Elektroautos müssen noch viele Hürden überwinden

08. September 2010 12:39

Frage des Preises: Interesse vorhanden, allerdings zögern Käufer noch

Die Hälfte der Österreicher kann sich vorstellen, in den kommenden drei bis fünf Jahren ein Elektroauto anzuschaffen. Dieses Ergebnis präsentierte kürzlich Motivforscherin Sophie Karmasin im Rahmen einer Expertendiskussion des Internationalen Forums für Wirtschaftskommunikation Fachleuten aus verschiedenen mit E-Mobility in Zusammenhang stehenden Bereichen.

Als Hauptmotiv für das Interesse an Elektroautos nennen die 200 von Karmasin befragten Personen den Umweltschutz. Auch die geringe Geräuschentwicklung und die Tatsache, dass Elektroautos ein Stück Zukunft sind, wird von den Befragten als positiv hervorgehoben. Geringe Leistung, Reichweite und der hohe Preis schrecken allerdings die potenziellen Kunden noch ab. Die Studie hat also eher hypothetischen Charakter, sind doch noch viele Probleme zu lösen.

Durchbruch bei Batterietechnik nötig

"Der entscheidende Faktor, den Elektrofahrzeuge für ihren Durchbruch brauchen, ist die Batterie", erklärte Wilfried Sihn, Geschäftsführer der Fraunhofer Austria Research GmbH, in der Expertenrunde. "Jener, der als erster den Durchbruch schafft, der hat gewonnen", sagt er. Deshalb arbeiten derzeit Forscher weltweit an neuen Batterie-Konzepten, um den Kritikpunkt langer Ladezeiten und geringer Reichweiten auszumerzen.

Ein weiterer wichtiger Faktor, so Sihn, sind die politischen Rahmenbedingungen. Derzeit sind Länder wie China sehr aktiv, wenn es um die Elektrifizierung des Verkehrs geht. "In den Städten wurden qualmende Mopeds wegen zu viel Smogs verboten und elektrische Fahrzeuge subventioniert", weiß Sihn. Würden hierzulande ähnliche Anreize geschaffen, so würden sicherlich auch mehr Elektroautos auf Österreichs Straßen unterwegs sein.

Bis zur endgültigen Elektrifizierung des Verkehrs müssen noch einige Weichen gestellt werden. "Die Autohersteller stecken noch immer viel zu viel Geld in die Erforschung verbesserter Verbrennungsmotoren", sagte Sihn. Deshalb werden sich in den kommenden zehn Jahren Elektroautos wohl auch nicht durchsetzen. Die Zukunft, so der Technikexperte, gehöre trotzdem ihnen. "Wir werden ganz neue Automodelle sehen, die nichts mehr mit heutigen Karossen gemein haben."

Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen muss fallen

Der Automobilexperte Albert Lidauer, der über Jahre im GM-Vorstand war und zuletzt Ford of Europe geleitet hat, mahnte allerdings zur Eile, wenn es um die Elektrifizierung des Verkehrs geht. "Bleibt der Verbrauch fossiler Energien konstant, reichen sie noch etwa 44 Jahre", sagte er. Angesichts aufstrebender Nationen wie China, wo in den kommenden Jahren einigen Schätzungen zufolge Hunderte Millionen Autos in Betrieb genommen werden, sei die Prognose sogar noch sehr optimistisch.

Elektrofahrzeuge müssen demnach attraktiver werden. "Elektroautos sind heute eine Möglichkeit, die eigene Marktposition für die Zukunft zu stärken", zeigte sich Lidauer überzeugt. Er verweist etwa auf General Motors, wo man sich seit der Beinahe-Insolvenz vermehrt auf die Forschung und Entwicklung in diesem Bereich konzentriert und mit dem rund 30.000 Euro teuren Chevy Volt einen Schritt in diese Richtung macht.

"Anstoß für den Elektroauto-Boom waren ja die hohen Ölpreise, die sich inzwischen wieder normalisiert haben. Nun müssen die Autohersteller allerdings aufpassen, dass der Fokus nicht verloren geht", sagte der Experte. "Elektroautos werden sich sicherlich durchsetzen. Sie müssen allerdings zum Lifestyle-Produkt werden, die Kosten müssen sinken und Förderungen aus der öffentlichen Hand sind als Anstoß notwendig", meinte Lidauer.

Infrastruktur muss verbessert werden

Klaus Schmid, Geschäftsführer bei Cirquent Österreich, hob schließlich noch die Bedeutung einer guten Infrastruktur für die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen hervor. Sein Unternehmen habe kürzlich die erste Elektrotankstelle Wiens eröffnet und plane gemeinsam mit dem Firmenkonsortium Ballade, in den kommenden Monaten und Jahren in ganz Österreich ein flächendeckendes Netz von Ladestationen zu etablieren. Mit an Bord ist auch die Telekom Austria, die noch dieses Jahr 30 ihrer Telefonzellen zu Elektrotankstellen umrüsten wird.

Dabei beschränken sich die Aufgaben eines Infrastruktur-Dienstleisters wie Cirquent nicht einfach nur darauf, ein flächendeckendes Netz an Steckdosen zu etablieren. Ebenso wichtig ist die Schaffung von sinnvollen Konzepten, wie das Elektrotankstellen-Netz genutzt wird. Cirquent setzt dabei auf Telekommunikation. Mithilfe des Smartphones sollen Elektroauto-Fahrer künftig ihre Ankunft bei der Elektrotankstelle vorab ankündigen, einen Platz reservieren und Einblick in ihren Stromverbrauch und die daraus resultierenden Kosten erhalten. (pte)

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12 Postings
daNinooo
09.09.2010 10:41
2.

aber nein, die wirtschaft sucht sich lieber eine zwischenstufe (elektro/hybrid) bevor man die eindeutig BESSERE lösung in angriff nimmt. das interesse der wirtschaft ist hier nicht von der hand zu weisen, meiner meinung nach der einzige grund warum nicht alle bereits wasserstoffautos produzieren. es funktioniert, das sieht man am beispiel des Honda FCX Clarity.

aber bis dahin kaufe ich mir SICHER kein elektroauto. es ist schlicht ein schlechtes produkt, egal welchen herstellers. bei entsprechender (gleicher!) fahrweise ist ein 500ps-iger M3 sogar sparsamer im verbrauch als ein prius - es kommt immer darauf an wie man mit autos fährt.

lieber dreiliterauto als elektro!

C2H6O
11.09.2010 10:59

Tja, Wassertoff ist _nicht_ die Lösung, denn spätestens wenn man nicht nur das Auto selbst sondern auch die Herstellung und den Transport von Wasserstoff betrachtet, total ineffizient.

elchtester
09.09.2010 16:18

"lieber dreiliterauto als elektro!"

drei liter sind die untergrenze für den hubraum, definitiv.

broncoo
09.09.2010 19:05

mir sind die 7.5l in meinem Straßenkreuzer lieber - klingt auch viel besser ;-))

... und der braucht auch nur 25l/100km *g*

daNinooo
09.09.2010 10:36
1.

die produktion von einern für ein elektroauto geeigneten menge an lithium-ionen-akkus produziert mehr co² als ein durchschnittliches diesel(!)-fahrzeug in seiner durchschnittlichen lebensdauer ausstößt. dazu kommt noch die tatsache, dass diese batterie (im falle des toyota prius) in kanada gewonnen wird (rohstoffe), nach china verschifft wird, dort zusammengebaut wird und dann nach japan zu toyota in die endfertigung geschickt wird. massig co² auch unterwegs.

die zukunft ist der wasserstoffantrieb, bzw. die brennstoffzelle. das einzige nebenprodukt ist WASSER und die wirtschaft kann trotzdem daran verdienen, weil die verflüssigung von wasserstoff ein teurer prozess ist, sprich der spritpreis ist ca. derselbe wie jetzt.

[K]
10.09.2010 15:39

Das ist dann doch ein wenig eine Milchmädchenrechnung. Als ob jemand absichtlich mehr CO2 produzieren würde nur um als "Big Evil Corporation" in die Schlagzeilen zu geraten.

Chi_Fu
 
08.09.2010 18:06

Ach was, in 2 Jahren erfindet Apple das Elektroauto und schon ist es ein Lifestyle Produkt ;)

broncoo
09.09.2010 19:05

iCar

Wirtschaftshierbleiber
08.09.2010 13:29

Man sollte die Bewohner einer Straße abstimmen lassen ob sie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren in der eigenen Straße wollen.

Es muss natürlich eine Übergangsfrist geben.
Wenn mich heute aber jemand fragt ob 2020 in meinem ganzen Bezirk nur noch elektrisch gerfahren werden dürfen soll, dann bin ich natürlich dafür. Bei 2015 wär ich mir nicht sicher weil meine Karre doch noch ein bisschen halten wird.

Neuwagen subventionieren und alle Autos verbieten finde ich nicht wirklich gerecht.

weiter lesen
18.09.2010 00:12
hm...

...bei uns im Tal könnten dann eine Handvoll Bürger den ganzen Pendelverkehr und Tourismus kippen..
Autsch.

Constaktini
08.09.2010 13:22
Würden hierzulande ähnliche Anreize geschaffen

geht nicht!!!!!!!

wir hängen am Tropf der deutschen Autoindustrie und die haben diese Entwicklung sowas von verpennt!

haggle.123
08.09.2010 12:54

Besser morgen als übermorgen.

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