Budget

Rot-schwarzes Studiengebühren-Patt blockiert Unis

8. September 2010, 18:27
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    grafik: standard

    Das Budget der Österreichischen Unis von 2010 bis 2012.

Sünkel: Geld muss vom Staat kommen, Studiengebühren nicht genug

Wien - Sieben Monate hat sie es ausgehalten, dann beschloss Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP), das wieder zu fordern, was sie immer schon gefordert hat, seit ihrem Amtsantritt als Ministerin aber nicht mehr fordern durfte, weil das koalitionäre Gleichgewicht ohnehin ziemlich fragil ist: Sie will wieder Studiengebühren, sagte Karl am Wochenende, diesmal pro Lehrveranstaltung und als Höchstbetrag für ein Komplettstudium statt eines Pauschalbetrags pro Semester. Im Februar hatte sie im Chat mit derStandard.at noch gesagt: Mangels Mehrheit sei „das Thema vorerst vom Tisch".

Es kam, was nach so einer schwarzen Forderung immer kommt: ein rotes Nein. Karl legte nach und zeichnete im Kurier eine Drohkulisse, die die Notwendigkeit von Studiengebühren unterstreichen sollte: Ohne 250 Millionen Euro zusätzlich ab 2013 wären Uni-Schließungen und die Kündigung von drei Viertel aller Professoren nötig. 

Der Standard fragte in Karls Büro nach: Wieso genau diese Zahl? Des Rätsels Lösung: Sie habe die „nackte Zahl" 250 Millionen Euro illustrieren wollen - und dieser Betrag „entspricht den Personalkosten von rund drei Vierteln der Professoren".

Auch der Verband Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ) rechnete den Betrag um - in Studiengebühren. Und kam auf 800 Euro pro Semester. „Eine bodenlose Frechheit", meinte ÖH-Chefin Sigrid Maurer (Gras). Für die Grünen ist Karl rücktrittsreif, das BZÖ hält sie für eine Populistin.
Die SPÖ deponierte jedenfalls umgehend ein fünffaches Nein, von Unterrichtsministerin Claudia Schmied angefangen bis Klubchef Josef Cap, der betonte: „Studiengebühren werden mit der SPÖ auch nicht wieder eingeführt." 

Damit ist die Uni-Debatte wieder an dem Punkt, an dem die Rektoren das pure Grauen packt. Sie fürchten, dass der Streit um Studiengebühren die Koalition so blockiert, dass die Unis am Ende wieder übrigbleiben mit ihrer akuten Unterfinanzierung. 

Der Chef der Universitätenkonferenz, TU-Graz-Rektor Hans Sünkel, urgierte „dringend eine solide und nachhaltige Finanzierung auf deutlich höherem Niveau als derzeit". Ab 2013 - bis dahin ist das Uni-Budget fix in den Leistungsvereinbarungen verankert - bräuchten die Unis jährlich „zumindest 300 Millionen Euro" zusätzlich - exklusive Gebäudeinvestitionen. Studiengebühren wären da nur ein „nettes Add-on", also ein zusätzliches Zuckerl. 

Die alte schwarz-blaue Studiengebühren-Version (363,36 Euro pro Semester) brachte den Unis 157 Millionen Euro im Jahr ein, nach der de facto Abschaffung durch eine rot-blau-grüne Mehrheit im September 2008 wurde dieser Betrag den Unis ersetzt, „zusätzlich zur Universitätsfinanzierung aus Bundesmitteln" heißt es in der Uni-Gesetz-Novelle.

Darin verbirgt sich allerdings ein Hammer, der die Unis noch schwer treffen könnte. Denn in Paragraf 141 Absatz 8 steht geschrieben: „Die Universitäten erhalten von 2009 bis einschließlich 2013 jährlich einen Gesamtbetrag von 157 Mio. Euro als Ersatz für den Entfall von Studienbeiträgen." - Dann ist, wenn's nach den Worten des Gesetzes geht, Schluss mit der Refundierung des Ersatzes für die abgeschafften Studiengebühren.

„Eine ganz große Falle"

„Das ist eine ganz große Falle", sagt der Rektor der Wirtschafts-Uni, Christoph Badelt, zu diesem gesetzlichen Damoklesschwert. Er unterstützt im Standard-Gespräch zwar Karls Analyse, dass ein „Einfrieren der nominellen Uni-Budgets dramatischste Folgen haben und sich massiv im Leistungsangebot niederschlagen würde, weil wir jetzt schon total überlastet sind". Ihm greift die aktuelle Diskussion aber zu kurz.
„Ich glaube, es ist die Verantwortung der Regierung insgesamt, die Quellen der Finanzierung festzulegen." Und da habe er „massive Sorge, dass jetzt das Klima so vergiftet wird, dass wir nicht zu einer vernünftigen Lösung kommen. Wenn wir jetzt Polarisierung der Koalitionsparteien betreiben, dann wird am Schluss überhaupt keine Lösung herauskommen." Er fordert von der Regierung, die ja als gesamte das Budget beschließen müsse, „endlich ein Konzept, wie die dringendsten Finanzprobleme der Unis gelöst werden." (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.9.2010)

Kommentar posten
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also dann ...
11
einfach ABSURD...was karl, sünkel, badelt hier verzapfen . . . 1.) erzielen die UNI`s (seit jahren) ÜBERSCHÜSSE

2.) machen die rücklagen 1/3 ( ! ) ...und
3.) die wertpapiere 1/10 (!) des budgets aus...
ÜBERSCHUSS / rücklagen / wertpapiere (WP)
2007 : 23,2 mio...1.245.....341
2008 : 40,6 mio...1.167.....364
2009 : 47,2 mio...1.257.....320
s. seite 44,148,149 / hochschulsektor :
http://www.statistik.at/web_de/dy... detail=571
4.) TU-graz 2009 - rektor sünkel :
http://portal.tugraz.at/portal/pa... z_2009.pdf
- kassen- und bankbestände : 45,1 mio
(45% der bil.summe)
- reisekosten 3,0 mio / stipendien 0,7 mio
- kosten rektorar 522.029,- / univ.rat 70.356,-
...ausgaben lehrgänge : 103.060,-

alles klar... ?

TU elektrotechniker
01

So ich habe jetz wirklich viele postings gelesen und möchte dazu auch mal was sagen.
Kritiker1A stellt es immer so dar, dass jeder "Idiot" studieren gehen kann bzw. darf. dem ist überhaupt nicht so, man muss die matura oder eine studiezulassungsprüfung ablegen um studieren gehen zu dürfen! sie wollen doch nicht jedem maturanten der studieren geht, unterstellen er sei ein idiot?!
weiters ist hier anscheinend die meinung sehr stark verbreitet, studieren sei reiner zeitvertreib und selbstverwirklichung. das ich nicht lache. ich studiere in graz elektrotechnik, bin sag ich mal guter durchschnitt was prüfungsergebnisse und schnelligkeit anbelangt. aber eines kann ich ihnen sagen, zuckerschlecken ist ein technisches studium keines.

MBR
30
öffentliche unis kosten ein vermögen

das geld wäre durch förderungen der infrastrukur und leistungsträger in der wirtschaft besser angelegt.

es besteht auch kein bedarf an einer unzahl an akademikern.

nur durch die abschaffung öffentlicher schulen kann verhindert werden, das sich rote leistungsverweigerer am mittelstand bereichern.

riddler2008
 
00
wow *2

high contrast
02

wow

dieGRAS
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GRAS gratuliert Karl zur späten Erkenntnis

Wissenschaftsministerin Karl will mehr StudentInnen und Ausfinanzierung der Unis, zieht aber keine Konsequenzen

Die Grünen und Alternativen StudentInnen (GRAS) sind erstaunt über die offensichtliche Planlosigkeit von Wissenschaftsministerin Karl. Es ist zwar erfreulich, dass nun auch die Ministerin endlich die kritische Situation der Universitäten erkannt hat. "Die Retterin der Universitäten kann sie jedoch nicht spielen, blockiert doch gerade die ÖVP seit Jahren die Ausfinanzierung der Universitäten.", sagt Regina Bösch von der GRAS.

Mehr: http://1go.at/4ea

Tom vom Meer
02
Es ist eine gesamtpolitische Verantwortung.

Das Budget macht nicht die ÖVP allein und konstruktive Vorschläge der anderen Parteien gibt es ebenso wenig. Wir wollen keine Zugangsbeschränkungen, dennoch qualitativ hochwertige Studienplätze und Gebühren kommen nicht in Frage. Die Durchlaufzeit sollte rasch sein, um dann aufgrund der besseren Jobs und der damit verbundenen höheren Gehälter/Steuern die indirekte Refundierung für die genossene Ausbildung zu leisten. Vermutlich fällt man dann in die Vermögenssteuer. Die wirklich Reichen unter uns, die verabschieden sich dann oder ziehen ihr Geld ins Ausland ab, womit der Finanzminister wieder wenig davon hat.

Bin kein Vertreter der ÖVP nur sehe ich das - wie erwähnt und wie von Badelt angeführt - als gesamtpolitische Verantwortung.

BuddyHill
01

es ist einfach nur ein desaster. wer gestern wieder mal das kasperltheater am punkt (atv) gesehen hat, kann nur zu einem schluss kommen: bildungstechnisch sind wir am absoluten tiefpunkt angelangt!! eine ministerin die komplett überfordert ist, keinerlei konzept hat - wie auch ihr politisches gegenüber und der rest der politik. nur kinder- und sandkastenspiele bei einem der absolut wichtigsten themen sind unverzeihlich. garniert mit einem überaus zahnlosen rektorenchef der anscheinend selbst noch nicht ganz die tragweite der probleme und aufgaben erkannt hat, die uns bevorstehen. nicht genug die öh-vorsitzende welche ständig nur kichern kann und tatsächlich glaubt, sie habe die alleinige weißheit gefressen. das ist der reine wahnsinn!

bratak
00

1. zur grafik
da muss freilich die inflation noch abgezogen werden, ich schätz mal in 3 jahren zwischen 3 und 6 %
2. studiengebühren bringen nix, wenn im selben atemzug das budget um genau den selben betrag gekürzt wird, oh, das hatten wir schon mal ...

Karl Joda
32

Verkauft zuerst die Eurofighter !

dissens
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geh bitte!

Kronenzeitungsleser
10
...auch die Unis

könnten sparen oder umschichten. Die VWL-Departments sind österreichweit total überbesetzt, hier sind die ersten Sparerfolge sofort möglich!

mulitrox
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Na servas

AG bezeichnet Studiengebührenmodell der Wissenschaftsministerin als "völlig inakzeptabel" ..

http://www.ots.at/presseaus... akzeptabel

Roter Baron
10
also wenn ich rektor oder professor wäre

wär ich nicht so renitent
die koarl entlasst alle und jeden

roter baron

kleiner Schelm
00

soll sie es machen. Hab regelmäßig Anfragen aus USA und Deutschland. Wenn sie das ernstgemeint hätte (hat sie nicht, denke es war Drohung ggü. Kanzler), wäre ich in 3 Monaten weg aus AT.

riddler2008
 
00
du kleiner

Schelm du

wer wenn nicht er
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Man könnte statt einer Studiengebühr plus Stipendum auch einen virtuellen Studienkredit einführen

Pro Studiensemester häuft man Punkte an, die später als Akademikersteuer niedrig verzinst wieder abgetragen werden müssen. Das Tempo könnte der Betroffene selbst bestimmen.

Sowas könnte neben einer Studiengebühr auch einen Teil der Stipendien abdecken.

Man könnte die Geschichte sogar teilprovatisiert abwickeln: Der Staat bräuchte für die Studentenkredite nur noch als "Bürge" agieren, dann könnte das gleich direkt über Banken finanziert werden. Diese müssten zu extrem niedrigen Konditionen anbieten, da der Staat haftet. Der Staat würde seinen Teil nur mehr beitragen, indem er die Rückzahlen absetzbar macht, diverse Steuern weiterhin erlässt (zB keine MWSt auf Studiengebühren, keine Kreditsteuer auf den Studentenkredit usw.)...

Ingalein
 
00

Klar, wenn man eine gute Leistung von der Uni bekommt, sind Studiengebühren vollkommen in Ordnung. Nur: was tw in einigen Studienrichtungen für ein Murks getrieben wird, was da für eine grandiose Fehlwirtschaft betrieben wird, und was da letztlich der Student alles mitmachen muss, dafür zu zahlen wäre eine Frechheit. Und es geht nicht um mehr Geld reinschaufeln, sondern um Entbürokratisierung und vernünftiges Wirtschaften. hunderttausende euro für eine nutzlose Videotelefonanlage in einem Institut verschleudern, und dann ist kein Geld mehr für Papier da. 300 Mio € mehr- ich prophezeie, selbst wenns das spielen würden, beim Student kommt das sicher nicht an. Das versickert irgendwo in diesem Irrenhaus wie sonst auch alles.

Linus
00

Gute Leistung wird es erst geben, wenn die Studentenzahlen in allen Studien limitiert sind und ein Auswahlverfahren stattfindet. Niemand kann bei variablen und meist steigenden Studentenzahlen ein gutes Betreuungsniveau garantieren, da sämtliche Resourcen limitiert und selbst mit Geld nicht beliebig vermehrbar sind.

Man kann sich an unseren Universitäten durchaus auch im aktuellen Zustand sehr gut bilden, nur bedarf es dazu eines hohen Engagements des Studierenden und vermutlich auch mehr als die Mindeststudiendauer.

high contrast
00

Würde mich interessieren ob das wirklich zu viel besseren Leistungen führt bzw. wie sich die Unis dann entwickeln. Aber ich glaube trotzdem das der Staat nicht herumkommt mehr Geld in die Bildung zu pumpen wenn die Qualität der Unis top sein soll.

Camthaleon
00
... nur so...

stiegende zahlen ja, aber immer noch massiv zu weniger akademiker!!! also aufhören zu raunzen über zuviel studenten!!!!!

votana
02
Alternative

Weder sind Studiengebühren sozial gerecht noch der dzt. z.B. in Deutschland übliche Numerus Clausus fachlich sinnvoll. Alternativen wären ein fächerbezogener NC, das heißt, wer z.B. eine Sprache studiert, muss nur gute Maturanoten in Sprachen vorweisen, oder fachbezogene Aufnahmeprüfungen (evtl. Vorgabe von z.B. 1000 S Lit. oder dgl.). So hat jeder, der das Zeug und die Motivation mitbringt, eine Chance. Budget: Österreich hat zu wenige Fachkräfte und Akademiker. Lösung: Förderung der FHs und Unis. Sollte uns Bildung nicht mehr wert sein als bspw. Eurofighter? T. Vogl

grias
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Solange die Matura keine Hürde darstellt, muss auf den Unis irgendeine Art von Zugangsbeschränkung (in Form von Studiengebühren oder Teilnehmerbeschränkung) existieren.

Roter Baron
10

jöööö zeitreisen sind möglich
und aus welchen jahrundert kommst du ?
frühes 19. jht. rat ich mal

roter baron

Ingalein
 
21

Also sollen nur Kinder wohlhabender Leute studieren? Gehen Sie etwa davon aus, dass nur wohlhabende Menschen intelligent genug sind zum studieren? Oder sind Sie dringend darum bemüht, den Status Quo irgendwie aufrechtzuerhalten? Wir könnten die Zugangsbeschränkungen auch auf Haar-, Haut- und Augenfarbe basieren, oder vielleicht auf Religionszugehörigkeit?

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