Gillard regiert mit einer Stimme Mehrheit

07. September 2010 16:37

Nach 17 Tagen Patt hat Australien wieder eine Regierung - Labor konnte mithilfe von unabhängigen Parlamentariern Mehrheit bilden

"Labor ist bereit für die Regierung", meinte Julia Gillard am Dienstag in einer ersten Reaktion auf den Entscheid zweier unabhängiger Parlamentarier, sie zu unterstützen. Die Erleichterung war der Politikerin ins Gesicht geschrieben. Mithilfe von Rob Oakeshott und Tony Windsor hatte sie es geschafft, sich 76 der 150 Sitze im Repräsentantenhaus zu sichern. Damit hat sie eine Mehrheit von einem Sitz und kann die Regierung bilden.

Dem Entscheid gingen zwei Wochen intensivster Verhandlungen zwischen Gillard, ihrem konservativen Herausforderer Tony Abbott, vier Unabhängigen und einem neu gewählten Abgeordneten der Grünen Partei voraus. Während sich der Grüne und einer der Unabhängigen schon vergangene Woche für eine Labor-Minderheitsregierung ausgesprochen hatten, entschieden sich die drei anderen Abgeordneten erst am Dienstagnachmittag.

Obwohl alle drei aus traditionell konservativen Wahlkreisen stammten, sprach sich nur der Parlamentarier Bob Katter für Abbott aus. Windsor und Oakeshott meinten, es sei ihr "oberstes Ziel, Australien eine stabile Regierung zu ermöglichen", die eine volle Legislaturperiode von drei Jahren überstehen könne. Sie machten aber klar, dass ihre Entscheidung an Bedingungen geknüpft ist. "Unsere Unterstützung sollte nicht als Mandat für eine Partei gesehen werden", sagte Oakeshott.

Beide Parlamentarier hatten schon vor Jahren Kritik am Zweiparteiensystem nach britischem Muster geäußert, das die australische Politik seit Generationen prägt. Sie forderten in ihren Gesprächen mit Gillard und Abbott eine fundamentale Überarbeitung und Erneuerung parlamentarischer Abläufe. Es müsse künftig sichergestellt werden, dass auch kleinere Parteien und Interessengruppen zu Wort kommen - allen voran die ländliche Bevölkerung. Statt Konfrontation müsse in Zukunft der Konsens regieren.

Beide hatten auch umfangreiche Zugeständnisse für ihre jeweiligen Wahlkreise gefordert und von Gillard erhalten - etwa bessere Gesundheitsversorgung und schnellen Internetzugang für das ländliche Australien. Trotzdem dürfte ihre Entscheidung, die Sozialdemokraten zu unterstützen statt den erzkonservativen Tony Abbott, unter den Wählern auf große Kritik stoßen.

Ein Testfall für ihre Loyalität dürfte kommen, wenn Gillard ihr Wahlversprechen wahrmacht und Maßnahmen zur Beschränkung klimaschädigender Gase einführen will. In weiten Teilen des ländlichen Australien herrscht Klimaskepsis.

Ein zweiter Streitpunkt könnte die vorgesehene Einführung einer Steuer auf hohe Gewinne der Rohstoffindustrie werden. Auch diese Maßnahme wird in den vom Bergbau abhängigen Regionen bekämpft - mit Unterstützung der Rohstoffindustrie. Deren aggressive Kampagne gegen die Pläne führte dazu, dass die regierende Labor-Partei im Juni den damaligen Premier Kevin Rudd durch Gillard ersetzte. Zuvor hatte er in Meinungsumfragen verloren. (Urs Wälterlin aus Canberra/DER STANDARD, Printausgabe, 8.9.2010)

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16 Postings
sophistes
08.09.2010 16:43
Noch mal Glück gehabt, Australien

Mit Tony Abbott, dem George W. Bush Australiens, wäre dieses an sich liebenswerte Land innerhalb kürzester Zeit zur internationalen Lachnummer verkommen.

inness robins
08.09.2010 18:28
Brutal

Liebenswürdig? Wer einmal die brutalen Aussies kenengelernt hat -ich war lange in Alics Springs tätig-
wird außer für die Aborigenes kaum Sympahtien für die Bevölkerung aufbringen.

kerberoß
11.09.2010 10:22
man merkt

du bist ein wahrer Kenner Australiens....

Ein Mahner
08.09.2010 10:53
Finanzminister aller Länder auf nach Australien

Dort könnt ihr von den Känguruhs lernen, wie man mit leerem Beutel grosse Sprünge macht.

. spectator
08.09.2010 16:07

Mit leerem Beutel wohl kaum. Australien exportiert auf Teufel komm raus Eisenerz, Kohle und Gold. Wachstum, Wachstum, Wachstum, solange China nicht faellt...

HTK
08.09.2010 10:51

Is das die Mutter von der Jodie Foster ?

inness robins
08.09.2010 18:32
schwerlich

ist sie doch nur ein Jahr älter!

krausebert
08.09.2010 10:24

Die hat aber einen langen Finger.

Der Große von Gegenüber
08.09.2010 13:40

würde sich gut als Urologin eignen ...

inness robins
08.09.2010 10:11
Arrogans

die ist sowas von arrogant!

frederic heine
08.09.2010 13:55
the picture judge......

wenn sie mall 5 prozent dieser dame intellect erreichen machen wir ein bild von ihnen mit "power posture",bis dahin blenden's besser in den Hintergrund.

Karl-Heinz Rumgenippe
08.09.2010 10:04

Diese Mehrheit ist wackelig wie ein Kartenhaus und wird in einigen Monaten in sich zusammenfallen.

elisabeth pilch
09.09.2010 09:23
Diese Mehrheit ist wackelig wie ein Kartenhaus..

..und hoffentlich noch frueher.
Eine Partei die um ca. 700000 Stimmen weniger, einen Sitz weniger und einen kleineren Teil der
"Two Party preferred vote" hat und aufgrund von
teuren Versprechungen an die Independents - die
sie sowieso nicht halten wird (siehe die letzten 3
kathastrophalen Jahre) an die, im wahrsten Sinn
des Wortes Macht kommt, hat es nicht verdient
zu regieren. Man koennte noch weiter elaborieren
und viele Beispiele nennen, aber das Problem wird
sich hoffentlich von selbst loesen. Gillard, eine
machthungrige skrupellose Politikerin, umgeben von
schwachen kleinen Maennchen der Labour Party.

SterzinOz
08.09.2010 01:29
Nicht zuletzt

haben die 3 unabhängigen Mausketiere innerhalb der letzten 2 Wochen schwuppdiwupp ein paar sehr gute Reformen der parlamentarischen Debattenregeln durchgesetzt. Dabei haben sich die beiden groszen Lager (Labor und die Koalition) geradezu vor Reformeifer überschlagen, um den Indepentents ihre beste Seite zu zeigen. Ohne das "hung parliament" hätte es solche Reformen nicht in 100 Jahren gegeben...
Man kann sich also auf 3 Jahre einer Regierung freuen, die schon aus Eigeninteresse nicht arrogant sein kann. Immerhin funktioniert das in Neuseeland seit Jahren ganz gut.

footy show
08.09.2010 02:06
Fuer so ein Parlament

muessen die australischen Politiker aber erst erzogen werden.

Zum Glueck ist aber nicht die Coalition an der Macht...

SterzinOz
08.09.2010 01:31
Oops, typo:

"independents". Nicht dass sich dann wer beschwert, ich könne kein Englisch...

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