Häupls Bumerang

08. September 2010 18:38

Wiens Bürgermeister muss auf Debakel der Steirer-SP zwecks Mobilisierung hoffen

Michael Häupl sollte möglichst rasch die Agentur der Wiener ÖVP engagieren. Seit dieser Woche hängen die Plakate der SPÖ, auf denen das Konterfei des Bürgermeisters prangt, der für "ein lebenswertes Wien" wirbt. Sie sind schlicht und fad. Um wie viel größer, dynamischer und deutlich verjüngt - sogar mit leichter Sturmfrisur - kommt der bullige Bürgermeister auf Plakaten der ÖVP daher. Sogar der Hintergrund - leuchtendes Gelb - wirkt frischer als das Rot auf den SP-Sujets. Vom "frischen Wind", den die ÖVP propagiert, profitiert optisch die Konkurrenz.

Die FPÖ hat inzwischen erkannt, dass man den Spitzenkandidaten einer anderen Partei nicht groß ins Bild rücken soll. Sie hat diesmal auf Häupl-Werbung verzichtet und sich wieder aufs Reimen verlegt. Und da die ÖVP offenbar nicht darauf vertraut, dass der "frische Wind" bei jungen Wählerinnen und Wählern ankommt, schickt sie "Geilmacher" in "Geilomobilen" unters Wahlvolk, die "geil auf Politik" machen sollen. Eine Partei, die es nötig hat, sich auf ein derartiges Niveau zu begeben, läuft Gefahr, als peinlich wahrgenommen zu werden. Oder als anbiedernd.

Aber die ÖVP hofft offenbar, in jüngeren Wählerschichten zu punkten und aus der derzeitigen Schwäche der Grünen politisches Kapital schlagen zu können. Doch Spitzenkandidatin Christine Marek hat im Wahlkampf ihr bisheriges Image als Politikerin mit liberalen Positionen durch Forderungen wie Zugangskontrollen bei der U-Bahn oder den Einsatz von Militärpolizisten in Wien aufs Spiel gesetzt.

Die Lähmung der Grünen ist auf hausgemachte Probleme zurückzuführen: abgesprungene Spitzenkandidaten im Bezirk Josefstadt und die Parteispaltung in Mariahilf. Auch wenn der Wechsel von Stefan Schennach vor allem in der gekränkten Eitelkeit eines Politikers in der zweiten Reihe begründet ist, so war dieser Schritt ein herber Rückschlag nur wenige Wochen vor dem Wahltermin. Nicht zuletzt deshalb, weil der Konvertit internes Wissen zur Konkurrenz mitnimmt.

Die personellen Querelen werden jetzt auf die Basisdemokratie zurückgeführt. Aber der Kardinalfehler ist der grünen Spitzenkandidatin Maria Vassilakou viel früher passiert: Sie hat die Grünen der Wiener SPÖ als Koalitionspartner angedient. Wer in die Regierung will, führt einen Wahlkampf, der auf den Wunschpartner Rücksicht nimmt. Einen eindeutigen Oppositionswahlkampf führt dagegen Heinz-Christian Strache. Aber bisher scheint der FP-Wahlkampf in Wien nicht recht auf Touren zu kommen. Offenbar reichen in Zeiten der Wirtschaftskrise flotte Sprüche nicht mehr.

Häupl könnte sich angesichts des Wahlkampfes der Opposition zurücklehnen und abwarten. Versprechen wie die Nacht-U-Bahn oder der Kampfhundeführschein werden just vor dem Wahltermin umgesetzt.

Die eigentliche Herausforderung für Häupl ist, die SP-Sympathisanten überhaupt an die Urne zu bekommen. Das von der SPÖ vermittelte Gefühl der Saturiertheit kann sich zum Bumerang entwickeln. Insofern muss Häupl heimlich darauf hoffen, dass sein Parteifreund Franz Voves in der Steiermark zwei Wochen vor dem Wiener Urnengang die Wahl verliert. Das wäre ein Weckruf für die SP-Wähler in Wien. Die Schwäche der Opposition verdeckt bisher auch, dass die SPÖ in der Bundeshauptstadt ziemlich alt daherkommt und einen Erneuerung sprozess dringend nötig hat. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.9.2010)

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Posting 1 bis 25 von 68
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flor12
09.09.2010 17:37
@chefredakteurin

Die Startseite ist mit der roten Farbe sehr schlecht lesbar.

Der Standard macht psychologisch gestützte unterbewuste Wahlwerbung. Man ärgert sich über die Farbe ärgert, denkt man an die Roten.

Hat es der Standard nötig, sich soweit hinauszulehnen?

Standard Zensur erinnert an Sowjetzeiten
09.09.2010 14:57

Die Startseite entspricht ja heute voll und ganz der Blattlinie. Vom Wampo bezahlt?

zkk
 
09.09.2010 14:28
erbärmlicher kommentar. es ist für eine chefredakteurin eine blamage, wenn sie unwahrheiten dermaßen offensichtlich verbreitet.

wo hat frau marek militätpolizisten für wien gefordert (also dass in wien die mp patroulliert)? sie hat damals im interview gesagt, dass sie für beim bh überzählige mp sich neue aufgaben beim bmi vorstellen könnte, weil mp schon eine gewissen vorerfahrung in polizeiarbeit mitbringen und daher schneller ausgebildet werden könnten als bp-schulanfänger ...

so schwer zu verstehen sollte das sogar für die standard-chefredakteurin nicht sein, aber dann müsste man sich ja objektiv mit allen wahlwerbenden parteien auseinandersetzen und könnte nicht die privaten rot-grünen parteipräferenzen forcieren.

erbärmlich und peinlich, eine schande für die "zeitung für leser" ...

robertoricci
09.09.2010 17:27
der övp-wahlkampf ist nicht nur peinlich, er ist eine beleidigung für den wähler

ich erinnere nur:
"manchen tut ihr kreuz weh"
"mehr wien ist möglich"

ich finde es erstaunlich, daß frau föderl-schmid überhaupt irgendein thema des övp-wahlkampfs eingefallen ist, bei mir ist nämlich noch nichts hängengeblieben.

zkk
 
10.09.2010 10:44
ok, das ist ihre meinung ... geschmäcker sind nun mal verschieden,

aber wenn die chefredakteurin einer selbstgenannten qualitätszeitung bewusst (?) die unwahrheit äussert (marek fordert militärpolizisten für wien, nacht-u-bahn ein versprechen der spö), dann ist das sehr bedenklich.

passt aber offenkundig zur blattlinie, daher stört es wohl auch den herausgeber nicht ...

misanthropie
09.09.2010 16:07
oh

ein övp-kampfposter..

zkk
 
10.09.2010 10:40
wow, wie originell ...

*thumbs up*

Standard Zensur erinnert an Sowjetzeiten
09.09.2010 16:11

Oh nagelneuer Witz, Du hast mich schon tausende Male erfreut.

Lassen Sie mich raten - gleich kommt was mit Fahrrad oder Reissack, das Ihnen aus den Ganglien quillt?

§83SPG
09.09.2010 15:46

Ähnliche Richtung:
"Versprechen wie die Nacht-U-Bahn oder der Kampfhundeführschein werden just vor dem Wahltermin umgesetzt."

Die Nacht-U-Bahn war eine Idee und Forderung der Schwarzen in Wien, mit der die roten nicht gar soo eine Freude hatten (Erinnerung an die Fragestellung). Versprochen haben sie nicht, sie ließen abstimmung.

aporie
09.09.2010 14:04
stolzer Austrianner 2
09.09.2010 13:46
michi isi einer fon uns, bitte nicht strache wahlewn gehen

good news 08
09.09.2010 12:11
Häupl braucht keinen Voves

Die Mitbewerber sind so schwach, dass Häupl weder einen Voves-Sieg noch eine Voves-Niederlage fürchten muss. Auch die lahme SP-Stadtpolitik spielt keine Rolle weil bei der Wiener ÖVP Windstille, bei der FPÖ Blutleere und den Grünen gar nichts herrscht.

Grünling
09.09.2010 11:23
Nicht nur die Plakate von Häupl sind fad und ideenlos

Die SPÖ und Häupl sind inhaltlich genauso wie Ihre Plakate .l

Martin Rosenkranz
09.09.2010 14:56
Wie wien funktion iert und wie SPÖ in Wien Wahlen gewinnt liest man im Profil:

http://www.profil.at/articles/... -spoe-wien

youmakemefart
09.09.2010 13:29

ich wohn lieber in einer lebenswerten Stadt die von faden und ideenlosen Politikern gut verwaltet wird, als in einem Loch dass von kreativen exzessiven Künstlertypen kaputtgestaltet wird.

Ich empfehle den ganzen Wien-SuderantInnen mal woanders zu leben. Ich habe in 4 verschiedenen Städten von ähnlicher Größe gelebt, und nirgends lebt es sich so gut.

Wilfred Streitenberger
09.09.2010 18:50

Unter gut verwalten versteh ich was anderes wie du.
In Wien wird leider zuviel Geld verschwendet.

anders and
 
09.09.2010 16:28
zur Versachlichung der Diskussion:

welche Städte waren das?

Glaskeramik
09.09.2010 17:19
cosy city

...schließe mich youmakeemfart an und nenne meine Städte wo ich vergleichen kann:
*London*Hamburg*Boston*Paris

sonne-licht
 
09.09.2010 11:00
wähler denken?

es wird sich nichts verändern!

die gleichen "deppen" werden die gleichen "deppen" wählen und über die unzufriedenen nichtwähler wird ein vorhang des schweigens der nichtmitbestimmung gelegt!

ändern wird sich erst etwas, wanns wirklich grauslich wird für "jedermann"!

Queen of Sheba
 
09.09.2010 10:39
"Geil" und "Christine Marek" - eine Höchstleistung des lateralen Denkens.

El Chó
09.09.2010 13:13

Geht mir mit "ÖVP" und "frischer Wind" sehr ähnlich...

1116er
09.09.2010 09:36
weil in einem nebensatz auch die loser-partei erwähnt wird:

was wurde eigentlich aus den klorreichen sieben ?

Foromat
09.09.2010 12:27

chlor, das sind die chlorreichen Fieben

franz der freie
09.09.2010 09:35
die marek ist sowas von ungeil.

selbst für mich alten knacker. wenn die jugend ihr diesen anbiedernden schmäh abnimmt, dann weiss ich auch nicht mehr weiter. aber ich denke, dass die jungen zumindest so etwas wie ein gespür dafür haben, wenn sie verarscht werden sollen. alle sagen, der strache macht einen primitiven wahlkampf, ok. aber die övp ist auch nicht besser. die not und die angst muss gross sein.

Stahl_____666
09.09.2010 11:22
.

Na gegen den inkontinenten Wampo ist sie ein Fotomodell!

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