NASA entwirft Kollektiv-Roboter mit Fähigkeit zum "Selbstmord"

7. September 2010, 18:03
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Gruppenverhalten nach Insektenvorbild: Einzelne Drohnen opfern sich zum Wohl der übrigen Roboter

Greenbelt - Forscher des NASA Goddard Space Flight Center schlagen ein neues Konzept für den Weltraum erkundende Roboter vor: In einem aktuellen Patentantrag entwerfen die Wissenschafter eine Art Roboter-Kollektiv, in dem einzelne Drohnen im Fall der Fälle auch "Selbstmord" begehen müssen. Das Prinzip orientiert sich an der Insektenwelt, wo das Wohl des Schwarms über dem eigenen steht.

Wissenschafter arbeiten bereits seit längerem daran, mittels autonomen Roboterschwärmen beispielsweise den Mars zu erkunden - ob nun bei der NASA oder im Rahmen des EU-Projekts Symbrion. Doch Michael Hinchey, Leiter des Software Engineering Laboratory am Goddard Space Flight Center, und sein Kollege Emil Vassev betonen, dass bei solchen Missionen jeder einzelne Roboter zugleich ein Risiko darstellt. Denn wenn es bei einer Drohne zu technischen Gebrechen kommt, droht beispielsweise die Gefahr von Zusammenstößen mit anderen Schwarmmitgliedern.

Drohnen mit Problemen gefährden den Schwarm

Daher sollte jede Roboterdrohne in der Lage sein, bestimmte Anzeichen für ein baldiges Versagen zu erkennen, so die Idee der NASA-Wissenschaftler. Dann wäre es möglich, dass sich eine Drohne selbst zum Wohle des Schwarms opfert. Bevor es zu einem Unfall aufgrund eines Defekts kommt, erfolgt dazu eine Kursänderung oder Selbstabschaltung, so das Konzept. Dadurch ist der restliche Schwarm in der Lage, ohne große Störung und so effizient wie möglich weiter seiner wissenschaftlichen Mission nachgehen.

Wie schon beim Ansatz der selbstorganisierten Schwärme an sich sind auch für die Selbstaufopferung einer Drohne Insektenstaaten biologisches Vorbild. Die NASA-Forscher verweisen darauf, dass etwa Termiten bei einem Angriff auf ihren Bau ihre Körper als Schutzwall nutzen. Bienen wiederum sterben oft, wenn sie ihren Stich als wirksamste Waffe bei der Verteidigung des Stocks einsetzen. In beiden Fällen lassen einzelne Tiere also ihr Leben, damit der Staat weiter bestehen kann. (red/pte)


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