Mordrate in Österreich

Bündnis gegen den mörderischen Trend

8. September 2010, 19:37
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    foto: apa/neubauer

    Tatort nach einem Verbrechen in Wien-Favoriten. Die Mordrate ist heuer deutlich gestiegen.

Wenn das heurige Jahr so weitergeht, wird Österreich Ende 2010 eine der höchsten Mordraten seit langem haben - Mit einem "Bündnis gegen Gewalt" will die Innenministerin gegensteuern

Wien - "Wer einen anderen tötet, ist mit Freiheitsstrafe von zehn bis zu zwanzig Jahren oder mit lebenslanger Freiheitsstrafe zu bestrafen." So lautet der Strafrechtsparagraf 75, nach dem heuer bereits 89 Personen in Österreich wegen Mordverdachts verhaftet wurden. Verglichen mit vergangenen Jahren ist die Zahl der Morde damit eklatant gestiegen (Statistik und Strafgesetz machen keinen Unterschied zwischen versuchten und vollendeten Verbrechen). Im gesamten Jahr 2009 wurden 141 Morde und Mordversuche angezeigt.

Das heiße aber nicht, dass jetzt alles generell schrecklicher sei als früher, meint Innenministerin Maria Fekter (ÖVP). Denn bei anderen Gewaltdelikten weist die Statistik zum Teil auffällige Rückgänge aus: Raubüberfälle auf Tankstellen beispielsweise sind heuer im Vergleich zu den ersten sechs Monaten 2009 um 65 Prozentpunkte auf 24 Fälle gesunken. Ähnlich deutlich ist der Rückgang bei Raubüberfällen auf Taxilenker. Handtaschenraube (293 angezeigte Fälle) hingegen haben sich mehr als verdoppelt. Insgesamt wurden heuer laut Zwischenbilanz 40.910 strafbare Handlungen gegen Leib und Leben angezeigt, um 1703 Fälle weniger als im Vorjahr.

"Kompetenzgruppe Anti-Gewalt"

Das Referieren von Statistiken ist Fekter aber zu wenig. Deshalb hat sie die "Kompetenzgruppe Anti-Gewalt" gegründet. Gemeinsam mit Justiz- und Frauenministerium sollen Strategien ausgearbeitet werden, wie Behörden, Schulen, Freizeiteinrichtungen und Ärzte künftig besser vernetzt werden können, um so bereits im Vorfeld etwaige Auffälligkeiten zu erkennen. Die erste Tagung "Bündnis gegen Gewalt" ist für 23. September geplant.

Franz Lang, Leiter des Bundeskriminalamts, beschrieb das derzeitige Dilemma der Polizei so: Bei einem Mord würde lediglich der Täter ermittelt werden, allerdings nicht, wie es zu der Bluttat gekommen sei. "Es gibt eine Reihe von Entwicklungsstufen, die wir nicht kennen", sagt Lang. Diese Gewaltindikatoren sollen nun besser erforscht werden, um künftig vielleicht eine Tat im Vorfeld verhindern zu können.

Besonders bei Jugendlichen erhofft man sich, durch eine bessere Präventionsarbeit eine etwaige kriminelle Karriere verhindern zu können. Würden die einzelnen Einrichtungen in einem Ort vernetzt sein, so könnte man sich, so Lang, etwa ansehen, ob ein Jugendlicher, der in der Schule verhaltensauffällig ist, auch woanders Probleme hat - und so ein umfassenderes Bild bekommen. Danach könnte man etwa den Betroffenen und die Eltern zu einem Gespräch einladen, wo die Lage angesprochen wird.

Als wissenschaftliche Beraterin hat Fekter bereits die Psychotherapeutin und Gewaltforscherin Rotraut Perner ins Boot geholt. Perner nennt zwei Wurzeln für Gewalt: "Das Unterliegen in einem Konkurrenzverhältnis und die Unfähigkeit, mit eigenen Problemen fertigzuwerden ."

Gewalt im sozialen Netzwerk

Ausdrücklich geht es sowohl Fekter als auch Perner nicht nur um körperliche Übergriffe. Unter Gewaltausübung verstehe man auch verdeckt-aggressive Verhaltensweisen wie verbale Angriffe, Drohungen oder Einschüchterungen. Und das alles nicht nur in der realen Welt, sondern auch immer öfter in der virtuellen. Schmähungen und Drohungen via E-Mail, SMS oder in sozialen Netzwerken im Internet müssten genauso ernst genommen werden. Perner: "Was wir brauchen, sind Vorbilder für Gewaltverzicht. Und zwar in einer Art und Weise, die nicht schulmeisterlich wirkt."

Fekter empfiehlt jedenfalls, jegliche Form von Gewalt anzuzeigen: "Vielleicht nicht gleich jedes blaue Auge, das der Junior aus der Schule mitbringt. Aber dann zumindest vom Arzt behandeln und dokumentieren lassen." (Michael Simoner/DER STANDARD-Printausgabe, 9.9.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 63
1 2
roter mob
10
12.9.2010, 20:01
FPÖ wahlpropaganda

jetzt hilft der standard schon unrflektiert dabei, dass wohl die leute genug angst haben, dass sie ihr kreuzerl möglichst beim strache machen.

meine sorge ist nicht die mordrate, sondern die dummheitsrate in österreich!

Franz I. von Kakanien
12

Wenn ich so einen Schwachsinn lese, geht mir das Geimpfte auf!!

Laut Global Peace Index ist Österreich auf der Liste der friedfertigsten Länder an 4. (i.W. VIER) Stelle! Und da zählt u.a. die Anzahl der Tötungsdelikte!

Nachzulesen unter:

http://de.wikipedia.org/wiki/Glob... eace_Index

http://en.wikipedia.org/wiki/Glob... eace_Index

http://www.visionofhumanity.org/gpi-data/

Und Verhaftungen wegen Mordverdachts mit der Anzahl der Morde aus 2009 zu vergleichen ist wieder so typisch für Maria Inkompetentia Fekter!

Alfred Zopf
00
11.9.2010, 07:34
"Ja, genauso ein Schwachsinn, wie das Wetter irgendetwas mit der Umweltproblematik zu tun hätte !"

askalex
15
10.9.2010, 06:51
Da geht's v.a. um ...

... "politische Friedfertigkeit", das hat mit der Kriminalität wenig bis gar nichts zu tun. Außerdem ist es mir völlig wurscht, ob es in Rio de Janeiro oder South Central L.A. gefährlicher ist als in Wien. Man sollte schon dabei bleiben, vergleichbares zu vergleichen. So sind z.B. Zürich und München sicherer als Wien.

Zuletzt ist Fakt, daß sich seit ca. Mitte der 90-iger die Sicherheitslage (von einem sehr sicheren Niveau aus) massiv verschlechtert hat. Ich finde nicht, daß wir das hinnehmen sollten, nur weils wo anders noch schlimmer zugeht.

Franz I. von Kakanien
02
10.9.2010, 09:58

Das hat sehr wohl mit Kriminalität und Gewalt zu tun! Und es ging mir nie darum, Dinge hinzunehmen, sondern Dinge in Relation zu setzen. Und jeder einzelne, gewaltsame Tod ist einer zu viel!

Apfelkern
31
"Kompetenzgruppe Anti-Gewalt"

Wäre ja was für die eigenen Reihen. Aber wenn sie bei sich anfangen, gibt es ja bald keine WEGA mehr.

suboptimal
 
02
12.9.2010, 23:13
Die WEGA ist nicht das Problem.

Mike Brennan ist auch nicht von der WEGA niedergeschlagen worden, sondern von ein paar normal inkompetenten Übergeschnappten, und von denen gibts deutlich zu viele

Drecksau
13

Die FPÖ giesst mit ihrem Slogan "Mehr Mut zu Wiener Blut" zusätzlich Öl ins Feuer.

buena1vista1
03
Na geh'

wir wollten doch unbedingt CHICAGO sein ...

hexe caracas
20
die Morde gehören analysiert und die Menschen

geschult (Prostituierte, Taxler, Tankstellenpächter,
Trafikanten - Selbstverteidigung)
Eheleute - "Eheführerschein"
Ausländer - politische Bildung, Menschenrechte
und Selbstmörder sollen bitte nur sich selbst töten
- dann bleiben nur die Zufallsmörder (Floridsdorf, den hat man, glaube ich, nicht verhindern können)

peter schmidt
 
12
der artikel ist von hinten bis vorne einfach seltsam.

1. ergibt sich bei hochrechnung der Zahlen keine steigerung im vergleich zu 2009

2. ist es relativ mutig jetzt in jedem fall bei den bisherigen 89 fällen dieses jahres von Mord zu sprechen. es kann sich ja herausstellen das es Notwehr(überschreitung) war oder eine fahrlässige tötung oder ein Totschlag. d.h. die statistik kann erst seriös nach rechtskraft all dieser fälle erstellt werden.

Im übrigen sit es bei den Einbrüchen auch so eine Sache ob das nicth oft z.b. ein versicherungsbetrug ist.

jedenfalls ist das risiko in österreich bei einer gewalttat ums leben zu kommen gott sei dank um einiges geringer als in den goldenen 60iger jahren.(wers nicht glaubt einfach www.statistik.at nachsehen habe keine lust mehr dauernd selbst zu psten.

Harry Y.
 
00
13.9.2010, 12:31
141 Anzeigen, 89 Verhaftungen:

"angezeigt" heißt nicht "verhaftet".

bloháppátdurchdwöd
02
also

wenn bisher (in 8 monaten) 89 anzeigen, verhaftungen wegen mordes ergangen sind, dann werden es bis jahresende unter annahme von gleichverteilung nicht mehr als 133, 134 anzeigen, verhaftungen werden.

die anzahl sinkt somit im vergleich zum jahr 2009. außer es steht ein blutiges weihnachten bevor ;-)

postingohnenamen
03

hat natürlich überhaupt nichts mit der öffnung der grenzen zu tun.

roter mob
01
12.9.2010, 20:02
lesne sie einmal nach

wie viel % der morde bei uns von menschen begangen werden, die in direkter beziehung zum opfer stehen! dann finden sie die antwort leicht selbst!

Posten schadet der Gesundheit
34
ein erster schritt

könnte der rücktritt maria fekters sein. dann wird alles besser, versprochen!

Kein Witz
00
10.9.2010, 08:30
z.B.?

M L3
02
Ganz egal, wie gut oder schlecht sie ist

Mit ihrem Rücktritt wird mit Sicherheit nicht "alles besser" - dazu muß vor allem jemand fähiger nachkommen!

pox vobiscum
00

Zu dem was nachkommt, da gibt es doch so ein Sprichwort dazu. Ich fürcht´ mich schon richtig:-)

CountOfMonteCrystal
11

JEDER kann der nächste sein!

Octopus Paul
02

jeder/jede!

nicht daß sich wer ausgeschlossen fühlt

De schdadisdig is a hund
00
JedIn !

Octopus Paul
01

so wie prinzessin leia..

Christ Kind
00
JederIn

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