BP sieht die Schuld auch bei anderen Unternehmen
London/Wien - BP räumt eine Reihe technischer und menschlicher Fehler ein, die am 20. April 2010 zur Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko geführt haben. Das geht aus dem internen Abschlussbericht des Ölkonzerns hervor, den BP am Mittwoch veröffentlicht hat. Allerdings müssten auch andere Firmen, die an der Ölförderung beteiligt waren, Verantwortung tragen.
Der 193 Seiten umfassende interne Report wurde von einem Team unter der Leitung des BP-Sicherheitschefs Mark Bly anhand von Interviews, Dokumenten und Echtzeitaufzeichnungen erstellt und listet acht Kernfehler auf:
- Mängel beim Zement Am Tag vor der Explosion der Ölplattform wurde Zement in das Bohrrohr gepumpt, um einen Austritt von Kohlenwasserstoffen in Form eines Gas-Flüssigkeits-Mixes zu blockieren. Die dabei verwendete Zementmischung soll nicht zu dem gewünschten Effekt geführt haben, was aber sowohl BP-Mitarbeiter als auch Angestellte des Plattformbetreibers Transocean nicht bemerkt haben sollen.
- Gasgemisch strömte ungehindert weiter Zwei eingebaute mechanische Barrieren, die das Gas-Flüssigkeits-Gemisch am Weiterströmen hindern sollten, versagten.
- Negativer Drucktest Trotz des Ausfalls der Barrieren kamen Transocean- und BP-Mitarbeiter bei einem Drucktest zu dem Ergebnis, der Gas-Flüssigkeit-Mix sei erfolgreich zurückgehalten worden.
- Späte Reaktion Die Plattformcrew bemerkte den Austritt des Gemisches erst, als es schon durch das Ventil namens Blowout-Preventer strömte. Von ersten offenbar unbemerkt gebliebenen Anzeichen bis zu einer Reaktion der Mitarbeiter waren bereits 40 Minuten verstrichen.
- An falscher Stelle angesetzt Die ersten Versuche, die Situation unter Kontrolle zu bringen, konzentrierten sich auf den Blowout-Preventer - und schlugen fehl. Der Report kommt zu dem Schluss, dass die Mitarbeiter in einem anderen Teil der Bohranlage hätten ansetzen sollen, da sie dadurch etwas Zeit gewonnen hätten.
- Gas strömte direkt in Bohrinsel Das Gemisch geriet in den "Mud-Gas-Seperator", das Gas konnte direkt in die Bohrinsel strömen.
- Gas über Lüftungssystem verteilt Das Gas strömte direkt in Zonen der Bohrinsel, in denen die Gefahr, dass es sich entzündete, besonders groß war. Gas dürfte über Heizungen, Ventilatoren und das Lüftungssystem in Maschinenräume gelangt sein. Ein Schutzsystem hätte das eigentlich verhindern sollen. Dieses hatte offenbar nicht funktioniert.
- Blowout-Preventer (BOP) versagte ganz Der Notfallmodus des Ventils namens Blowout-Preventer, der einen Austritt von Öl stoppen sollte, versagte völlig. Im Report wird festgehalten, dass es Hinweise darauf gebe, dass Tests und die Instandhaltung des BOP von den Zuständigen mangelhaft betrieben worden waren.
Der BP-Report wird nicht die letzte Untersuchung zu dem Vorfall gewesen sein: Verschiedene US-Behörden untersuchen derzeit noch selbst, wie es zu dem Vorfall mit elf Toten kommen konnte. 87 Tage lang war Öl ins Meer geströmt - was sich zur größten Ölkatastrophe der US-Geschichte entwickelte. (Gudrun Springer/DER STANDARD - Printausgabe, 9.9.2010)