Schmied-Interview

"Ich bleibe unverrückbar auf meinem Kurs"

7. September 2010, 18:44
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    foto: der standard/cremer

    Die verdoppelte Ministerin: Im Kampf um die Kompetenzen für die Landeslehrer sieht Unterrichtsministerin Claudia Schmied die Regierung hinter sich. Ihre Position sei identisch mit deren Sicht.

Claudia Schmied erklärt, warum das Unterrichtsministerium nicht zum Bankschalter für die Länder mutieren darf und sie nicht an Rücktritt denkt

Standard: In der neuen OECD-Studie "Education at a Glance" zeigt sich wieder: Österreich ist da, wo es um den finanziellen Input (pro Schüler/Student/Lehrer) geht, meist auf der guten, spendablen Seite - nur der Output stimmt nicht, weder bei der Akademikerquote noch bei der internationalen Leistungsschau Pisa. Warum ist das so?

Schmied: Es gibt einzelne Bereiche, wo wir gut liegen. Bei der Bildungsbeteiligung Erwachsener sind über wir über OECD-Schnitt. Was mich besonders freut, ist der Bereich des berufsorientierten Bildungssystems, wo wir - das müssen wir unterstreichen - auf dem ersten Platz sind. Das ist ein erstklassiges Ergebnis, weil es zeigt, dass sich sehr viele Schüler auf den Beruf vorbereiten, dass wir in dem Bereich wettbewerbsfähig sind. Was mich besonders freut - und das kann die OECD noch nicht wissen - ist, dass wir heuer in der zehnten Schulstufe im berufsbildenden Schulsystem um 3500 Schüler mehr haben als vergangenes Jahr. Unsere bildungspolitischen Maßnahmen, zum Beispiel Kleingruppen, sind wirksam. Der zweite Punkt, der sich schon niederschlägt, ist unser Großvorhaben: kleinere Klassen. Auch da liegen wir im OECD-Bereich sehr, sehr gut.

Standard: Die Studie zeigt auch wieder, dass Lehrer in Österreich deutlich weniger Unterricht halten als im OECD-Schnitt. Was leiten Sie da ab für das neue Dienstrecht?

Schmied: Dass wir uns die Arbeitszeitmodelle sehr genau anschauen müssen. Es muss uns gelingen, dass die Lehrer mehr Zeit mit den Kindern verbringen können und sich mehr konzentrieren können auf pädagogische Aufgaben statt auf Administration. Und apropos extrem steile Gehaltskurve über den Lebensverlauf: Wir brauchen attraktivere Einstiegsgehälter, um auch hier im Wettbewerb bestehen zu können.

Standard: Im Streit um die Kompetenzen für die Lehrer mehren sich die Indizien, dass die Bundesregierung nicht stark genug ist, um dem "Kraftfeld" der Landeshauptleute, wie es Erwin Pröll nannte, zu widerstehen und alle Lehrer in die Bundeskompetenz zu holen, wie Sie das wollen. Schießt man so die eigene Ministerin rücktrittsreif?

Schmied: Nein. Die Position, die ich vortrage und vertrete, ist die Position der Bundesregierung, also die Sicht des Bundes, auch als Antwort auf die Papiere von Rechnungshof, IHS und Wifo.

Standard: Die Länderposition lautet seit Montag wie schon 2009: "Die Vollziehung des Dienstrechtes für alle Lehrer soll Landessache sein." Lautet die des Bundes dann: "Die Vollziehung des Dienstrechtes für alle Lehrer soll Bundessache sein"?

Schmied: Ja, das haben wir bei den Bundeslehrern ohnehin. Der Rechnungshof bestätigt die Effizienz dieses Modells.

Standard: Wie soll es jetzt weitergehen?

Schmied: Es gibt viele Punkte, die wir mit den Vertretern der Länder klären müssen. Wichtig ist, dass wir für ganz Österreich engagiert an der Bildungsreform weiterarbeiten und es daher Bundeskompetenz im Bildungsbereich gibt.

Standard: Wenn man Ihnen heute zuhört, klingen Sie ein bisschen so, als hätten Sie den Kampf schon verloren gegeben. Ahnen Sie schon, dass es in eine andere Richtung gehen wird als Ihre gewünschte?

Schmied: Die Bundesposition ist unverrückbar. Sie heißt: "Alle Lehrer zum Bund". Es gibt eine Bundesposition. Es gibt ein Papier der Landeshauptleute. Das ist im Detail zu diskutieren.

Standard: Was passiert, wenn Ihr Worst Case wahr wird und die Länder alle Lehrer bekommen? Dann müssten Sie eigentlich gehen.

Schmied: Rücktritt ist für mich keine Kategorie. Wir müssen inhaltlich weiterkommen: Autonomie am Schulstandort, Schulaufsicht, neues Dienstrecht, neue Lehrerausbildung. Das sind Jahrhundertprojekte. Ich werde unverrückbar auf meinem Kurs bleiben.

Standard: Machen wir es konkreter, weil es für Schüler und Eltern vermutlich das letzte Problem ist, wer über die Lehrer bestimmt: Welche Folgen erwarten Sie denn, wenn jedes Bundesland für seine Lehrer zuständig wäre?

Schmied: Unterschiedliche Arbeitsbedingungen für die Lehrer und damit unterschiedliche Lernbedingungen für die Kinder. Mir ist wichtig, dass die bildungspolitischen Maßnahmen im Klassenzimmer ankommen: kleinere Klassen, Deutschförderung, Individualisierung des Unterrichts, neue Mittelschule. Das muss gewährleistet sein.

Standard: Das Budget des Unterrichtsministeriums ist zu 90 Prozent gar nicht steuerbar, weil es in Personalkosten gebunden ist. Wenn man durchdenkt, dass alle Lehrer den Ländern übergeben werden, sind Sie budgettechnisch nur noch die Frühstücksdirektorin oder Schalterbeamtin, die das Geld rüberschieben muss und hoffen kann, dass sie kontrollieren darf.

Schmied: Das wird auch der Punkt sein, wo wir intensiv diskutieren müssen. Bildungspolitische Maßnahmen entscheiden sich über den Personaleinsatz. Daher ist Personalverantwortung für eine proaktive Steuerung wichtig. Gesetzesbeschluss, Budgetmittel, Personalsteuerung müssen synchronisiert ablaufen - wie wir es am Musterbeispiel Neue Mittelschule erleben. Dann funktionieren die Projekte. Was nicht heißt, dass nicht die Gegebenheiten in den Bundesländern berücksichtigt werden. Aber das ist heute schon so. Wenn etwa eine neue HTL geplant wird, dann nehmen wir am Minoritenplatz nicht die Österreich-Landkarte in die Hand und überlegen, wo bauen wir eine Schule hin, sondern die Landesschulräte sagen, wo ist Bedarf, wie entwickeln sich die Schülerströme. Dass die Länder da mitwirken wollen, ist absolut nachvollziehbar und auch sinnvoll.

Standard: Was würden Sie verwetten, dass Sie nach der Wahl in Wien noch immer Bildungs- und Kulturministerin sind und nicht zum Beispiel Kulturstadtrat Mailath-Pokorny, falls die SPÖ verliert?

Schmied: Ich wette grundsätzlich nicht. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 8.9.2010)

CLAUDIA SCHMIED (51) unterbrach 1997 ihre Karriere als Bankerin und war bis 2000 wirtschaftspolitische Beraterin im Kabinett von Finanzminister Rudolf Edlinger, seit 2007 ist sie Ministerin für Unterricht, Kunst und Kultur.

 

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Ziesel Ziesel
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13.9.2010, 19:45
auch

wenn ich nicht alles unterschreiben würde was aus dem bmukk kommt, find ich das die schmied gute arbeit leistet - auf jeden fall die beste seit jahrzehnten (was aber auch nicht schwer ist). nicht nur im bildungsbereich, sondern auch in kunst und kultur, was leider oft ein bisschen vergessen wird. einen guten überblick gibt die seite www.bmukk.gv.at

ImmerSachlich
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Lehrer in Bundekompetenz

Ich kenne eigentlich nur das eine (Pröll-)Argument, nämlich dass "die Interessen der Regionen berücksichtigt werden müssen" warum die LH wollen, dass Lehrer von den Ländern verwaltet werden sollen. Und die Interessen der Regionen vertreten ja ohnehin die Landesschulräte, Bezirksschulräte usw.
Dieses Argument steht jetzt gegenüber der Meinung des Wifo, IHS, Rechnungshof usw., dass eben die Bundesvariante die effizientere wäre.
Was gibts da eigentlich noch zu überlegen?

zora zaudert
42
Frau Schmied Sie sind super!!!

Der Pröll hat in letzter Zeit einfach zuviel am Mostpiperl genuckelt - ein Fieberzapferl und ein paar Tage Auszeit dann weiß er wieder wer er ist...

clangi
04
aus welchen genies sich der schmied-fanklub zusammensetzt...

ist wahrlich phänomenal!

ChristianY
00

Vielleicht sind Sie alle in sie verliebt?

clangi
01
das würde mir dann fast noch mehr sorgen bereiten ;)

ChristianY
00

Ah, die Liebe regiert die Welt!

Quasselmodo
00
Die Überschrift

erinnert mich an die Witze über italienische Panzer.

mountaineer
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dass die lehrer - wenn es überhaupt stimmt - "weniger in der klasse stehen" als anderswo, dann liegt das daran, dass a) österreichische lehrer überdurchchschnittlich viel schreib- und anderen kram erledigen müssen (oft mies bezahlt)
und b) dass hierzulande viel mehr frauen als anderswo unterrichten, die oft keine volle lehrverpflichtung haben.

natürlich steht ein österr. lehrer mit einer halben lehrverpflichtung nur etwa halb so lange in der klasse wie ein deutscher mit einer vollen!

das zu extrapolieren ist man zu faul, weil sich so eine schöne botschaft "lehrer sind faul" ergibt.

ImmerSachlich
00

2 Fragen die mich interessieren:
Gibt es in D weniger Lehrer mit einer herabgesetzten Lehrverpflichtung?
Welche Schreibarbeiten muss ein Ö. Lehrer mehr erledigen als ein D?

Quasselmodo
00
Frau Schmieds Vernaderungstaktik

nämlich die Lehrer entweder als Trottel oder als Tachinierer hinzustellen, hat einmal schon einen großen medialen Zustimmungsschub gegeben (halt nicht bei den Lehrern, aber wen kümmert das, wenn man Unterrichtsministerin ist).
Da geht noch ein Aufguss, weil die Zustimmung so phänomenal war.

clangi
01
allerdings ist dies der beweis...

dass es ihr niemals um die schüler ging!
denk mal nicht, dass die einen besseren unterricht bekommen, wenn sämtliche lehrer gänzlich demotiviert, beschimpft, als faulsäcke bezeichnet... werden!

linker Schlechtmensch
00
Wenn

man überhaupt nicht kompromißbereit ist wird man scheitern.

clangi
12
Weltfremd ohne Ende!

Die Dame freut sich, dass um 3500 Schüler mehr eine höhere, Berufsbildende Schule besuchen?
Klingt natürlich mal recht gut, jedoch stellt sich doch die Frage nach dem "warum"
Wohl nur deshalb, weil einfach immer weniger Jugendliche eine Lehrstelle bekommen und somit fast gezwungen sind, in eine höhere Schule zu gehen!
Dass sich das nicht gerade positiv auf das ohnehin ständig fallende Niveau dieser Schulen auswirken wird ist wohl logisch, oder (aber da sind natürlich - wie immer - nur die Lehrer schuld!!)

schetzgo
67
nur mut,claudi

der pröllbock muss fallen!

ImmerSachlich
01

- Beschluss eines Bundesgesetzes, dass alle Lehrer in Bundeskompetenz fallen.
- Länder erheben im Bundesrat Einspruch, Gesetz wird aufgeschoben.
- Beharrungsbeschluss des Bundes und das Gesetz ist durch, Ende der Diskussion.

roterbruder1
86

weiter so, frau schmied.
in schulfragen gehen wir österreicher zum(zur) schmied und nicht zum schmiedl (pröll)

clangi
35
ein paar ewigrote kampfposter...

sind noch lang nicht "wir österreicher"

war auch lang ein roter, aber manch einer ist eben lernfähig...

Menschen san eh lieb, d'Leid san hoid Gfraster
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Stimmt, manche wechseln Ihre "Grundsätze", wie sich halt gerade der Wind dreht - andere bleiben standhaft ...

clangi
01
und die ach so standhaften...

machen jahrzehnte ihr kreuzerl bei der gleichen partei, teils nur, weils der vater, großvater... auch so getan hat!

natural born runner
02

... und rennen blind ins Verderben!

cannery row
22
da muss man kein kampfposter sein..

um sich zu wünschen, dass sich schmied durchsetzt. fänden sies besser, wenn sich der pröll die lehrer krallt? dann wirds mit der bildung in nö genauso ausschauen wie mit den nebenbahnen: aufgelöst.

Quasselmodo
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Skylla und Charybdis

Eine geniale Auswahl

Kritiker1A
01
Die Landesfürsten müssen endlich weg.

Schmied hat ja einen schweren Stand, bei den Lehrern und Verwaltungen ist ja alles zubetoniert.

Von der Gesamtschule bin ich zwar nicht überzeugt, aber die Bildungsreform ist ja doch mehr als nur die Gesamtschule.

clangi
13
das problem ist wohl...

schmied - pröll... vom regen in die traufe!
nur weil der eine noch blöder ist als die andere ist jene noch lange nicht gut!

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