Integration kann man nicht mit schrillen Tönen von oben verordnen - von Birgit Baumann
Die Pressekonferenz des deutschen Innenministers Thomas de Maizière zum heiklen Thema Integration wirkte wie ein gezieltes Statement gegen Bundesbanker Thilo Sarrazin. Dessen Thesen zu integrationsunwilligen Migranten sorgen seit Tagen für Wirbel.
Auch der Innenminister räumte ein, dass Deutschland unter Versäumnissen in der Integrationspolitik leide. In den Neunzigerjahren habe sich Deutschland zu wenig um Zuwanderer gekümmert, diese wiederum hatten auch kein Bedürfnis, sich anzupassen. Dennoch zeichnet de Maizière ein weit weniger negatives und schrilles Bild. Die Mehrheit der Ausländer in Deutschland wolle sich integrieren.
Das Thema Integration wird die Deutschen noch jahrelang beschäftigen. Sie selbst bekommen immer weniger Kinder, sie sind auf Zuwanderung angewiesen. Viele Jahre lang dominierte dabei jedoch der Familiennachzug bei den Zuwanderern. Auf Facharbeiter wurde kaum Wert gelegt. Das rächt sich nun, da im Ingenieursland Deutschland Facharbeitermangel herrscht.
Umso mehr muss sich die Politik anstrengen, weitere Hilfen zu geben. Mehr Migranten als Lehrer und Islam-Unterricht an staatlichen Schulen sind konsequente Schritte. Aber es ist - leider - keine Lösung, die binnen weniger Monate alle Missstände beseitigt. Das Versäumte nachzuholen dauert und braucht seine Zeit. Integration kann man nicht mit schrillen Tönen von oben verordnen. (Birgit Baumann/DER STANDARD, Printausgabe, 9.9.2010)