derStandard.at-Reportage

Stadtwache mit Autoritätsproblem

Marie-Theres-Egyed, Sebastian Pumberger, 8. September 2010, 12:27
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    Die steirische FPÖ setzt in der Steiermark auf altbekannte Themen in altbekannter Manier.

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    Der Grazer Hauptplatz ist Treffpunkt der Punk- und Drogenszene, untertags ist das Trinken von Alkohol hier verboten.

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    Eigentlich sei es am Hauptplatz jedoch sehr ruhig, so die Standler einhellig

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    Anders am Jakominiplatz, hier soll die Ordnungswache mehr Einsatzfelder haben.

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    Graz will weiterhin als Vorzeigestadt Touristen anlocken, hat aber Angst vor Kriminalitätstouristen.

Graz hat das, wovon die Wiener ÖVP träumt, eine Stadtwache - Das subjektive Sicherheitsgefühl hat sich dadurch nicht geändert

Eine Gruppe Feiernder, Braut samt Polterabendpartie, schiebt ein Einkaufswagerl durch das Grazer Uni-Viertel. Es gibt diverse Dinge zu kaufen, so ein Abend will ja auch verdient werden. In dem Wagen sind Rum und Limonade versteckt. Wir sind in der Grazer Alkoholverbotszone. Hier ist das Trinken in der Öffentlichkeit untersagt, die Ordungswache - so heißt die Stadtwache offiziell - und die Polizei sollen dafür sorgen, dass dies auch eingehalten wird.

Noch ist für einen Freitagabend wenig los in dem Viertel rund um den Grazer Unicampus. Scherben auf dem Boden zeugen jedoch von vergangenen, ausgiebigen Nächten. Ob die Polterabendrunde keine Angst vor der Ordnungswache habe. „Nein, das ist doch alles hinter einem Polster mit Herzen versteckt, das passt schon", entgegnet die zukünftige Braut und lacht mit ihren Freundinnen. Ernst genommen wird die Ordnungswache hier nicht.

Ordnungswache ÖVP-Forderung

Sicherheit ist auch im steirischen Wahlkampf ein beliebtes Thema. Plakate der steirischen FPÖ ziert der Slogan, „Sicherheit statt Ausländerkriminalität", aber auch die anderen Parteien stimmen in den Kanon ein. Der Anstieg der Einbruchskriminalität lässt den Wohnungsschutz zum Politikum werden, ÖVP-Spitzenkandidat Hermann Schützenhöfer präsentierte erst unlängst gemeinsam mit seiner Parteikollegin Maria Fekter eine Aufstockung der Polizei in der Steiermark um rund zehn Prozent oder 300 Exekutivbeamte. Die Ordnungswache und ihre Kontrollfunktionen spielen da nur am Rande eine Rolle.

Die Ordnungswache war eine lange Forderung der ÖVP-Stadtregierung, blickt man nach Wien so findet sich solch eine Stadttruppe auch auf der Wunschliste der Wiener Konservativen. Was sind nun die Aufgaben der Ordnungswache? Die Liste ist lang: Für "Wildpinkeln", öffentliches Trinken in Verbotszonen, das achtlose Wegwerfen einer Zigarette oder eines Kaugummi können Ordnungsstrafen erlassen werden, meist um die 35 Euro. Auch Betteln oder das Führen von Tieren ohne Leine im öffentlichen Raum fallen in den Aufgabenbereich der Ordnungswache.

Pfefferspray und Nahkampfkenntnisse

Derzeit sind rund 15 Personen bei der Ordnungswache beschäftigt, jeweils fünf Personen stellen eine Schicht. Die Wächter sind mit Pfefferspray ausgestattet, tragen Uniform. Ausgebildet wurde die Ordnungswache von der Polizei. „Dazu gehört auch einen Schnellkurs im Nahkampf", so der Leiter der Ordnungswache Andreas Köhler im Gespräch mit derStandard.at. Zum Einsatz kamen diese Kenntnisse jedoch noch nie.

Rund ein Jahr ist die Ordnungswache im Einsatz, was hat sie bisher bewirkt „Um tatsächlich spezielle Trends zu erkennen, dazu ist die Ordnungswache zu schwach besetzt", sagt Köhler. „Daher ist es schwer eine größere Präsenz zu zeigen." Seit einem Jahr ist eine Aufstockung im Gespräch, Köhler erwartet einen Beschluss dazu in den nächsten Wochen. Genaue Zahlen stehen jedoch nicht fest. Köhler hofft, dass ihm danach in Spitzenzeiten bis zu 10 Teams von je zwei Personen zur Verfügung stehen.

Alkoholverbotszonen und die Grünlagenverordnung

Von Jahresbeginn bis Ende Juli gab es 2334 Belehrungen, 133 Strafverfügungen und 33 Anzeigen wurden an die Polizei weitergeleitet. Davon waren rund 1000 „Übertretungen nach der Grazer Grünanlagenverordnung", also beispielsweise Radfahren im Park oder das Freilaufenlassen von Hunden. Rund 250 Übertretungen gab es wegen Alkoholkonsum in diesbezüglichen Verbotszonen.

Die Alkoholverbotszonen gelten nicht nur in den Gassen zwischen Unicampus und Stadtpark, sondern teilweise auch am Hauptplatz und am Jakominiplatz.

„Es ist alles gleich geblieben"

Die Standler am Grazer Hauptplatz beantworten die Frage nach der Ordnungswache mit einem leichten Schmunzeln. Niko Gerner, Verkäufer bei einem Süßigkeitenstand, meint im Gespräch mit derStandard.at. „Grundsätzlich gibt es keine wesentlichen Änderungen. Es ist eher ruhiger geworden und es gibt weniger Punks am Brunnen." Doch auch ohne Ordnungswache habe er sich niemals unsicher gefühlt. Die Angestellten des Kebab-Stands, der deutlich näher zum Brunnen und damit bei einem beliebten Treffpunkt der Punkszene liegt, stimmen ihrem Kollegen zu. Sie konnten auch keine Steigerung des subjektiven Sicherheitsgefühls feststellen. „Es ist alles gleich. Es ist weder besser noch schlechter geworden." Die Polizei müsse nur selten hinzugezogen werden, die wenigen Punks am Hauptplatz seien generell nicht aggressiv. Beide verweisen auf den Jakomini-Platz, der als weniger ruhig verschrien ist. 

Ordnungswache als Unterstützung der Polizei

Werner Breithuber, Sicherheitsprecher der SPÖ-Steiermark, steht der Ordnungswache skeptisch gegenüber: „Die wirklichen Probleme kann die Stadtwache nicht lösen." Doch auch er fordert mehr Sicherheit. Die sei aber Sache der Polizei und nicht jeder einzelner Gemeinde. „Aber nicht mit Privatsheriffs und Stadtwachen, das ist der verkehrte Weg."

Für mehr Polizei ist auch der ÖVP-Sicherheitssprecher, Eduard Hamedl. Gleichzeitig ist er Befürworter der Stadtwache - als Entlastung und zur Unterstützung der Polizei. „Die Ordnungswache hat andere Aufgaben. Es geht um kleine Delikte, wie Alkoholverbot oder Leinen- und Beißkorbpflicht für Hunde. Diese Dingen fallen nicht in die Zuständigkeit der Polizei, die ist für Kriminalitätsbekämpfung da." 

Kritik an der Stadtwache lässt Hamedl nicht zu. Nichts anfangen kann er mit dem Vorwurf, die Ordnungswache werde nicht ernst genommen. Er erhalte durchwegs positive Resonanz aus der Bevölkerung.Für ihn gehe es nicht um die Steigerung des subjektiven Sicherheitsgefühls: Die Sicherheit in der Steiermark wurde sowohl durch die Ordnungswache als auch durch die Aufstockung der Exekutivbeamte erhöht.

Angst vor Kriminalitätstourismus

Ob das Thema Sicherheit vor allem zu Wahlkampfzeiten mangels alternativer Themen ausgeschlachtet wird, dazu wollen sich weder Breithuber noch Hamedl konkret äußern. Sicherheit sei immer ein wichtiges Thema, vor allem in Zeiten des Kriminalitätstourismus. In welchem Zusammenhang Kriminalitätstourismus mit der Ordnungswache steht, bleibt dabei jedoch offen.

(Marie-Theres Egyed, Sebastian Pumberger, derStandard.at, 8.9.2010)

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Posting 1 bis 25 von 220
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xruxl
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Nicht wegen des Sicherheitsgefühl, aber eine Zusammenlegung der ganzen Ordnungsdienste wäre meiner Meinung nach schon eine gute Idee. Schließlich ist es viel effizienter, wenn sich so eine Stadtwache um alles, was halt auf der Streife auffällt wie Dreck in der U-Bahn oder auf der Straße, lärmende Jugendliche in der Nacht, Falschparker kümmern kann als wenn die Müllwache nur auf den Müll achtet aber nichts wegen der Falschparker am Weg unternehmen kann und umgekehrt.

fräulein potmesil
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stahl____666 kann nicht lesen! spielt gern mit waffen und mit dem anderen teil das nicht funktioniert!

tt7
02
Das erinnert mich

doch an dies Freiwilligen-Wache der FPÖ....Mann, waren DIE LUSTIG ;-)

franz101
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jaaa

ist hinter mir ein dealer her, schützt mich jetzt die bürgerwehr

Wo gehobelt wird....
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Stadtpark

Rücker und er Stadtpark:

Grillen bleibt verboten. Radfahren ist so eine Sache... Slacklining nur noch an bestimmten Stellen erlaubt usw usf. Irgendwie ist das lächerlich! Aber eine Fanzone wurde zur Euro08 errichtet und der gesamte Boden war kaputt (nix gegen die Fanzone, aber die Argumente ziehen so nicht mehr).

Mit der Ordnungswache hatte ich erst einmal Kontakt. Und zwar weil ich wo geparkt habe, wo man "unter Umständen" nicht darf, es aber mir ausrücklich von einer Parkschein Kontrollorin erlaubt wurde und ich dort jahrelang gestanden bin. Etwas mehr Fingerspitzengefühl wäre gut.

Diese Kasperln braucht Graz nicht.

darkblue2
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new york wird von hunden weniger zugeschie***en als graz und das ganz ohne stadtwache; woran liegt denn das????

katze_hund
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Soweit ich weiß trägt die Verantwortung dafür die Grazer ÖVP und nicht Rücker.

nao...?
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Todesstrafe

cirkel von amn
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die gibts im bundesstaat new york praktisch nicht.

nukularteilchen
05

Was früher war kommt wieder.
SS/SA heisst heute Stadtwache.

Ist euch eigendlich aufgefallen das wir die privaten Stadtwachen schon haben? Securityleute wo hin am schaut auf jeder grösseren Veranstaltung. Man vertraut nicht mehr auf die Autorität des Staates sonder in Privatfirmen. Noch ist die Dimension wie Blackwater/Xe hier nicht erreicht, aber der Weg dahin ist geebnet je mehr die herrschende Kaste sich die Verlierer der „Reformen” von Hals halten muss.

witzlos
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und das ist ganz alleine...

..eure schuld.
weil dauernd wildpinkeln, alte leute anschnautzen, mädchen an den haaren ziehen und besoffen im krankenhaus

Irgendwer im Irgendwo
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Das Telefonverbot ist zum Glueck wieder aufgehoben worden. Hatte ja auch keinen Sinn. Wenn, dann gleich allgemeines Redeverbot. ;-)

galiontariaho
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erlich? das is aufgehoben worden?

Loonquawl
02

Graz wird immer spiessiger, an der tatsächlichen Sicherheit ändert sich allerdigs nichts. Als nächstes wird sitzen im Stadtpark verboten und das Parkhaus muss um 12 dicht machen.

Ist das telefonieren in den Öffis eigentlich noch verboten? Dazu fehlt auch noch ne Kontollkraft.

Nicholas Blarney
 
01
Sich über das Telephonieren...

...in Straßenbahn oder Bus aufzuregen, ist einfach lächerlich. Ob einer neben mir ins Telephon quasselt oder zwei hinter mir miteinander quasseln - wo ist der Unterschied. Man kann doch Leuten das Reden nicht verbieten.

sterngucker
 
00
Es ist nicht lächerlich

Der Unterschied ist erstens die Lautstärke (bei vielen Mobilplärrern fragt man sich, wozu sie überhaupt das Telephon benutzen) und zweitens die abgehackte, monotone Art des Gesprächs ("Was? ... du, ich muß jetzt ... ja ... ja aber ... du ich bin eh gleich da ... wo bist du? ... ich versteh dich so schlecht").

evolution hunter
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Das stimmt schon. Nur manche Leute glauben, sie müssen die physische Distanz akustisch überwinden....

galiontariaho
11
die politik ist spießig..

am leben selbst ändert sich gott sei dank nicht viel. das ehemalige pensionopolis ist ja mittlerweile eine junge stadt, dank universitäten und fhs ist der anteil junger menschen äußerst hoch.

das kann ein biederer langweil-bürgermeister, dessen lösungsvorschläge immer nur verbote beinhalten, nicht ändern.

und ja. telefonieren in den öffis ist verboten. seitdem telefoniere ich in öffis, davor habe ich es aus respekt gegenüber mitfahrenden unterlassen, aber jetzt ist natürlich das bedürfnis auf ein d*mmes verbot zu reagieren größer...

Der Große von Gegenüber
05

So eine Stadtwache gibts auch in Linz. Und ich muß ehrlich sagen, vor denen (auch Frauen) hab ich mehr Angst als vor so manchen Ausländer ...

Nicholas Blarney
 
10
Sie fürchten sich wahrscheinlich auch...

vor'm Kaschperl...

xEurocent
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Strache?

Drakul, der den 'Graf' entfernt hat
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Vor Ihnen braucht sich doch niemand zu fürchten, oder?

8Nachtigall8
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hoffe es fällt jedem die falschheit auf: stadtwache für mehr sicherheit! aber sicherheit bringen, nein das kann sie nicht, kinder die im gras sitzen kann sie strafen und hunde die nachts wo weit und breit keiner belästigt wird rum laufen einfangen...

was soll man tun,,.. man kann nichts tun, wenn das herz brennt ;)

Tobias P
62
"ernstgenommen wird die Stadtwache hier nicht"

Das mag sein.
Eine einzige Befragte zur Untermauerung dieser Behauptung ist allerdings lächerlich.
Ich wage überdies zu behaupten, dass diese Respektlosigkeit (der Hochzeitsgesellschaft!) sich nicht weniger gegenüber Polizisten zeigen würde, sollten diese eine rigorose Kontrolle durchführen.

Eine Unsitte, die sich mittlerweile offenbar auch durch "Qualitätsmedien" zieht:
"Die Bevölkerung ist dieser Meinung. Das wissen wir, weil wir X Aussagen dazu haben"
Wobei gilt:
X = vollkommen unzureichende Anzahl an Personen zum treffen einer seriösen Aussage.

FerdlGriesgram
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Haha...

Die rigerose Polizeikontrolle einer feiernden Hochzeitsgesellschaft, DAS stell ich mir lustig vor!

Wenn dann einer der feiernden Menschen hingeht, und einen Koffer abstellt, so wird das wohl die moderateste Antwort drauf sein. Bei Vernünftigen Kiberern kostet das dann auch keine 50 Euro...

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