Peter Pilz: Kadyrov Kopf einer Mörderorganisation

Julia Schilly, 07. September 2010 13:53

Der Grünen-Sicherheitssprecher fordert die Justizministerin auf, eine Anklage gegen den tschetschenischen Präsidenten durch die Staatsanwaltschaft zuzulassen

Wien - Neue Vorwürfe gegen die Behörden im Mordfall Umar Israilov: Grünen-Sicherheitssprecher Peter Pilz kritisiert Innen-, Justiz-, Außenministerium und die Bundesregierung scharf. Er spricht von einer "rechtswidrigen Verabredung der österreichischen Regierungsspitze". Die Absicht sei, so Pilz, den tschetschenischen Präsidenten Kadyrov vor strafbehördlicher Verfolgung zu schützen. Pilz ist überzeugt, dass Ramzam Kadyrov der Drahtzieher des Attentats ist. Das 27-jährige Mordopfer wollte ihn vor internationalen Gerichten der Folter anklagen.

Peter Pilz nannte Kadyrov "Kopf einer Mörderorganisation" und forderte Justizministerin Bandion-Ortner auf, eine Anklage gegen Kadyrov durch die Staatsanwaltschaft Wien zuzulassen. Der Grüne ist überzeugt, dass das bisher nicht zuletzt durch eine "verdeckte intensive Kollaboration zwischen dem Innenministerium und dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB" verhindert wurde.

Auch Putin involviert

In weiterer Folge solle dadurch auch der russische Ministerpräsident Wladimir Putin geschützt werden - Kadyrov gilt als sein Statthalter in Tschetschenien. Der Sicherheitssprecher fragt sich, "warum das Justizministerium die Anklage um jeden Preis gegen alle Fakten auf eine kleine Wiener Tätergruppe beschränken und Kadyrov schützen will?"

Polizei: Kosum J. kein V-Mann

Unterdessen hat Polizeisprecher Roman Hahslinger in einer Pressekonferenz am Dienstag darauf hingewiesen, dass Kosum J. kein Vertrauensmann (V-Mann) des Wiener Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) war (DER STANDARD berichtete), räumt aber ein: „Er hat von sich aus mehrmals das Amt kontaktiert, aber seine Informationen waren immer allgemeiner Natur und er sei dafür nicht bezahlt worden." So habe er zum Beispiel über die muslimische Glaubensgemeinschaft in Österreich berichtet.

Im Oktober habe Kosum J. das LVT aber darüber informiert, dass zwei „hochrangige tschetschenische Vertreter" nach Österreich kommen würden. Laut Pilz habe er in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass "etwas geplant sei". "Natürlich wurden sofort Ermittlungen aufgenommen", sagt der Polizeisprecher dazu. Der Verdacht auf eine geplante strafbare Handlung habe jedoch nicht bestanden. Am 13. Jänner 2009 wurde Israilov dann in Wien-Floridsdorf auf offener Straße durch zwei Kugeln ermordet.

Die Staatsanwaltschaft hat im Mordfall Israilov Anklage gegen drei Männer erhoben: Einen angeblich engen Vertrauten Kadyrovs, den jüngeren Bruder von Kosum J. und einen dritten Tschetschenen. In der nicht rechtskräftigen Anklageschrift wird ihnen Beteiligung am Mord, Bildung einer kriminellen Organisation und versuchte Überstellung an eine ausländische Macht vorgeworfen, berichtet Pilz und kritisiert: "Auf diese Macht wird in der Anklage aber nicht eingegangen." Kosum J. habe die schiefgegangene Entführung mitgeplant. Bislang wurde keine Anklage der Staatsanwaltschaft gegen Kosum J. erhoben, die Verdachtslage sei für die Anklagebehörde offensichtlich "zu dünn", sagte Hahslinger. Der 38-Jährige hält sich momentan in Wien auf.

Kein Polizeischutz trotz Warnungen

Pilz stellt zudem die Frage, warum Israilov trotz Ansuchen und Warnung von anderer Seite, zum Beispiel durch den russischen Geheimdienstmitarbeiter Artur K., nicht unter Polizeischutz gestellt wurde. „Israilov hat nicht mitgewirkt", lautet der knappe Kommentar des Polizei-Pressesprechers, der aber keine weiteren Informationen preisgeben wollte.

Innenministerin Maria Fekter hatte zuvor behauptet, dass Israilov den Schutz abgelehnt habe, diese Aussage aber kurz darauf widerrufen. Pilz klagt hingegen an, dass "der Verfassungsschutz, das Innenministerium und das Justizministerium nichts unternommen haben" und damit Israilov seinen Mördern ans Messer geliefert hätten.

Der russische Geheimdienstler Artur K. hatte Ende 2008 in der Bundespolizeidirektion Wien zu Protokoll gegeben, er arbeite für den tschetschenischen Präsidenten und habe den Auftrag erhalten, Israilov "verschwinden" zu lassen. Artur K. steht der österreichischen Justiz für die strafrechtliche Aufarbeitung der Causa Israilov übrigens nicht mehr zur Verfügung. "Er wurde nach Russland abgeschoben, wo sich mittlerweile seine Spur verloren hat", berichtet Pilz. (Julia Schilly, derStandard.at, 7. September 2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 57
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King of Pop
15.11.2010 17:55
Mut oder Übermut

Mut hat Peter Pilz, wenn er sich mit diesen Herrschaften anlegt...
Nur sollte er ein bisschen mehr auf sich selbst Rücksicht nehmen, denn sonst wird er seine Pension nicht mehr erleben. Dann war es Übermut...

Datenschutzgummi
15.11.2010 16:43
Fü was haben wir eigentlich Madame Bandion-Ortner?

Herzerzog Johann
08.09.2010 12:55
Pilz hat ...

... das Problem aller Alarmisten.
Wer täglich "Feuer" schreit, auf den hört dann niemand, wenn es tatsächlich brennt.

raymond a
08.09.2010 09:37

Kadyrov und Putin sind völlig andere Kaliber als die sonstigen Pilz-Gegner:

http://aron2201sperber.wordpress.com/2009/01/2... etschenen/

Er sollte gut aufpassen, mit wem er sich da anlegt.

Sonnenkönig
08.09.2010 09:25
Auch wenn die Prölle, Fekters und Plechs äußerlich triumphieren und sich eins grinsen.

Peter Pilz wird sich einmal nichts vorzuwerfen haben. Er hat immer rückhaltlos die faulen Dinge in unserem Land aufgezeigt und sich nicht feige hinterm institutionaliserten Schweinebraten verschanzt so wie Prölls "Leistungsträger".

Haus- und Bademeister
08.09.2010 09:18
Seit der Schüssel-Regierung ist die österr. Justiz endgültig vor die Hunde gegangen.

Es herrscht feiges Lavieren, dort wo Handeln angesagt wäre und bösartiges Intervenieren, um zivilgesellschaftliches Engagement zu verhindern.

soamist
 
08.09.2010 08:42

würde mich nicht wundern wenn da jetzt bald ein kugerl geflogen kommt

Sonnenkönig
08.09.2010 09:51
Wie hat der Schriftsteller Ilija Trojanow gesagt: "Je näher du de Ziel deines Lebens kommst, desto gefährlicher wird es."

Umgekehrt könnte man vielleicht sagen: Je ungefährlicher, etablierter und feiger ein Leben verläuft, desto weiter arbeitet jemand vom Sinn seines (und des kollektiven) Lebens entfernt.

So gesehen leisten die Prölle, Grassers und Fekters, die auf Opern- und Jägerbällen herumtorkeln und sich schulterklopfend mit der Hochfinanz und dem Klerus verhabern, vielleicht keinen oder einen kontraproduktiven Beitrag für unsere Alpenrepublik.

Der lustige aus dem zweiten Stock
 
08.09.2010 09:05

Abwarten was da geflogen kommt !

-Lucien-
08.09.2010 08:09

Peter Pilz sollte lieber ein Öko-Brot essen, anstatt immer krude Behauptungen aufstellen, bei denen NIEMALS was rauskommt!

Sonnenkönig
08.09.2010 09:30
Würde sich niemand die (undankbare) Arbeit antun, die Peter Pilz leistet,

und würde man den Grassers, Plechs, Flöttls, Hocheggers und Meischbergers vollkommen freie Bahn lassen, dann wären wir schon längst in einem Korruptionssumpf untergegangen.

Pilz scheut sich nicht, in die stinkenden Sümpfe hineinzuwaten, um sie trockenzulegen. Ich glaube, wir könnten mehr solche brauchen wie ihn.

Säure- und hitzebeständiges Archaebakterium
08.09.2010 06:52
Pilz legt den Finger in die Wunde!

Doch es ist wie das Anrennen gegen eine Gummiwand in diesem kuriosen Staat.

Alles verläuft im Sand! Pilz hat auch die Geldwäsche der HAA und ihre unfassbare Verquickung mir der Drogenmafia im deutschen TV aufgedeckt.

In Österreich ist der Tiefpunkt der politisch-öffentlichen Moral offensichtlich noch nicht erreicht.

Grün Fan
07.09.2010 23:11
Peter, wirf die Skylink Bombe !

Häupl und Pröll die Geldverschleuderer machen sich schon in die Hosen.

Semper Fi
07.09.2010 23:00

Einmal mehr wird deutlich, dass weder Verfassungsschutz noch Polizei noch Justiz Schutz bieten können und wollen.

Wenn das so weiter geht, kann man in 10-20 Jahren schon von Staatsterrorismus in Österreich ausgehen, und die Politiklandschaft ist eine Salzwüste - mittlerweile kann man ja niemanden mehr wählen...
Als ich vor 12 Jahren nach Österreich kam, wollte ich die Staatsbürgerschaft nur, dass ich mich am politischen Leben so aktiv beteiligen kann wie in meinem Geburtsland USA, jetzt bin ich gerade wieder dabei, die Staatsbürgerschaft zurück zu legen und in ein Land zu ziehen, in dem Demokratie noch zumindest halbwegs zutreffend ist.

Ich bin dabei1
07.09.2010 22:59
Der grüne Pilz ist echt der beste Aufdecker

Österreichs. Ein genialer Politiker !

Roll Over Beethoven
08.09.2010 09:14

Als Journalist wäre er besser aufgehoben.

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
07.09.2010 22:41
Respekt vor der tätigkeit von hrn. pilz.

Es ist erschreckend wie sehr in unserem staat recht gebeugt werden kann u. wie auf menschenrechten je nach politischem bedarf herumgetreten wird.

FatFaceRicky
07.09.2010 22:06

Ja mei, so wie damals, als die iranischen Kurden-Mörder mit Polizischutz zum Floghafen gebracht wurden. Der diplomatische Friede wird anscheinend als wichtiger eingeschätzt. Zum Schluss gehts uns noch so wie der Schweiz mit Ghadaffi.

suboptimal
 
07.09.2010 23:14
Alijew nicht vergessen, der wird jetzt "gesucht"

innerhalb von zwei Tagen sämtliche Aufenthaltstitel genehmigt - Rolle von Landeshauptmann Pröll unklar

... von "engsten Beziehungen" Alijews zum Innenministerium und zum "'governor' von Niederösterreich", also Landeshauptmann Erwin Pröll berichtet ... die Niederlassungsbewilligung für Alijew und seine Freunde von der BH Horn durchaus schnell bearbeitet ... Tatsächlich wurde beim rasanten Behördenweg von hoher Stelle nachgeholfen. Laut Akt gab es eine Weisung durch die Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit (im Innenministerium).

http://derstandard.at/125069130... ll-klaeren

Frankensteins Fekternich
07.09.2010 21:30
Sumpfland Österreich!

Bewohnt, regiert und verwaltet von Lemuren.

P. Pilz bitte machen Sie weiter!

hotzenplotz1001
07.09.2010 20:24
Kadyrov vor strafbehördlicher Verfolgung zu schützen, wäre ein Hammer.

Aber wirklich neu wäre es nicht. Bloß die Dimension eine andere. Bisher kam es vor, dass österreichische Fahnder normale Kriminelle, bisweilen Mörder, vor Strafverfolgung zu schützen trachteten. So etwa bei der Mafia-Affäre um drei Fahnder der damaligen Edok (Kurier 5. April? 2002), als der Pate Jeremziasz Baransk mit der österreichischen Staatsangehörigkeit belohnt wurde. Sohn Gadaffi durfte zum Beispiel nach einem ungeklärten Todesfall in seiner Villa das Land verlassen. Und nun Kadyrov? Es wäre im Prinzip nur mehr vom Gleichen.

Briefmarkenkleber
07.09.2010 20:17
Name=Programm

Narrische Schwammerl. MAhlzeit.

Karl Labruni
07.09.2010 20:05
???????

„Er hat von sich aus mehrmals das Amt kontaktiert, aber seine Informationen waren immer allgemeiner Natur und er sei dafür nicht bezahlt worden."

Dem Kerl muss ja wahnsinnig langweilig gewesen sein - hatte er grad niemanden zu ermorden oder warum dieser Zeitvertreib???

sljudanka
07.09.2010 19:06
Naja P-P hat leicht reden

heizt vermutlich in seiner Almhütte mit Holz...

solandre
 
07.09.2010 18:55

Artur K. steht der österreichischen Justiz für die strafrechtliche Aufarbeitung der Causa Israilov übrigens nicht mehr zur Verfügung. "Er wurde nach Russland abgeschoben, wo sich mittlerweile seine Spur verloren hat"

...das könnte man als Mord der österreichischen Behörden an der Person bezeichnen.

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