Drei Hausgötter der Operette

Stefan Ender, 8. September 2010, 17:20

Saisonstart an der Wiener Volksoper - Konzertpremiere mit Lehár, Straus und Stolz

Wien - Und auch am Währinger Gürtel beginnen die Dinge wieder zu klingen: Sachte startet die Wiener Volksoper in die neue Spielzeit. Am letzten Wochenende war man alten und neuen Publikumsschichten entgegengekommen und hatte im Arne-Carlsson-Park unter freiem Himmel und Zuhilfenahme von Bühnengrößen wie Kurt Rydl oder Angelika Kirchschlager singend auf die kommende Saison aufmerksam gemacht.

Angelika Kirchschlager schien der Freiluft-Gig nicht gut bekommen zu haben: Sie musste ihre Mitwirkung an der ersten Volksopern-"Premiere" aufgrund einer "Luftröhrenentzündung" absagen, wie Christoph Wagner-Trenkwitz, Gestalter und Conferencier der kostensparenden Konzertproduktion, mitteilte.

Drei Meister der leichten Muse präsentiert der Mehr-Sparten-Amüsementtempel am Gürtel bis Mitte November - Franz Lehár, Oscar Straus und Robert Stolz. In nüchternem Ambiente kittete Wagner-Trenkwitz Evergreens der drei Prägegestalten der "Silbernen Operette" mittels anekdotischer Geschichtchen zu einer Geburtstagsfeier für die drei Hausgötter zusammen, die nur beschwerlich in den wünschenswerten Zustand der emotionalen Trunkenheit fand - sein lebenserfahrenes Stammpublikum dankte es ihm aber zumindest in der zweiten Konzerthälfte mit vitalen Zeichen des Beifalls.

Kurz bedauerte man, dass Wagner-Trenkwitz die Moderation im Arbeitsgewand des Operetteurs, dem Frack, erledigte und Kokosnuss-BH und Baströckchen aus der South-Pacific-Produktion im Fundus gelassen hatte. Doch dann kam schon Alfred Eschwé und bezauberte gemeinsam mit dem Volksopern-Orchester mit hochpräzisem, reichem Musizieren. Das exzellente instrumentale Niveau wurde von einer freundlich lächelnden Parade an neuen (Beate Ritter) und altbewährten (Sándor Nemeth) Ensemblemitgliedern vokal knapp nicht erreicht. (Stefan Ender, DER STANDARD - Printausgabe, 9. September 2010)

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Ein politisch total inkorrektes,

wenn auch hochaktuelles Programm voll von 'Zigeunern';-)

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Wagner-Trenkwitz ...

... ist so uns so eine Zumutung, egal ob Frack oder Baströckchen. Er täte gut daran, weniger oft - oder noch besser gar nicht mehr - in Erscheinung zu treten, denn durch seine Mitwirkung werden an sich interessante Veranstaltungen fast unbesuchbar. Wie kommt man z.B. dazu so einem Möchtegern (in Wahrheit aber Nichtkönner) anhören zu müssen, nur weil man z.B. einen großartigen Furlanetto in South Pacific hören möchte? Wie kommt man dazu sein Endlosgequassel über sich ergehen zu lassen - mit dem er es bei Fernsehmoderation die er zeitweise machte regelmäßig schaffte in die Musik hineinzuquatschen -, wenn man eigentlich nur gute Musik hören will, die für sich selbst spricht und ohnehin jedes Wort überflüssig macht?

trotzdem
 
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Das ist richtig. Die Trenkwitz'schen schlechten Witze, über die in der Premiere maximal eine Handvoll Personen lachte, hätten ohne Probleme gekübelt werden können. Dafür hätte der Produktion ein Hauch einer Kulisse gut getan - vorhanden war lediglich eine weiße Wand hinter dem Orchester.
Was in der hiesigen Kritik - ganz im Gegensatz zur überschwallenden Lobhymne Dobners in der Presse - gut zur Geltung kommt, sind die stimmlichen Defizite mancher Sänger. Streckenweise, vor allem bei den schwierigeren Lehar'- und Straus'schen Liedern der ersten Hälfte, glaubte man, in einem Brüllwettbewerb zu sitzen. Wie wohl tat es da, Otoniel Gonzagas rundum perfektes "Dein ist mein ganzes Herz" mit leisen, dafür gehaltenen Tönen zu hören.

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