Ein Pilotprojekt soll zeigen, wie in Zukunft in armen städtischen Gegenden aus Exkrementen Energie entstehen soll
Oft geben vermeintlich banale oder gar triviale Angelegenheiten den Anstoß zu bahnbrechenden Ideen. Auch beim Projekt x-runner handelt es sich um eine derartige Konstellation. Die Grundidee dahinter: Die Herstellung von Toilettanlagen für private Haushalte in indischen Slums sowie die Sammlung der Exkremente und in weiterer Folge die Produktion von Strom mittels
Biogasanlagen.
Es geht immerhin um die nötigsten Bedürfnisse, denn rund 2,6 Milliarden Menschen weltweit leben ohne Toiletten. Das führt neben gesundheitlichen und hygienischen Problemen oft auch zu sozialen - nicht nur, aber vor allem für Frauen und ältere Menschen. Die Vereinten Nationen haben daher den Zugang zu angemessenen Toilettanlagen als "Millennium Goal" ernannt, bis 2015 soll die Zahl der "klolosen" Menschen zumindest halbiert werden.
Kein eigenes Zu- und Abflusssystem nötig
Einen Weg, um diese Misere einzudämmen, stellt das Projekt x-runner dar. Dabei handelt es sich um eine mobile Toilettanlage, die so klein und platzsparend ist, dass sie auch in noch so engen Behausungen verwendet werden kann, ohne dass dafür ein eigener Anschluss an ein Zufluss- noch an ein Abwassersystem benötigt wird.
Die Ausscheidungen werden in einem Tank gesammelt, der unterhalb der Toilettenabdeckung (am Bild links als "Cover" bezeichnet) eingebaut ist. Der Tankeinlass ist mit einem mechanisches Siphon, das auch als "Smell Blocker" (Geruchsblockierer) bezeichnet wird, versiegelt, um sowohl olfaktorisch als auch hygienisch einwandfreie Bedingungen zu gewährleisten.
Durch eine spezielle Nano-Beschichtung, die sowohl an der Innenseite des Covers als auch des Tanks angebracht ist, werden Urin und Fäkalien abgewiesen - dadurch soll für die Reinigung nur wenig bis gar kein Wasser nötig sein.
Alle drei bis fünf Tage wird der volle Tank dann zu einem rollenden Gerät umgebaut und zur nächsten Exkrementsammelstelle transportiert. Dort befindet sich idealerweise dann auch gleich eine Verwertungsanlage, damit aus den "Speisresten" zuerst Methangas und in weiterer Folge Energie für die Bevölkerung entsteht.
Weltweites Gemeinschaftsprojekt
Entstanden ist diese Idee in einem Team von Kreativen und Desigern, das von der aus Israel stammenden und in Berlin lebenden Konzeptentwicklerin Noa Lerner angeführt wird.
Mitverantwortlich für dieses mobile Toilettenprojekt, das innerhalb des nächsten Jahres genug finanzielle Power haben soll, um in Serienproduktion zu gehen, sind gleich mehrere Organisationen: So sind die Marketing-Plattform betterplace.org und die Network-Organisation palomar5.org genauso involviert wie die World Toilet Organization (WTO), die Universität der Künste Berlin und die indische NGO Sulabh International, die seit 40 Jahren den Standard von öffentlichen Toilettanlagen in Indien zu heben versucht. (Martin Obermayr, derStandard.at, 8.9.2010)