Lacht laut, ärgert sich sehr: So tickt Erwin Pröll

07. September 2010 17:28
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    Foto: apa/pfarrhofer

    Erwin Pröll selbst macht aus seinen Ausbrüchen mitunter kein großes Geheimnis. So manche politische Gegnerin ist im persönlichen Umgang mit ihm dankbar für ihren "chronisch niedrigen Blutdruck".

Niederösterreichs Landesvater kommt hervorragend mit Menschen aus - solange sie sich ihm nicht in den Weg stellen

Wien / St. Pölten - Es braucht nicht viel, dass Erwin Pröll der Kragen platzt. In der Regel reicht es schon, wenn dem niederösterreichischen Landeshauptmann beim Amtieren jemand in die Quere kommt. "Dann fängt er zu schreien an", weiß Madeleine Petrovic, langjährige Klubobfrau der Grünen im Landtag. Als ihre Partei es wagte, auf der Homepage einen Beschwerdebriefkasten für Bürger einzurichten, soll Pröll sie wütend angeherrscht haben: "Das ist eine Spitzelbox!" Und: "Das kommt sofort weg!" Als sich die Grüne weigerte, dem Befehl des Landesfürsten nachzukommen, stieß Pröll angeblich diese Drohung aus: "Das werden Sie büßen!"

Szenen aus dem tiefschwarzen Niederösterreich. Seit kurzem bekommt ein Regierungsmitglied im fernen Wien zu spüren, was es heißt, sich dem 64-jährigen Pröll zu widersetzen. Weil die rote Unterrichtsministerin Claudia Schmied der Idee, ihm die Kompetenzen über alle Lehrer zu überlassen, nichts abgewinnen kann, stellte der oberste Niederösterreicher via Österreich die als Imperativ gemeinte Frage: "Wann wird diese Ministerin abgelöst?" Um Schmied noch im selben Atemzug zu unterstellen, "von Machtgelüsten durchdrungen" zu sein.

Sagt ausgerechnet Pröll, der seit 1992 die ihm ergebenen Untertanen mit festem Griff regiert. Mehr als 53 Prozent der Stimmen weiß der gebürtige Radlbrunner und Sohn einer Weinbauernfamilie in seinem Reich hinter sich. Nicht umsonst wird die Landeshauptstadt scherzhaft "St. Pröllten" genannt. In den 21 Landesbezirken sind 21 Hauptleute schwarz. Das ORF-Landesstudio rückt tagtäglich die Errungenschaften des Regenten ins Bild. Und parallel dazu arbeitet Pröll seit drei Jahrzehnten an seinem bundespolitischen Einfluss - natürlich für "die Familie Niederösterreich", wie er sich gerne auszudrücken pflegt.

Was reitet Pröll also bei seinen berüchtigten Attacken? Er selbst hat zu seinem cholerischen Temperament - gelegentlich sollen sogar Aktenordner durchs Büro fliegen - einmal gemeint: "Ich lache laut und kann mich sehr ärgern. Das werde ich in meinem Alter sicher nicht mehr ändern."

Doch nicht nur politische Gegner, auch langjährige Weggefährten behaupten, Prölls Ausbrüche würden sich in letzter Zeit etwas häufen. Unter vier Augen hat Pröll selbst einem davon angeblich eingestanden, dass ihm derzeit "ein gewisser Challenge in der Politik" fehle. Und überhaupt, wäre er, Pröll, bei der Präsidentschaftswahl im Frühjahr angetreten, hätte "sicher nicht" Heinz Fischer, sondern er das Rennen um die Hofburg gemacht. Doch nicht nur die Partei, sondern auch der mächtige Raiffeisen-Boss Christian Konrad soll dem Radlbrunner von einem Wahlkampf um das erste Amt im Staat abgeraten haben. Vor sieben Jahren noch war das ganz anders.

Damals hatte Pröll soeben die Landtagswahl 2003 überzeugend gewonnen, nicht zuletzt, weil Konrad ihm ein Personenkomitee zusammengestellt hat, das jedem Präsidentschaftskandidaten zur Ehre gereicht hätte. Aber dann pochte die Schüssel-Vertraute Elisabeth Gehrer darauf, dass die ÖVP eine Frau aufstellen sollte. Und Schüssel hatte - nicht wirklich zur Freude des Onkels - Josef Pröll in die Regierung geholt.

Der Landeshauptmann musste sich damit begnügen, das auszubauen, was er seit seinen Tagen als Landesrat ab März 1980 konsequent gepflegt hatte: die niederösterreichische Identität. Dafür gibt es die Zeitschrift NÖ schön erhalten - schöner gestalten, die das Bild des Landes pflegt. Dafür wurden Kulturzentren gebaut (etwa der spektakuläre Wolkenturm in Grafenegg). Und dafür wurde sogar der von der SPÖ vergessene Antifaschist Theodor Kramer von Pröll wiederentdeckt und als Landesdichter gefeiert.

Pröll kommt nämlich hervorragend mit Menschen anderer Gesinnung aus - solange sie sich ihm nicht in den Weg stellen. Legendär ist seine Kooperation mit Wiens Bürgermeister Michael Häupl, die zeitweise besser läuft als jene mit seiner eigenen Partei. Die hat Pröll nicht vergessen, dass er sie 1995 mit einem Überraschungskandidaten für die Spitze beglücken wollte, der jedoch bei der internen Präsentation glatt durchgefallen ist. Mehr aus Verlegenheit denn aus Überzeugung wurde dann Wolfgang Schüssel Obmann. Dem späteren schwarzen Kanzler lieferte Pröll freilich auch die eine oder andere Machtprobe. Bevorzugt über die Medien, versteht sich.

Der Politikberater Christian Scheucher, einst in Schüssels Team, meint: "Pröll ist als Politiker eine Klasse für sich. Er ist ein Dominator, der in Sitzungen das erste und das letzte Wort hat." Die Grüne Petrovic drückt es so aus: "Im persönlichen Umgang mit ihm bin ich dankbar für meinen chronisch niedrigen Blutdruck." (Conrad Seidl, Nina Weißensteiner, DER STANDARD, Printausgabe, 8.9.2010)

Kommentar posten
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Harry Meier
 
15.04.2011 15:41
Über den Weg laufen muss mir die Kretzn ned.

Wie er damals den Pfarrer niedermachte der über die hohen Gehälter schimpfte bleibt mir immer in Erinnerung.

FFluXXuSS
07.12.2010 13:31
Dem ist nichts hinzuzufügen!

Treffender Artikel!

emma48
07.12.2010 07:18
"Im persönlichen Umgang mit ihm bin ich dankbar für meinen chronisch niedrigen Blutdruck."

hihihi

>>>>>>>>>>>>>>>>
26.10.2010 06:55
der louis de funes der politik :)

Warpsignatur
26.10.2010 00:58

pröll ist 64?
:-)
das heißt, nächstes jahr geht er in die pense??
:-) :-)

Florine
22.12.2010 15:35

Keine Chance, denke ich. Der bleibt LH bis zur nächsten Bundespräsidentenwahl. Da wird er dann als Kandidat aus dem Hut gezaubert, weil er ja nicht mehr fürchten muss, dass der Heifi ihn abschießt.

Fred Fusel
28.10.2010 08:33

hoffentlich nicht! der ist noch gut beinand und lebt noch lange was bedeutet dass er auch noch lange lh-pension beziehen würde. und daneben müssen wir noch einen neuen durchfüttern. soll er lieber doch gleich bleiben noch dazu wo wir uns so an ihn gewöhnt haben!

Njörd
18.10.2010 20:11
wir menschen sind nun mal mit fehlern behaftet

warum soll es bei den politikern nicht auch die verschiedenen charaktere geben? melancholiker, choleriker, sanguiniker und phlegmatiker...laut der vier-elemente-lehre des empedokles ... beim standard gibt es noch einen fünften typ: den zensur typ....
andere wiederum teilen die charaktere nach feuer, erde, metall, wasser und holz ein.
feuer verbrennt holz, wasser löscht das feuer ....

Ghostrider63
12.10.2010 07:49
und das als "Doppelter Akademiker"

wie er auf dem Video von Youtube so schön rausbrüllt.

Ein Niveau das wohl beweist, wie unangenehm und arrogant Erwin Pröll sein kann.

Wird Zeit dass, sich auch hier mal das Sprichwort:

Hochmut kommt vor dem Fall

bewahrheitet.

Harald Herrmann
25.10.2010 23:49
Das wird's nicht spielen....

Niederösterreicher haben - wie Käantna... - einen Hang zum Autoritären - und wirklich schlecht geht es ihnen ja nicht- die Landeshypo geht LandUnter und Wien darf zahlen - wen kümmert's? Der Flughafen? Von Pröll-Spezis an den Rand des Konkurses gebracht - alle noch im Amt... wäre so etwas im "kommunistischen Osten" passiert, damals, vor '89, die ÖVP hätte es angeprangert - aber damals hat Pröll ja auch zum xten Mal den "Schatz im Silbersee gelesen...

sunking
29.01.2011 12:43

diese verallgemeinerungen sind das letzte.

bernhardbernhard
26.10.2010 14:31
kleine Korrektur

... von Pröll- und Häupl-Spezis.....

Pro Freistaat Kärnten!
 
12.10.2010 10:36
Wohl eher

Dopplerakademiker.

PMM
14.09.2010 18:06
Mit der Bitte um Korrektur

> In der Regel reicht es schon, wenn dem niederösterreichischen Landeshauptmann beim Amtieren jemand in die Quere kommt

korrekter Weise muss es lauten:
> In der Regel reicht es schon, wenn jemand anderer Meinung ist.

MfG

Kids
10.09.2010 12:50
Österreich kann froh sein

Österreich kann froh sein, dass dieser viel zu enge schwarze Stahlhelm nicht Bundespräsident ist! Pröll führt eine regime in NÖ. Leider skann ihm keiner Paroli bieten...

Susanne Starkl
10.09.2010 11:51
so tickt er.....

http://www.youtube.com/watch?v=GxOnpOAZXyQ
Ich habe von diesem Vorfall erst kürzlich Kenntnis erlangt und bin erschüttert.
Das sollte in NÖ breit veröffentlicht werden damit die Menschen sehen WAS für ein Mensch hinter der Fassade steckt.

Fürst Robert
12.09.2010 15:39
Youtube Spende

Ich bin erschüttert, daß ein Politiker derart unbeherrscht agiert. Eine Führungspersönlichkeit ist der sicher nicht!

philippe glatz1
09.09.2010 23:44
Auf dem Foto ist er grad beim Tack,

tick, tack, tick , tack. Das Foto vom tick haettens auch bringen koennen, dann koennte man besser sehen wie er richtig tickt, der Erwin. Der tickt doch richtig ...oder?

lieberaugustin
09.09.2010 14:50
worum geht es bei diesem Streit?

...der eigentlich Grund für den Aufschrei aus dem Königreich NÖ resultiert daraus, dass unser unantastbarer Landeskaiser seine Lehrerposten selbst vergeben mag um bei folgenden Wahlen die Dankbarkeit der so beschenkten Pädagogen einzufordern. Schlimm an dieser Geschicht ist in weiterer Folge, dass alle anderen LH´s mit dieser Forderung aus besagten Gründen einverstanden sind und somit eine sachlich Lösung unmöglich wird.

Florian Machl
09.09.2010 13:39
Und wer...

... soll das sein, der mit Menschen besonders gut kann "die sich ihnen in den Weg stellen"? Ist es nicht allzu menschlich und natürlich, mit "seinen Feinden" ein Problem zu haben?

Ach so, Verzeihung, die moralisch ach so überlegenen "Linken" sind ja immer so tolerant und akzeptieren alles. Zumindest in der Theorie.

wi long no
09.09.2010 19:35
Florian, so schnell brennts nicht!

Es sind nicht alle meine Feinde, die nicht meiner Meinung sind. Und dann gibt es schon so etwas, wie eine Kultur der Auseinandersetzung. Dazu muss man nicht moralisch überlegen sein, sondern eventuell einen Schritt nach vorne denken können.

gütenand der fertige
10.09.2010 18:07
Das verstehen Sie falsch.

Auf'm Land hat der recht, der am lautesten schreit.

net-diver
 
09.09.2010 12:35
Hmm...

... auf der anderen Seite: zwei Anrufe als Normalsterblicher und schon hatte ich vor 4 Jahren einen Termin bei ihm. Hat sich das Problem angehört (Wohnbauförderung) und eine Lösung zugesagt. Drei Wochen später war der neue Bescheid bei mir und alles war in Ordnung. Mag schon sein, daß der Mann so seine Allüren als Landeskaiser hat. Andererseits kann er wahrscheinlich genau deshalb recht rasch durchgreifen und Probleme lösen.

Aber was soll´s, irgendwann ist es für jeden Zeit aufzuhören.

gütenand der fertige
10.09.2010 18:11
Das klingt aber eher nach dem früheren kaiserlichen Edikt "günstig erledigen".

Nicht die persönliche Intervention eines Landeshauptmannes nach Gutsherrnart sollte das Maß aller Dinge sein, sondern Recht und Gesetz.

net-diver
 
10.09.2010 18:47
Naja...

... lieber so sein Recht bekommen, als das Land klagen zu müssen. Ist für beide Seiten billiger und schneller.

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