Land zum Spottpreis

Weltbank fordert Regeln für "land grabbing"

08. September 2010 20:41
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    Foto: reuters/neuenburg

    Eine Szene in Maputo, Mosambik: Menschen stehen Schlange, um Brot zu kaufen. Eine nun zurückgenommene Preiserhöhung hatte vergangene Woche blutige Proteste mit 13 Toten ausgelöst.

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    graphik: standard

Reiche Staaten kaufen sich im Ausland Ackerland, um sich Nahrungsmittel und Energie zu sichern

Die Weltbank sieht diese Deals als Entwicklungschance. Kritiker widersprechen.

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Washington/Wien - Als die Regierung die Preise erhöhte, gingen vor einer Woche Hunderte aus den Armenvierteln in Maputo auf die Straße. Fast ein Drittel mehr für Brot zu bezahlen, war diesen Mosambikanern zu viel. Das Land gehört zu den zehn ärmsten der Welt, Hunger ist Alltag, ein steigender Weizenpreis wird dort, wo das Durchschnittseinkommen bei etwa 29 Euro im Monat liegt, rasch zu einer Frage des Überlebens. Und für die Regierung zu einer Frage der Sicherheit.

Letzteres gilt für alle Regierungen - und die reichen Länder sorgen vor. Laut einem Bericht der Weltbank, der am Mittwoch präsentiert wurde, sind allein 2009 rund 45 Millionen Hektar an Ackerland in Staaten Afrikas, Lateinamerikas, Osteuropas und Asiens an ausländische Investoren verkauft oder verpachtet worden - eine Explosion im Vergleich zum durchschnittlichen Wert von vier Millionen Hektar pro Jahr seit 1998. Und die Nachfrage steigt.

"Raub am helllichten Tag"

Wasser, Nahrungsmittel, Energie - diese Versorgung wollen sich die Investoren mit den Deals sichern. Länder wie Mosambik oder Sudan haben ihre Flächen teils zu einem Spottpreis abgegeben. "Raub am helllichten Tag" nennt Mahendra Shah vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg, das einen großen Teil der Daten des Bericht erstellt hat, jene Deals von einem Dollar Leasingrate pro Hektar und Jahr. "Wenn man es kauft, kostet in Großbritannien ein Hektar 45.000 Pfund, also fast 70.000 Dollar" , sagt Shah, der auch Direktor des Programms für Nahrungsmittel-Sicherheit in Katar ist. Die Schlussfolgerung: "Fast alle dieser Abkommen sind bis jetzt zu keinem fairen Preis gemacht worden."

Viele Länder seien von dieser plötzlichen Nachfrage überrascht worden, stellt die Weltbank fest - die Rechte der lokalen Bevölkerung seien bei den undurchschaubaren Deals oft auf der Strecke geblieben. "Der Schleier der Heimlichkeit, der diese Abkommen oft umgibt, muss gelüftet werden - damit die armen Menschen nicht den hohen Preis bezahlen, ihr Land zu verlieren" , sagt Ngozi Okonjo-Iweala von der Weltbank.

Letzteres drohe gerade in jenen Ländern, in denen Landbesitz nur unzureichend formalisiert und dokumentiert sei, heißt es in dem Bericht - gerade diese Staaten seien für Investoren aber sehr attraktiv. Die Weltbank fordert daher mehr Kontrolle über die Deals.

Grundsätzlich befürwortet sie aber diese Abkommen: Mithilfe ausländischer Investoren könne die Produktivität der landwirtschaftlich genutzten Flächen stark erhöht werden und, wenn miteinbezogen, auch der lokalen Bevölkerung Verbesserungen bringen. Von einem "Faktor von zwei bis fünf" spricht Mahendra Shah bei der Kluft zwischen dem, was auf landwirtschaftlich genutztem Land derzeit erwirtschaftet wird, und dem, was noch möglich wäre - durch beste Technologie, die ein Investor einbringt, wenn er das Land least. "Angenommen, man erwirtschaftet dadurch 500 Tonnen: 200 gehen an den Investor, 200 an die Landbesitzer, 100 werden auf lokalen Märkten verkauft, die Erlös für die lokale Bevölkerung verwendet - dann profitieren alle davon."

Vertreter von Nichtregierungsorganisationen stehen solchen Analyse dagegen kritisch gegenüber. "Die Armen haben keine Kaufkraft und keinen Zugang zu solchen Märkten", sagt Gertrude Klaffenböck von der NGO Fian. Elfrieda Pschorn-Strauss von Grain meint: "Die Weltbank gibt den Investoren mit dem Bericht grünes Licht, Land an sich zu reißen." Für die kleinen Bauern und die Armen seien damit kaum Vorteile verbunden. "Es sind die Reichen in diesen Ländern, die profitieren." Und: "Einige von ihnen sind wirklich korrupt."

Die Weltbank versucht, auf diese Kritik mit sieben Prinzipien zu reagieren, um die Landnahmen in Zukunft fair zu gestalten: Die Rechte der Landbesitzer müssten gewahrt, die Nahrungsmittel-Sicherheit gewährleistet werden. Transparenz und gute Regierungsführung müssten durchgesetzt, die lokale Bevölkerung eingebunden werden. Die Investitionen müssten verantwortungsvoll und auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit ausgerichtet werden, heißt es in dem Bericht. (von Julia Raabe und Roman Payer/DER STANDARD, Printausgabe, 9.9.2010)

Wissen: Der Landrausch

Mehr als 70 Prozent der Nachfrage nach Ackerland hat sich auf die afrikanischen Staaten gerichtet, wie etwa Äthiopien, den Sudan oder Mosambik. Ein Auslöser war die Nahrungsmittelkrise. Interessenten sind nicht nur europäische Staaaten und die USA, sondern auch China und die Golfstaaten. Unfaire Rahmenbedingungen der bisherigen Deals haben den Begriff "land grabbing" geprägt - Land raffen. (red)

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Bitte Bitte
11.09.2010 03:01
Man muss die 7 Prinzipien der Weltbank im Klartext lesen:

1.) Die Rechte der [ausländischen] Landbesitzer müssen gewahrt,

2.) die Nahrungsmittel- [und Rohstoff]-Sicherheit der Importländer gewährleistet werden.

3.) Transparenz [Abhängigkeit] und "gute" Regierungsführung müssen i.S. der Importlländer durchgesetzt,

4.) die lokale Bevölkerung [als billige Arbeitskraft] eingebunden werden.

5.) Die Investitionen müssten verantwortungsvoll und auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit [in den Importländern] ausgerichtet werden.

Fehlen noch zwei?

6.) Präsidenten, die sich nicht korrumpieren lassen, werden ermordet: 1961 Lumumba (Kongo), 1973 Allende (Chile) 1981 Torrijos (Panama), 1981 Roldos (Ecuador) ...

7.)

mistvieh666
13.09.2010 00:06

zum punkt 1:
wenn voelkerrechtlich die calvo formel und nicht die hull formel gilt, dann gibt es in den entwicklungslaendern keine FDIs.
http://de.wikipedia.org/wiki/Dire... nvestition
es ist jetzt so, dass die entwickljungslaender, die direktinvestitionen foerdern erfolgreich sind, waehrend diejenigen, die sich linken gedankengut folgend dagegenstemmen erfolglos sind.
ich weiss, fuer einen linken ist die reale welt kein argument. aber dieses leben in - frueher - nicht gut funktionierenden und mittlerweile bald nicht mehr existierenden paralellwelten, irgendwie muss das ja - unbefriedigend sein.

Taran Seven
09.09.2010 20:30
Der neue Kolonialismus schlägt zu... diesmal sind es nicht Staaten sondern Konzerne, die nur dem Gott des Geldes dienen

doktor grumpel
09.09.2010 16:20
nur so als kleiner tipp für den grafiker...

liberien heißt immer noch - und auch auf deutsch - liberia und kambodscha ist nicht wirklich in afrika.

geographie-nachhilfe aus.

Malkaye
09.09.2010 16:06
wenn afrika mal endlich vernünftig regiert wird,

sollten diese verträge einfach annuliert werden. jeder investor der sich darüber beschwert oder "entschädigung" vordert kommt dann eine woche mit ein paar kindersoldaten oder milizionären für ein paar wochen in einen käfig.

auf andere gedanken kann man/mensch (also nicht tier) bei solch verfahren, unmenschlichen und hoffnungslosen sachlagen leider nicht kommen...

Käsebrötchen
 
09.09.2010 12:43

ich verstehe die aufregung in diesen forum nicht .
die arabischen und die ostasiatischen staaten
haben einen steigenden nahrungsverbrauch bei begrenzten anbauflächen , währendessen verfügt der afrikanische kontinent über große mengen an ungenutzter anbaufläche .
heutzutage wird jeder handel zwischen einen industrie- oder schwellenland mit afrika als neokolonialismus bezeichnet , sollte man nach diesen vorstellungen afrika am besten isolieren oder wie darf man es verstehen?
die afrikaner sollten froh sein , wenn überhaupt jemand in diesen kontinent investiert aufgrund der fehlenden rechtssicherkeit ,kriminalität,staatswillkür ,korruption,fehlenden infrastruktur und mangel an qualifizierten humankapital .

Malkaye
09.09.2010 16:08
what about some facts?

als ob da infrastruktur an unerschlossenes land ausgebaut und dieses verkauft wird...!

die wichtigsten anbaugebiete werden den kleinen bauern in kollaboration mit der lokalen elite entrissen und die enteigneten kommen in die slums der großstädte!

(welcher investor finanziert sie hier eigentlich? oder ist es doch der traum des dazugehörens, zu den herrenmenschen?!)

Käsebrötchen
 
12.09.2010 18:35

die menschen aus den entwicklungsländer wollen konsumgüter wie Autos,elektronik,kleidung usw erwerben , dafür brauchen sie devisen .
um an die nötigen devisen zu kommen , müssen sie produkte abbauen oder produzieren die weltweit gehandelt werden können .
damit alles überhaubt möglich wird, bräuchte man am anfang meistens know how und geld aus dem ausland .

Jagoda1986
15.09.2010 12:48
die menschen aus den entwicklungsländern...

.. wollen sich ihr brot und wasser leisten können!!! und nichtein auto oder andere sachen die sie in ihrem posting aufzählen... große ausländische firmen nehmen ihr land bringen massenprodukte auf den markt die so billig sind dass die bauern/einzelhändler nicht mithalten können und sie ihre existenz verlieren.. dazu kommen noch die eu subventionen und die ausbäutung der afrikanischen rohstoffe... so kann sich afrika nie erholen wenn amerikaner und europäer ständig was "stehlen" und dann wundern wir uns wieso es so viele flüchtlinge und asylsuchende gibt... ist ist einfach ein böser kreislauf den europa und amerika verursacht...

Malkaye
12.09.2010 23:29
wenn für sie die einzigen menschen in den sog. entwicklungsländern die reichen sind, wäre da etwas dran.

aber wer über gesellschaft redet, sollte ganzheitlich denken. sie beziehen in ihre analyse nichtmal die mehrheit - die armen ein!

Walther von der Vogelweide, der 1.
09.09.2010 12:27
Weltbank fordert Regeln für "land grabbing"

Scheinheiliger Westen! Das macht Isreal bereits seit 60 Jahren mit dem Land in Palästina und keinen juckt es wirklich. Der Kapitalismus ist eben ein kanibalistisches System. Die Größeren fressen die Kleinen. Das wird so lange gut gehen bis wir uns wieder bis ans Messer bewaffnet gegenüber stehen und uns gegenseitig den Schädel einschlagen.

nebenerwerbsposter
09.09.2010 12:23
weihnacht' ist bald!

und da darf man sich ja was wünschen, auch die weltbank. was dann allerdings am gabentisch liegen wird, bleibt offen.
also, liebe investoren, wir - und auch die weltbank - wünschen uns von euch, dass ihr ein bisserl braver werdet, ja? geht das so?

estewe
09.09.2010 12:08
Von wegen...

Die ausländischen Investoren helfen nicht das Land besser zu nutzen. Wir leben im Turbokapitalismus! Das Land ist nur geleast. Es wird ausgerechnet wieviel der Boden in der Zeit hergibt und das wird voll ausgenutzt. Wenn die Heuschrecke weiterzieht wächst auf dem Boden nur mehr Armut.
Ein trauriges System und die Weltbank hilft dabei mit

also dann ...
09.09.2010 11:06
die weltban (IWF...detto) sind um jahre ... hinterher !

bis diese institutionen...was feststellen (fin.krise z.b.)
ist der schaden längst - unwiderruflich - angerichtet.

seit 20 jahren
bereichert sich eine kleine clique des geldadels bis hin zu völlig verkorrumpierten polit-nieten...
aufkosten der bevölkerung - w e l t w e i t !

z.b. obama...der hamplemann der goldmänner,
beschliesst 200 mrd $ an steuererleichterungen...
aber nur 50 mrd für infrastrukturinvestitionen !

die apokalypse-USA...ist im anmarsch :
siehe NY-times...
http://www.nytimes.com/2010/08/0... wanted=all
p.s.
vom BIP-wachstum 2002-06 gingen 56 %...
an das oberste 1 % der bevölkerung !

re flexion
09.09.2010 10:11
Nichts Neues

Wir halten uns unsere Sklaven direkt vor Ort und unsere Sklavenhalter sind deren korrupten Politiker die notfalls mit unserer Waffenunterstützung an die Macht geputscht werden.
Hier tangiert das nur am Rande solange die Preise niedrig bleiben.

ChristianderGuru
09.09.2010 11:50
Könnten Sie bitte das Wir weglassen,...

ich bin mir keiner Schuld bewusst!

re flexion
09.09.2010 12:19
Genau

das ist ja das Problem dass WIR uns keiner Schuld bewußt sind.

Zuerst denken dann reden
09.09.2010 12:03
das wir weglassen?

sie fühlen sich da also nicht angesprochen?
dann würde mich aber ganz gerne interessieren wo sie einkaufen gehen und arbeiten.....

ChristianderGuru
09.09.2010 16:46
Einkaufen geh ich in den 3.Welt-Laden und arbeiten tu ich bei ATTAC!

Jetzt bin ich doch ein guter Mensch!

Malkaye
09.09.2010 16:10
und vor allem was er wählt...

ÖVP/CDU oder doch "liberal". naja vielleicht noch ganz braun, mehr kommt da nicht in frage.

ChristianderGuru
09.09.2010 16:50
Ja so funktionieren Eure Stereotype! Ist man nicht Eurer Meinung ...

...ist man neoliberaler Nazi.
So einfach ist die Welt im Jutesack.

Malkaye
10.09.2010 00:23
na schießen sie los, hab ich mich etwa geirrt?!?

m.schmidler
09.09.2010 10:08
Pervers

Dass die Weltbank Forderungen stellt um den Ärmsten zu helfen ist pervers. Die tragen selbst große Mitschuld an der jetzigen Situation, der reinste Verbrecherverein.

Zuerst denken dann reden
09.09.2010 09:45
Weltbank fordert Regeln?

Ich denke genau die Weltbank ist es die es in der Hand hat hier entgegenzuwirken. Warum warten sie nur so lange bis sie etwas tun, muss wirklich wieder etwas passieren bis sie endlich handeln?

Ach was solls
09.09.2010 07:31
Da sind wohl "demokratosche Kräfte" am Werk...

...und geschickt eingesetzte Büttel. Naja, bis jetzt hat noch jeder "erschlossene" Kontinent "auf Europäisch" büßen müssen. Bisserl Geld für Waffen, Glasperlen u.ä. und die Prioritäten verschieben sich.

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