ORF-Radiodirektor

Amon geht ins Rennen

07. September 2010 18:35

Bewerbung am Dienstagabend eingereicht - Stiftungsrat entscheidet am Donnerstag - Domino-Effekt bis in TV-Information

Wien - ORF-Fernseh-Chefredakteur Karl Amon hat sich in letzter Minute für den Posten des Radiodirektors beworben. Nach APA-Informationen hat Amon am Dienstagabend um 18.00 Uhr seine Bewerbungsunterlagen eingereicht. Eine Bewerbung war bis 22.00 Uhr möglich. Am Donnerstag wird der ORF-Stiftungsrat darüber entscheiden, ob Amon den Job bekommt. Unterstützung bekommt Amon von der SPÖ, Widerstand hatte vor allem die ÖVP signalisiert, die Mehrkosten befürchtet und in Amon außerdem einen "roten Personalwunsch" sieht.

Die Bestellung Amons dürfte dementsprechend mit knapper Mehrheit über die Bühne gehen. Nach verschiedenen Quellen kann er aber offenbar zumindest mit den Stimmen von 18 Stiftungsräten rechnen, womit das notwendige Votum in dem 35-köpfigen Aufsichtsgremium erreicht wäre. Unter Umständen wären sogar 19 Stimmen möglich, war in den vergangenen Tagen zu hören. Die ÖVP sprach sich in den vergangenen Tagen wiederholt dafür aus, den Posten nicht nachzubesetzen, da mit der Wahl einer neuen ORF-Geschäftsführung im kommenden Jahr ohnehin eine Verkleinerung des Direktoriums vorgesehen ist. FPÖ- und BZÖ-Stiftungsräte machten sich unterdessen dafür stark, dass Onlinedirektor Thomas Prantner den Posten des Radiodirektors zusätzlich zu seinen Aufgaben übernehmen könnte.

Spekulationen

Heftige Spekulationen setzten im Vorfeld der Bestellung auch um die Nachbesetzung der freiwerdenden Spitzenjobs in der TV-Information ein. Amons Position als Chefredakteur muss im Falle seiner Bestellung zum Radiodirektor nachbesetzt werden, die Posten der Info-Chefs von ORF 1 und ORF 2 sind bereits verwaist. Waltraud Langer arbeitet inzwischen als neue Chefredakteurin der TV-Magazine, Stefan Ströbitzer, der auch noch für die Leitung der "Zeit im Bild" verantwortlich zeichnete, wurde vergangene Woche gegen den Protest der ÖVP zum neuen Radio-Chefredakteur ernannt und trat am Dienstag dort seinen Dienst an.

In der Politik kursierten am Dienstag unterdessen heftige Gerüchte über mögliche Amon-Nachfolger. "News"-Chefredakteur Peter Pelinka, er ist der Vater von SPÖ-Stiftungsrat und "Freundeskreisleiter" Niko Pelinka, wurde dabei ebenso als Kandidat genannt wie "profil"-Chefredakteur Herbert Lackner. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, dessen Sanktus für wichtige Personalentscheidungen im ORF notwendig ist, betonte bei einer Sitzung des ORF-Publikumsrats postwendend, dass er für die Besetzung des Radiodirektors und daraus möglicherweise folgende Postenbesetzungen auf jeden Fall interne Lösungen anstrebe, um die Kostenneutralität der Rochaden wahren zu können.

ORF-intern werden dabei Armin Wolf - ihm werden nach seinem kürzlich absolvierten Post-Graduate-Studium an der "Berlin School of Creative Leadership" Ambitionen auf einen Führungsjob nachgesagt. Wie der STANDARD berichtete, wird sich Wolf als TV-Chefredakteur bewerben, falls Amon Radiodirektor wird. Hans Bürger, Fritz Dittlbacher und Ingrid Thurnher werden auch als mögliche Amon-Erben gehandelt. Sollte Amon am Donnerstag wie erwartet gewählt werden, dann wird er in der Fernseh-Information bei Abwesenheit vorerst - wie bereits berichtet - von seinem letzten dort noch verbliebenen Stellvertreter, Innenpolitik-Ressortleiter Hans Bürger, als Chefredakteur vertreten. Bürgers Stellvertreter in der Innenpolitik, Fritz Dittlbacher und Fritz Jungmayr, führen wiederum bei Abwesenheit Bürgers stellvertretend die Geschäfte im Politressort.

Unter Bürgerlichen fürchtet man in Folge der aktuellen Radio-Personalentscheidungen und der anstehenden Nachbesetzungen in der TV-Information einen "Linksruck im ORF", wie am Dienstag zu hören war. Dem ORF droht nun bis zu den Personalentscheidungen in der Fernseh-Information und der Wahl einer neuen Geschäftsführung im kommenden Jahr ein monatelanger Politkampf. (APA)

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