Analyse

Kopfloses ÖFB-Team

Thomas Hirner, 08. September 2010 11:59
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    Foto: apa/ krug

    Gute Stimmung zu Beginn der EM-Qualifikation in Salzburg.

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    Foto: apa/ joensson

    Mit Fortdauer der Partie wich die Freude, Frust machte sich unter den Zuschauern vor Ort und vor den TV-Geräten breit. Selbst Teamchef Constantini (re) wurde unruhig und war nach dem Grottenkick sichtlich erleichtert über das 2:0, das seinen Job rettete: "Ich weiß nicht, ob ich sonst heute noch hier gesessen wäre."

Die Leistung gegen Kasachstan gibt wenig Anlass zur Hoffnung - Resultat des glücklichen Erfolgs: Ha­dern mit einem miesen Rasen und Pfeifkonzerte

Ende gut alles gut? Mitnichten! Österreichs Nationalmannschaft hat sich am Dienstag Abend in Salzburg auch trotz des äußerst schmeichelhaften 2:0-Erfolgs gegen Kasachstan ziemlich blamiert. Eine von zunehmender Verunsicherung geprägte,  kopflose Vorstellung eines aufgeschreckten Hühnerhaufens in der Bullenarena fand zwar ein unerwartet glückliches Ende, doch bleibt ob der zahlreichen teaminternen Baustellen kaum Hoffnung, in der Quali für die Euro 2012 gegen Kaliber wie Deutschland oder die Türkei bestehen zu können. Gibt das Dargebotene schon wenig Grund zur Hoffnung, so verstärkt ein nach dem Spiel ausgetragener Disput die Befürchtungen eines nicht optimalen Trainer-Team-Fan-Gefüges.

Strohfeuer

Zu Beginn der Partie schöpfte man noch eine gute halbe Stunde lang Hoffnung, als die völlig überhasteten Angriffsaktionen von Harnik zumindest für Unterhaltung sorgten, doch mit Fortdauer des Spiels präsentierte sich das ÖFB-Team zunehmend harmlos um nicht zu sagen erbärmlich. Die Aktionen wurden großteils völlig überhastet vorgetragen, den Ballführenden war die Nervosität anzusehen. Außer ein paar wenigen Eckbällen wurden kaum Standardsituationen erarbeitet. Ein Pressing, wie es in einem Heimspiel gegen einen mittelprächtigen bis unterklassigen Gegner zumindest teilweise zu erwarten sein sollte, blieb vollkommen aus. Das ÖFB-Team war nicht einmal in der Lage, Geschenke der in der Defensive keinesfalls sattelfesten Kasachen anzunehmen.

Teamchef Constantini, der ja nicht müde wird zu behaupten, dass Taktik überbewertet wird, blieb einmal mehr schuldig, wie er sich das Spiel im Detail vorgestellt hätte. Was von Constantinis Spielsystem zu sehen war, ist folgendes: die zwei klassischen Mittelstürmer Janko und Linz standen sich bis zur 78. Minute gegenseitig im Weg und unterstützten ihre Mitspieler durch Bewegungslosigkeit auch nicht gerade in wünschenswerten Maße. Warum der völlig unauffällige Linz nicht schon zur Pause ausgewechselt wurde und stattdessen das viel zu dünne und harmlose Mittelfeld um den überforderten, weil meist allein gelassenen Kavlak gestärkt wurde, bleibt ein Rätsel. Gut, Linz hat die Partie schließlich entschieden, trotzdem konnte er dem Spiel bis zur 90. Minute keine Impulse geben, geschweige denn für Torgefahr sorgen.

Teamchefsgedanken

Die unorthodoxe Idee mit Linz als Ballverteiler im offensiven Mittelfeld sei dem Teamchef am Spieltag in der Früh beim Radfahren gekommen. "Roli ist ein guter Techniker. Auf dieser Position ist er sehr gut aufgehoben", meinte Constantini. Eine Wiederholung des Experiments sei denkbar. "Vielleicht ist es gegen einen stärkeren Gegner in dieser Rolle sogar noch leichter", mutmaßt der Teamchef.

Der Vorbereiter der 1:0 und Schütze des 2:0, Jimmy Hoffer, musste den erschöpften Harnik auf der ihn völlig überfordernden Flügelposition ersetzen, obwohl auch er ein klassischer Mittelstürmer ist. Gravierende Probleme mit dem Spiel auf der Flanke waren nicht zu übersehen, erst sein instinktiver Zug zur Mitte sorgte für Gefahr und schließlich das erlösende 1:0.

Schiemer machte zwar mit einem Gewaltschuss auf sich aufmerksam, ansonsten blieb auch er im Vorwärtsspiel ziemlich farblos, wenngleich er seine Defensivaufgaben tadellos löste. Bemüht, aber offensichtlich von der sich allgemein ausbreitenden Nervosität angesteckt, agierte Jantscher, der später für Alaba Platz machen musste. Ausgerechnet der Jungbayer brachte etwas mehr Ruhe ins Spiel, Akzente vermochte er leider auch nicht zu setzen.

Die Außenverteidiger Dag und Fuchs wagten erst gegen Ende der Partie zaghafte Vorstöße, es schien, als hätten sie strikte Anweisungen, ja nicht zu weit gegen die Nummer 125 der Weltrangliste aufzurücken.

Pfeifkonzerte und Streit im Team

Das Resultat von zehn Tagen Trainingslager ist ein mageres, der Start in die EM-Quali ein ernüchternder. Nicht zuletzt deshalb ist das ÖFB-Team im Laufe des schwachen Spiels von den rund 22.500 Zuschauern mehrmals mit einem Pfeifkonzert bedacht worden, was auch nach Spielende zu einem Disput unter den ÖFB-Spielern führte. Thema der Auseinandersetzung war, ob man sich überhaupt noch auf dem Spielfeld von den Zuschauern verabschieden sollte, was schließlich nur wenige Akteure taten. "Für mich waren die Fans ein wenig zu ungeduldig, aber in Österreich ist es halt so: Wenn es nach einer halben Stunde nicht läuft, wird gleich gepfiffen", meinte Flügelspieler und Neo-Salzburger Jantscher.

Ähnliches Unverständnis äußerte Maierhofer. "Da spielst du zu Hause und hast das Publikum gegen dich", betonte der wieder ins Team geholte Duisburg-Stürmer. "Das ist nicht schön, aber typisch für Österreich." Das Spiel sei dadurch nur noch nervöser geworden. Grundsätzlich verstand Emanuel Pogatetz die Unmutsäußerungen. "Aber ich bin enttäuscht, weil diese junge Mannschaft mehr Unterstützung gebraucht hätte", sagte der ÖFB-Abwehrboss.

Kritik an "Sandkiste"

Zu all dem Übel präsentierte sich auch der neue Naturrasen im EM-Stadion alles andere denn in Top-Qualität. Erst im Sommer war der Kunstrasen in Salzburg auf mehrfachen Wunsch durch ein natürliches Grün ersetzt worden. Dieses ist allerdings noch nicht ausreichend mit dem Untergrund verwachsen, sehr sandig und dadurch auch holprig. "Von oben schaut der Platz schön aus, in Wahrheit ist es aber eine Sandkiste. Ein schnelles, kontrolliertes Spiel ist dort nicht möglich", kritisierte Maierhofer.   (Thomas Hirner/APA, derStandard.at, 8. September 2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1260
Midway
14.09.2010 13:21
wieso holt man nicht den klinsmann?

oink!
13.09.2010 18:17

maradonna soll es machen - oder eine frau. Weil es eh scho wurscht is...

Boandlkramer
18.09.2010 17:49

vielleicht die Schottermizzi?

kortn
11.09.2010 12:06

Wenn ein Teamchef glaubt, auf den besten MF-Spieler (Leitgeb) verzichten zu können, gehört ihm die fristlose.

oink!
20.09.2010 19:59

gut, dass sie nach "besten mittelfeldspieler" geschrieben haben wen sie meinen ;) Weil ich wäre auf den leitgeb nicht gekommen...

Das Warmblut vom Kalterer See
11.09.2010 14:55

Leitgeb hat sich leider in Salzburg nicht gut entwickelt. Aber er wäre eine vielfach bessere Lösung gewesen als die "Radlfahrer-Idee" mit Linz als Ballverteiler hinter Janko. Ich kann es beim besten Willen nicht nachvollziehen, was im Hirn von DiCo so vorgeht. Von Mal zu Mal werden seine Aufstellungen noch skurriler. Das einzig Konstate ist, dass er glaubt, den geilsten Job der Welt zu haben (kein Wunder bei der Kohle, die er für seine Eskapaden verdient).

kortn
11.09.2010 11:26
peinlich

Früher war es einem im Ausland peinlich für einen Deutschen gehalten zu werden. Für Fußballfans hat sich das wohl gründlich geändert.

Helmholtz Holmes-Watson
13.09.2010 11:33

Auch wenn viele Österreicher es nicht wahrhaben wollen oder können: Deutschland ist weltweit eines der beliebtesten Länder. Und das zurecht, wie auch jeder mir bekannte Österreicher bestätigt, der so wie ich in Deutschland lebt. Idiotie und Kleinkariertheit gibt es überall. Am meisten davon habe ich persönlich tendenziell aber - so weh mir das als Österreicher auch tut - in Österreich erlebt. Und Du bestätigst es wieder.

Robart
 
17.09.2010 13:56

ich persönlich find deutschland und die deutschen leiwand. geb zu das war nicht immer so, aber wenn man mal dort war muss man sie mögen, die deutschen.

dass es eines der beliebtesten länder der welt sein soll kann ich nicht nachvollziehen. bei den arabern sehr wohl, leider eher wegen seiner vergangenheit. in US und in kanada hab ich sogar einige De hasser getroffen, fand ich aber lächerlich und hab sie sofort verteidigt, die deutschen ;)

silverfinger
11.09.2010 16:49

tja .. der österreichische Opportunist spricht da wohl aus dir ;)

standardniveau
11.09.2010 00:22
solange die mannschaft immer gewinnt

ist der zweck erfüllt.

und wirklich gute mannschaften gewinnen auch wenn

sie schlecht spielen. also da ist noch potential.

Helmholtz Holmes-Watson
13.09.2010 11:37

Das ist sehr kurzsichtig. Man kann nicht immer mit Glück gewinnen. Es geht um Tendenzen und Aufbau. Beides weist im Falle des österreichischen Teams konsequent in die FALSCHE Richtung. Wenn ein Team auf dem richtigen Weg ist und regelmäßig starke Leistungen erbringt, dann schlägt sich das tendenziell in guten Ergebnissen wieder. Und dann kann man sogar hin und wieder gut mit einem schlechten Spiel leben. Mannschaften wie Kasachstan haben - gemessen am Fußball der starken europäischen Ligen - bestenfalls semiprofessionelles Niveau. Auch wenn das Ergebnis in Ordnung - NICHT gut - ist, dann war die Leistung eine Peinlichkeit im Faroer-Ausmaß.

standardniveau
17.09.2010 19:30
sie haben recht

Das Warmblut vom Kalterer See
11.09.2010 10:13
Sie sind ein schlechter agent provocateur

Und wirklich schlechte Mannschaften gewinnen ab und zu auch in der Nachspielzeit gegen die Nummer 135 der Welt. Meine These: DiCo will hochbezahlt als weißer Elefant spazieren gehen. Alles, was er treibt und von sich gibt, ist normalerweise ein Affront gegen seinen Arbeitgeber, eine Beleidigung der Fans und eine Bloßstellung des Berufs Fussballtrainer. Wäre ich Windtner, hätte ich vor jedem DiCo-Interview Schweißausbrüche. Jedes Mal fällt ihm eine noch größere Blödheit ein, um Österreichs Fussball zu blamieren und zu untermauern, welche Fehlentscheidung der ÖFB getroffen hat. Der gute Mann ist wie ein Dinosaurier im modernen Fussball, wo immer mehr die gute Taktik entscheidet. Kleine Länder wie Slowenien, Slowakei lassen grüßen.

standardniveau
17.09.2010 19:32
aber sie werden mir recht geben

daß in dieser mannschaft potential steckt,

welches bisher nie abgerufen werden konnte.

silverfinger
11.09.2010 16:52

wer kann sich noch an spiele mit dem krankl erinnern? da waren immer die andern schuld: "die jungs haben super gspüt!"
den hickersberger wollt dann auch keiner weil der "nur" wiener spielen lässt
den constantini will keiner weil er glaubt taktik wird überbewertet.

was man jetzt fachlich von all diesen leuten und vor allem den österreichischen fans halten mag - die herumsuderei ist ein problem und dass fängt bei den fans an die nach einer viertelstunde ein pfeifkonzert gegen die eigene heimmannschaft (!) beginnen. sollens doch gleich daheim bleiben und vorm tv maulen.

standardniveau
17.09.2010 19:33
bezüglich fans

empfehle ich einmal nach hütteldorf zu kommen.

Helmholtz Holmes-Watson
13.09.2010 11:42

Krankl, Hicke, Brückner, Constantini. Ja, es wurde stets "gesudert" - das aber völlig zu Recht! Unter den gegebenen Umständen war auch Brückner eine schlechte Wahl. Hicke war trotz seiner nicht zu leugnenden Schwächen um Welten besser als Constantini und Krankl. Und schließlich: Selbst ein Untrainer wie Krankl war besser als Constantini. Und wenn nach dem wahrscheinlich nicht mehr fernen Ende der Ära Constantini wieder ein schlechter Trainer folgt, dann wird das Sudern zu Recht hoffentlich auch weiter gehen!

standardniveau
17.09.2010 19:34
bei krankl haben sie aber jedesmal

nit vollstem einsatz gespielt, schade um krankl

silverfinger
13.09.2010 21:36
noch so einer ...

manchmal frag ich mich ob die leute (wie du hier zum beispiel) überhaupt merken was sie so von sich geben.
"...wird das Sudern zu Recht hoffentlich auch weiter gehen!"
das ist genau das Problem, nämlich dass die (österreichische) Suderei nie aufhört - ganz egal was danach kommt oder was vorher war!

einige Beispiele:
wenn jemand patriotisch ist, wird gesudert weil er es nicht sein darf! wenn es wer nicht ist, heißt es wo bleibt das Feuer!

wenn wir im skifahren mal nicht erster werden, dann wird gejammert!

wenn der österreichische formel 1 fahrer (übrigens einer der besten 24 oder sowas) nix reißt, dann ist er eine pfeife!

wenn die spieler schlecht kicken (weil sie es nicht besser können) wird gleich der ganze ÖFB in Frage gestellt! usw.

Octopus Paul
14.09.2010 09:48
"wenn die spieler schlecht kicken (weil sie es nicht besser können) wird gleich der ganze ÖFB in Frage gestellt! usw."

da liegt das problem.

wir haben so gute kicker wie seit jahren nicht - die können schon mehr,
weil der öfb so agiert wie ein provinzieller platzhirsch mit hang zur freunderlwirtschaft und professionalitätsresistenz,
sind sie leider nur "die vercoachten"

Analytikerlegende Herbert
10.09.2010 21:56
Groessenwahnsinn, Besserwisserei und Kleingeist

Die heroischen Teamchefkritiker machen es sich einfach. Nehmen wir mal an GER gewinnt die Gruppe, TUR, BEL und AUT spielen um Platz 2 und nehmen weiter an (was manche hier ja glauben) die Spieler der 3 Teams seien gleich gut. Das hiesse eine 1 zu 3 Chance (33 %) auf Platz 2. Durch das folgende Playoff halbiert sich die Chance nochmals, dh die Chance auf die EM ist max. 16 % und mit oder ohne DC das Scheitern 5-10 mal wahrscheinlicher als Erfolg. Wie mutig, weise oder laecherlich sind also die 1000en Poster, die prophetisch DCs Scheitern vorhersagen? Natuerlich kann man einen Schuldigen suchen und phantasieren, dass es ein Taktikgenie richten wuerde. Die Illusion ist das Opium der OEFB-Teamfans.

Analytikerlegende Herbert
13.09.2010 14:14

Ich glaube nicht dass die Spieler unter ihren Moeglichkeiten bleiben, vielleicht in der zweiten Halbzeit gegen KAZ, aber sonst sind die unter DC erzielten Pflichtspielperformances (RUM*2, SRB, LIT) ziemlich im Normalbereich des Moeglichen. Viele Poster phantasieren insgeheim, was waere, wenn alle Teamspieler zeitgleich in Hochform waeren. In Wirklichkeit waren in den vergangenen Jahren mind. 50 % der sog Legionaere entweder verletzt oder Reservisten. Bleibe also dabei: Solange sich nicht ein paar Spieler wirklich in besseren Ligen etablieren, ist nicht mehr zu erwarten.

Helmholtz Holmes-Watson
15.09.2010 11:43

Du hast ja Recht. Wir haben im Moment weder einen "Herzog" noch einen "Polster" - das kann sich aber rasch ändern, denn es gibt viele junge Spieler mit hohem Potenzial. Und gerade aus diesem Grund ist es umso wichtiger, dass wir einen hervorragenden Teamchef haben. Selbst wenn man Constantini sehr sehr wohlwollend beurteilt, gibt es keine abbildbare Argumentationslinie, die ihn als hervorragenden Trainer darstellen kann - darin sollten wir uns doch alle einig sein, oder?

Helmholtz Holmes-Watson
13.09.2010 11:50

NATÜRLICH ist Österreich absoluter Außenseiter in dieser Qualifikationsgruppe. Für diese Erkenntnis muss man kein Nobelpreisträger sein. Die triviale Folge: Selbst mit dem besten Trainer der Welt braucht es - derzeit noch - Glück, um sich qualifizieren zu können. Constantini also daran zu messen, ist in der Tat ungerechtfertigt. Doch er muss sich an vielen anderen Faktoren messen lassen. Grobe Mängel im taktischen Spielverständnis, teilweise - jenseits jeder Polemik! - geisteskrank anmutende Handlungen und Aussagen, inakzeptables Verhalten in der Kommunikation mit Spielern und Öffentlichkeit und schließlich Spieler, die regelmäßig weit unter ihren Möglichkeiten bleiben und gerade Letzteres ist stets ein Indiz für einen schlechten Trainer.

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