Strengere Auflagen für Telekom Austria sollen alternativen Anbietern den Rücken stärken
Die Telekom-Control-Kommission (TKK) hat neue Rahmenbedingungen für den Ausbau breitbandiger Kommunikationsnetze in Österreich festgelegt. Durch die darin enthaltenen Auflagen für den Marktführer Telekom Austria dürfte sich das Kräfteverhältnis im Wettbewerb zwischen dem Ex-Monopolisten und den neuen Anbietern zugunsten der Alternativen verschieben. Die Telekom kann den neuen Spielregeln auch positive Seiten abgewinnen.
So muss die Telekom künftig ihren Konkurrenten detaillierte Informationen über ihr Kupfer-Anschlussnetz geben und muss für den Zugang zur entbündelten Kupfer-Teilnehmeranschlussleitung Standardvertragsangebote veröffentlichen, um den raschen und gleichberechtigten Zugang für alle Interessenten zu gewährleisten. Außerdem muss die Telekom ihren Mitbewerbern Zugang zu Leerverrohrungen oder Glasfasern anbieten, damit die alternativen Betreiber ihre Grabungskosten deutlich senken können. Die Investments der Alternativen in schnellere Übertragungsverfahren ("VDSL@CO") über bestehende Kupferleitungen werden außerdem dadurch geschützt, dass die Telekom ihnen Abgeltungen zahlen muss, wenn sie im selben Anschlussbereich später Glasfaserleitungen legt. Im Gegenzug bekommt auch die Telekom technische Erleichterungen: So wird also das "Spectrum Shaping", also das nur teilweise Ausnützen zur Verfügung stehender Frequenzbereiche zur Vermeidung elektromagnetischer Störungen, künftig nicht mehr zwingend vorgeschrieben sein.
Großer Wurf?
Die Regulierungsbehörde hält die neuen Spielregeln für einen großen Wurf: Mit der am Montag getroffenen Entscheidung habe man Investitionssicherheit für Investoren und Betreiber geschaffen und damit einen wichtigen Impuls für den Ausbau von Breitbandnetzen gegeben, erklärte die TKK heute dazu. Einerseits würden durch die Entscheidung für potenzielle Investoren - Telekom und andere - Anreize zum Glasfaser-Ausbau gesetzt, andererseits könnten nun jene Unternehmen, deren Fokus auf der Entbündelung von Kupfer-Anschlussleitungen liegt, den leistungsfähigeren Übertragungsstandard VDSL2 einsetzen.
Bei der Telekom reagiert man zurückhaltend. "Für uns ist das zumindest ein Schritt in die Richtung, dass die Planung möglicher weiterer Investitionen ins Breitbandnetz erleichtert wird", sagte Telekom-Sprecherin Elisabeth Mattes zur APA. Ob die neuen Bestimmungen für den Wirtschaftsstandort Österreich förderlich seien und ob man dadurch den Rückstand beim Glasfaserausbau gegenüber anderen Ländern werde aufholen können, werde man wohl erst in einigen Jahren sehen. "Was uns beim raschen Netzausbau sehr unterstützen würde wäre die Festlegung eines fairen Investitionsaufschlages auf neue Netze", wünscht sich Mattes für die Telekom. Je nach Nutzung der neuen Netze durch Mitbewerber sollten diese einen Risikoaufschlag an die Telekom entrichten und damit einen Teil der Investitionskosten übernehmen. (APA)