Am Mittwoch ist Welttag der Alphabetisierung - In Österreich leiden vor allem Menschen mit sozialen Problemen an Basisbildungsdefiziten
Wien - Weltweit sind rund 760 Mio. Menschen Analphabeten - und auch in den Industrienationen sind massive Probleme beim Lesen, Schreiben, Rechnen oder dem Umgang mit Computer ein relevantes Problem. So haben in Europa laut einer Studie des EU-Parlaments zwischen zehn und 30 Prozent der Bevölkerung Defizite bei der Basisbildung. In Österreich sind nach Schätzungen mindestens 300.000 Erwachsene betroffen, erste verlässliche Daten soll eine Studie der OECD 2013 liefern.
Während weltweit zwei Drittel der Analphabeten laut Unesco Frauen ohne Zugang zum Schulsystem sind, sind in Österreich vor allem Menschen mit sozialen Problemen betroffen, so die Generalsekretärin der österreichischen Unesco-Kommission, Gabriele Eschig, anlässlich des morgigen Welttags der Alphabetisierung.
In Österreich kaum reine Analphabeten
In Österreich gebe es allerdings kaum reine Analphabeten. Die Betroffenen hätten vielmehr Probleme in gewissen Bereichen wie sinnerfassendem Lesen oder gravierende Mängel bei der Rechtschreibung, betont Alphabetisierungstrainerin Melanie Wiedner von der steirischen Sozialeinrichtung Isop. Es handle sich dabei auch nicht immer um Sozialfälle. Manche gingen durchaus einer Arbeit nach und würden sich um ihre Defizite "herumschwindeln". Mangels Basisbildung hätten sie aber keine Chance auf beruflichen Aufstieg.
Unter ihren Klienten seien auch Jugendliche, die frisch von der Schulbank kommen, so Wiedner. Der Schule will sie dafür nicht die alleinige Schuld geben: "Da spielen ganz viele Faktoren in der Biografie mit." So hätten manche Klienten als Kind zu Hause keine Unterstützung von den Eltern bekommen und andere wegen schwerer Krankheiten länger nicht zum Unterricht kommen können. (APA)