19.300 Seiten langen Report vorlegen in denen

das Versagen der geschmierten Kontrollorgane und Regierungsstellen perfekt...verschleiert wird.

So what.

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