Rechnungshof zerlegt Einkaufsparadies ÖBB

Luise Ungerboeck, 08. September 2010 17:30
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Die 2003 mit der ÖBB-Reform versprochene Optimierung des Beschaffungswesens der ÖBB blieb Stückwerk und die wirtschaftliche Optimierung aus, weil die Teilkonzerne einzeln Milliarden ausgeben.

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Wien - Vergabeverfahren, bei denen die Gleichbehandlung der Bieter nicht gewährleistet ist, unzureichende Festlegung technischer Anforderungen, Parallelbeschaffungen einzelner Teilkonzerne, mangelhafte Dokumentation von Beschaffungsvorgängen, systematische Mängel bei den Kontrollsystemen - die Liste teils grober Mängel, die der Rechnungshof bei der Prüfung des Beschaffungswesens im ÖBB-Konzern aufgespürt hat, ist lang.

Das liegt auch daran, dass der 2003 per ÖBB-Reform in der ÖBB-Dienstleistungsgesellschaft (DLG) installierte "Zentrale Einkauf" nur bruchstückhaft umgesetzt wurde. Mit folgendem Ergebnis: Von einem Gesamteinkaufsvolumen von 2,97 Milliarden Euro im Jahr 2007 wurden Vergaben und Beschaffungen lediglich im Volumen von 335,8 Millionen Euro durch den zentralen Einkauf durchgeführt. Bestellungen über weitere 334, 4 Millionen Euro wurden von diversen ÖBB-Teilkonzernen überhaupt ohne Absprache oder Information des zentralen Einkaufs durchgeführt.

Optimierung bleibt aus

Mit dem großen Rest, immerhin knapp 2,3 Milliarden Euro, wurden Anschaffungen (rollendes Material, technische Einrichtungen, Baudienstleistungen und -material etc.) unter Führung von ÖBB-Infrastruktur (Bau und Betrieb) und ÖBB-Technische Services getätigt. Letzteres war laut RH der angestrebten Optimierung von Einkauf und Materialwirtschaft nicht wirklich zuträglich - im Gegensatz zu den Einzeleinkäufen diverser ÖBB-Teilkonzerne im Volumen von 334 Mio. Euro aber wenigstens geschäftsordnungs- und satzungskonform.

Bis zum Jahr 2009, in dem das Bestellvolumen der ÖBB-Unternehmensgruppe immerhin 2,54 Milliarden Euro betrug, verschlechterte sich die Situation insofern, als das Volumen der von den ÖBB-Teilkonzernen ohne Absprache im Konzern vorgenommenen Einzelbeschaffungen um knapp hundert Millionen Euro auf 412,5 Mio. Euro anstieg. Ohne zentralen Einkauf oder Lead Buyer zugekauft wurden laut RH "Dienstleistungsaufträge bis 60.000 Euro", "geringfügige Einzelbeschaffungen" und "systemmäßig nicht zugeordnete Bauleistungen".

Kein Überblick

Eine Analyse des Bestellvolumens war laut Auskunft des Konzerneinkaufs bis zum Beginn der RH-Erhebungen als nicht erforderlich erachtet worden, schreiben die staatlichen Buchprüfer in ihrem unter Verschluss gehaltenen Bericht, zu dem die ÖBB bis Mitte September ihre Stellungnahme abgeben muss.

Geprüft hat der RH die ÖBB-Einkaufsgebarung, weil es in der ÖBB-Gütersparte RCA beim Kauf von Containerstaplern Verdacht auf Unregelmäßigkeiten gab. Wie der Standard exklusiv berichtete, hat RCA über ihre Finanzierungstochter Industriewaggon GmbH während des Vergabeverfahrens durch die DLG Containerstapler just bei jenem Bieter gekauft, der beim laufenden Bieterverfahren der DLG für einen Container-Rahmenvertrag unterlegen war.

Was den RH noch stört am ÖBB-Konzerneinkauf: dass der zentrale Einkauf keinen Überblick über die Einkäufe diverser ÖBB-Töchter haben konnte. Denn in der konzernweit eingesetzten SAP-Software Materialwirtschaft waren nur weniger als ein Drittel aller Buchungskreise der Einzelgesellschaften erfasst. Teilweise musste das Controlling Meldungen händisch nachbuchen.

Versuche, dies zu ändern, waren bis dato nicht erfolgreich: Wohl teilte der ÖBB-Holding-Aufsichtsrat die Erkenntnis des Vorstands, wonach die Bildung eines handlungsfähigen strategischen Einkaufs in der ÖBB-Holding AG wirtschaftlich vorteilhaft wäre, eine Festlegung der weiteren Vorgangsweise blieb aber aus.

Handlungsbedarf sieht denn auch der neue ÖBB-Holding-Chef Christian Kern. Er bittet um Geduld, die Optimierung und Bündelung sei in Arbeit. Eine bessere Dokumentation soll zudem die 2009 implementierte elektronische Einkaufsplattform "m2c" bringen. Ob die Übung gelingen wird, bleibt abzuwarten, denn bisher wurden Bestrebungen, die ÖBB-Teilkonzerne an die Kandare zu nehmen und so zu sparen, erfolgreich abgewehrt. Zudem sind die ohnehin mickrigen Kompetenzen der Dienstleistungsgesellschaft DLG mittlerweile zersplittert: Das Personal ressortiert zur Holding, Administration, Buchhaltung und Einkauf zur DLG-Nachfolgerin Shared Services, und IT & Telekom gehören zur ÖBB-Infrastruktur.

Dasselbe gilt übrigens auch für die Korruptionsbekämpfung: Weder gibt es im Konzern eine unabhängige Anti-Korruptions-Stelle, noch sind alle Teilkonzerne dem "inhaltlich unbestimmten" und mit "weit gefassten Ausnahmen" ausgestatteten Code of Conduct unterworfen. Im Gegenteil, RCA und Infrastruktur erarbeiten eigene Richtlinien. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.9.2010)

Kommentar posten
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Slaveverwandler
19.09.2010 09:05

Ein ganz normaler Staatsbetrieb also.

revisor69
09.09.2010 20:23
Bestellvolumen TS

Man beachten die Werte von TS, stetig sinkend. Diese Werte spiegeln auch den Erhaltungszustand der Fahrzeuge wieder!

Der PV ist heruntegewirtschaftet, gerichtet wird nur das notwendigste.

MUNGO1
09.09.2010 15:29
Man sollte die armen ÖBBler in Ruhe lassen, die schwere Arbeit mach sie schon in frühen Jahren zu Herzpatienten!

Die ausgefressenen Beanten in den Zentralen sitzen auf ihren breiten Är...en und warten eigentlich nur auf die Frühpensionierung!
Vor Jahren noch wurde ein privates Unternehmen damit betraut die Kapazität der Frachtwaggons auszulasten, selber war man zu faul oder zu blöd dazu!
Frühpension ist das Zauberwort welches den Bediensteten ein freudiges Lächeln abringt, ansonsten ist eine Kur ein Pflichtthema in den Büros!
Die Kuranstalten und Reha Centren sind voll von ausgefressenen und Herzinfarktgefährdeten ÖBBlern, aber auch dort steht der Alk-Konsum hoch im Kurs.

Natürlich sind die im Verschub und auf freier Strecke arbeitenden mit meinem nicht gemeint, aber ihre Kollegen mit den br. Är...en in den Büros, sehr wol!

Michael B
09.09.2010 15:44
Es haben ja genau diese "Beamten in den Zentralen" ganz heimlich, ohne dass es ÖVP und FPÖ bemerkt haben,

die ÖBB in Dutzende "Gesellschaften" aufgesplittert, um damit die Zahl der "Manager" zu verdreißigfachen, und um die politisch gewollten Machenschaften bei Beschaffungen und Auftragsvergabe (siehe auch "externe Beratungsleistungen") zu ermöglichen.
Derartige Raffinesse muß man erst einmal an den Tag legen! Zum Glück haben SIe diese Verschwörung nun aufgedeckt....

MUNGO1
09.09.2010 15:56

Wenn ich das war, dann ist mein vorheriges Posting ja nicht umsonst gewesen!:-)

Die Vergabe an ein privates Unternehmen, um Klienten für die leerstehenden Frachtwaggons um Klienten an Land zu ziehen, war imho aber wirklich eine absolute Fehlentscheidung, dann dazu gab und gibt es noch immer genügend Bedienstete welche die Qualifikation hätten, aber scheinbar zu dumm oder doch zu faul sind.

Gehälter und Sonderzahlungen beziehen aber alle Bediensteten und als Berechnungsrundlage wird der Verschub, also die wirklich schwer arbeitenden, hergenommen.

Über die Frühpensionierungen brauchen wir auch nicht diskutieren und daß die Roten in diesem Verein ein fixes Klientel haben, ebenso nicht!

MUNGO1
09.09.2010 15:39

Berichtigungen;

sehr wohl...
herzinfarktgefährdeten....
Beamten....
Natürlich sind die im Verschub und auf freier Strecke arbeitenden mit meinem Beitrag nicht gemeint, aber ihre Kollegen, die mit den br. Är...en in den Büros, sehr wohl!

V/A
13.09.2010 08:39

Ich würde nicht die Büro-Fuzzis generell attackieren. Was haben die denn für eine Motivation zu arbeiten, wenn ihnen eh nie gekündigt wird...? Ich bin mir sicher, viele würden unter solchen Gegebenheiten ihren Fleiß ein wenig zurückschrauben. Meiner Meinung nach sollte man Kritik an der ÖBB vor allem auf die Politik und die Manager in diesem Konzern fokussieren. Die "br. Är...e" sind nur das Resultat völlig unökonomischer Führung.

MUNGO1
13.09.2010 11:10

Das hat sicher seine Richtigkeit, man sagt ja auch im Volksmund "wieder Herr so auch das Gscher" oder "der Fisch beginnt beim Kopf zu stinken" usw...

Richtig ist aber auch, dass die ÖBB unter dem Schutz der Gewerkschaft und übergeordnet der SPÖ, szeht!

Wie lange das noch haltbar ist? Ich meine es geht bereits dem Ende zu und nach den Wahlen wird´s ganz anders kommen als es die ÖBB`ler sich im Moment vorstellen können!
Zuerst sollen sie aber ihre Stimme abgeben;-)

Die Verluste der ÖBB sowie die der Asfinag sind im Budget nicht enthalten, sie wurden in einzelne Gesellschaften ausgegliedert um zu verbergen dass auch wir EU.Schwindler sind!

Alles geht einmal vorbei und man kann anschließend wieder frisch und froh von neuem beginnen

die gelben fuer at
09.09.2010 15:12
also die argumentation der spö-freunderl hier verstehe ich nicht

die öbb waren von anfang an ein tiefst roter verein, sämtliche missstände und privilegien wurden in knapp 100 jahren gewerkschaftlicher freunderlmisswirtschaft aufgebaut. der versuch einer reform unter schwarzblau wurde ja von der gewerkschaft und den roten öbb bonzen verhindert bzw. einfach nicht umgesetzt oder es wurde so umgesetzt dass noch mehr misswirtschaft getrieben wurde.
wer glaubt bitte im ernst dass eine regierung innerhalb weniger jahre einen so tief in der spö und gewerkschaft verwurzelten konzern umpolen kann???

der RH (scheinbar die einzige unabhängige und sinnvolle institution in diesem land) zeigt ja hier deutlichst auf dass reformen (die sinnvoll wären) absichtlich nicht umgesetzt wurden!

mir wird schlecht
09.09.2010 20:25
Dass vorm Walde & Huber

rote waren ist mir neu.
aber wenn einer eine vorgefertigte meinung hat, dann interessieren tatsachen und fakten nicht.
auch eine möglichkeit durch's leben zu gehen.

Michael B
09.09.2010 15:45
Siehe oben.

Netter Versuch, Hubert!

Cape Code
09.09.2010 15:01
Und die Kommunikationschefin,

schweigt dazu.

ToHaveortoBe
09.09.2010 14:38
Heute großer schwarzer Kampfpostertag

Vielleicht gibts ja morgen den roten Aktionionismus gegen Bauern,Lehrern und Kirche etc...
Traurig

Tereza Stossmich
09.09.2010 15:31

Bauern belasten unser Budget ? Die Kirche auch ? Über Lehrer könnte man diskutieren, weniger über deren Gage als über die Arbeitszeit.....

mir wird schlecht
09.09.2010 20:27
also wenn bauer

und die kirche unser budget nicht belasten....
dann wären wir nicht in ö

sainty1
09.09.2010 14:47
mag sein

nur Ahnung haben sie trotzdem keine..vergessen wer die ÖBB in diese Lage gebracht hat, jetzt ist leicht hussen wenn man es vorher ruiniert hat.

ToHaveortoBe
09.09.2010 14:59

Ein wenig weiß ich schon Bescheid,was hier seit 2003 an seltsamen Dingen passiert ist.
Meine Anregung wäre eigentlich nur ,daß wir mit gegenseitigen Schuldzuweisungen und Anschwärzungen nur ein neues Aufflammen des Klassenkampfes förden.Ein nur ja oder nein ,schwarz oder weiß,fördert den Absolutismus und wo der in der Vergangenheit geendet hat ,weiß man ja.

Verrückt ist gut
09.09.2010 14:23
ÖBB und Optimierung.

Wie kann man diese beiden Begriffe in einem sinnvollen, positiv behafteten Satz anwenden?????

Annemarie Veit
09.09.2010 13:51
die 2003er-reform

an sich ist gut gewesen, nur wurde sie mangelhaft umgesetzt!

die aktuelle kritik von lopatka an den öbb ist also mehr als berechtigt!

am besten wäre es diesen roten moloch in konkurs zu schicken...

Pierre d´Aubusson
09.09.2010 15:51
"...nur mangelhaft umgesetzt..."

erinnert an "Anleitung zum Unglücklichsein, Version "Mehr vom Selben".
Ich kann mich, abgesehen vom Bedienen von Vorurtheilen, an nix besonderes erinnern, was die neuen Chefitäten so von sich gegeben haben. Und so hat man Zusammengehörendes getheilt, Synergien verhindert etc. Und sich hohe Gagen und Abfertigungen genehmigt.
Eisenbahn ist viel zu komplex, als daß man sie irgendwelchen Parteigünstlingen überlassen sollte. Beamte vor - und ordentlich re-formiert. Heißt ja so: Re-formiert. Nicht umsonst.

Quim Barreiros
09.09.2010 15:48

Ihre Aussagen sind genauso sinnvoll wie wenn ich sage "Am besten wäre es, die niederösterreichische Straßenbauabteilung in Konkurs zu schicken." Wer soll denn die Infrastruktur besitzen, bauen und erhalten? Niemand? So wie in diesen tollen Ländern südlich der Sahara?

Michael B
09.09.2010 15:46
Netter Versuch, Wolfi!

Es ist übrigens auch die BUWOG-Privatisierung "gut gewesen, aber mangelhaft durchgesetzt"...

mir wird schlecht
09.09.2010 20:29

also für meischi und co war es sicher nicht mangelhaft

Tereza Stossmich
09.09.2010 15:33
Beklemmende

Paralellitäten mit Wiener Wohnen, dort herrscht ebenso Anarchie und Korruption. Fazit ? Rot und Geld ist wie Öl und Wasser..

sainty1
09.09.2010 14:46
Frau Annemarie Veit

Bitte mal herausfinden wer 2003 die ÖBB geführt hat bevor sie so einen Müll über die SPÖ posten! danke

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