Zufalls-Maschine

Forscher bauen unvorhersagbaren "Quantenwürfel"

07. September 2010 22:16
  • Artikelbild
    Foto: michael förtsch/mpi für die physik des lichts

    Das Forscherteam verwendet für seine Zufallszahlen einen starken Laser, einen Strahlteiler, zwei identische Detektoren und einige elektronische Komponenten. Die statistische Verteilung der Messwerte folgt einer Gauß'schen Glockenkurve. Einzelne Messwerte werden Abschnitten der Glockenkurve zugeordnet, die jeweils einer Zahl entsprechen.

Apparatur liefert per Quantenphysik echte Zufallszahlen

Zumindest in der Welt der klassischen Physik steckt hinter jedem sogenannten Zufall ein Plan: Im Prinzip lassen sich hier alle Geschehnisse berechnen, auch der Fall eines Würfels oder der Ausgang eines Roulette-Spiels. Ein deutsch-dänisches Forscherteam hat nun ein Gerät konstruiert, das mit echtem Zufall arbeitet. Ihre Apparatur liefert zufällige Zahlen, die prinzipiell nicht vorhergesagt werden können - möglich macht dies die Quantenphysik.

Die Forscher von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Max-Planck-Instituts für die Physik des Lichts nutzen aus, dass quantenphysikalische Messungen ein spezielles Ergebnis nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, also zufällig, ergeben können. Echt zufällige Zahlen werden benötigt, um Daten sicher zu verschlüsseln oder zuverlässig ökonomische Prozesse und Klimaveränderungen zu simulieren.

Was wir landläufig Zufall nennen, entspringt nur einem Mangel an Wissen: Wenn wir Ort, Geschwindigkeit und alle anderen klassischen Eigenschaften sämtlicher Teilchen im Universum absolut genau kennen würden, könnten wir fast alle Prozesse in der Welt unserer Alltagserfahrung vorhersagen. Selbst der Ausgang eines Knobelspiels oder die Lottozahlen ließen sich dann theoretisch berechnen.

Schon gar nicht zufällig sind die Ergebnisse, die Computerprogramme liefern, auch wenn sie dafür gemacht sind: "Sie gaukeln Zufall nur vor, mit geeigneten Tests und einer ausreichenden Datenmenge lässt sich darin aber meist schon ein Muster erkennen", sagt Christoph Marquardt vom Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts.

Den nun entwickelten echten Zufallsgenerator gibt es nur in der Quantenwelt: Mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit hält sich ein Quantenteilchen mal an diesem Ort und mal an jenem auf, bewegt sich mal mit dieser Geschwindigkeit und mal mit jener. "Diese Zufälligkeit quantenmechanischer Prozesse nutzen wir aus, um Zufallszahlen zu produzieren", meint Marquardt.

Vakuumfluktuationen als Quantenwürfel

Als Quantenwürfel dienen den Wissenschaftlern Vakuumfluktuationen - eine weitere Eigenheit der Quantenwelt: Nichts gibt es hier nicht. Selbst in absoluter Dunkelheit ist die Energie eines halben Photons vorhanden, die zwar unsichtbar bleibt, aber in ausgeklügelten Messungen Spuren hinterlässt: das so genannte Quantenrauschen. Dieses völlig zufällige Rauschen entsteht dabei erst, wenn die Physiker hinsehen, also eine Messung vornehmen.

Das quantenmechanische Würfelspiel haben die Forscher natürlich nicht zum Zeitvertreib in ihren Kaffeepausen ausgetüftelt. "Echte Zufallszahlen sind schwer zu erzeugen, aber in vielen Bereichen gefragt", sagt Gerd Leuchs, Direktor am Erlanger Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts. Vor allem die Sicherheitstechnik braucht zufällige Zahlenkombinationen, um damit etwa den Transfer von Bankdaten zu verschlüsseln. Mit Zufallszahlen lassen sich aber auch komplexe Prozesse simulieren, deren Ausgang von Wahrscheinlichkeiten abhängt. So sagen Ökonomen mit solchen Monte-Carlo-Simulationen Entwicklungen auf Märkten voraus, und Meteorologen entwickeln damit Modelle von Wetter- und Klimaveränderungen.

Dass die Erlanger Physiker die Zufallszahlen ausgerechnet mit den schwer greifbaren Vakuumfluktuationen auswürfeln und nicht mit einem der zahlreichen anderen zufälligen Quantenprozesse, hat einen triftigen Grund. Beobachten Physiker etwa die Geschwindigkeitsverteilung von Elektronen oder das Quantenrauschen eines Lasers, wird das zufällige Quantenrauschen meist von klassischem Rauschen überlagert. Das wiederum ist letztlich eben nicht zufällig. "Wenn wir das Quantenrauschen eines Laserstahls messen wollen, beobachten wir auch klassisches Rauschen, das zum Beispiel von einem wackelnden Spiegel stammt", sagt Christoffer Wittmann, der an dem Experiment mitgearbeitet hat. Als Prozess der klassischen Physik lässt sich das Vibrieren des Spiegels prinzipiell berechnen und verdirbt das Würfelspiel.

Einfache Ausrüstung für einzigartige Zufallszahlen

"Wir erhalten zwar auch einen Anteil klassischen Rauschens durch die Messelektronik", sagt Wolfgang Mauerer, der dies im Experiment untersucht hat. "Wir kennen unser System aber sehr gut und können diesen Anteil sehr genau berechnen und entfernen." Quantenfluktuationen erlauben es den Physikern aber nicht nur, das reine Quantenrauschen zu belauschen, außer ihnen kann auch keiner mithören. "Die Vakuumfluktuationen liefern einzigartige Zufallszahlen", erklärt Marquardt. Bei anderen Quantenprozessen fällt dieser Nachweis schwerer und es besteht die Gefahr, dass ein Datenspion eine Kopie der Zahlen erhält. "Das wollen wir natürlich vermeiden, wenn es um Zufallszahlen für Datenschlüssel geht", sagt Marquardt.

Auch wenn der Quantenwürfel auf einige geisterhafte Phänomene der Quantenwelt setzt, die unserer Alltagserfahrung völlig widersprechen - besonders ausgeklügelte Geräte brauchen die Physiker nicht, um sie zu beobachten. Die technischen Komponenten ihres Zufallsgenerators gehören vielmehr zur Grundausstattung vieler Laserlabore. "Wir brauchen für den Aufbau weder einen besonders guten Laser noch besonders teure Detektoren", erklärt Christian Gabriel. Das dürfte ein Grund mehr sein, warum sich bereits Unternehmen für die Technik interessieren, um sie kommerziell zu nutzen. Wer die Zufallszahlen selbst testen möchte, kann sie unter www.mpl.mpg.de/quantumbits herunterladen. (red)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 71
1 2
ente,ente,ente,ente,ente,ente,ente,...
11.09.2010 23:47

"So sagen Ökonomen mit solchen Monte-Carlo-Simulationen Entwicklungen auf Märkten voraus..."

mit würfeln geht das aber auch

Das Wort
10.09.2010 08:30
Nur weil wir das Chaos noch nicht durchschauen ist es kein Zufall!

Wenn ich nicht vorhersehen kann, ob ich beim Anlachen einer Blondine eine Ohrfeige bekomme, muß ich nicht den Zufall verantwortlich machen.

Obwohl, was ist bei einer Blondine schon vorher zu sehen?

Die Brüste?

teuerzahler
11.09.2010 07:38
kausalität ist ein mythos!

sie ist nur eine konstruktion unseres verstandes. ein kurz-schluß sozusagen. sie funktioniert ganz gut in der praxis, wie ein werkzeug halt. mehr aber auch nicht.

die natur der natur ist unerkennbar.

Lumpenpacker
12.09.2010 17:31
Die Kausalität innert des Universums ist überall gültig - außerhalb nicht!

Nick Tameer
12.09.2010 12:29

Für uns reicht es, dass es praktisch funktioniert, die Natur der Natur - ein wenig genauer betrachtet eigentlich eine Schimäre - müssen wir nicht erkennen.

Franz Josef Lolinger
09.09.2010 20:44
Ich glaube,

das Ergebnis des Experiments war nur Zufall!

hans hansson
09.09.2010 10:54
laplace'scher dämen

Wenn wir Ort, Geschwindigkeit und alle anderen klassischen Eigenschaften sämtlicher Teilchen im Universum absolut genau kennen würden,...
http://de.wikipedia.org/wiki/Lapl... D%C3%A4mon
ich sag nur unschärfe!

teuerzahler
09.09.2010 08:11
dass die makrophysikalische welt grundsätzlich

vorhersagbar/berechenbar ist, ist ein großer mythos! genährt von quantenmythikern und klassischen physikmechanikern. das wachstum einer pflanze ist genauso wenig berechnbar wie die verteilung von gasmolekülen im raum. diese anschauung entspringt dem gleichen kausaldenken, mit dem manche leute sog. gottesbeweise konstruieren. weil ja nichts sein kann, ohne ursache.

John Sandwich
09.09.2010 03:53
unvorhersagbar

der Würfel oder die von ihm gelieferten Zahlen?

Erleuchter
08.09.2010 17:03
Der höchste Zufall ist, wenn meine Allerbeste nicht die Fußballkarten findet, für die ich so sorgfältig eine Ausrede plante!

epep
08.09.2010 15:50
hintergrundstrahlung aufnehmen und schwupps die wupp hat man zufallszahlen; lavalampen filmen, aus den blitzereignissen zahlen generien, ereignisse vom atomzerfall und schon hat man zufallszahlen.

echte zufallszahlen: http://www.lavarnd.org/

erste methode wird für die one-time-Pad-verschlüsselung des informationaustausches zwischen us- und russland-präsidenten verwendet.

one-time-pad ist in wirklichkeit ein simples polyalphabetischen substitutionsverfahren, nur eben durch zufallszahlen ist es nicht möglich einen text zu entschlüsseln. der schlüssel ist so lange wie der text und damit wird jedem buchstaben eine zufallszahl zu gewiesen.
vorteil: bei korrekter anwendung 100% sicher.
nachteil: es gibt keinen sicheren schlüsselaustausch (RSA-algorithmus wie pgp) ausgenommen den persönlichen austausch.

der "vorteil" (?) der im text beschriebene zufallsgenerator hat, ist das er zahlen wie ein würfel liefert, also von 1-6.

Lumpenpacker
12.09.2010 17:32
Wer die Verursacher der Hintergrundstrahlung durchschaut, findet aud die Determination!

hans hansson
09.09.2010 11:17
Diffie-Hellman?

Magic Washroom
09.09.2010 16:21
ja, wobei durch man-in-the-middle-angriffe die methode sehr unsicher wird.

die attacke funktioniert zwar auch bei anderen methoden, aber eine ansich 100% sichere verschlüsselung verliert dadurch ihre 100%igkeit, da kann ich dann ja gleich wieder gpg verwenden. :-)

Knochenmann
08.09.2010 15:49

Das ist NICHTS gegen meinen Zufallsgenerator: Eine weibliche Gehirnzelle, auf eine Platine gelötet.

epep
08.09.2010 22:25
zu glauben das gehirnzellen nach geschlecht unterscheiden, ist so wie..

..zu glauben das es unterschiedliches blut nach herkunft gibt.

und wenn ich mir so anschaue das noch immer hauptsächlich männer in führungspositionen sitzen, sowohl politisch als auch wirtschaftlich, zweifle ich an der logikfähigkeit von männern.

Lumpenpacker
12.09.2010 17:34
Logigfähigkeit ist ein Unsinn in sich. Logisch bedeutet lediglich irrtumsfrei!

Florian Machl
09.09.2010 09:14

Hat sich da soeben jemand in nur zwei Sätzen vollständig widersprochen und merkt es gar nicht?

Magic Washroom
09.09.2010 16:23
nein, weil das letzte keine behauptung ist, sondern der aussage des vorusers widerspricht. zynismus genannt.

Nick Tameer
09.09.2010 17:26

Vielleicht Sarkasmus, aber nicht Zynismus, wenn ich das anmerken darf.

Obwohl ein Zyniker sarkastisch sein kann, sind das ganz verschiedene Dinge.

Knochenmann
09.09.2010 02:40

Ich glaube eine Gehirnzelle von Ihnen würde sich gut machen als Humorfilter.

Magic Washroom
09.09.2010 16:26
sexismus (und es so darzustellen als wären frauen dümmer ist sexismus)..

..ist niemals humor, es zeigt nur die beschränktheit von dem der glaubt das es sich um humor handelt.

oder anders: der gleiche witz, nur statt "weibliche gehirnzelle" eingesetzt "afrikanische gehirnzelle" - noch immer lustig? oder doch nur rassistisch..

Knochenmann
10.09.2010 03:31

Ist vermutlich Geschmackssache, aber ich finde Sexismus komischer.

GevatterTod
08.09.2010 13:14
man hielt auch das Rauschen

eines Widerstandes oder einer Roehre fuer eine nicht-deterministische Groesse.
Ich denke es wird sich ueber kurz oder lang herausstellen das das Quantumrauschen ebenfalls von etwas determiniert wird. Vielleicht von den so eifrig gesuchten Gravitationswellen?

epep
08.09.2010 22:01
meinen sie die wärmestrahlung bei einem widerstand (diese strahlung kann rauschen verursachen)..

..das ist nicht vorhersagbar. jetzt soll man nie nie sagen, aber wenn sie doch vorhersagbar ist, dann ist die komplette physik falsch und ich mein jede physikalische vorhersage und offenbar funktionieren unsere physikalische vorhersagen in der makrowelt, also in unserer alltäglichen welt ganz gut.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 71
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.