Van der Bellen: "Stadtrat genügt"

08. September 2010 18:33
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    "Man darf die Probleme vor Ort nicht vergessen, nur weil man den Hunger in der Welt beseitigen will", sagt Alexander Van der Bellen.

Van der Bellen, ehemaliger Bundessprecher der Grünen, will nach der Wien-Wahl Stadtrat sein - Dann will er auch das basis-demokratische Prinzip thematisieren

Standard: "Wir haben persönliche Querelen, ja und?", haben Sie beim Wahlkampfauftakt gefragt. Die Antwort ist: Ja und das kostet sicher Stimmen. Was wird gemacht, um den Misserfolg zu verhindern?

Van der Bellen: Es gab Konflikte. Was nutzt es, sich darin zu vertiefen? Es haben sich ein paar Leute verabschiedet, das ist nicht so ungewöhnlich. Dafür kommen andere nach.

Standard: Eva Glawischnig und Maria Vassilakou haben ziemlich angefressen auf den Schennach-Wechsel reagiert. Sie finden, es ist die Aufregung nicht wert?

Van der Bellen: Ich werde nichts Böses über ihn sagen, er ist ein Freund von mir. Sich mit diesen Befindlichkeiten zu beschäftigen, nimmt Energie und nervt. Also, was soll's?

Standard: Es wird die Grünen Stimmen kosten.

Van der Bellen: Ja, mein Gott. Soll ich mir deswegen eine Schlinge um den Hals legen?

Standard: Nein, aber zwischen der Schlinge und einem "Na und?" gibt es ja Reaktionsspielraum.

Van der Bellen: Hat sich Franz Voves in ein Kammerl eingesperrt, um zu weinen, als sich die Grazer SPÖ in die Luft gesprengt hat? Nein. Man muss das Beste aus der Situation machen. Alfred Gusenbauer hat 2006 trotz Bawag mit der SPÖ den ersten Platz erreicht.

Standard: Eva Glawischnig hat im Standard-Sommergespräch gesagt, man müsse neue Modelle der Listenerstellung diskutieren, die Basisdemokratie führe in eine Sackgasse. Ein Tabubruch?

Van der Bellen: Nein. Für mich ist die Kernfrage, wie eine Partei die Balance zwischen Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit und Verantwortung organisiert. Es kann nicht sein, dass die Spitze alle Verantwortung trägt, aber null Möglichkeit hat, übergeordnete Interessen durchzusetzen.

Standard: Also eine Änderung?

Van der Bellen: Darüber rede ich nach der Wahl. Die Wähler interessieren diese Interna nicht.

Standard: Sie haben sich vorgenommen, sieben Stadträte zu besetzen. Sind die Grünen in der Lage für so hochgesteckte Ziele?

Van der Bellen: Warum nicht? (lacht) Aber ernsthaft, der Hintergrund ist: Die SPÖ soll die Absolute verlieren. Und sich dann gegen das langweilige Rot-Schwarz-Auslaufmodell entscheiden, über ihren Schatten springen und was Neues probieren. Michael Häupl muss sich überlegen, als was er in die Geschichte eingehen will. Als ewiger rot-schwarzer Verwalter? Oder als Erneuerer mit Rot-Grün? Wien gehört allen, nicht der SPÖ allein. Schon die Verschränkung von Wirtschaftsbetrieben und der SPÖ, die es gibt, erinnert an Ostblock-Verhältnisse. Wenn die SPÖ so weitermacht, ist das Harakiri mit Anlauf.

Standard: Die ÖVP wirkt im Wahlkampf fast unterwürfig gegenüber der SPÖ, plakatiert sogar den Bürgermeister. Was bieten Sie?

Van der Bellen: Wir bieten der SPÖ gar nichts an, außer Kooperation im Dienste Wiens. Wenn sie weiter auf ihrem Weichlager liegen will, dann werden wir Grünen das schon aushalten. Für die Stadt ist es schlecht, etwa in Bildungs-, Sozial- oder Zuwanderungsfragen.

Standard: Wie würde ein Wiener merken, dass ihn Rot-Grün regiert?

Van der Bellen: Daran, dass im Budget andere Prioritäten gesetzt werden. Die Stadt Wien gibt 100.000 Euro pro Tag für Inserate aus. Geben wir dieses Geld doch den Kindergärten, den Frauenhäusern, der Forschung.

Standard: Wieso sollte die SPÖ die Grünen an Bord holen?

Van der Bellen: Die SPÖ ist ausgeblutet. Ich bin nicht ihr Retter. Aber ich betrachte diese Provinzialisierung und Vergartenzwergung des Landes mit einer Mischung aus Bedauern und Sorge.

Standard: Wenn die SPÖ euch holt, wird sie gerettet?

Van der Bellen: Wenn das ein Nebeneffekt ist, sage ich: Schlucken wir die Krot.

Standard: Was wollen Sie nach der Wahl sein?

Van der Bellen: Stadtrat. Da bieten sich Finanzen, Wirtschaft oder Bildung und Forschung an.

Standard: Würden Sie an Schennachs Stelle Bundesrat werden?

Van der Bellen: Nicht, wenn ich vorher der SPÖ beitreten müsste.

Standard: Für die Grünen?

Van der Bellen: Stadtrat genügt.

Standard: Die Grünen streben offensichtlich nach Macht, kann das zum Bumerang werden?

Van der Bellen: Wir sind ja kein Theologenseminar. Außerdem bin ich da ohnehin unverdächtig. Als Bundessprecher habe ich viel zu lange gezögert zu sagen: Wir wollen an die Macht.

Standard: Wolfgang Rosam hat im Sommergespräch gesagt, die Grünen wollen zuerst die Welt retten und dann Ottakring. Umgekehrt wäre es vielleicht leichter. Haben die Grünen zu hohe Ziele und vergessen darüber österreichische Banalitäten?

Van der Bellen: Da ist eine Kernwahrheit dabei. Man darf die Probleme vor Ort nicht vergessen, nur weil man den Hunger in der Welt beseitigen will. Unsere Sprache könnte manchmal konkreter sein: Wir hatten einmal ein Medienseminar, wo der Leiter gefragt hat, ob wir jemals den Ausdruck Biomasse verwendet haben. Ja, klar. Aber welcher Mensch weiß, was Biomasse ist. Da muss man sagen: Holz oder Gras oder so etwas.

Standard: Sind Sie zu vage?

Van der Bellen: Mag sein. Aber wenn einer im Jahr 2010 nicht weiß, dass die Grünen für Umwelt und Klimaschutz einstehen, muss ich sagen: Diejenige Person ist für uns im Wahlkampf auch schwer erreichbar. Und das ist nett ausgedrückt.

Standard: Wenn Vassilakou Vizebürgermeisterin wird, lassen Sie dann das Rauchen sein?

Van der Bellen: Welcher Heilige sollte mir denn dieses Gelübde abnehmen. Ich bin Agnostiker. (Saskia Jungnikl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.9.2010)

Alexander Van DER BELLEN (66) war bis 2008 Bundessprecher, jetzt unterstützt er die Wiener Grünen.

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SchlussBasta
13.09.2010 12:15
stadtrat genügt...

...dass glaub ich dem van der wuff, bei dem stadtratgehalt gibt er sich zufrieden... :-S

NGC 55 000 001
10.09.2010 06:28
Basisdemokratie

Jeder darf, kann, soll reden und als solches auch wahrgenommen werden!
Autoritäres Gehabe und Machtstreben ist hier deplaziert!
Voraussetzung ist also der Mensch als Kunstwerk seiner gelebten Individualität im Kontext mit der Gemeinschaft!
Alles andere ist nur leeres Gewäsch......

Spigola
09.09.2010 16:51
Ein wahres Wort von Sascha:

"Wenn einer im Jahr 2010 nicht weiss, dass die Grünen für Umwelt und Klimaschutz einstehen, muss ich sagen: Diese Person ist für uns schwer erreichbar. Und das ist nett ausgedrückt."

Das Problem, das seit einiger Zeit so ungut fühlbar ist, ist leider, dass führende Kanditatinnen und Funktionärinnen sich benehmen, als wüssten sie gar nichts von diesen Kernthemen und seien daran auch völlig desinteressiert; und in der Tat: sie sind sehr schwer erreichbar. Und das ist nett ausgedrückt.

Ich darf empfehlen: Runter von peinlichen, nebensächlichen Mikrothemen und Eventgehopse und Volldampf auf Sacharbeit auf wissenschaftlicher Basis. Lieber mit Inhalt und langem Atem ernsthaft arbeiten als sich kurzfristig lächerlich machen.

also dann ...
09.09.2010 18:08
who ... the hell is sascha ?

süffisantes lächeln
09.09.2010 16:24

vdb wird den grünen mit seinem vorzugsstimmenwahlkampf sicher zusätzliche stimmen bringen. eine der wenigen taktisch klugen entscheidungen der wiener grünen in diesem wahlkampf.

echtzeit2
09.09.2010 16:38
... eher reines Wunschdenken

mit dem "Sascha" sind die Grünen doch bei der letzten Wahl baden gegangen.
Und die Optik ist
das "letzte Aufgebot" für die Grünen in Wien; und die Meinung, dass der Professor noch schnell wie Frau Jerusalam eine Pensionsaufbesserung anstrebt.
Sehr sehr peinlich das Ganze ...

OttotheBusdriver
09.09.2010 16:23
Bitte bitte ihr Roten, laßt uns mitspielen

wir verschaffen euch die Mehrheit, die euch die Blauen weggenommen haben.

Dafür wollen wir ein paar Stadträte, damit wir die Bürger sekkieren können.

Wir lassen euch auch in Ruhe, könnts weiterhin korrupt sein, am Flughafen weiterbasteln, die Stadt an die Gewista verscherbln, Pratervorplätze bauen, öffentliches Gut per CDS an Finanzinvestoren verschenken, wir halten den Mund solange wir ein paar Gemeinderäte bekommen. Biiiiiiiiiteeeee

Sch...grünInnen - zu blöd für die Opposition, aber regieren wollen.

Welcome to the machine
09.09.2010 16:58

das schlimme ist, dass sie anscheinend glauben mit FPÖVP würden die Dinge besser werden.

Flux0047
 
09.09.2010 18:39
und manche glauben, dass es mit rot/grün besser wird

... haut beides nicht so hin ...

ribiselaffe
 
09.09.2010 16:23

ich finde dieses interview irrsinnig schlecht gemacht. irrsinnig. blöde, einseitige, zeitweise sehr präpotente und doch gleichzeitig gähnend langweilige fragen.

mir wär eine inhaltlich anspruchsvolle diskussion über das programm der grünen und die politische situation in wien lieber gewesen, bzw. hätte ich sie mir vom standard auch erwartet.

gina773
09.09.2010 16:18
Ein Jammer...

Der Mann hat Rückgrat, der will doch mit seiner Kandidatur die Grünen doch nur vor einem Totalabsturz bewahren!
Ein Jammer, wen soll man in Wien denn überhaupt noch wählen können? Ich tue mich verdammt schwer bei diesem Angebot!

DerKassierer
09.09.2010 16:35

FPÖ!

MetaControl
 
09.09.2010 15:49
Die Wahrheit ist...

...dass endlich diese Partei-Kultur beendet werden müsste.
Die Schwierigkeiten denen wir uns ökologisch, sozial und wirtschaftlich entgegen stellen müssen, sind viel zu komplex, als dass sie mit verbohrter Partei-Linie, fragwürdigem Partei-Charakter und dem ausgebleichtem Banner der Partei-Zusammengehörigkeit bewältigt werden könnten.

Es wird Zeit dass wir auf ein anderes System schalten. Den Politiker wieder zum Diener des Volkes machen, wie es sein sollte. Basis-Demokratie auf persönlicher Ebene. Ein Politiker - seine Meinung zu den Themen - Seine Verantwortung.
Die Technik ist bereits verfügbar!

Und auch wir, das Volk, sollten offen zu unseren Meinungen stehen, anstatt anonym zu sein. Wer was zu verbergen hat, hat was zu verbergen.

Chris Quast
09.09.2010 16:42

ich bezweifle aber auch, dass sich abseits des "schutzes" einer partei genügend menschen für ziele ins zeug hauen.

im prinzip wäre dass dann bestensfalls ein elitenzirkel von menschen die in ihren jeweiligen interessensbereichen glauben kompetent zu sein, und nach ihrem wesen soll die welt genesen.

weiters besteht die tentenz dass solche kleininteressensgruppen, viel schneller als parteien "vergehen". parteien können ähnliche zielbereiche über x politikergenerationen verfolgen, kleingrüppchen "sterben" eher schneller aus.

und ein parlament mit 15 parteien brauche ich wirklich nciht.

man muß ja in seinem leben nicht einer "partei" für immer nachlaufen, ich hab in den unterschiedlichsten ebenen schon 4 part. unterschiedliche gewählt.

MetaControl
 
09.09.2010 17:03

Da wird immer noch zu sehr in Gruppen gedacht.
Völlig unsinnig.

Selbst in meinem Freundeskreis kenne ich niemanden der mit irgendwem anderen in 100% allen Bereichen übereinstimmt. Mag sein, dass mein Freundeskreis komplexere Kreise zieht, dennoch glaube ich, dass es völlig in Ordnung ist NICHT einer Meinung zu sein.

Wichtig ist wie man Schwierigkeiten lösen kann, mit dem geringsten Aufwand und Schaden und mit dem höchsten und sinnvollsten Ergebnissen.

Auch dazu ist Technik und Wissenschaft in der Lage.
Und das ist auch das Feld dass zur Informations-Konsolidierung genutzt werden muss - nicht ein Rhetoriker.

Der darf lediglich als Volksvertreter seine Linie angeben und darauf hoffen dass ihm viele zustimmen.

Raus aus den Schubladen!

Makeluv Notwar
09.09.2010 15:34
mon cheri nervt immernoch

wie kann man sich nur auf sowas herablassen

ich werde sicher niemals wieder weder standard noch mon cheri kaufen !

besson
09.09.2010 15:58

interessant. sie haben sich heute den standard gekauft und sind jetzt zusätzlich noch auf standard.at. löblich. aber die anderen die das standard angebot nur gratis nutzen sollten werbung schon in kauf nehmen. und nein ich bin weder bein standard noch bei mon cheri, sondern nur ein user der verständnis hat und sich freut, wenn es noch möglichst lange kostenlosen content gibt.

Der Blinde mit dem Seehund
09.09.2010 15:26
Halten die Grünlichen das Volk wirklich für blöd?

Halten die Grünlichen das Volk wirklich für blöd?
Da machen sie einen Aufmarsch im MQ mit e-bikes und segways und in der Lindengasse 40 vor Ihrem Clublokal stehen vier Klein-LKWs in zweiter Spur, vor Garageneinfahrten, auf Behindertenparkplätzen und werden von den Grünlichen lautstark be- und entladen - und das täglich, teilweise bis 3.00 Uhr morgens.
Die fahren doch nur vor der Wahl medienaufmerksam mit dem Fahrrad, dort wo es Fotoreporter gibt.

Dan Scratch
09.09.2010 15:55

Ja wirklich, unglaublich diese Grünen.
Während Sie ja von den anderen Parteien mit Sicherheit nicht für dumm verkauft werden (Budgetverschiebung, Raiffeisen NÖ, Hypo, etc.).

Und dann sind die nicht mal so weit, dass sie den Wahlkampfauftakt so veranstalten, dass niemand (vor allem keine Fotoreporter) etwas davon mitbekommt.

Nur gut, dass Sie so clever sind.

Der Blinde mit dem Seehund
09.09.2010 16:03
Themenverfehlung?

Nachdem Sie mir keine Antwort auf mein Posting gaben, nehme ich an, daß Sie jemanden anderen schreiben wollten.

Dan Scratch
09.09.2010 16:12

Neiin, eigentlich nicht.
Ich habe im Gegensatz zu Ihnen nur verstanden, dass eine derartige Wahlkampfveranstaltung etwas mit Showbusiness zu tun hat.

Oder glauben Sie tatsächlich, dass irgend eine öffentliche Politikerveranstaltung etwas mit Authentizität oder Ehrlichkeit zu tun hat?

Angesichts des Umstandes, dass die österreichische Bevölkerung von den drei Mittelparteien tagtäglich unglaublich verarscht wird, halte ich ihr Geschreibsel für ziemlich daneben. Sie mögen halt die Grünen nicht, was soll's...

nbergmann
09.09.2010 15:35
was hat zutransport mit individuellem mobilitätsverhalten zu tun

man sollte die fragen der mobilität sehr differneziert betrachten. wenn der billa seine lebensmittel mit dem lkw in der stadt verteilt (und mit der bahn zur stadt transportiert) ist das doch etwas völlig anderes als wenn man als einzelner täglich mit dem auto statt mit der ubahn fährt!

tucker maxxx
09.09.2010 15:47

lol das ganze klumpert für die grüne veranstaltung ist natürlich per bahn gekommen und nur von dort mit dem lkw gefahren worden. und die grünen bekommen gaaanz bestimmt auch am 10 okt die absolute, wenn das so war jojo

ps individuelles mobilitätsverhalten, da fällt mir immer die schöne glawi im schicken BMW cabrio ein, ich weiss ist ja nur ein zutransport...

Der Blinde mit dem Seehund
09.09.2010 15:45
Der Vergleich hinkt aber gewaltig

Der Billa ist ein Lebensmitteltransporteur, welcher gewisse Außnahmeregeln für Ladetätigkeit besitzt.

Wenn eine politische Partei die Nachtruhe in einem der dichtbevölkerten Bezirke (Wien Neubau) durch unnötigen Wahlkampflärm stört, dann ist das zu unterbinden. Zwischen 22.00 Uhr und 6.00 Uhr ist jedwegliche Ruhestörung zu unterlassen.

wahre Lüge
 
09.09.2010 15:24
Holz oder Gras

Bioholz fehlt noch in der Sammlung
Gras ist gut
kann man mähen oder rauchen
grün ist auch gut
Farbe der Eifersucht
die meisten aber grün hinter den Ohren
und Grünspan fällt mir noch ein
eine einzige Korrosion diese Partei
schmuziges Grün
schade

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