Toter Chef der Sonderkom­mission glaubte an Mittäter

08. September 2010 19:19
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    Foto: apa/marcus brandt

    Fall Kampusch:  Krölls Bruder ist überzeugt, dass der Ermittler "zu viel wusste"

Pilz, Adamovich: Chefermittler der Soko Kampusch glaubte an Mitwisser-Theorie

Graz/Wien - Bereits Ende Juni nahm sich der 58-jährige Grazer Polizeioffizier Franz Kröll das Leben. Die letzten beiden Jahre seines Lebens war Kröll nicht in Graz, sondern in der "Soko Kampusch" in Wien als Chefermittler tätig. Was den Mann, der von Kollegen in der Steiermark als "exzellenter Kriminalist und Aufdecker" beschrieben wird, in den Freitod getrieben hat, dazu gibt es verschiedene Meinungen.

Seitens der Polizei heißt es, Kröll sei nach dem Ende seiner Arbeit für die Kommission mehrere Wochen in den Krankenstand gegangen und habe dann Suizid verübt - wegen "psychischer Probleme". Zumindest "gibt es einen Abschiedsbrief, der das belegt", erzählt Gerhard Lachomsek, ein langjähriger Kollege Krölls in der Grazer Kripo dem Standard. Nachsatz: "Aber davon haben wir hier nie etwas gewusst." Auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, warum sich Kröll getötet habe, bleibt er vage: "Das war eine Mischung aus vielen Gründen".

Krölls Bruder ist jedenfalls überzeugt davon, dass der Ermittler "zu viel wusste". Vor einer Woche wurde nun von der Polizei eine Hausdurchsuchung bei dem Bruder durchgeführt, wie die Kleine Zeitung publik machte. Die Polizei bestätigte dem Standard, dass dabei unter anderem ein USB-Stick mit Dokumenten, Fotos und Berichten zum Fall Kampusch sichergestellt wurden. Der USB-Stick und ein ebenfalls beschlagnahmter Laptop wurden per Anordnung der Grazer Staatsanwaltschaft sofort zum Bundeskriminalamt nach Wien gebracht.

"Die Erben haben angezeigt, dass Dinge aus der Wohnung des Toten fehlen", erklärt Lachomsek die Hausdurchsuchung. Der Bruder hatte einen Schlüssel, den ihm sein Bruder "für Notfälle" gegeben hatte und habe versucht, "das Material, das nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war", an Medien zu verkaufen, "Profil und Österreich waren sicher dabei".

Der Grünen-Politiker Peter Pilz, der - wie berichtet - glaubt, dass der Entführer von Natascha Kampusch, Wolfgang Priklopil, Mitwisser hatte, formuliert seine Vermutungen über die Umstände des Selbstmord drastisch: "Das Innenministerium und die ÖVP haben Kröll auf dem Gewissen. Er stand unter enormen Druck."

"Bericht unter Verschluss"

Denn Kröll habe einen Abschlussbericht verfasst, in dem er "nicht zu dem Schluss kam, der vom Ministerium erwünscht war. Er war der Meinung, dass die Einzeltäter-Theorie nicht stimmt". Pilz kritisiert, dass dieser Bericht "vom Innenministerium unter Verschluss gehalten" wird.

Der ehemalige Vorsitzende der Evaluierungskommission im Fall Kampusch, Ludwig Adamovich, bestätigt die Existenz des Berichts, "wo immer der jetzt liegt". Adamovich habe ihn gelesen und es stimme, dass Kröll, ein "energischer und gewissenhafter Ermittler, der interessante Fragen" stellte, "seine Zweifel hatte, dass Priklopil allein war". Adamovich glaubt aber auch, dass Kröll sich durch seine Versetzung "aus dem operativen in den analytischen Bereich zurückgesetzt gefühlt hat". (Colette M. Schmidt/DER STANDARD-Printausgabe, 9.9.2010)

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jean val jean
10.09.2010 20:51

da kommt einem das gruseln
österreich nicht auf dem weg zur bananenrepublik mit mafiosen elementen, sondern schon mittendrin

Bill Tür
09.09.2010 17:31
Zum nachdenken:

http://www.youtube.com/watch?v=X... re=related

http://www.youtube.com/watch?v=_... re=related

http://www.youtube.com/watch?v=t... re=related

Himmelschreiende Ungerechtigkeit, dass damals bis auf die Bauernopfer alle ungeschoren davongekommen sind... Nicht dass ich den Tod von Kröll als Zeugenbeseitigung hinstellen will, aber trotzdem frage ich mich, ob in Ö wohl auch KP-Ringe belgischer Ausmaße geduldet werden?

seine mama
09.09.2010 13:06

das sollte man auch bei uns öfters machen:

http://www.youtube.com/watch?v=PqglwCInzGs

Andreas Schmidt
09.09.2010 12:22
Der Wappler kann den Namen Arigona nicht mehr hören

Wann ist dieses leidige Thema endlich beendet?

jean val jean
10.09.2010 21:07

erst aufklären dann ad acta legen!

Experte für äh alles
09.09.2010 10:14

Dann können wir ja beruhigt sein, daß nun sämtliche Ermittlungsergebnisse, vielleicht Beweise, sich im Innenministerium befinden und somit so gut wie vernichtet sind.

jean val jean
10.09.2010 21:07

wenn der bruder clever ist, hat er eine kopie zum veröffentlichtwerden
ich kann das nur hoffen

Norbert Müller
 
09.09.2010 12:45
echte schweinerein fliegen frühenstens in 30 jahre auf.

derzeit, solange das ganze mitwissergesocks an der macht ist, sehe ich dazu keine chance. wir müssen noch ein wenig warten.

die Großmutter
10.09.2010 15:39

unbekannt sind die Schweinereien ja nicht, das System hat sich bemüht das Ganze umzudrehen, ist aber doch nicht ganz gelungen. Wie das System mit Natascha, Ihrer Mutter und auch der ganzen Familie umgegangen ist war niederträchtig. Das würde sich für einen Horrorfilm eigen.

TheLaw
09.09.2010 09:38
Ich persönlich GLAUBE niemanden auch nur ein Wort. So tragisch die Geschichte auch war bzw ist.

TRockenmilch
09.09.2010 09:20

und die hausdurchsichung fand statt weil?

Vorname Nachname
09.09.2010 15:27
das ist genau der punkt

was gab es da geheim zu halten?

Achmo Ledbid
09.09.2010 10:22
steht..

...sonnenklar zwischen den zeilen.

verleih nix
09.09.2010 10:45
würde mich auch interessieren

der einfache diebstahl kanns nicht gewesen sein, ist nur ein vergehen, da gibts keine hausdurchsuchung.

weitergabe eines amtsgeheimnisses würde eine mitwirkung des beamten voraussetzen - dazu passt die geschichte mit dem schlüssel nicht.

vielleicht ermitteln sie ja wegen mord am bruder???

Experte für äh alles
09.09.2010 10:12

Soll ich Ihnen den Artikel ein paar Mal vorlesen?

TRockenmilch
09.09.2010 15:29

bitte.

weil irgendwer sagt, dass irgendwas fehlt gibts norm. keine hausdurchsung.

Tschuri Cazzino
 
09.09.2010 08:27
Vielleicht hatte der gute Mann gute Gründe, die nicht bekannt sind,

sich das Leben zu nehmen.
Wenn aber das von Adamovich angedeutete Selbstmordmotiv die "Versetzung aus dem operativen in den analytischen Bereich" der Grund gewesen sein sollte, so handelte es sich um einen psychisch labilen schwer Beeinträchtigten, dessen sonstige Überlegungen (Mehrtätertheorie) auf den Hirngespinstfaktor hin überprüft werden müssen.

Im Übrigen gilt für Karl-Heinz Grasser die Unschuldsvermutung.

David Mungo
09.09.2010 08:14
Das erinnert an den Dutroux-Fall

26 Zeugen starben eines unnatürlichen Todes, bevor sie im Prozess aussagen konnten. Manche behaupten, dass höchste Kreise der belgischen Politik von Dutroux beliefert worden waren.

Felix Schoitl
09.09.2010 15:27

Ja, und das wirft die Frage auf, wer so dringend geschützt werden muss.

Schicke Schickse
09.09.2010 08:01
also nehme ich zur kenntnis: eine ganze reihe von nicht unintelligenten personen nahm oder nimmt an, dass es noch weitere mittäter gab bzw. gibt.

außerdem gibt es eine zeugenaussage, die von einem zweiten täter berichtete.
all diese leute machten und machen das nur aus spaß, weil sie nichts besseres zu tun haben.
deshalb ist eine zeugenaussage dann irrelevant, wenn sich nicht das bestätigt, was herrschende ansicht zu sein hat.
alle anderen zeugenaussagen sind hingegen völlig richtig und berechtigt.
ebenso richtig ist, dass man durch das hören von ö1 korrektes, druckreifes deutsch erlernt. millionen vergleichbarer fälle beweisen das.
dass wesentliche zeugen oder ermittler tot sind, ist reiner zufall. so wie schon in belgien. wobei es in österreich genügt, jemanden für deppert zu erklären - schon ist seine aussage nichts mehr wert.
nein, das ist ein ganz normaler kriminalfall.

Norbert Müller
 
09.09.2010 12:50
sehe ich auch so.

aber für genügt schon vollkommen alleine das faktum (ist inzwischen amtlich bestätigt) dass das innenministerium unter prokop die ermittlungspannen unterm teppich gekehrt hat und dass ganze dann keine persönlichen und politischen konsequenzen hat schon ein so deratiges dickes ding - da braucht man sich wegen den ganzen anderen sachen auch nicht mehr wundern.
und wir schimpfen über länder wie rumänien oder italien wo der grösste offiziele mafiosi allerzeiten sich seine eigenen gesetzte schmiedet - ich glaube manche menschen müssen erst mal in der österreichischen korruptionsrealität ankommen.

hed
09.09.2010 10:22
etwas zu glauben ist eine sache

etwas beweisen zu können eine völlig andere.

jean val jean
10.09.2010 21:04

offensichtlich wurden beweise unterschlagen

Alberta Forgetti
09.09.2010 09:51
Die absolut wichtigste Zeugin lebt und hat gerade ein Buch

veröffentlicht.

Michael Wagner8
09.09.2010 12:57
die wird ihre ganz gunden gründe haben warum nun alles so stehen bleiben soll wie es jetzt ist!

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