"Nine Eyes of Google Street View" zeigt "weiße Flecken" auf

08. September 2010 10:34
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    Foto: google

    Street View

Google sieht alles, aber eben nicht alles

Die Ausstellung "Nine Eyes of Google Street View" beim Medienkunstfestival Ars Electronica in Linz berührt - ebenso die Schau "My husband and me, me and my wife". Darin präsentiert Nico Ferrando aus Argentinien Aktfotografien von Paaren unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft. Beides ist bis Samstag in der Tabakfabrik zu sehen.

"Ich hab kein einziges Foto, obwohl wir den größten Teil unseres Lebens miteinander verbrachten"

Die Schau über die Suchmaschine Google führt vor Augen, wie sehr die gesamte Welt auf jedem Computerbildschirm präsent ist - und wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen sich im 21. Jahrhundert gestalten kann. Im ersten Video des Kanadiers Jon Rafman sucht ein Mann verzweifelt ein Bild seiner Lebensgefährtin. "Ich hab kein einziges Foto, obwohl wir den größten Teil unseres Lebens miteinander verbrachten", sagt er in dem Film. Mittels Google scannt er alle Plätze, wo sie je war, findet aber nichts - nur ein einziges Bild, in dem sie auf das Meer hinausschaut. Und auch das ist eines Tages nicht mehr da.

Der zweite Film stellt das Leben eines anonymen Google-Street-View-Fahrers dar. Rafman entnimmt einzelne Video-Stills aus den Aufnahmen und stellt sie als Fotos aus, fügt sie für den ersten Film wieder zusammen und bastelt so an der Grenze von Realität und Fiktion. Anonymisierte Gesichter, Aufnahmen wie von einem Landschaftsfotografen oder Bilder von Straßenszenen in einer Großstadt - alles fügt sich in Rafmans Dramaturgie und beleuchtet den Platz des Individuums in den von Technologien ermöglichten Abbildungen.

Poetische Bestandsaufnahme

Das Individuum steht auch bei Nico Ferrando im Mittelpunkt. Der Argentinier hat 25 Paare fotografiert, die unterschiedlicher Herkunft oder unterschiedlichen Alters sind. Manche teilen schon ihr ganzes Leben miteinander, andere kennen sich noch nicht lange. Nackt und entspannt posieren sie vor hellem Hintergrund - auf die Aktaufnahmen wird am Eingang extra hingewiesen. Aus der Ferne wirken sie einfach wie nackte Paare, doch bald stutzt das Gehirn: Einzelne Körperpartien sind vertauscht.

Die Männer haben die Brüste ihrer Partnerinnen, diese die Behaarung ihrer Männer. Ausgewechselt sind vor allem jene Körperteile, die mit dem im Zusammenhang stehen, was nach gesellschaftlicher Auffassung das Geschlecht bestimmt. Die Bilder führen verbindende Unterschiede vor Augen. Sie sprechen von Gefühlen, von Auseinandersetzungen mit sich und dem Partner, von eigener Identität und dem Bewusstsein als Paar, vor allem aber von Liebe und wie jegliche Unterschiede in ihr aufgehen. Eine poetische Bestandsaufnahme. (APA)

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