Staatsoper

Poesie mit Patchouli-Duft

7. September 2010, 17:09

Wiederaufnahme von Puccinis "Bohème"

Wien - Dominique Meyer dürfte mit dem Theaterdirektor aus Goethes Faust die Einsicht teilen, dass es klug sei, dem Publikum ein möglichst breit gestreutes Angebot vorzulegen. Das Bekenntnis zum "Tannhäuser" in der Lesart von 2010 zu Saisonbeginn ist diesbezüglich ein ebenso klares Signal wie Puccinis "Bohème", die der neue Staatsoperndirektor am zweiten Abend seiner Ära in der legendären Bilderbuchinszenierung von Franco Zeffirelli (1963) auf den Spielplan setzte.

Szenisch aufpoliert und gründlich geprobt, wurde die Wiederaufnahme am Montag zu Recht rundweg bejubelt. Denn innerhalb des pittoresken Settings wäre eine stimmigere, poetischere Aufführung kaum denkbar gewesen. Dafür sorgten bewährte Hauskräfte wie Alexandra Reinprecht als erst kokette, dann emphatische Musetta, Urkomödiant Alfred Šramek (Benoit/Alcindoro) oder Boaz Daniel als funkelnder Marcello.

Sowohl vokal als auch - im gebotenen Rahmen - darstellerisch leisteten die Hauptfiguren Bezauberndes:Krassimira Stoyanova war eine schlichtweg ideale Mimì von weicher Wendigkeit, Stephen Costello - erstmals an der Staatsoper - gab den Rodolfo mit unaufdringlich metallischem Glanz.

Dirigent Franz Welser-Möst - auch ihn nennt der Programmzettel als Debütanten - hob teils Ungewohntes hervor, wenn er die burlesken Passagen mit kantigen Konturen ausstattete, allzu viel Gefühlsüberschwang vermied und stattdessen allerhand instrumentatorische Feinheiten zu Tage förderte. Dass das Orchester dabei etwa im 1. Akt auch ein wenig zu laut wurde, lag wohl an seiner gesteigerten Spielfreude. (daen/DER STANDARD, Printausgabe, 8. 9. 2010)

Schicke Schickse
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via radio bis zur pause gehört: orchestral-dirigentisch sehr überzeugend.

da wurde wirklich die partitur interessant interpretiert. sehr schön austariert zwischen streichern und bläsern, die klangfarben kamen zum tragen, puccinis kunst gelangte zu ihrem recht (und wurde nicht zur pappigen klangsauce degradiert). die sänger waren solide-gut bis hervorragend (mimì).
ein vergleich: im frühjahr die puritani. der angeblich ach so einfach zu spielende bellini. was damals zu hören war, rangierte zwischen "unsäglich" und "peinlich". sänger, chor, orchester musizierten wild drauflos, ohne jede ordnende hand, mit verschleppten einsätzen, chaotisch-matschigem klangbild usw. kurz: null ahnung vom bellini-stil.
der gelungene puccini ist ein hoffnungszeichen, dass auch italienisches repertoire wieder ernstgenommen wird.

Keikobad
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Äpfel mit Birnen vergleichen

Von der Boheme aus zu schleßen, dass das italienische Repertoire insgesamt wieder ernstgenommen wird, ist Unsinn. La Boheme wurde auch in der Vergangenheit immer wieder großartig gespielt, Bellini und Donizetti aber waren stets ein Problem an der Staatsoper, weil das Orchester den italienischen Belcanto nicht mag. Puccini mit Bellini zu vergleichen ist daher so, als würde man Äpfel mit Birnen vergleichen.

grizabella
 
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Auch via Radio

sogar bis zum Ende gehört, aber gefunden, dass Welser-Möst kein begnadeter Puccini-Dirigent ist, und keine einzige Qualitätsstimme gehört - alles braves und solides Mittelmaß. Große Klasse haben da nur mehr Inszenierung + Bühnenbild von Zeffirelli.

Christian Oberndorfer
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was ihre puritani-einschätzung vom vergangenen frühjahr angeht, haben sie vollkommen recht: zumindest der erste abend der aufführungsserie ging total in die hose. musikalisch, szenisch und sängerisch eine pleite. auf eine zweite ansicht (meines wissens die in ö1 live übertragene) verzichtete ich dann wohlweislich. das fiasko hatte seine gründe, man hätte diese oper eigentlich unter den gegebenen umständen nicht ansetzen sollen. bellini ist sehr schwer gut zu besetzen.
zur boheme: so richtig begeistern konnte mich die aufführung nicht, aber es war eine solide repertoire-aufführung. nicht unerwähnt sollte bleiben, dass welser-mösts dirigat nicht bei allen ankam. als einziger akteur bekam er am ende etliche buh-rufe zu hören.

Robert Waloch
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Zur BOHEME vom 6. 9.

GenauSO sehe ich die Aufführung auch: anständiges Repertoire, aber nicht mehr. Und dass nicht mehr darauf wurde, ist - unerwartet - vor allem dem Dirigenten zuzuschreiben......

Eleazar Halevy
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Ich kann Ihnen in beiden Sichtweisen

voll und ganz zustimmen, danke!

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