Die Leistung gegen Kasachstan gibt wenig Anlass zur Hoffnung - Resultat des glücklichen Erfolgs: Hadern mit einem miesen Rasen und Pfeifkonzerte
Ende gut alles gut? Mitnichten! Österreichs Nationalmannschaft hat sich am Dienstag Abend in Salzburg auch trotz des äußerst schmeichelhaften 2:0-Erfolgs gegen Kasachstan ziemlich blamiert. Eine von zunehmender Verunsicherung geprägte, kopflose Vorstellung eines aufgeschreckten Hühnerhaufens in der Bullenarena fand zwar ein unerwartet glückliches Ende, doch bleibt ob der zahlreichen teaminternen Baustellen kaum Hoffnung, in der Quali für die Euro 2012 gegen Kaliber wie Deutschland oder die Türkei bestehen zu können. Gibt das Dargebotene schon wenig Grund zur Hoffnung, so verstärkt ein nach dem Spiel ausgetragener Disput die Befürchtungen eines nicht optimalen Trainer-Team-Fan-Gefüges.
Strohfeuer
Zu Beginn der Partie schöpfte man noch eine gute halbe Stunde lang Hoffnung, als die völlig überhasteten Angriffsaktionen von Harnik zumindest für Unterhaltung sorgten, doch mit Fortdauer des Spiels präsentierte sich das ÖFB-Team zunehmend harmlos um nicht zu sagen erbärmlich. Die Aktionen wurden großteils völlig überhastet vorgetragen, den Ballführenden war die Nervosität anzusehen. Außer ein paar wenigen Eckbällen wurden kaum Standardsituationen erarbeitet. Ein Pressing, wie es in einem Heimspiel gegen einen mittelprächtigen bis unterklassigen Gegner zumindest teilweise zu erwarten sein sollte, blieb vollkommen aus. Das ÖFB-Team war nicht einmal in der Lage, Geschenke der in der Defensive keinesfalls sattelfesten Kasachen anzunehmen.
Teamchef Constantini, der ja nicht müde wird zu behaupten, dass Taktik überbewertet wird, blieb einmal mehr schuldig, wie er sich das Spiel im Detail vorgestellt hätte. Was von Constantinis Spielsystem zu sehen war, ist folgendes: die zwei klassischen Mittelstürmer Janko und Linz standen sich bis zur 78. Minute gegenseitig im Weg und unterstützten ihre Mitspieler durch Bewegungslosigkeit auch nicht gerade in wünschenswerten Maße. Warum der völlig unauffällige Linz nicht schon zur Pause ausgewechselt wurde und stattdessen das viel zu dünne und harmlose Mittelfeld um den überforderten, weil meist allein gelassenen Kavlak gestärkt wurde, bleibt ein Rätsel. Gut, Linz hat die Partie schließlich entschieden, trotzdem konnte er dem Spiel bis zur 90. Minute keine Impulse geben, geschweige denn für Torgefahr sorgen.
Teamchefsgedanken
Die unorthodoxe Idee mit Linz als Ballverteiler im offensiven Mittelfeld sei dem Teamchef
am Spieltag in der Früh beim Radfahren gekommen. "Roli ist ein guter Techniker.
Auf dieser Position ist er sehr gut aufgehoben", meinte Constantini. Eine
Wiederholung des Experiments sei denkbar. "Vielleicht ist es gegen einen stärkeren Gegner in
dieser Rolle sogar noch leichter", mutmaßt der Teamchef.
Der Vorbereiter der 1:0 und Schütze des 2:0, Jimmy Hoffer, musste den erschöpften Harnik auf der ihn völlig überfordernden Flügelposition ersetzen, obwohl auch er ein klassischer Mittelstürmer ist. Gravierende Probleme mit dem Spiel auf der Flanke waren nicht zu übersehen, erst sein instinktiver Zug zur Mitte sorgte für Gefahr und schließlich das erlösende 1:0.
Schiemer machte zwar mit einem Gewaltschuss auf sich aufmerksam, ansonsten blieb auch er im Vorwärtsspiel ziemlich farblos, wenngleich er seine Defensivaufgaben tadellos löste. Bemüht, aber offensichtlich von der sich allgemein ausbreitenden Nervosität angesteckt, agierte Jantscher, der später für Alaba Platz machen musste. Ausgerechnet der Jungbayer brachte etwas mehr Ruhe ins Spiel, Akzente vermochte er leider auch nicht zu setzen.
Die Außenverteidiger Dag und Fuchs wagten erst gegen Ende der Partie zaghafte Vorstöße, es schien, als hätten sie strikte Anweisungen, ja nicht zu weit gegen die Nummer 125 der Weltrangliste aufzurücken.
Pfeifkonzerte und Streit im Team
Das Resultat von zehn Tagen Trainingslager ist ein mageres, der Start in die EM-Quali ein ernüchternder. Nicht zuletzt deshalb ist das ÖFB-Team im
Laufe des schwachen Spiels von den rund 22.500 Zuschauern mehrmals mit einem
Pfeifkonzert bedacht worden, was auch nach Spielende zu einem Disput unter den ÖFB-Spielern führte. Thema der Auseinandersetzung war, ob man sich überhaupt
noch auf
dem Spielfeld von den Zuschauern verabschieden sollte, was schließlich
nur
wenige Akteure taten. "Für mich waren die Fans ein wenig zu ungeduldig, aber in Österreich ist es halt so: Wenn es nach
einer
halben Stunde nicht läuft, wird gleich gepfiffen", meinte
Flügelspieler und Neo-Salzburger Jantscher.
Ähnliches Unverständnis äußerte Maierhofer. "Da spielst du zu Hause
und hast
das Publikum gegen dich", betonte der wieder ins Team geholte Duisburg-Stürmer. "Das
ist nicht
schön, aber typisch für Österreich." Das Spiel sei dadurch nur noch
nervöser
geworden. Grundsätzlich verstand Emanuel Pogatetz die Unmutsäußerungen.
"Aber
ich bin enttäuscht, weil diese junge Mannschaft mehr Unterstützung
gebraucht
hätte", sagte der ÖFB-Abwehrboss.
Kritik an "Sandkiste"
Zu all dem Übel präsentierte sich auch der neue Naturrasen im EM-Stadion alles
andere denn in Top-Qualität. Erst im Sommer war der Kunstrasen
in Salzburg auf mehrfachen Wunsch durch ein natürliches Grün ersetzt
worden.
Dieses ist allerdings noch nicht ausreichend mit dem Untergrund
verwachsen, sehr
sandig und dadurch auch holprig. "Von oben schaut der Platz schön aus, in Wahrheit ist es aber eine
Sandkiste. Ein schnelles,
kontrolliertes Spiel ist dort nicht möglich", kritisierte Maierhofer. (Thomas Hirner/APA, derStandard.at, 8. September 2010)