Wie eine beinahe abgesagte Mission sämtliche Schwierigkeiten überwand und doch noch zum Erfolg wurde - Freitag Abend auf arte
Sean O'Keefe wird wohl nicht als erfolgreichster NASA-Direktor in die Geschichte eingehen - und eine seiner unpopulärsten Entscheidungen war es, eine bereits geplante Reparaturmission zum "Hubble"-Weltraumteleskop abzusagen. Auf den ersten Blick mag diese Entscheidung paradox gewirkt haben, ist die NASA doch stets händeringend bemüht, das Interesse an ihren Space-Shuttle-Missionen mit PR-trächtigen Aktionen zu erhöhen. Und "Hubble" hatte erstaunliches Mobilisierungspotenzial unter der Bevölkerung, beinahe eine Erinnerung an die Ära, als Raumfahrt in den USA noch als gesamtgesellschaftlicher Kraftakt empfunden wurde. In einer schnell geschnittenen Eröffnungssequenz demonstriert Rushmore DeNooyers Dokumentation "Hubbles abenteuerliche Rettung", warum das Teleskop so populär geworden ist: Wir sehen eine Revue seiner berühmtesten Aufnahmen, teilweise in animierte Sequenzen eingebaut.
... doch Kostenreduzierung und Sicherheit gingen in der Ära O'Keefe, vor allem nach der "Columbia"-Katastrophe, über alles. So blieb es O'Keefes Nachfolger Michael Griffin, der in der Doku kurz zu Wort kommt, vorbehalten, den Reparaturplan wieder aus der Schublade zu holen. Es war bei weitem nicht die erste Aktion dieser Art - die erste Nachbesserung war bereits nach dem Start des Teleskops notwendig, es folgten ähnliche Aktionen 1997, 1999 und 2002. Kaum jemand mag sich heute noch daran erinnern, dass "Hubble" in seiner Anfangszeit sogar das Objekt allgemeinen Gespötts war. Trotz all dieser Nachjustierungen schwächelte das Teleskop zuletzt aber zunehmend. Gyroskope und Sensoren
fielen aus, die Batterien ließen nach, und einige Messinstrumente hatten
bereits vollständig versagt. Abhilfe konnte einzig eine ebenso aufwändige wie riskante manuelle Reparatur im Orbit verschaffen.
Das große technische Ballett
Rushmore DeNooyer und sein Team verfolgten Schritt für Schritt die
jahrelangen Vorbereitungen der Wartungsmission bis zum Start der Raumfähre "Atlantis" vom Kennedy Space
Center im Jahr 2009 und der anschließenden Durchführung der Reparatur. "Kein Ballett wird akribischer geplant oder sorgfältiger geprobt", heißt es an einer Stelle. Wir sehen, wie die Astronauten in einem Swimming Pool die Reparatur an einem Modell des Teleskops proben, erfahren - eingebaut in eine Tricksequenz - von einem Notfallplan, mit dem man die "Atlantis" im Unglücksfall durch ein eilig gestartetes Schwesterschiff zu retten hoffte, und werden mit einer Parade exotischer HighTech-Werkzeuge konfrontiert, die einzig und allein für den Zweck ersonnen wurden, in dieser Mission eingesetzt zu werden. Wie entfernt man mit klobigen Handschuhen 117 winzige schwebende Schrauben, ohne dass eine davon ins Teleskop fällt und es endgültig ruiniert? Das sollte sich zur entscheidenden Frage entwickeln.
DeNooyer interviewte für seine Dokumentation die Astronauten und Ingenieure, die an der Reparaturmission beteiligt waren. Dazu kommen Originalaufnahmen aus dem NASA-TV und Tricksequenzen - und mittendrin auch ein während der Mission eilig erstelltes Handy-Video, in dem Ingenieure der Bodenkontrolle den im Orbit gerade ins Stocken gekommenen Astronauten demonstrieren, wie man eine Problemlösung improvisiert ... und dass manchmal eben nur rohe Gewalt hilft.
Dass die Mission in ein Happy End mündete, wissen wir: "Hubble" konnte in insgesamt 23 Außenbordeinsätzen auf Vordermann gebracht werden und danach - um 10 bis 70 Prozent effizienter als zu
Beginn seines Einsatzes - wieder seine Arbeit aufnehmen. "Hubbles abenteuerliche Rettung" zeigt, wie es dazu gekommen ist und wie vermeintliche Kleinigkeiten gestandene Profis an den Rand der Verzweiflung bringen können. (red)
"Hubbles abenteuerliche Rettung", Dokumentation, USA 2009.
Freitag, 10. September, 22.00 bis 22.55 h, arte