Strom aus der Wüste für den Energiehunger Europas

Roman David-Freihsl, 7. September 2010, 17:00
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    Thermische Solarkraftwerke sind bereits im Einsatz - wie hier in Colorado.

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Eine stetig wachsende Gruppe von Wirtschaftsunternehmen will binnen 40 Jahren 15 Prozent des europäischen Energiebedarfes liefern – mit Sonnenstrom aus den Wüsten Afrikas - Das Projekt ist umstritten

Wien – Nachhaltige Energiegewinnung ist nicht immer nur klein und fein von der Marke Nischenprodukt. "Desertec" ist ein Projekt, bei dem so richtig für die Solarstromgewinnung geklotzt wird. Ein seit Monaten ständig anwachsendes Konsortium von namhaften Finanz-, Industrie- und Energiekonzernen kündigt an, bis 2050 sage und schreibe 15 Prozent des gesamten europäischen Energiebedarfes vor allem mit Sonnenstrom abdecken zu wollen.

Diese gewaltige Stromproduktion soll mit Sonnenkraftwerken in den Wüsten Nordafrikas und des Mittleren Ostens ermöglicht werden. Der Investitionsbedarf ist aber nicht weniger gewaltig: Rund 400 Milliarden Euro, lauten die Schätzungen.

Das Konzept klingt bestechend einfach: Keine vergleichsweise teuren Fotovoltaikanlagen sollen errichtet werden, sondern thermische Solarkraftwerke. Bei diesen wird das Sonnenlicht mit Spiegeln gebündelt und ein Spezialöl erhitzt, mit dem wiederum Wasser zum Kochen gebracht wird. Der so entstehende Wasserdampf treibt dann Turbinen an – die Strom erzeugen.

Der Vorteil: Teile der am Tag gewonnenen Wärme können mit  Salzlösungen gespeichert werden – daher könnten thermischen Solaranlagen bis zu 22 Stunden am Tag unter Volllast fahren.

Der in Afrika gewonnene Strom soll dann über ein rund 3000 Kilometer langes Leitungsnetz nach Europa transportiert werden. Dies wäre auch ohne große Leitungsverluste möglich, da dieses Konzept nicht auf herkömmliche Wechselstromleitungen setzt – sondern auf Gleichstrom-Hochspannungsleitungen. Allein diese Übertragungs-Infrastruktur soll laut Berechnungen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt allein etwa 45 Milliarden Euro kosten. Der Auftakt im Vorjahr war jedenfalls euphorisch – zwölf Konzerne unterzeichneten im Juli die Grundsatzvereinbarung, darunter Unternehmen wie die Münchener Rück, Siemens, RWE, E.ON, die HSH Nordbank, die Deutsche Bank, die Schweizer ABB sowie die Solarspezialisten und Anlagenbauer MAN Solar Millennium, Abengoa Solar, Schott Solar, Cevital und M+W Zander. Ende Oktober wurde die Planungsgesellschaft gegründet. Fast monatlich kamen neue Partnerfirmen dazu – im März dieses Jahres dann auch der ehemalige deutsche Umweltminister Klaus Töpfer als politischer und gesellschaftlicher Berater.

Kritiker waren allerdings ebenso schnell auf dem Plan. Nicht nur dass diese Solarpläne in zum Teil politisch instabilen Regionen realisiert werden sollen – NGOs, aber auch der deutsche Bundestagsabgeordnete und Solarexperte Hermann Scheer (SPD) kritisierten, dass die Sahara-Staaten selbst nicht von diesem Projekt profitieren würden – indem ihnen gleichzeitig geholfen würde, die eigene Energieproduktion umzustellen. Nachhaltige Energieerzeugung sei jedenfalls auch innerhalb der EU genauso wirtschaftlich realisierbar, argumentierte Scheer.

Desertec-Geschäftsführer Paul van Son hingegen erklärte heuer, dass in etwa zehn Jahren die ersten Bauten entstehen könnten. Er hoffe, dass die durch staatliche Investitionshilfen gebremsten Kosten etwa im Zeitraum 2025 bis 2030 durch Marktpreise zu decken seien. Sollten Ölkritiker recht behalten, wäre dies in etwa auch der Zeitraum, in dem die Energiepreise durch geringere Ölförderungen in die Höhe schnellen würden. Auffallend ist auch, dass einige Fotovoltaikfirmen in dieses Projekt der thermischen Stromerzeugung voll einsteigen – zu einem Zeitpunkt, in dem die Fotovoltaikbranche gerade im Vorjahr gewaltig unter Druck geraten war. Einerseits durch die Weltwirtschaftskrise – die vor allem bewirkt hatte, dass Banken fix und fertige Projekte nicht mehr finanzierten –, andererseits aber vor allem durch die immer stärker werdende Konkurrenz aus China, die seit dem Vorjahr massiv mit günstigen Alternativprodukten auf den Markt drängt. (Roman David-Freihsl/DER STANDARD, Printausgabe, 5./6.6.2010)

Wissen: Stromproduktion unter Volldampf

Bei Fotovoltaikanlagen wird die Sonnenenergie über Solarzellen direkt in elektrische Energie umgewandelt. Der Nachteil: Die Herstellung der Solarmodule ist immer noch vergleichsweise teuer. Bei thermischen Solaranlagen wird hingegen die über Spiegel gebündelte Sonnenenergie erst in thermische Energie umgewandelt. Der so gewonnene Wasserdampf treibt Turbinen zur Stromerzeugung an. Diese Technologie ist aber flächenintensiver. (frei)

Robert Meint
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14.9.2010, 12:37
beim ersten Hinsehen auf die Grafik dachte ich

Nato kämpft gegen "Roter Halbmond"

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Neue Märkte

tun sich auf, wenn Nordafrika Solarstrom produziert. Den brauchen sie natürlich selbst, aber es wird ein neuer Wirtschaftspartner.

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