"Eiszeit" auf dem Küniglberg sagen Bürgerliche voraus, wenn der Stiftungsrat Donnerstag Karl Amon zum Radiodirektor wählt - Die SPÖ rechnet mit Mehrheit
Wien - "Für Amon hat kein Mensch interveniert, schon gar nicht Bürgermeister Michael Häupl": In "aller gebotenen Schärfe" wies der ORF-General "politische Packelei" zurück. Das war 1998, vor Weihnachten. ORF-Chef Gerhard Weis machte Karl Amon zum neuen Radiochefredakteur.
Weis hatte ihn schon einmal zum Chefredakteur bestimmt: 1992, neu als Wiener ORF-Intendant, holte er den Niederösterreicher ins Landesstudio. Werner Faymann war da längst medienbewusster Chef von Wiener Wohnen und roter Gemeinderat, ab 1994 Wohnstadtrat. Landesstudio und -politik liegen nahe beieinander, man lernt einander gut kennen.
Karl Amon wurde in St. Pölten geboren, wuchs in Vorarlberg auf, ging in Kärnten zur Schule. Dienstorte des Vaters, eines roten Eisenbahners. In Wien studierte Amon Wirtschaft, ab 1978 arbeitete er für den ORF. Politisch sozialisiert sieht ihn die APA in der niederösterreichischen Arbeiterkammer. Die AK ist zentraler Faktor im Netzwerk Werner Faymanns. AK-Direktor Werner Muhm ist sein gewichtigster Mann im Stiftungsrat.
Faymann wollte Amon schon als ORF-Chef statt Wrabetz. 2009 winkte der Journalist so ab: "Ich will, dass Wrabetz bleibt und habe keine Ambitionen auf seinen Job."
Radiodirektor gilt Kennern als "Lebensziel" des 60-Jährigen. Er weiß nicht allein den Kanzler und die Seinen hinter sich: Infodirektor Elmar Oberhauser legt sein Gewicht für ihn in die Waagschale. Amon war Jahre sein Stellvertreter, was ihm den ungeliebten Spitznamen "Unterhauser" eintrug.
1990 wurde Amon Vize von ZiB 2-Chef Oberhauser, mit dem er etwa die Runden Tische entwickelte. 2007 holte ihn Oberhauser, nun Infodirektor, als Chefredakteur ins Fernsehen. Die Radioinformation unter Amons Führung war in schwarz-blauen Zeiten durch die Unabhängigkeit der Berichterstattung im Hörfunk aufgefallen.
Nicht zuletzt Elmar Oberhauser half 2006, eine rot-orange-blau-grüne Mehrheit für Alexander Wrabetz und gegen die ÖVP zusammenzubringen. Er bemüht sich nun um Amons Mehrheit. Derzeit für den Radiodirektor.
ÖVP und FPÖ dürften Donnerstag beantragen, Amons Wahl zu vertagen. Eineinviertel Jahre vor den nächsten ORF-Wahlen brauche es keinen neuen Direktor. Die SPÖ geht von einer Mehrheit für Amon aus, Unabhängige, Betriebsräte, Grüne und Orange könnten da eine Rolle spielen. (fid/DER STANDARD, Printausgabe, 9.9.2010)