Spanien unterlag gegen Serbien in der Neuauflage des EM-Endspiels von 2009 knapp - Türkei ebenfalls im Semifinale
Istanbul - Serbien hat am Mittwoch als erstes Team das
Semifinale bei der Basketball-WM in der Türkei erreicht. Der
Vize-Europameister setzte sich in Istanbul in einer Neuauflage des
EM-Endspiels von 2009 gegen Spanien hauchdünn 92:89 (49:41) durch.
Für die Entscheidung sorgte Point-Guard Milos Teodosic mit einem
Dreipunkter drei Sekunden vor Schluss.
Die Serben nahmen damit nicht nur Revanche für die vor einem
Jahr
im EM-Finale in Polen erlittene 63:85-Schlappe. Sie kippten auch den
Titelverteidiger aus dem Turnier. Ihr Gegner in der Runde der letzten
vier wurde im Abendspiel zwischen Gastgeber Türkei und Slowenien
ermittelt.
Das Duell der besten europäischen Teams des vergangenen Jahres
erinnerte ein wenig an das Südamerika-Derby vom Vortag am Bosporus.
Auf dem Parkett der Sinan Erdem Arena agierten neuerlich zwei Teams
auf Augenhöhe, die einander nichts schenkten und einen offenen
Schlagabtausch lieferten. Die Serben hatten von Beginn weg leichte
Vorteile und lagen bis zur Pause nie im Rückstand.
Das sollte erst nach einem 10:0-Run Spaniens zum 51:49
unmittelbar
nach dem Seitenwechsel der Fall sein. Am Charakter des unglaublich
intensiv geführten Spiels änderte sich aber nichts - sieht man von
einer zwischenzeitlichen "Turnover-Orgie" ab. Für zusätzliche
Spannung sorgte, dass die Führung im dritten Abschnitt gleich zehnmal
wechselte. Im Schlussabschnitt hatten wieder die Serben die längste
Zeit die Nase vorne - den Ausgleich des Gegners beantwortete Teodosic
staubtrocken aus der Distanz zur Entscheidung.
Bei den Siegern bot der ehemalige Traiskirchner Nemanja Bjelica
eine starke Vorstellung. Der 22-jährige Flügelspieler erzielte elf
der ersten 21 Punkte seines Teams. Am Ende hatte er 14 zu Buche
stehen. Beste Scorer bei den Serben waren Novica Velickovic und Marko
Keselj (je 17 Punkte), die Unterlegenen wurden von Juan Carlos
Navarro (27 Zähler) angeführt.
Durch die Niederlage bleibt Spanien erstmals seit 2005 bei
einem
Großereignis ohne Medaille. Dem WM-Sieg vor vier Jahren waren Silber
bei der Europameisterschaft 2007 und bei Olympia 2008 sowie EM-Gold
2009 gefolgt. Die Iberer mussten in der Türkei wohl auch erkennen,
dass sie einen Pau Gasol nicht über ein Turnier vorgeben können. Der
NBA-Star war zwar anwesend - allerdings nicht als Spieler, sondern
als Fachkommentator.
Slowenen gegen Gastgeber ohne Chance
Nach Serbien ist am Mittwochabend auch die Türkei ins Semifinale
der Basketball-Weltmeisterschaft eingezogen. Der Gastgeber bezwang
vor 15.000 fanatischen und restlos begeisterten Zuschauern in der
Istanbuler Sinan Erdem Arena die Auswahl Sloweniens ungefährdet 95:68
(50:31). Der EM-Vierte von 2009 war in dem "Tollhaus" chancenlos. Mit
Serbien - Türkei steht somit die erste Paarung in der Runde der
letzten vier am Samstag fest.
Pausenlose und lautstarke Anfeuerung für die eigene Mannschaft,
gellende Pfiffe für den Gegner: Mit dem Publikum im Rücken übernahmen
die Gastgeber schon ab Mitte des ersten Viertels klar das Kommando.
Weil die Slowenen kein Rezept gegen die gefürchtete Defensive des
Gegners fanden, die Türken andererseits aus beinahe allen Lagen
traumwandlerisch sicher trafen, war die Partie eine sehr einseitige
Angelegenheit. Beste Werfer: Ersan Ilyasova (19) bzw. Bostjan Nachbar
und Sani Becirovic (je 16). (APA)