Richard Morgan, Chef des britischen Konzerns Sun Biofuels im STANDARD-Interview
Die internationalen Investitionen hätten Potenzial für die Menschen in Entwickungsländern, sagt Richard Morgan, Chef des britischen Konzerns Sun Biofuels im Interview mit Roman Payer.
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Standard: Wie sehen die Investitionen von Sun Biofuels in Afrika aus?
Morgan: Wir haben die Verträge mit Mosambik und Tansania gemäß den geltenden wirtschaftlichen und politischen Richtlinien geschlossen. In Tansania haben wir ein auf 99 Jahre angelegtes Pachtabkommen für 8000 Hektar Land. Die Verhandlungen darüber dauerten über drei Jahre. Wir haben uns verpflichtet, die Gesetze des Landes einzuhalten. Wir haben in Absprache mit der Bevölkerung an den Plantagen deren Grenzen festgelegt. Und wir überwachen diese Grenzverläufe.
Standard: Kann die lokale Bevölkerung von der internationalen Landnahme profitieren?
Morgan: Ja, das tut sie. Im Fall von Tansania zahlen wir an die Dörfer. Insgesamt waren es bisher 280.000 US-Dollar. Inzwischen beschäftigen wir in Tansania über 500 Menschen. Sie bekommen regelmäßig Löhne, und die Menschen können für ihre Kinder Schulgeld bezahlen. In Mosambik haben wir einen bereits existierenden Besitztitel übernommen. Also mussten wir an niemanden zahlen. Es war ein bereits etabliertes Geschäft mit 5000 Hektar. Derzeit beschäftigen wir insgesamt tausend Menschen, und denen zahlen wir als Mindestlohn vier Dollar pro Tag.
Standard: Sind die Arbeiter damit zufrieden?
Morgan: Sie müssen für ihr Geld arbeiten. So wie überall sonst auch. Ich verstehe nicht, warum das so eine große Sache ist. Warum sollten die nicht zufrieden sein mit einem Job, der sie gut bezahlt und mit dem sie ihre Familien ernähren können?
Standard: Kritik wird oft an der Export-Orientierung der Investoren geübt. Warum ist Sun Biofuels exportorientiert?
Morgan: Wir sind nicht zwangsläufig auf den Export aus. Wir evaluieren alle Optionen. Aber naturgemäß, als Unternehmen versuchen wir, den bestmöglichen Preis zu erzielen. Und wenn sich das Produkt über den Exportmarkt am besten verkaufen lässt, wäre ich dumm, nicht zu exportieren. Wir haben große Abnehmer für Biosprit in Europa. Wir müssen das machen, weil das derzeit ganz einfach der einzige Weg ist, Geld zu verdienen.
Standard: Der Weltbank-Bericht verweist auf die positiven Effekte, die Landnahme haben kann. Was denken Sie?
Morgan: Ich stimme dem Bericht absolut zu. Viele UN-Behörden und NGOs sehen die Situation nicht vom geschäftlichen Blickwinkel. Es ist eine Investition in Menschen und Umwelt. Solange diese moralisch in Ordnung ist, ist es eine positive Entwicklung.(DER STANDARD, Printausgabe, 9.9.2010)