Reportage

Fast Food im Rathaus

Maria Sterkl, 08. September 2010 15:30
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    Foto: derstandard.at/

Michael Häupl lud, wie jedes Jahr, rund 200 Muslime zum Fasten-brechen in den Rathauskeller

Verstört drehen sie den Kopf und schauen nach, wo der Unruheherd ist. Die Touristengruppe auf dem Rathausplatz kann das Gebrülle nicht genau lokalisieren. Es kommt vom Rathaus-Eingang: Umzingelt von einem Haufen Polizisten, schreit eine Gruppe von Protestierenden: „Haut die Schweine raus!"

Ein paar Meter näher dem Erdmittelpunkt steht im Rathauskeller der Bürgermeister gerade hinterm Mikrofon. Der Saal des Restaurants ist rappelvoll, manche Männer tragen Turban, manche Frauen Kopftuch. Rund 200 Muslime sind der Einladung des Bürgermeisters gefolgt. Doch der Protest an der Oberfläche gilt nicht ihnen. Während Heinz-Christian Straches verregnetes Wahlkampf-Fest im Arkadenhof von einer wütenden Gegendemo fremdbeschallt wird, ist es unten im Rathauskeller ruhig und entspannt. 

„Es kann kaum etwas Unterschiedlicheres geben, was da heute im Rathaus stattfindet", stellt Michael Häupl nüchtern fest. Der Bürgermeister hat zum Ramadan-Fastenbrechen geladen. Obwohl die meisten seit mehr als 13 Stunden nichts gegessen haben, hören sie aufmerksam zu, während der Bürgermeister zu ihnen spricht. Zuhause hätten sie sich längst die Bäuche vorgeschlagen. Hier nippen sie geduldig an Cola und Orangensaft, bis die Reden vorbei sind.

Stimmzettel als Waffe

„Wir wollen zum Ausdruck bringen, dass der Islam nicht nur eine anerkannte Religion ist, sondern dass die Muslimen in dieser Stadt auch willkommen sind", sagt Häupl und erntet dafür kräftigen Applaus. „Jeder, der zu uns kommt, und mithilft, die Wirtschaft aufzubauen, ist willkommen", fügt der Bürgermeister hinzu. Er verstehe, dass Zugewanderte sich „abgelehnt und nicht willkommen fühlen", wenn sie eine gewisse Stimmung „und bestimmte Plakate" wahrnehmen. „Aber ich versichere Ihnen, dass 80 bis 90 Prozent der Wiener anders denken!" Manche ZuhörerInnen schauen zwar etwas skeptisch, aber ihnen bietet der Bürgermeister gleich eine Möglichkeit an, "sich gegen solche Stimmungen aufzulehnen": am Wahltag das Kreuzerl bei der SPÖ zu machen. „Der Stimmzettel ist die Waffe gegen die Feinde der Demokratie", beendet der Bürgermeister seine Rede. 

Als der Applaus versandet, flüstert ein Festgeladener: „Ich höre immer ‚Waffe‘. Sind wir etwa im Kampf?" Von seinen Tischnachbarn erhält er keine Antwort - doch ein Blick auf die Gegenwart bestätigt: Es herrscht Kampf, aber nicht jener der Kulturen, sondern der Kampf um die Wählerstimmen. Seit neun Jahren lädt der Bürgermeister zum Iftar-Essen ins Rathaus, doch heuer fällt es erstmals Mal mitten in die Vorwahlzeit.

Das dürfte auch der Grund sein, warum heuer erstmals auch ÖVP-Kandidatin Christine Marek zum Fastenbrechen geladen hat. „Mir hängen die ewigen Iftar-Einladungen eigentlich schon zum Hals raus", gesteht ein Teilnehmender beim Rathaus-Essen. Heute ist er dennoch hier: Zwar laden auch Bundespräsident, Bundeskanzler und der US-Botschafter zum Ramadan-Feiern, doch niemand feiert so groß wie der Bürgermeister.

Eierschwammerln und Okra

Gemeinderat Omar al-Rawi, der für die Einladungen zuständig ist, erklärt, warum: „Wir wollen möglichst alle dabei haben." Sprich: SchiitInnen, SunnitInnen, Menschen türkischer, arabischer, bosnischer, pakistanischer und österreichischer Herkunft, DiplomatInnen und SchülerInnen, auch nicht-praktizierende Muslime. Sie alle essen heute Hühner-Nudelsuppe und Eierschwammerl-Rostbraten mit Erdäpfelstrudel. Selten sieht man so viele unterschiedliche islamische Gruppierungen vereint.

Im Wiener Rathauskeller wurde heute halal gekocht, also nach islamischen Speisegesetzen. Und damit es nicht ganz so urwienerisch aussieht, liegen auch ein paar Okraschoten auf dem Teller. Aufgegessen ist schnell: Die meisten sind hungrig, viele machen sich auch schon bald auf den Weg zum Nachtgebet in der Moschee. Wieder andere haben noch andere Verpflichtungen: Michael Häupl verlässt die Veranstaltung heute früher als sonst. „Österreich spielt in der EM-Quali gegen Kasachstan", vermutet ein Festgast. „Selbst im Wahlkampf darf Fußball nicht fehlen."

Längst Tradition

Ein paar Männer stehen auf, um den Bürgermeister die Hand zu schütteln, das türkische Fernsehen filmt mit, doch die meisten setzen ihre Tischgespräche wieder fort. Der alljährliche Iftar ist längst zur Tradition geworden - Wahlkampf hin oder her. Als eine Gruppe von Frauen das Fest verlässt, ruft ihnen der junge Rathauskeller-Kellner grinsend „Salam aleikum" hinterher, und sie grinsen zurück. Harmonie und gute Stimmung herrschen - wenigstens für einen Abend scheint „Islam" im Rathaus kein Reizwort zu sein. 

Ob Häupls Ruf zu den Urnen bei den Festgästen fruchten wird, bleibt ungewiss. Denn nach des Bürgermeisters Rede tritt Islamgemeinschafts-Präsident Anas Schakfeh ans Podium. Dem Aufruf Häupls, Rot zu wählen, um Blau zu bekämpfen, stellt Schakfeh seine hoffnungslose Sicht der Dinge entgegen: „Egal, was wir tun", sagte Schakfeh: „Sie mögen uns nicht." (derStandard.at, 8.9.2010)

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Alter Knacker
28.10.2010 19:45

er ladet sie ein, aber er sagt ihnen nicht einmal, was der Islam sein soll, damit er mit der Religionsfreiheit in Einklang ist. Also so eine Schöntuerei geht auf Kosten aller anderen Leute, also auch sämtlicher Nicht-Sozialisten und es ist ein gefährliches Spiel. Und wir Einheimischen sind nicht die Schuhputzer einer fremden Religion und Häupl will uns verkaufen und verschenken.

Katharina Rolf
 
27.10.2010 00:25
Volksnähe

Hm...die Plakate deuten stark auf Photoshop und sonst hat der liebe Bürgemeister ebenfalls den Sinn für Realität verloren zu haben, ich meine.. wann ist er das letzte mal mit der U6 gefahren? Oder mit irgendeiner U-Bahn?
Touristen verkraftet jedes Land aber das, was im bunten Wienertopf schwimmt ist nicht mehr das Wien, das einst war... seufz

shahabblack
25.10.2010 10:37
Was geht heir ab?

Rassitenversammlung hoch 10?

A_Schläsinger_vu_Brassel
16.09.2010 19:59

Die SPÖ ekelt mich so an, unglaublich...

agarthianer
11.09.2010 16:36
bester standart posting
09.09.2010 14:01
super

der ist ur grauslich find ich. hab den einmal beim kirtag in otakring gesehen (16 bezirk). da ist er gestanden und hat ein bier getrunken und eine wurscht geessen. und wurde von 5 leibwachtern beschatent!
der ist echt ur grauslich, hahahahahahaha

di`Luca
09.09.2010 13:07
die rechnung bekommt er noch präsentiert

da wir steuerzahler (wiedermal) dieses gelage zahlen, ist dies ein grund mehr, eine andere partei zu wählen.

danke für diesen beitrag!

Jane Lane
 
09.09.2010 14:54

Ach, und die VIELEN Gelage, Bordellbesuche und lustigen Luxusspielzeuge, welche sich die andere Partei von unseren Steuergeldern bezahlen lässt, sind Ihnen wurscht?!

di`Luca
09.09.2010 15:28
die schwarzen wähl ich eh nicht

Animation
 
10.09.2010 12:35
EGAL

wen du wählst, wenn sie erst mal oben sind, machen sie doch alle das selbe... ausnahmen, gibts kaum und fallen dann auch extrem auf... und wie oft ist ihnen schon ein politiker positiv aufgefallen in den letzten jahren? ... vor allem ohne gleich wegrationalisiert worden zu sein?

H. C. Schnackerl
09.09.2010 13:51

dafür zahle ich meine steuern gerne.

mehr tut es mir weh, dass ich die sozialhilfe von leuten wie ihnen mitfinanzieren muss.

Zwei Und Vierzig
09.09.2010 11:19
Ich würde auch gerne eingeladen werden ...

Wie kommt man zu solch einer Einladung - zumindest qualifiziere ich mich als Moslem schon mal dafür :)

... wobei ... Cola zum Fasten-brechen? Auf leerem Magen ist das sicher nicht gesund. Das traditionelle Tee+Dattel wäre da schon etwas angebrachter.

Endlich! Wieder da! Mit verbesserter Formel!
09.09.2010 10:25
... gibst dort auch "kipferl" zum essen? ...

jep!
;)

Satthaber
09.09.2010 10:14
michael häupl geht auf stimmenfang bei muslimischen mitbürgern

wie schlimm. buhuu. heult euch aus

wuzel74
09.09.2010 15:04

Solange er es nicht auf Kosten der Steuerzahler machen würde, hätte ja niemand was dagegen.

Satthaber
09.09.2010 23:20
muslime sind auch steuerzahler

und er darf. ist ja gewählter bürgermeister.
ob seine strategie aufgeht, wird sich zeigen

imir
09.09.2010 09:52

Was tut man nicht alles für ein paar Kreuzeln an der gewünschten Stelle bei der Wienwahl?

H. C. Schnackerl
09.09.2010 13:52

"wie jedes jahr" - es ist aber nicht jedes jahr wien-wahl.

Bernie Stinkstiefel
09.09.2010 09:29

bin gespannt auf die antwort der nicht-eingeladenen am 10.10.10

charles darwin
09.09.2010 09:17
eigentlich ists ja nur eine monatlange nachtfressorgie

von wegen fasten.

das gefällt dem häupl.

Miss Understanding
09.09.2010 12:51

stimmt nicht. wer's ernst nimmt fastet von sonnenaufgang bis untergang. die trinken nicht mal wasser, hackeln aber durch, 5 x beten... is echt heftig. Am Abend wird natürlich gemampft, aber letzter schluck wasser so um 4 in der früh... also i bin froh, dass ich's nicht machen muss...

Ausgeflippter Lodenfreak
09.09.2010 10:53

Beim religiösen Fasten geht es ja auch nicht ums Abnehmen, sondern um das Einhalten religiöser Regeln. Es ist ein Missverständnis das mit gesundheitlichen oder Fitness-Aspekten zu begründen.
Wer abnehmen will, muss permanent weniger und gesünder essen und sich ein wenig bewegen und nicht einma im Jahr ein paar Wochen lang seine Essgewohnheiten umstellen.

wuzel74
09.09.2010 09:14

Stimmzettel als Waffe gegen die Feinde der Demokratie - dann dürfte kein Demokrat Häupl wählen. Eigentlich ist diese Aussage eine Frechheit sondergleichen von unserem BM.

wuzel74
09.09.2010 09:11

Ich dachte, in diese Land gibt es eine Trennung von Religion und Staat.

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