ORF-Radiodirektor

Testabstimmung vor eigentlicher Wahl erwartet

08. September 2010 15:35

Mehrheit für Amon im Stiftungsrat dürfte stehen - Wolf und Dittlbacher aussichtsreichste Kandidaten für TV-Chefredaktion

Wien - Der ORF-Stiftungsrat soll morgen, Donnerstag, einen neuen ORF-Radiodirektor wählen. Das 35-köpfige Aufsichtsgremium tagt ab 10.00 Uhr, unter Tagesordnungspunkt 4 steht die Bestellung des neuen Hörfunkchefs auf dem Programm, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Karl Amon heißen wird. Amon kann nach APA-Informationen zumindest mit der Unterstützung von 18 Stiftungsräten rechnen. Den Großteil sollen dabei die 15 SPÖ-nahen Gremienmitglieder beisteuern, dazu dürften dem Vernehmen nach die Stimmen der beiden unabhängigen Betriebsräte sowie des BZÖ kommen.

Amon-Gegner

ÖVP und FPÖ lehnten eine Unterstützung von Amon zuletzt ab, bei den Grünen wird offenbar doch noch überlegt. Noch vor der eigentlichen Abstimmung dürfte es auf Initiative der Amon-Gegner zu einem Antrag zur Geschäftsordnung kommen, bei dem über eine Vertagung und Nicht-Nachbesetzung des Postens des Radiodirektors abgestimmt werden soll, war am Mittwoch zu hören. Damit sollen die aktuellen Mehrheitsverhältnisse im Stiftungsrat abgetestet werden. Der Vorstoß dürfte durch die Amon-Unterstützer jedoch abgelehnt werden. Danach scheint für den Fernseh-Chefredakteur bei der eigentlichen Bestellung sogar eine breitere Mehrheit und ein höheres Votum als die notwendigen 18 Stimmen denkbar.

Amon soll auf dem Posten des Radiodirektors Willy Mitsche nachfolgen, der sich nach einer monatelangen schweren Erkrankung aus gesundheitlichen Gründen aus der ersten Reihe des ORF-Managements zurückgezogen hat. Die erwartete Bestellung des Fernseh-Chefredakteurs wird übrigens weitere hochrangige Postenbesetzungen in der Fernseh-Information nach sich ziehen.

Stellungsspiele um Amon-Nachfolge

Dort begannen denn auch erste Stellungsspiele um die Amon-Nachfolge. Als aussichtsreichste Kandidaten werden am Küniglberg derzeit "ZiB 2"-Anchorman Armin Wolf und der stellvertretende Innenpolitik-Chef der Fernseh-Information, Fritz Dittlbacher, gehandelt. Wolfs Ambitionen auf den Topjob kursierten am Dienstag noch als ORF-internes Gerücht, am Dienstagabend bestätigte der "ZiB 2"-Moderator, der erst kürzlich ein Post-Graduate-Studium an der "Berlin School of Creative Leadership" absolvierte, nahezu zeitgleich mit der Bewerbung Amons zum Radiodirektor seine Ambitionen gegenüber dem STANDARD. Die Fernseh-Information habe derzeit einen exzellenten Chefredakteur, "sollte die Funktion frei werden, werde ich mich bewerben", so Wolfs Ansage.

Wolf gilt als Liebling der Medien. 2006 lieferte er mit einer aufsehenerregenden Rede bei der Verleihung des Robert Hochner-Preises den Startschuss für die Initiative "SOS ORF", legte sich mit dem bürgerlichen TV-Chefredakteur Werner Mück an und trug so zum Wechsel der ORF-Geschäftsführung und zum Sturz der damaligen, inzwischen beim Raiffeisen-Konzern angedockten, ORF-Generaldirektorin Monika Lindner bei.

Dittlbacher als "rotes Tuch"

Die SPÖ, die im ORF zuletzt personalpolitisch die Tonlage vorgab, dürfte für die Amon-Nachfolge aber Dittlbacher favorisieren, wie zu hören ist. Dieser gilt freilich den Schwarzen als "rotes Tuch", auch bei den Grünen gibt es Vorbehalte. Dittlbacher war vor seiner ORF-Zeit beim SPÖ-Parteiorgan "Arbeiterzeitung" tätig und 1999 einer jener diensthabenden "ZiB"-Redakteure, die dafür gesorgt haben sollen, dass in einem "ZiB"-Beitrag über die Euroteam-Affäre eine Passage, in der der Sohn des damaligen SP-Kanzlers Viktor Klima vorkommen sollte, eliminiert wurde. In der ÖVP wird Dittlbacher deshalb auch als "8-Sekunden-Schneider" bezeichnet.

Lancierte Meldungen, dass Dittlbacher ab sofort die Fernseh-Innenpolitik leitet, sorgten Dienstag und Mittwoch denn auch für Aufregung in der Politik. "Aus einer normalen Vertretungsregelung wird ein rotes Schreckgespenst gemacht, um damit vor allem die Grünen zu beeindrucken", meinte ein ORF-Vertreter. Am Küniglberg wird derzeit überlegt, dass Amon nach seiner Wahl zum Radiodirektor die Funktion des TV-Chefredakteurs bis zur Ausschreibung und Nachbesetzung des wichtigen ORF-Postens vorerst in Personalunion weiter ausübt. Bei Abwesenheit würde er von seinem letzten dort noch verbliebenen Stellvertreter, Innenpolitik-Ressortleiter Hans Bürger, vertreten. (APA)

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