Die größte Privatbank des Landes, die Kabul Bank, wird nur durch eine staatliche Intervention vor dem Krachen bewahrt
Präsident Karsai hilft damit nicht nur den kleinen Sparern, sondern vor allem sich selbst.
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Kabul/Wien - Mit Schlagstöcken ist die Polizei am Mittwoch in der afghanischen Hauptstadt gegen Kunden der Kabul Bank vorgegangen. Seit Tagen drängen sich an den Schaltern der größten afghanischen Privatbank besorgte Sparer, die ihr Geld abheben wollen - zumal die Festtage nach dem Ramadan bevorstehen, an denen die Ausgaben steigen. Die Behörden sprechen von Überlastung und versichern, dass das Geld der Sparer vorhanden und sicher sei. Aber nur wenige glauben das.
Ausgelöst wurde die Panik der Kunden, als die afghanische Zentralbank vor wenigen Tagen die Kontrolle über die Kabul Bank übernahm und das Vermögen ihres Gründers, Sherkhan Farnood, und anderer Anteilseigner einfror. Farnood und ein anderer Spitzenmanager, Khaliullah Frozi, traten zurück - freiwillig, wie es heißt, aber auch das glaubt niemand. Es gibt Gerüchte, dass die Zentralbank versucht, die Hand auf Villen und hunderte Millionen an Vermögen Farnoods und anderer in Dubai zu legen.
In Afghanistan, einem der korruptesten Länder der Welt, weiter nichts Ungewöhnliches, möchte man meinen: Aber Beobachter sehen im Zuge des Bankenskandals das Kartenhaus der Regierung von Präsident Hamid Karsai zusammenbrechen, und das eine gute Woche vor den Parlamentswahlen am 18. September.
Die Kabul Bank ist jene Bank, die Karsais Präsidentschaftswahlkampf finanziert hat. Frozi war Wahlkampfberater Karsais. Farnood - eine Erfolgsfigur des "neuen Afghanistan" - hat es nach der Befreiung des Landes von den Taliban wie kein anderer verstanden, ein Patronagesystem für Politiker und ihre Clans und Klienten zu entwickeln, etwa durch die Vergabe attraktiver Kredite - finanziert durch die Einlagen der normalen Sparer.
Auch Hamid Karsais Bruder Mahmud ist Anteilseigner an der Bank, er hält neun Prozent. Pikanterweise wurde diese Beteiligung an der Bank durch einen Kredit der Bank finanziert. Trotzdem soll Mahmud Karsai nicht zu jenen gehören, deren Vermögen eingefroren wurde. Sehr wohl ist jedoch Haseen Fahim betroffen, der Bruder des Vizepräsidenten Mohammed Qasim Fahim.
Als Karsai den Tadschiken während des Wahlkampfs zu seinem Vize auserkor, schüttelten viele den Kopf. General Fahim wird unter anderem die Beteiligung an Massakern an der ethnischen Gruppe der Hazara in den 1990erJahren vorgeworfen. Letztlich wurde jedoch Karsais Entscheidung als Versuch der Kooptierung der ehemaligen tadschikischen Opposition ausgelegt.
Heute sieht es eher nach einem Geschäft aus. Es wurde von den Brüdern der beiden vermittelt: Der Präsident durfte am finanziellen Kuchen der Kabul Bank mitnaschen und Qasim Fahim am politischen Kuchen. Und Washington ist - wieder einmal - entsetzt. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe,9.9.2010)