Netzwerkanalyse

Zirkulation der Ratlosigkeit

08. September 2010 18:54

Die Stabilitätszentren der Österreicher im Spiel gegen Kasachstan liegen im hinteren bzw. zentralen Mannschaftsbereich. Vor allem in der Viererkette zeichnen sich regelmäßige und auf Gegenseitigkeit beruhende Passbeziehungen ab - eine Zirkulationen der Ratlosigkeit angesichts eines Gegners, der kein übermäßig forciertes Pressing praktizierte.

Zwischen Prödl, Kalvak und Dag bzw. Dag, Kavlak und Linz bildeten sich noch die stabilsten Dreiecke im ebenso bemühten wie zerfahrenen Aufbauspiel des Nationalteams. Sowohl Schiemer als auch Kavlak schienen mit der Aufgabe, dem Spiel aus dem Zentrum vertikale Impulse zu verleihen, teils dramatisch überfordert. Eine Variante mit dem dynamischen Leitgeb anstelle des gelernten Innenverteidigers Schiemer wäre gegen einen so defensiv eingestellten Gegner zumindest denkbar gewesen.

Gefährlichkeit nach vorne erzeugte zu Beginn vor allem Harnik, allerdings mehr mit Sololäufen als mit gruppendynamischen Akzenten, was auch seine tendenzielle Isolation im Teamnetzwerk herausstreicht. Kompakter agierte diesbezüglich die linke Flanke, in der Fuchs und Jantscher Ansätze eines modernen Flügel-Doppelpassspiels entwickelten.

Linz beeindruckte durch seine omnilaterale Anspielbarkeit und nicht zuletzt durch seine spielentscheidenden Akzente in der Nachspielzeit. Janko hingegen geriet in seiner Rolle als Spitze im Zentrum zum Gipfel der Harmlosigkeit.

Die Passketten reichten selten über mehrere zusammenhängende Zuspiele hinaus, und die Mannschaft schien von Minute zu Minute tiefer einer lähmenden Furcht anheimzufallen. Unter dem Druck des lange ausbleibenden Torerfolgs bildeten sich Symptome einer wechselseitigen Destabilisierung, die abgründige Einsichten in die schwache mentale Verfassung des Teams bot: Pässe ins Niemandsland, verzweifelter Aktionismus auf verlorenem Posten. (Helmut Neundlinger, DER STANDARD Printqausgabe 09.09.2010)

DIE MEISTEN PÄSSE/PASSVERSUCHE

1. Pogatetz-Fuchs 22
2. Dag-Kavlak 17
3. Prödl-Kavlak 15
4. Prödl-Dag 14
4. Fuchs-Jantscher 14
6. Fuchs-Linz 12
6. Prödl-Pogatetz 12
6. Dag-Linz 12
6. Fuchs-Pogatetz 12
10. Dag-Prödl 11
10. Pogatetz-Prödl 11
0. Kavlak-Prödl 11
10. Fuchs-Kavlak 11
10. Kavlak-Dag 11

AM ÖFTESTEN ANGESPIELT

1. Linz 75
2. Kavlak 74
3. Fuchs 60
4. Schiemer 55
5. Prödl 54
6. Dag 49
7. Pogatetz 46
8. Janko 43
9. Jantscher 42
10. Harnik 36
11. Alaba 20

GABEN DIE MEISTEN PÄSSE

1. Fuchs 82
2. Prödl 77
3. Kavlak 73
3. Dag 73
5. Pogatetz 64
6. Schiemer 60
7. Linz 48
8. Jantscher 30
9. Macho 22
10. Janko 18

SCHLÜSSELSPIELER*

1. Kavlak 147 (73/74)
2. Fuchs 142 (82/60)
3. Prödl 131 (77/54)
4. Linz 123 (48/75)
5. Dag 122 (73/49)
6. Schiemer 115 (60/55)
7. Pogatetz 110 (64/46)
8. Jantscher 72 (30/42)
9. Janko 61 (18/43)
10. Harnik 52 (16/36)
11. Alaba 36 (16/20)

*Gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT

1. Macho 95,45 (21 von 22)
2. Pogatetz 93,75 (60 von 64)
2. Linz 93,75 (45 von 48)
2. Alaba 93,75 (15 von 16)
5. Kavlak 91,78 (67 von 73)
6. Prödl 84,42 (65 von 77)
7. Jantscher 83,33 (25 von 30)
8. Harnik 81,25 (13 von 16)
9. Schiemer 80,00 (48 von 60)
10. Fuchs 76,83 (63 von 82)
11. Dag 76,71 (56 von 73)

TEAMANTEIL ERFOLGREICHER PÄSSE

1. Kavlak 13,37
2. Prödl 12,97
3. Fuchs 12,57
4. Pogatetz 11,98
5. Dag 11,18
6. Schiemer 9,58
7. Linz 8,98
8. Jantscher 4,99
9. Macho 4,19
10. Alaba 2,99
11. Harnik 2,59
11. Janko 2,59

Der Ansatz

Die Spielzüge werden aufgenommen und codiert. Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet, das Ergebnis wird interpretiert. In der Grafik werden die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern verdeutlicht. Die Kreisgrößen ergeben sich aus den Summen angekommener und abgegebener Pässe.

Die Analytiker

FAS.research mit Sitz in Wien und New York war schon bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 sowie bei der EURO 2008 im Einsatz und beobachtet exklusiv für den Standard die Spiele der EM-Quali für 2012.

Team: Ruth Pfosser, Helmut Neundlinger, Harald Katzmair. (red)

www.fas.at

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 68
1 2
ming-li
10.09.2010 09:17
DICO raus

ohne wenn und aber

Cbrando
09.09.2010 16:34
Dreieck der Ratlosigkeit

Kann erweitert werden durch die Raute der Hilflosigkeit: Andreas "hätte-tatti-wari-tore-geschossen-war-u21" Herzog, Leo "Pflicht erfüllt blablabbla" Windtner, Josef "aeeeehhhmmm aehhhhmm schnarch schnarch" Hickersberger und alle Trainer, die "ich setze auf die Jugend"-Geschwafel verbreiten - und das seit Fussballgedenken.

Videobeweis im Fußball. JETZT!
09.09.2010 19:02
Hallo, hallo!

Hicke hatte noch bei jeder Trainerstation erfolg. Das Nationalteam spielte 2008 wesentlich besser und das mit klar schlechterem Material. Von der WM Quali, CL Quali und Meistertiteln ganz zu schweigen. Er hat vielleicht keine Weltklasse, aber ist ein fähiger Trainer, der Taktik nicht überbewertet und immer ein Konzept verfolgt hat.

Herzog ist noch nicht wirklich einzuschätzen. Immerhin ist er selbstkritisch.

AlBundyFan
 
14.09.2010 09:52
jaja sicher - verdrängen ist so schön

genau dasselbe hat doch unter hicke auch schon stattgefunden .... hinten herumspielen aber nach vorne geht garnix war auch bei ihm usus.

es hat halt gereicht, daß man nicht 3 mal weggeballert wird aber bei der EM waren wir trotzdem eines der schlechtesten teams(zusammen mit griechenland) - offensiv ging nix.

aber so blendet halt die zeit.

und dieselben aussagen bzgl potential haben wir schon unter krankl gehört und die werden wir auch in 10 jahren noch hören.
und dann wird man,jetzt kaum vorstellbar, vielleicht mal sagen - unterm dico haben wir noch gut gespielt.
(genau wie jetzt einige bei hicke)

hyde3
09.09.2010 20:37

"ein fähiger Trainer, der Taktik nicht überbewertet"

wer findet den widerspruch?

christian becker
10.09.2010 01:28

Hans Krankl, autsch nein auch ersteres nicht

menf
09.09.2010 14:07
Eingespieltes Team für Österreich: in (Ersatz)

Graztzei (Macho)

Garics(Iberstberger)-Prödl(Dragovic)-Pogatetz(Dragovic)-Fuchs(Ulmer/Iberstberger)

Arnautovic - Scharner - Schiemer - Korkmaz
(Klein-Leitgeb-Junuzovic-Jantscher/Alaba)

Hoffer - Janko
(Okotie? Linz?Wallner?)

En Sabah Nur - Apocalypse
09.09.2010 22:27

Bis auf Schiemer perfekt Drago fix statt Prödl. Scharner soll allein den 6er machen

Garics---Drago-Pogi---Fuchs
----------Scharner
Kavlak--------------Korkmaz
---------Arnautovic
------Hoffer----Janko (aber nicht der vom Dienstag!)

Tereza Stossmich
09.09.2010 12:07
FRAGE

Hätte Ernst Happel so etwas benötigt ? Pro Halbzeit eine Belga durchgezogen und er hätte das gesamte Team zum Teufel gejagt.

Kris99
09.09.2010 15:27
Happel gilt in Holland (und in anderen taktikaffinen Ländern)

als einer der Mitbegründer des "Totalen Fußball" (Original is holländisch, aber ich vegess immer, wie es richtig geschrieben wird... ;-))

http://de.wikipedia.org/wiki/Tota... %C3%9Fball

Kurz gesagt:
Happel war keiner, der ein System nachgemacht, sondern "(mit-)erfunden" hat. Und ist damit der wahrscheinlich einzige Trainer in der Österreichischen Fußballgeschichte, die man ernsthaft in einem Atemzug mit Mourinho oder Hitzfeld nennen darf...

Strangelove
10.09.2010 09:07
Danke! Dazu passend: Once upon a time...

beim FC Tirol Training (Chef: Happel/ Co.: Rinker)
Spielfeld in 4 Rechtecke unterteilt, in jedem Tor ein Tormann, in jedem Viertel 2 Spieler, in jedes Viertel wird ein Ball eingeworfen! Die Übung soll wie folgt ablaufen: Wer auch immer den Ball beim Einwurf erobert (1. Zweikampf) ist Stürmer (z.B. Robert Wazinger), der Verlierer ist Verteidiger (z.B. Hansi Müller), der Stürmer soll nun den Verteidiger überspielen (2. Zweikampf), wer diesen Zweikampf schließlich gewinnt bringt Torschuß an!
Sinn der Übung erschließt sich von selber, oder ?
P.S.: Beim Training aktiv anwesend u. a. die Herrn Pacult und Peischl !! LG Strangelove

Dan12
09.09.2010 15:03

die spieler sind schon ok. wenn es kein system gibt, das kontinuierliches kontrolliertes angriffsspiel erlaubt, können die laufen wie sie wollen. wir haben eben keinen trainer.

TRockenmilch
09.09.2010 13:17

happel hätte ein konzept. das kann man nicht vergleichen mit dem was dico da veranstaltet...

They call me mellow yellow
09.09.2010 13:31
Da Wödmasta

ist neben dem DiCo ja nur auf der Bank gesessen ;-)))

Gerda Soros
09.09.2010 18:47

Ob das Mitschuld an seinem schnellen Ableben als Teamtrainer hatte? Wenn man sich täglich mehrmals auf den Kopf greift/schlägt, kann das dramatische Auswirkungen haben...

criticus maximus
09.09.2010 11:44
oje.

vor dem nächsten spiel wird sich der teamchef beim morgendlichen radeln denken: "der macho hat die höchste erfolgsrate bei seinen pässen. des is doch a toller bursch. der könnt als spielmacher eingesetzt werden."

naja, wenigstens stellt er dann nicht den linz dort hin. ist auch nicht viel besser....

Schweden Krokodil
09.09.2010 11:33
Kommentar von Teamchef No. 5 697 421

Finde seit vielen Jahren am meisten eklatant, daß es in Österreich keine 10er gibt. Goalies, Defensivmonster, Flankenläufer, Stürmer hätten wir ja einigermaßen, auch in der Breite. Aber keinen echten 10er. Seit Herzog, Kühbauer.

Wird wohl (leider) noch 2-4 Jahre dauern, bis Kavlak, Junozovic (beide 21 Jahre, zu wenig spielbestimmend/reif) und vielleicht andere soweit sind, daß es für so eine wichtige Rolle im Team reicht.

Oder man läßt den Astronautivic dort spielen - der traut sich trotz Jugend was, der Narr.

Was sagst du dazu, Teamchef?

Kris99
09.09.2010 15:29
wer heute noch einen 10er fordert

sollte bitte keine Kommentare zu modernem Fußball abgeben, sondern lieber Wiederholungen von Spielen aus den 80er & 90er-Jahren schauen, damals war das nämlich modern...

TRockenmilch
09.09.2010 13:16

10er sind ausgestorben, und das ist gut so.

wir brauchen einen richtigen trainer und eine manschaft wo jeder einzelne die verantwortung übernimmt.
ein 10er ist nur das mundgerechte simplifikationsrezept um kein teamgefüge etablieren zu müssen.
spieltkultur kommt nicht mehr von einem einzelnen sondern von der ganzen mannschaft.
wenn der 10er erst anfängt das spiel aufzubauen ist es viel zu spät (bez. auf raum), und wenn eh alle anderen entsprechenendes aufbauspiel beherrschen brauchen wir keinen freigeist in der zentrale.
wir brauchen 8er, keiner 10er...

emil vita
09.09.2010 19:46
10er leben!

Fast jeder gute Fußballklub hat heute einen 10er/Spielmacher/(Trequartista) ohne den die Elf gleich eine Klasse schlechter spielt. Dieser spielt oft als zentraler offensiver Mittelfeldspieler (= Z.B. Kaka, Özil) oder als hängende Spitze, aber er kann auch im defensiven Mittelfeld (= z.B.Pirlo, X. Alonso) oder am Flügel (= z.B. Krasic, Acimovic, Hofmann) spielen.

Zwischen 2004-2008 war es kurz in Mode verstärkt auf defensive oder am Flügel spielende zu setzen, zur Zeit geht es im Modesystem 4-2-3-1 wieder Richtung klassischer 10er. Verschwinden werden die Spielmacher wohl nie da es immer Spieler mit dem gewissen Etwas geben wird,

TRockenmilch
10.09.2010 10:05

meinen sie jetzt 10er oder spielgestaltende XY.

ein 10er steht zwischen mf und ms/s. seine aufgaben sind rein offensiv. aus der definitivarbeit ist er komplett ausgenommen.

sowas gibts nichtmehr.

Boarding
09.09.2010 21:53

die von ihnen aufgezählten beispiele haben allesamt nichts mehr mit einem 10er zu tun.

emil vita
09.09.2010 22:56

(Mehrfachpost wegen Zeichen Begrenzung, unten ist der Erste)

Vielleicht könnten Sie darlegen, wie Sie einen 10er sehen.

Boarding
10.09.2010 10:14

Hier möchte ich den Extremfall Spanien herausstreichen, die eigentlich ein 4-6-0 spielen. Sprich, größtmögliche Flexibilität durch variablen Einsatz der Spieler. Die Aufgaben im zentralen Mittelfeld werden dabei auf verschiedene Spieler aufgeteilt, die sich aber gegenseitig gut ergänzen können (Xavi, Xabi Alonso, Busquets). Villa ließ sich regelmäßig aus der Spitze zurückfallen, um seinen Mitspielern Räume zu schenken.
Meiner Meinung nach, würde ein 10er hier nur stören, da er aufgrund seiner Eindimensionalität die Anzahl der Varianten drastisch reduziert.

Boarding
10.09.2010 10:06

Für mich war der letzte 10er, der diese Bezeichnung verdient hätte, Riquelme. Nachdem die argentinische Nationalmannschaft mit einem System, das auf ihn zugeschnitten war, extrem schlecht gegen anders organisierte Mannschaften ausgesehen hat, war das Schicksal dieses Spielertyps eigentlich besiegelt. Besonders zurückführen möchte ich diesen Trend darauf, dass ein Spielmacher durch die 2 holding midfielder relativ leicht aus dem Spiel genommen werden kann; und somit das gesamte Gefüge, das sehr auf einen Spieler zugeschnitten ist, zerfällt.
Schauen sie sich die erfolgreichsten Mannschaften dieses Jahres an. Inter, Bayern, Spanien, Holland, Deutschland. Ich seh hier zumindest keine Spielmacher.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 68
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.