Barrosos Rede

Aalglatter Chef-Europäer

7. September 2010, 18:45

Nach getaner Arbeit muss man leider festhalten: Straßburg ist nicht Washington - von Thomas Mayer

Es hätte ein großer Moment der Unionsgeschichte werden sollen, die erste "State of the Union" -Rede des Kommissionspräsidenten vor dem Plenum des Europäischen Parlaments. Nach getaner Arbeit muss man leider festhalten: Straßburg ist nicht Washington. Und der Chef der Brüsseler Zentralbehörde darf sich zwar auch Präsident nennen, ein Barack Obama ist José Manuel Barroso deshalb aber noch lange nicht.

Nicht nur deshalb ging sein Versuch, einmal allen zu zeigen, wer Gesamteuropa politisch führt (wie das seine Gewährsleute im Vorfeld versprachen), gründlich daneben.

Jeder US-Präsident unterwirft sich einer solchen Übung seit mehr als hundert Jahren, indem er sich dem Kongress stellt, in Wahrheit aber zu seinem Volk spricht, um ihm die große politische Linie aufzuzeigen. Das kann - Obama hat es nach einem Jahr im Amt demonstriert - eine großartige Übung in offener Demokratie und Kommunikation sein. Wenn man etwas zu präsentieren hat und wenn man auch wirklich zu seinen Bürgern sprechen will.

Davon sind wir Europäer offenbar weit entfernt, nimmt man den Kommissionspräsidenten als Maßstab. Das beginnt schon im Kleinen. Es wird sein ewiges Geheimnis bleiben, wie er eine solche live übertragene Rede mit einer Begrüßungsformel einleiten kann, mit der er Präsident und die Abgeordneten anspricht, nicht aber "meine lieben Mitbürger" - "fellow Americans" , wie das Obama selbstverständlich tat. Und es setzt sich fort in der Wahl der Themen und der Worte.

Früher einmal gab es das Sprichwort, das Archiv sei der Feind der Politiker, weil man dort nachlesen könne, was einer früher einmal zum Besten gegeben habe. Heute müsste man sagen: Der größte Gegner von Spitzenpolitikern ist das Internet. Jeder kann sich überall auf der Welt jederzeit davon überzeugen, was der Unterschied zwischen einem europäischen Präsidenten und einem US-Präsidenten ist: indem man sich den Originalauftritt abruft.

Obama sprach langsam, in einem weiten gedanklichen Bogen über Geschichte, Sinn und Stärke der USA. Barroso zeigte sich als aalglatter, abgehobener Vollzieher, der nirgends anstreifen will, das Wort Roma-Abschiebungen meidet, als Mann ohne jede Vision, der vorträgt wie ein mit Textbausteinen übervoller Sprechautomat. Eine Obama-Rede hat er offenbar nie gesehen. Das ist Europas Dilemma. So kann und darf man mit den Bürgern nicht reden. (Thomas Mayer/DER STANDARD, Printausgabe, 8.9.2010)

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Lucky Luke 1988
00
15.9.2010, 18:32
Barroso is de fuhrer der frajen Uelt

Hafner
01
Barroso ist ein Kommunist ...

... klar, dass er nur eins will: An unser Geld!
Alles Andere ist Primär (um das Zitat eines österreichischen Fußballers zu verwenden).

Ggg14
01

Dieser Artikel ist wieder einmal nichts anderes als eine schwachsinnige Anbiederung an die USA.

Wieso in aller Welt sollte Barroso ein Obama sein? Bei zwei so verschiedenen Staatsarchitekturen ein Vergleich wie zwischen Äpfeln und Birnen.
Wer will überhaupt eine präsidiale Staatsform für Europa? Da wäre der Standard unter den ersten hysterischen Aufschreiern.

Klassisches Geschwätz eines typisch europäischen Provinzjournalismus.

hcl
11

Naja ganz haben Sie den Artikel nicht verstanden.

Ggg14
00

Ich hab ihn sehr wohl verstanden, mich dabei allerdings auf einen Teilaspekt konzentriert.

Mayer bemängelt die scheinbar fehlende Staatlichkeit Europas im Vergleich mit den USA. Verwechselt dabei aber Grundlegendes und schaut unbeabsichtigt wieder einmal auf das große Vorbild USA auf und widerspricht sich damit wieder einmal selbst, wenn er glaubt Europa an den USA messen zu müssen, wo er Europa doch als Gegengewicht haben will.

Das sollte eigentlich relativ leicht verständlich sein.

locken
00
Wer hat den wiedergewählt die christlichen Parteien

hcl
00

Eigentlich der uncharismatischste EU-Chef ever. Wirkt abgehoben bis zum geht nicht mehr.

kingkade21
00
Ganz richtig

WARUM ist denn jemand wie Barroso überhaupt Kommissions-Präsident?

Nun, weil die mächtigen EU-Länder gar keine starke Persönlichkeit an der Spitze der EU haben WOLLEN. Sie würden sonst jede Menge Einfluss verlieren.

Siehe auch Ashton oder Van Rompuy - tolle Titel, in der Praxis treten sie so gut wie nicht in Erscheinung.

Genau das ist das große - fast unlösbare - Dilemma der EU: Heute ist das keine "Union" mehr, sondern ein Verein mit Mitgliedern, die nur ihr Eigenwohl im Auge haben.

Das Denken an das "große Europäische Ganze" gibt es in der Praxis nicht mehr. Deswegen hat die EU auch in der Weltpolitik nichts zu sagen, weil jedes Land sein eigenes Süppchen kocht.

MondXicht
00

Tja, schade dass wir das verlogene Süßholtzraspeln und den manipulativen Pathos nicht so drauf haben wie die US-Amerikaner, aber was soll man machen, das gefällige Lächeln liegt uns nicht so.

Onkel Hans1
02
Das wirkliche Problem der europäischen Politik ist ihr Mangel an

Selbstbewusstsein oder Europaselbstbewusstsein.

Im Grunde wissen sie von sich selbst, dass sie nur kleingeistige Bürokraten mit einem sehr guten Draht zu den großen Lobbys sind - und dass das ursprüngliche Ziel der Europäischen Einigung verschütt gegangen ist.

Und dann kommen Präsidenten-Reden raus, die genausogut Unterstaatssekretäre halten könnten.

Hotcoolt
10
16.9.2010, 09:07
Baroso

Wurde die Eu nicht gebildet zum Zweck der wirtschaftlichen Zusammenarbeit , aber die entwickelt sich langsam zur Diktatur , die anderen Staaten vorschreibt was zu tun ist, die Souverinität abspricht , und Gesetze und Vorschriften erläßt , die kein Mensch wirklich braucht ! Entweder Schaffen wir z.B. das EU - Außenministerium ab , oder die eines jeden Landes ! Es ist ein milliarden verschlingender Molloch geworden ! Nur müssen wir aufpaßen , das er nicht zu mächtig wird ! Keiner braucht einen Adolf Nachfolger , auch er wollte ganz Europa !

Bernie Stinkstiefel
51

raus aus diesem absahner-laden, solange es noch geht.

aiuto
11
Mit einem Kommissionspräsidenten Barroso

kann die EU nicht weiterkommen. Der mann hat anscheinend nicht nur keine Idee, sondern auch kein Interesse. ....
Das sind verlorene Jahre mit Barroso an der Spitze.

sepp schilehrer
12

Man kann zu Barrolo stehen wie man will, aber mit dem Zitat

"gemeinsam schwimmen oder getrennt untergehen"

hat er verdammt recht.

Oder wie sollen wir es zukünftig mit 2 Milliarden bestens ausgebildeten, disziplinierten und bildungs- und arbeitshungrigen Indern und Chinesen aufnehmen...?

halvar van flake
00
häh?

die methode wär so viel wie möglich in bildungssysteme zu investieren. aber der herr geht lieber schwimmen..... bevor er das auch nur erwähnt. und - naja - viel spass mit den chinesen und indern....

MondXicht
00

China hat zwar einen beeindruckenden Aufstieg an den Tag gelegt, aber ich würde manche Aspekte nicht überbewerten. Sie haben vllt. mehr, aber nicht zwingend bessere Ingenieure. der hat es sie noch nie gewundert, dass es keine marktfähigen chinesischen Automodelle bei uns gibt? Während die gerade eine Innovation mühsam und qualitativ minderwertig abgekupfert haben, sind wir schon zwei Innovationen weiter. Die europ. Autokonzerne arbeiten da gut zusammen und letztendlich hat auch Chrysler sein F&E Zentrum nicht ohne Grund in Europa.

Regis 1
12
gemeinsam schwimmen oder getrennt untergehen

was nützt mir das gemeinsame schwimmen inmitten eines ozeans, ohne einer insel in reichweite?

Ggg14
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Sie haben Recht, häng ma uns auf.

Regis 1
00
Sie haben Recht, häng ma uns auf

falsch : mitschwimmer wie baroso und konsorten, die für die nassen füsse verantwortlich sein könnten, ausweiden (so heisst das doch, oder?) und ihre haut und gerippe als kajak verwenden ...

Odo
14
Herr Mayer scheint auch so jemand zu sein der glaubt, das Ansehen und der Erfolg eines Politikers hinge von seinen Reden und nicht von seinen Taten ab.

Das dies nicht so ist muss in den USA der im Artikel so hochgelobte Herr Obama momentan schmerzlich erfahren. Obamas Reden haben jedenfalls nicht verhindern können, dass seine Beliebtheit in der US-Bevölkerung deutlich gesunken ist.

Onkel Hans1
11

Wer keine Vision hat, von dem braucht man sich auch keine Taten zu erwarten. Zumindest keine großen.

Selbst wenn Obama nur ein Dampfplauderer ist, ist er hundertmal mehr als alles, was wir an Staatenlenkern aufzubieten haben.

Ggg14
10

Das ist definitiv falsch. Bsp. Ungarn. Der "Verwalter" Bajnai hat jedenfalls wesentlich mehr geschafft als der große "Visionalist", der jetzt dort herummurkst.

Onkel Hans1
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Ich rede vom Projekt Europa, falls Sie davon

schon gehört haben. Das kann man nicht einfach nur verwalten, bzw. wenn man es tut, sieht man was dabei rauskommt.

MondXicht
01

Trotzdem fühle ich mich hier in Mitteleuropa bedeutend wohler als in den USA. Wir haben vllt. keine Superfuzzis und Strahlemänner, dafür aber auch keine Ghettos und keine gesetzlosen Zonen, da wo in den USA alle landen die zufällig nicht Millionäre geworden sind, nachdem sie Tellerwäscher waren. Und auch nicht die überbordenden und scheinheiligen Moralgesetze, diese schönen Anzeichen einer Religionsdiktatur.

Onkel Hans1
10

Wenn oben genannte so weiter wirtschaften, werden ein paar dieser amerikanischen Errungenschaften in nicht allzu ferner Zeit auch sehr europäisch sein.

Einmal davon abgesehen, das wir das eh auch haben, nur nicht in so einem augenfälligen Ausmaß. Aber dafür stark anwachsend.

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