Nationalfonds für NS-Opfer

"Historiker werden sagen, Österreich hat sehr viel getan"

07. September 2010 17:26

Vor 15 Jahren nahm der Nationalfonds für NS-Opfer seine Arbeit auf - Der damalige US-Chefverhandler im STANDARD-Interview

Standard: Ein Jahrzehnt nach dem Washingtoner Abkommen über Restitution sind die Entschädigungen endlich ausbezahlt. Wie beurteilen Sie rückblickend diesen Prozess?

Eizenstat: Österreich kann sehr stolz auf sich sein. Es ging bei diesen Verhandlungen nicht nur um Geld, sondern um die Beurteilung der eigenen Geschichte. Kanzler Wolfgang Schüssel sprach anfangs noch von Österreich als Hitlers erstem Opfer, aber im Laufe des Prozesses wurde deutlich, dass die wahre Geschichte komplexer ist. Die österreichischen Verhandler waren unglaublich engagiert, es gab weniger Konflikte als mit Deutschland oder der Schweiz.

Standard: War das eine überraschende Erfahrung für Sie?

Eizenstat: Nein, der Wandel hat schon früher eingesetzt, etwa mit der Einrichtung des Nationalfonds 1995. Unter seiner Generalsekretärin Hannah Lessing leistet er hervorragende Arbeit. Schon 1994 gab es eine internationale Konferenz über die Frage, was mit dem Gold geschehen soll, das von den Nazis geraubt wurde. Wir forderten, dass man damit Holocaust-Überlebenden helfen sollte. Die meisten Länder waren dagegen, und erst Österreichs Verhandler Hans Winkler brach das Eis. Dass es gerade Österreich war, beschämte die anderen.

Standard: Hätte man in Washington mehr erreichen können?

Eizenstat: Es tut mir bis heute leid, und ich fühle mich dafür verantwortlich, dass wir die Zahl der Anträge für Entschädigung von Privatvermögen unterschätzt haben. Die 210 Millionen Dollar, auf die wir uns einigten, waren viel zu wenig. Wir wussten, dass eine volle Entschädigung zum Marktwert nicht möglich ist, aber bei 19.000 Anträgen ist der Betrag zu klein.

Standard: Also hätten Sie noch mehr fordern sollen?

Eizenstat: Wenn wir gewusst hätten, dass es so viel mehr Anträge geben wird, hätten wir mehr Geld von Österreich gefordert. Ob wir es bekommen hätten, weiß ich nicht. Wir waren an einer Schmerzgrenze angelangt.

Standard: Sollte Österreich heute nachbessern, auch wegen der schlechten finanziellen Lage von vielen Holocaust-Überlebenden?

Eizenstat: Von 500.000 überlebenden Opfern leben 270.000 unter der Armutsgrenze. Aber auch hier hat Österreich viel getan. So wurde ein Pflegegesetz verabschiedet, dass Überlebenden in aller Welt die gleichen Leistungen zuspricht wie zu Hause.

Standard: Und wie schaut es beim Thema Kunstrestitution aus?

Eizenstat: Österreich ist der einzige von 40 Staaten, der alle unsere Empfehlungen in seiner Gesetzgebung umgesetzt hat.

Standard: Welche Rolle spielte der Druck von außen, etwa der USA?

Eizenstat: Ohne Druck von außen wäre das alles nicht geschehen. Aber Österreich war nicht widerwillig, sondern hat ernsthaft die Versöhnung mit Überlebenden gesucht. Kein anderes Land hat dann so schnell und so weitreichend die eigene Vergangenheit bewältigt.

Standard: Hat Deutschland nicht viel mehr getan?

Eizenstat: Deutschland hat seit 1951 100 Milliarden Dollar gezahlt, aber es hat eine andere Geschichte. Die deutschen Nazis waren die treibende Kraft im Holocaust. Historiker werden eines Tages zurückschauen und sagen, dass Österreich sehr viel getan hat.

Standard: Wie besorgt sind Sie über den Wiederaufstieg der FPÖ ?

Eizenstat: Ja, das ist beunruhigend. Es gibt zwar keinen breiten Antisemitismus in Österreich, aber schwierige Zeiten lösen bei einer kleinen Minderheit alte Ressentiments aus. Aber Österreich hat starke Institutionen, guten Holocaust-Unterricht, und die meisten Bürger und Politiker sind entschlossen, eine Wiederholung der Geschichte zu verhindern. Der EU-Beitritt hat den Rechtsstaat gestärkt und mir die Gewissheit gegeben, dass diese dunklen Wolken nicht gefährlich sind. Aber man muss wachsam bleiben. (Eric Frey, DER STANDARD, Printausgabe, 8.9.2010)

STUART EIZENSTAT (67) war innenpolitischer Chefberater unter Präsident Jimmy Carter, diente unter Bill Clinton als Botschafter bei der EU, war Vize-Finanzminister und leitete alle US-Restitutionsverhandlungen. Heute ist er Anwalt in einer Washingtoner Kanzlei.

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a grünes stricherl
 
09.09.2010 15:43
Dieses Forum kann als Lehrbeispiel dienen

für den überaus lebendigen Antisemitismus in Österreich.

aus der Geschichte nichts gelernt
10.09.2010 11:51
Der Cheferpresser denkt an den Eintrag in den Geschichtsbüchern

unter dem Buchtstaben E. Da soll was Schönes stehen, hofft er.

x aeins
09.09.2010 19:58

paranoid bist eh net?
auf einen "Ruhenlassenwoller" kommen eh gleich 3, die den ins Wadl beißen,soweit ich seh
es sei denn, auch Hr.Eizenstat sei "antise..", weil er doch zufrieden scheint und auch ruhen lassen will?

RobinBGH
08.09.2010 22:43
Mensch...

...wenn man sich hier die Kommentare so durchliest koennte einem grad schlecht werden. Das ist irgendwo zwischen beaengstigend und geschmacklos, was da im Schnitt so gebracht wird.

Seit '45 nichts dazugelernt, ausser, wie man sich noch als armes Opfer darstellt. Dazu die Diffamierung der eigentlichen Opfer: da laeuft es einem kalt den Ruecken herunter!

Berolina Schreibmaschine
09.09.2010 12:40
Keine Sorge, das ist nur das Standard-Forum

in keiner Weise repräsentativ, die haben sich da was angezüchtet...

Asparuch Edler von Leschnikoff
 
09.09.2010 09:41

Na Gottlob gibts ja Berufsbetroffene wie Sie, die als Mahner durch die Welt gehen und selbstzufrieden schlafen können um unser Geld.

Rauscher, der Hundefreund
10.09.2010 07:21

um "unser" geraubtes Geld wolltens sagen oder?

Asparuch Edler von Leschnikoff
 
13.09.2010 12:35

Also ich persönlich hab mein Lebtag niemandem Geld geraubt. Sie etwa?

emanze c
16.09.2010 12:10

Ererbte (ob von Blutsverwandten oder Wahlonkel) geraubte Wohnungen, Häuser, Kunstgegenstände, Täler bleiben geraubtes Vermögen, ob Sie persönlich Hand angelegt haben oder nicht.
Im oft geschmähten Islam ist es verboten, haram Geld (durch Sünde erworbenes Geld) anzunehmen, weiterzugeben oder sonst für seine Familie zu verwenden. Derartige Moralvorstellungen könnten manchen Österreichern nicht schaden.

Fritz Wintersberger
08.09.2010 16:50
Fonds

Und dieser Fonds wurde unter der balu-schwarzen Regierung geschaffen.

Berolina Schreibmaschine
09.09.2010 13:47
das ist richtig

unter dem Druck der internationalen juristischen Lage zwar, aber das hat Schüssel vorbildlich durchgezogen und damit Rechtsicherheit geschaffen.

auchnixzusagen
08.09.2010 16:28

Österreich hat sehr viel getan...

Ja, zwischen 1938 und 1945.

Sir Carl Mobber
08.09.2010 19:23
Heast Oida - geht's no???

Asparuch Edler von Leschnikoff
 
08.09.2010 14:08

Und Hysteriker sagen schon jetzt und in Ewigkeit, Österreich hat (zu) wenig bis gar nichts getan.

Blind Peoples Porn
08.09.2010 12:25
USA-USA

wann begleichen die USA ihre Verbrechen an der Menschheit?!? die Liste der Laender die sie ueberfallen haben nur um geopolitisch bzw Ressourcenorientiert zu "agieren" waere viel zu lang fuer das posting!

buren koenig
09.09.2010 09:59

das lustige ist:

nach dem krieg war mehr jüdisches geld auf amerikanischen konten als auf schweizer konten - die schweiz wurde 1999 von amerika aus erpresst um die summe der rückzahlungen zu erhöhen - amerika selbst wurde nichtmal gefragt, ob sie vielleicht so nett wären die nachrichtenlosen konten mal danach zu durchforsten.
übrigens hat die schweiz im krieg mehr jüdische flüchtlinge aufgenommen als die usa

Berolina Schreibmaschine
09.09.2010 12:56
lustig ist nur die unhaltbarkeit ihrer aussagen

USA: 85 000 jüd. Flüchtlinge aufgenommen.
Schweiz: 12 000.
Die meisten hatte übrigens Australien aufgenommen und ja, fliehen damals war sehr schwer.
Kann man doch überall leicht nachlesen,.

wie wärs mit ein paar Quellen, die nicht grad von eigenartigen Webseiten oder anderen Postern kommen?

Nataraja
08.09.2010 13:33

Amerika befreit doch die Welt - von Zynismus, Verblendung und von Ressourcenverschwendung

Amerika ist der wahre Segen - eine Freiheit von Debilität gepaart mit einer Finanz-architektur welche keinerlei Statik aufweist

Sie sind die Herren des Universums, bis zum Rand der heutig erforschten Welt, dem Vorderlappen des Denkorgans, mit einem Embargo gegen ein menschliches Wachstum

das Imperium der gewalttätigen Werbung für die Freiheit der wahren Freiheit - der Freiheit der freien Marktwirtschaft

Bringt noch mehr Opfer heran !!
der Moloch ist noch nicht beruhigt

Da hilft nur Lagavulin!
08.09.2010 11:40
Sippenhaftung kann nicht die alleinige Lösung sein. Man muß Dinge irgenwann auch einmal ruhen lassen können.

Timagoras
 
08.09.2010 17:21

meine güte, da hat die fpö-parteizentrale mal wieder ihre kampfposter (und -strichler) aktiviert.

mit "es muaß doch endlich amoi a ruah sein" kann man hier immer noch reüssieren bzw. am meisten zustimmung einheimsen ....

Seriöser Hütchenspieler
08.09.2010 18:20

Tja, der Fonds wurde allerdings unter der schwarz.blauen Regierung geschaffen.

Die Sozen wollten dies Jahrzehnte nicht - also nicht die Wahrheit verdrehen, gell....

Da hilft nur Lagavulin!
08.09.2010 18:19
Troddel

Timagoras
 
08.09.2010 18:59

eloquent, sachlich und stilvoll.

so wie wir das hier eben gewöhnt sind ... ;o)

Stahl_____666
08.09.2010 12:11
.

Wer an "Auge um Auge, Zahn um Zahn" glaubt wird die Geschichte nie ruhen lassen können, wird einen zivilisierten Umgang mit der eigenen Geschichte, wie sie unter den Völkern Europas gegenwärtig praktiziert wird, nie zustande bringen.

Berolina Schreibmaschine
09.09.2010 13:51
Wen meinen Sie?

Ach so, ja, die jüdischen Mitbürger natürlich ...Ach ja, unser Altes Testament...Jajajajaja, ist schon gut...
wissen Sie, so Leute wie Sie könnten endlich mal Ruhe geben, das wär doch was.
sind Sie eigentlich auch so gegen die Rechtsicherheit und Restitution bei anderen "zivilisierten" Völkern, etwa die Rückstellungen von Eigentum in der DDR?

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