SPÖ-Front gegen Studiengebühren

8. September 2010, 14:18

Forderungen von Wissenschaftsministerin Karl sind "gegen Koalitionsabkommen"

Wien  - Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) beißt mit ihrer Forderung nach Wiedereinführung von Studiengebühren beim Koalitionspartner auf Granit, wie zahlreiche Wortmeldungen aus der SPÖ am Mittwoch zeigten. Karl wird darin "Verunsicherungspolitik" vorgeworfen. SPÖ-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl wertete die Aussagen von Karl als "Versuch, sich aus der Ressortverantwortung zu stehlen und als Eingeständnis, dass sich die ÖVP-Ministerin offenbar gar nicht darum bemüht, sich bei ihrem Parteifreund, ÖVP-Finanzminister Pröll für mehr Mittel für die Universitäten einzusetzen".

Das Schließen von Universitäten und die Kündigung von Professoren ist für Kuntzl eine "nicht tolerierbare und gefährliche Verunsicherung von Lehrenden und Studierenden". Die Forderungen seitens der ÖVP nach Studiengebühren seien zudem gegen das Koalitionsabkommen.

Bildungsministerin Schmied zeigt Verständnis für Karl

Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) äußerte im Radio-"Mittagsjournal" Verständnis für die Wissenschaftsministerin. Schmied, die im Vorjahr zusätzliche Mittel für den Schulbereich gefordert hatte und dann mit ihrem Vorstoß auf eine längere Lehrerarbeitszeit gescheitert war, könne sich "sehr gut in die Situation" von Karl hineindenken. Studiengebühren lehnt die Unterrichtsministerin allerdings ab. Statt dessen sei der Finanzminister gefordert. "Am Ende des Tages werden wir zu der Erkenntnis kommen, dass wir im Bildungsbereich mehr Budgetmittel brauchen", sagte Schmied.

Rudas: Karl soll sich an Finanzminister wenden

Statt immer wieder neue Einnahmequellen wie etwa Studiengebühren aufs Tapet zu bringen, solle Karl zuerst die vorhandenen Mittel effizienter einsetzen, sagte SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas. Dass Karl mit Schließungen von Unis und massivem Personalabbau droht, geht nach Ansicht von Rudas "zu weit". Stattdessen solle sich die Ministerin mit ihrem Appell "an die einzig richtige Adresse wenden", nämlich an Finanzminister Pröll. Im Sinne der Budgetkonsolidierung müsse jedes Ministerium seinen Beitrag leisten.

Für SPÖ-Klubobmann Josef Cap werden Studiengebühren "mit der SPÖ auch nicht wieder eingeführt". Österreich habe ohnehin zu wenig Akademiker. Das Bildungssystem sei "noch immer sozial zu selektiv", Studiengebühren würden die Situation verschärfen. 

VSStÖ: Karl -Vorschlag würde Studierende 800 Euro pro Semester kosten

"Eine finanzielle Katastrophe" - oder in Zahlen ausgedrückt: 800 Euro pro Semester - würde nach Berechnungen des Verbands Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ) der jüngste Vorschlag von Karl für die Studenten bedeuten. Die Vertreter des VSStÖ gehen davon aus, dass die von Karl kolportierte Finanzierungslücke von "zumindest 250 Millionen Euro pro Jahr" ab 2012 im Universitätsbudget mit Studiengebühren finanziert werden soll.

Eingerechnet hat der VSStÖ alle Studierenden an öffentlichen Universitäten (255.561), minus den Beziehern von Studienbeihilfe und Selbsterhalterstipendium nach der Sozialerhebung 2009 (24 Prozent). Ebenfalls abgezogen wurden 20 Prozent der Studierenden, weil dieser Prozentsatz auch nach der Einführung von Studiengebühren 2001 das Handtuch geworfen hatte. Der VSStÖ prognostiziert, dass sich die Rate der Studienabbrüche wiederholen wird. Es bleiben laut der Berechnung 155.381 Studenten, die Studiengebühren zahlen müssten. Das wären pro Kopf jährlich 1.600 Euro, um auf 250 Millionen im Jahr zu kommen.

Mit "Entrüstung" reagierten die Vertreter der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) auf Karls Vorschlag. ÖH-Vorsitzende Sigrid Maurer sprach von einer "bodenlosen Frechheit", Karl versuche erneut, "ihre Verantwortung auf andere abzuschieben".

Grüner legt Karl Rücktritt nahe

Der Wissenschaftssprecher der Grünen, Kurt Grünewald, stimmt Aussagen von Karl zu, wonach es mehr Geld für die Universitäten bedürfe. Wenn Karl allerdings glaube, dass Universitäten nur mehr durch Studienbeiträge zu retten seien und die Qualität der Lehre nur durch eine massive Reduktion der Studenten sicher gestellt werden könne, so müsse das als Bankrotterklärung gesehen werden, "die einen Rücktritt nahelegt", so Grünewald.

BZÖ-Wissenschaftssprecher Rainer Widmann bezeichnete Karls Vorschlag als "populistische Drohung". Die Wissenschaftsministerin solle nicht mit "Horrorszenarien durch die Lande ziehen", sondern mit dem Koalitionspartner an einer vernünftigen, zukunftsträchtigen Lösung" für die Universitäten arbeiten. (APA)

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Alkolix
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über 15Mrd

an subventionen für Unternehmen praktisch offene freunderlwirtschaft

aber kein geld für die Unis - wer glaubt den unsinn denn bitte noch?

onduras
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natürlich sind studiengebühren ein muss, gebunden am studienerfolg, so sind beiden seiten gedient.
allerdings sollten die gelder nur für die unis verwendet werden

djang
01

Die ÖVP will Studiengebühren
Die SPÖ will Reichensteuern

also:

Studiengebühren für Reiche!

MundMs
10
wofür wird Karl bezahlt?

Abgesehen davon, dass es komplett lächerlich ist einen Juristen als Wissenschaftler zu bezeichnen (inwiefern klärt er auf was in der Welt passiert?), zeigt die jetzige Bestellung einer Juristin zum Wissenschaftsminister so deutlich wie selten zuvor, dass Jus nichts mit Wissenschaft zu tun hat.

Diese Frau ist komplett unfähig irgendeinen eigenen Gedanken zu formulieren oder überhaupt zu denken. Seit ihrer Einstellung kam nur die Tiefkühlkostlösung der Studiengebühren auf den Tisch, die sie ebenso vertritt wie das ein Blatt Papier tun könnte, nur muss dieses nicht bezahlt werden.

Dass ein Wissenschaftler dem etwas an der Gesellschaft liegt (also in d Politik is), 3/4 der Wissenschaft in d. Gesellsch abschaffen will, ist eine Ironie für sic

Munis
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OK bin für Studiengebühren

wie für die Vignette auf der Autobahn und für Parkgebühren und auch für Schulgebühren und auch für eine Zahlung wenn man die Polizei braucht sowie für eine Gebühr fürs Radfahren und fürs Gehsteigbenützen. Keine Leistung ohne Gegenleistung - dafür schaffen wir im Gegenzug ALLE Steuern ab weil ich denke Österreich als Hochsteuerland könnte sich locker die Studiengebühren ersparen wenn nicht dann ist das ein Armutszeugnis für unser Land!

Alkolix
00
und was machen die

die jetzt schon keine steuern zahlen?

überall ein stipendium?
bürokratie ole!

meinrad
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studentenzahlen reduzieren!

wir brauchen weniger akademiker, dafür wieder mehr notdürftig angelernte arbeiter, die manuelle arbeit verrichten können!

jeder weiß doch: unser kapital ist unsere fähigkeit zur billigen massenproduktion.

nur so können wir 8 mio. österreicher gegen milliarden von chinesen und indern konkurrenzfähig bleiben.

thinkingplaces
01

Österreich soll also, wenn es nach Ihnen geht, zu einem Niedriglohnland werden?! Nein, danke...

Unpolitisch
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Lösungsvorschlag

Warum geben nicht einfach bei dieser ideologischen Frage beide Seiten nach.

Die ÖVP akzeptiert die Gesamtschule der 6 - 14jährigen und im Gegenzug ist die SPÖ mit der Wiedereinführung von Studiengebühren einverstanden.

So haben beide Seite einen Erfolg vorzuweisen und unser Bildungssystem würde davon profitieren.

Alkolix
00
dachte die asylanteninhaftierung war schon

ein zugeständniss

TrifterSepp
 
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Das Problem ist, dass weder die Gesamtschule, noch die Studiengebühren irgendein Problem im Bildungsbereich lösen.

Die Stimme des Marktes
36
Auf der ganzen Welt...

...hat man erkannt, daß Studiengebühren - in welcher Form auch immer (sinnvollste Ausgestaltung: staatl. "Bildungskredite") - sachlich richtig und sozial gerecht sind, nur ein kleiner roter (eigentlich rot/grün, aber grün ist ja dabei in Tausend kleine Gummiwutzerl zu zerfallen) Alpenstamm leistet verbohrt Widerstand...
Empfehlung an die Studenten: Nehmt die z.T. hervorragenden Angebote in anderen EU-Ländern in Anspruch. Es zahlt sich aus...

Alkolix
00
stimmt halt nicht

was sie sagen

in keinem teil der welt bis auf ein paar europäische länder hat sozial gerecht eine bedeutung

und sachlich richtig oder falsch können studiengebühren garnicht sein

also erst studieren, dann denken, dann wieder posten...

meinrad
11
bildungskredite

voll super - mit schulden bis über die ohren ins berufsleben starten.

aber der wirtschaft wirds natürlich taugen, ein verschuldeter arbeitnehmer muckt weniger schnell auf.

120 Jahre Karl Schranz
00
ein staatlicher bildungskredit wird so ausgestaltet, dass er erst ab einem bestimmten gehalt zurückgezahlt wird

problem gelöst.

Schreck
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Hier Stimme der Vernunft:
In Hessen hat man sie wieder abgeschafft, in NRW (hoffentlich) bald auch

mulitrox
01
Riesen Dilemma!

Das Problem ist nämlich, beide Seiten wissen genau über das Problem bescheid und dennoch können sie es nicht ändern:

Die SPÖ hat das jetzt von ihnen kritisierte Budget mitbeschlossen und selbst zu den Kürzungen im Unibereich zugestimmt. Gleichzeitig muss sie aber aus ideologischen Gründen Studiengebühren ablehnen, obwohl sie mehr Geld für die Unis bringen würden.

Die ÖVP hat im Koaltionsvertrag festgehalten, dass sie keine neuen Gebühren einführen werden. Gleichzeitig sind aber auch die verschiedenen Minister nicht bereit, aus ihren Ressorts mehr Geld in Richtung Wissenschaftsministerium abzuliefern.

Beide Seiten wissen, dass mehr Geld notwendig ist. Beiden Seiten sind aber die Hände gebunden - aus völlig verschiedenen Gründen..

SiSe
00

Die Studiengebühren, welche von Schwarz/Blau eingeführt wurden, sollten auch den Universitäten zugute kommen - rausgekommen ist, dass ziemlich genau dieses Summe den Universitäten genommen wurde.

Wieso schickt der Staat Geld im Kreis (Uni zahlt Mieten an die BIG --> BIG zahlt an den Bund). Da gäbe es erhebliches Einsparungspotenzial.

SoRoNin
01

Auf der anderen Seite gibt es da Studien, die durch Überlastung und/oder schlechte Studiumsorganisation seitens der Uni mehr oder minder von vornherein verhindern, dass man in Mindestzeit durchkommt. Die zusätzlichen Kosten, für die der Student dann aufkommen muss und eigentlich nichts dafür kann, sind mehr als nur unfair. Natürlich kommt dann noch dazu, dass das Stipendium bei den daraus folgenden Fristverletzungen gestrichen wird.
Bummelstudenten gibt es und wird es ewig geben, aber wieso alle strafen/zur Kassa bitten wegen einiger weniger? Bei dieser Debatte läuft einiges schief.

ei padauz
02
So wird das nix!

Die APA und damit auch der Standard, spielen weiter willfährig ÖVP-Handlanger:
Die gesamte Bildungsdebatte wird durch die ständige Ventilation diverser Politiker-DarstellerInnen-Wortfetzen auf die Frage nach Studiengebühren reduziert: So spricht man ständig über diese in jedem fall asoziale, und in 90% aller Varianten sinnlosen Maßnahme, statt darüber, was tatsächlich anstünde: Eine Debatte über Verteilungsgerechtigkeit, und die Strukturen im Bildungssystem als ganzem.

Hardcoreboson
01
mittel effizienter nutzten ...

das klingt echt super - allerdings jetzt konkret? die einzige massnahme die hier das kraut fett macht, waeren tatsaechlich boese zugangsregelungen, damit sich die studenten besser auf alle faecher aufteilen.

ich finde diese fundermentalopposition von der SPOe (bei unis) und OeVP (bei schulen) ziemlich zum kotzen. es gibt in oesterreich KEINE partei die kompetenz im bildungsbereich hat. jede partei hat da ihr 'dogma'.

Schreck
21

Studiengebühren tragen nada zum Budget bei. Nix, gar nichts. Nichteinmal ein bischen.
Das hat die ÖVP schon längst zugegeben.

Im selben Rahmen bewegen sich etwa Erbschaftssteuern und nach denen verlangt ja die ÖVP auch nicht mehr (die SPÖ leider auch nicht).

Erst gscheite Vermögenssteuern, Umverteilung und ein vernünftiges Bildungssystem vom Kindergarten bis zum phd, dann können die vlt den Mund wieder aufreißen und irgendwas fordern.

Die Stimme des Marktes
01
Wie viel...

...wollen's denn in Österreich noch umverteilen?

Queen of Sheba
 
01
Wo bleibt der Aufschrei der Studierendenvertreter/innen gegen das Bashing durch MAGNA-Wolf beim Sommergespräch ?

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