Roland Linz und Jimmy Hoffer treffen in der Verlängerung zum 2:0-Erfolg gegen Kasachstan, das ÖFB-Team schrammt zum Auftakt der EM-Quali an einer Blamage vorbei
Salzburg - Die Erwartungen von Dietmar Constantini wurden erfüllt. Der Teamchef ist nämlich davon ausgegangen, dass Österreich am Dienstagabend in Salzburg gegen Kasachstan "keinen Zauberfußball" bietet. Vielleicht trug die Aufstellung dazu bei, überraschenderweise wurde Roland Linz im Sturm nominiert, der Austrianer hat nämlich während des achttägigen Trainingslager in Flachau überzeugt, beim ungefährdeten 22:0-Sieg gegen den SV Schladming viermal getroffen.
Veli Kavlak wurde gegen den 125. der Weltrangliste (gemeint ist natürlich Kasachstan, nicht Schladming) die Spielmacherrolle übertragen, der Rapidler war damit überfordert. Und Linz hat seine Gefährlichkeit zunächst versteckt. Natürlich war das ÖFB-Team überlegen, Martin Harnik war ganz gut, besser wäre er gewesen, hätte er seine Chancen genützt. Selbiges galt für Franz Schiemer und Marc Janko. Kasachstans Teamchef, der Deutsche Bernd Storck, hatte versprochen, dass man sich nicht vor dem eigenen Strafraum einbetonieren werde. Dazu fehlte die Klasse oder die Mischmaschine.
Andererseits war es durchaus beeindruckend, wie sehr die Österreicher im Spielaufbau patzten. Vielleicht waren die Burschen durch das Faktum, in einem Länderspiel endlich einmal Favorit zu sein, verstört. Die 22.500 zunächst durchaus freundlich gestimmten Zuschauer nahmen den Pausenpfiff zum Anlass, laut zu pfeifen, das sind sie von manchen Red-Bull-Partien gewöhnt.
Constantini wechselte nicht aus, eine durchaus interessante, aber schwer nachvollziehbare Maßnahme. Der Druck wurde in der zweiten Halbzeit trotzdem erhöht, das Niveau blieb niedrig. In der 66. Minute wurde gehandelt, Harnik und Jakob Jantscher raus, Erwin Hoffer und David Alaba rein. Eine Minute später wehrte Jürgen Macho einen Schuss des Kasachen Schumaskalijew (ja, sie waren sogar vor des Gegners Tor) famos ab. Und die Zeit, die bekanntlich Beine hat, rannte davon. Stefan Maierhofer ersetzte den schwachen Kapitän Janko (78.).
Ausgerechet Linz rettete die Nation in der 91. Minute vor der Blamage, er machte im Stil eines Klassestürmers das 1:0. Hoffer erhöhte gar auf 2:0 - Jubel. Constantinti hat alles richtig gemacht. Oder er ist auch nur ein Glückskind aus Tirol. Jedenfalls war er sehr erleichtert: "Wenn du die Tore nicht gleich machst, wirst du eben verunsichert. Es ist auch ein Riesenglück, in den letzten zwei Minuten zwei Tore zu machen."
Österreich ist nach 25 Partien endlich ohne Gegentor geblieben. Goalie Macho kann später einmal seinen Enkerln davon erzählen. Die EM-Quali wird am 8. Oktober in Wien gegen Aserbaidschan fortgesetzt. Die Fortsetzung der Fortsetzung folgt am 12. Oktober in Brüssel gegen Belgien. (DER STANDARD Printausgabe 8. September 2010)
Gruppe A:
Österreich - Kasachstan 2:0 (0:0). Salzburg, EM-Stadion Wals-Siezenheim, 22.500, SR Marijo Strahonja (CRO)
Tore: 1:0 (91.) Linz, 2:0 (92.) Hoffer
Österreich: Macho - Dag, Prödl, Pogatetz, Fuchs - Harnik (66. Hoffer), Kavlak, Schiemer, Jantscher (66. Alaba) - Linz - Janko (78. Maierhofer)
Kasachstan: Sidelnikow - Kislitcyn (76. Roschkow), Abdulin, Popow, Kirow - Karpowitsch, Geterijew - Nurgalijew (59. Asowskij), Schumaskalijew, Awertschenko - Malzew (46. Chischnitschenko)
Gelbe Karten: Jantscher bzw. Nurgalijew, Kislitcyn, Roschkow