Saisonstart an der Wiener Volksoper - Konzertpremiere mit Lehár, Straus und Stolz
Wien - Und auch am Währinger Gürtel beginnen die Dinge wieder zu klingen: Sachte startet die Wiener Volksoper in die neue Spielzeit. Am letzten Wochenende war man alten und neuen Publikumsschichten entgegengekommen und hatte im Arne-Carlsson-Park unter freiem Himmel und Zuhilfenahme von Bühnengrößen wie Kurt Rydl oder Angelika Kirchschlager singend auf die kommende Saison aufmerksam gemacht.
Angelika Kirchschlager schien der Freiluft-Gig nicht gut bekommen zu haben: Sie musste ihre Mitwirkung an der ersten Volksopern-"Premiere" aufgrund einer "Luftröhrenentzündung" absagen, wie Christoph Wagner-Trenkwitz, Gestalter und Conferencier der kostensparenden Konzertproduktion, mitteilte.
Drei Meister der leichten Muse präsentiert der Mehr-Sparten-Amüsementtempel am Gürtel bis Mitte November - Franz Lehár, Oscar Straus und Robert Stolz. In nüchternem Ambiente kittete Wagner-Trenkwitz Evergreens der drei Prägegestalten der "Silbernen Operette" mittels anekdotischer Geschichtchen zu einer Geburtstagsfeier für die drei Hausgötter zusammen, die nur beschwerlich in den wünschenswerten Zustand der emotionalen Trunkenheit fand - sein lebenserfahrenes Stammpublikum dankte es ihm aber zumindest in der zweiten Konzerthälfte mit vitalen Zeichen des Beifalls.
Kurz bedauerte man, dass Wagner-Trenkwitz die Moderation im Arbeitsgewand des Operetteurs, dem Frack, erledigte und Kokosnuss-BH und Baströckchen aus der South-Pacific-Produktion im Fundus gelassen hatte. Doch dann kam schon Alfred Eschwé und bezauberte gemeinsam mit dem Volksopern-Orchester mit hochpräzisem, reichem Musizieren. Das exzellente instrumentale Niveau wurde von einer freundlich lächelnden Parade an neuen (Beate Ritter) und altbewährten (Sándor Nemeth) Ensemblemitgliedern vokal knapp nicht erreicht. (Stefan Ender, DER STANDARD - Printausgabe, 9. September 2010)