OECD

Österreichs Pro-Kopf-Bildungsausgaben bei den höchsten

07. September 2010 11:11

Bildungsausgaben deutlich stärker gestiegen als Zahl der Schüler bzw. Studenten - Gemessen an der Wirtschaftsleistung aber leicht gesunken

Wien - Österreichs Bildungssystem gehört - umgelegt auf die Zahl der Schüler und Studenten - zu den teuersten in der OECD. Die Ausgaben pro Schüler bzw. Student betrugen 2007 von der Volks- bis zur Hochschule 10.974 US-Dollar (kaufkraftbereinigt) pro Jahr - ein Wert, der deutlich über dem OECD-Schnitt von 8.216 Dollar liegt. Übertroffen wird das nur von den USA (14.269 Dollar), der Schweiz (13.031) und Norwegen (11.967), wie aus der am Dienstag veröffentlichten OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2010" (Education at a Glance) hervorgeht.

In allen Bildungsbereichen liegen die österreichischen Ausgaben über dem OECD-Schnitt: das betrifft den Elementarbereich (Kindergärten) mit 6.409 Dollar (OECD: 5.447 Dollar) pro Kopf und die Volksschule mit 8.664 Dollar (OECD: 6.741) ebenso wie den Sekundarbereich (Hauptschule, AHS, BMHS, Berufsschule) mit 10.641 Dollar (OECD: 8.267) und die Hochschulen mit 10.552 Dollar (OECD: 8.970).

Ausgaben steigen stärker als Schüler- und Studentenzahl

Die OECD hat auch untersucht, welche Faktoren zu den Gehaltskosten pro Schüler beitragen, und zwar für den Volksschulbereich und die Sekundarstufe I (Hauptschule, AHS-Unterstufe). In der Volksschule liegen die Lehrer-Gehaltskosten pro Schüler in Österreich bei 2.749 Dollar, um 442 Dollar höher als im OECD-Durchschnitt. Hauptverantwortlich für diese überdurchschnittlichen Kosten ist vor allem die unterdurchschnittliche Klassengröße in Österreich, vermindert werden sie durch die unter dem OECD-Schnitt liegende Unterrichtszeit für die Kinder. Ähnlich das Bild in der Sekundarstufe I.

Die Ausgaben für die verschiedenen Bildungseinrichtungen sind in den vergangenen Jahren deutlich stärker gestiegen als die Zahl der Schüler bzw. Studenten: Im gesamten Schulbereich (von der Volksschule bis zur Matura bzw. Lehrabschluss) sind die Aufwendungen seit dem Jahr 2000 um fünf Prozent gestiegen, während im gleichen Zeitraum die Zahl der Schüler um drei Prozent abgenommen hat. Das hat zu einer Steigerung der Ausgaben pro Schüler um acht Prozent geführt. Im Tertiärbereich (Unis, Fachhochschulen, etc.) sind die Ausgaben seit 2000 um 47 Prozent angestiegen, die Zahl der Studenten dagegen nur um acht Prozent. Dadurch haben sich seit 2000 die Ausgaben pro Student um 36 Prozent erhöht.

Weniger Ausgaben für Bildung

Misst man die Bildungsausgaben an der Wirtschaftsleistung, liegt Österreich ziemlich im OECD-Schnitt, allerdings ist die Entwicklung stagnierend bis rückläufig. 2007 wurden für alle Bildungsbereiche zusammen 5,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aufgewendet, deutlich weniger als noch 1995 mit 6,2 Prozent. Für den gesamten Schulbereich wurden 2007 3,6 Prozent des BIP aufgewendet, 1995 waren es noch 4,3 Prozent. Die Aufwendungen für den Tertiärbereich stagnieren bei 1,3 Prozent (1995: 1,2 Prozent).

Dagegen hat sich der Anteil der Bildungsausgaben an den Gesamtausgaben der öffentlichen Hand von 10,8 Prozent im Jahr 1995 auf 11,1 Prozent im Jahr 2007 leicht erhöht. Im OECD-Schnitt ist dieser Anteil von 12,1 auf 13,3 Prozent gestiegen. Gestiegen ist in Österreich auch der Anteil privater Ausgaben für alle Bildungsbereiche, und zwar von sechs Prozent im Jahr 2000 auf neun Prozent im Jahr 2007. (APA)

 

Kommentar posten
16 Postings
Feierabend
08.09.2010 09:55
ja, aber "investitionen" in öbb und agrarsubventionen bringen den parteien wählerstimmen!

und darauf kommts wohl an!

derbrain
25.10.2010 20:24
Die ÖBB DÜRFEN nicht gesund gespart werden

Was die Politik gern verschweigt: Rationalisierungsmaßnahmen bei den ÖBB sind dank Cross-Border-Leasing nur sehr bedingt möglich. Allerdings betrifft das nicht Gehälter und Pensionen...

Elegantestes Conversations-Lexicon für alle Stände
07.09.2010 16:51

Außerdem dürften diese Zahlen nur die öffentlichen Ausgaben erfassen. Gerade im Hochschulbereich liegt aber das Problem darin, dass der private Sektor in Österreich praktisch nichts beiträgt. (Völlig wertfrei - aber wenn man keine/kaum Studiengebühren will, muss man das anderweitig finanzieren).

Interessant wäre auch, ob dabei die Unikliniken eingerechnet sind.

Elegantestes Conversations-Lexicon für alle Stände
07.09.2010 16:44

Was hat die APA da abgeschrieben?

Insgesamt 10.974 US-Dollar (kaufkraftbereinigt)
Elementarbereich (Kindergärten) mit 6.409 Dollar
Volksschule mit 8.664 Dollar
Sekundarbereichmit 10.641 Dollar
Hochschulen mit 10.552 Dollar

Was steckt in der Gesamtsumme noch drinnen, oder wie erklärt es sich, dass der Schnitt größer ist als jeder Einzelposten?

mountaineer
08.09.2010 08:29

da sieht man wieder, dass auch bei der apa mehr bildung nicht schlecht wäre.

komisch, dass der pisa-experte schleicher österreich zu viel höheren investitionen im bildungsbereich rät - wahrscheinlich, dass auch die beim standard lernen, aus zahlen excel-diagramme zu erstellen, die nicht ausschließlich im kabarett eingesetzt werden können.

Asylwiener
07.09.2010 16:20
Österreichs Pro-Kopf-Bildungsausgaben bei den höchsten

na bitte, dann is eh alles super wenn SO viel geld in die bildung fliesst!

aber halt, waren da nicht schlechte pisa ergebnisse in der grauen vergangenheit...?

und hat nicht grad wer (ministerin oder so) sich angemasst anzumerken woviel geld in den unsichtbarkeiten der landesbildungsverwaltungen verloren geht...?

vielleicht kommt von diesen SO hohen "bildungs"ausgaben gar nicht soviel in der bildung an (?)

kleiner Schelm
07.09.2010 23:36
Richtig! Es kommt nichts an dank Zahlentrickserei

Weil unsere Politiker sehr kreativ sind, Budges von Bildungseinrichtungen zu erhöhen und das Mehr an Geld gleich wieder einzusäckeln.

Gutes Beispiel ist die BUG, die Millionenbeträge von Unis abführt, als Miete an den Staat für die Unigebäude.

Febobo
07.09.2010 11:45
Man sollte vielleicht ausrechnen,

wieviel davon bei den Personalkosten und der Verwaltungsstruktur hängenbleibt, und wieviel tatsächlich bei den Schülern ankommt.

So ist die Statistik relativ nichtssagend.

der elch mit dem kelch
07.09.2010 14:55
Bin vollkommen Ihrer Meinung

So müsste noch Berechnungsfaktoren für partei- und gewerkschaftliche Inhibitoren eingeführt werden, also Posten die keine tatsächliche Leistung und nur zur Einflussnahme dienen.

Ein interessanter Artikel hierzu aus Profil:
http://www.profil.at/articles/... ent-lehrer

warp.faktor
07.09.2010 11:42
Noch schlimmer ...

... sieht die Statistik wohl aus, wenn man die privaten Ausgaben für Nachhilfe hinzurechnet.

Meine Forderung:
Leistungsabhängiger Gehalt für Lehrkräfte. Wenn 30% einer Klasse Nachhilfe benötigen -30% Gehalt!

Mike 23
07.09.2010 15:29
Sinnvoller wäre eine Prämie, wenn

z.B. eine Klasse zu über 90% einen zentral vorgegebenen Test besteht (vgl. Zentralmatura).

Negative Anreize ohne zentrale Kontrolle führen höchstens dazu, dass Lehrer ihre Schüler einfach durchkommen lassen.
Michael

warp.faktor
08.09.2010 06:43
Zugegeben ...

... eine zentrale Kontrollinstanz wäre sinnvoll, ist aber mit dem Rahmenlehrplan kaum vereinbar. Hier herrscht Handlungsbedarf.

Die LehrerInnengehälter, könnte man sich auch so positiv formulieren, dass es künftig keine Unterschiede nach den Dienstjahren dafür aber nach der Erfolgsquote gibt.

Febobo
07.09.2010 11:44
tolle Idee...

die Hauptschullehrer in Wien X wird's sicher freuen.

Hans Müller1
 
07.09.2010 11:33
Geld alleine bringt nix wenn die Strukturen nicht stimmen

Solange die Universitäten nichts anderes sind als Beamtenaufbewahrungsstätten und Lehre dort als ein unbequemes Abfallprodukt gesehen wird

m rams
07.09.2010 11:32
Gemessen an der Wirtschaftsleistung ... im OECD Schnitt

Tja, da sage noch einer, dass die Lehrer gut verdienen würden (im Vergleich zur Restbevölkerung).
Und dass Gehrer und Schmied (auch zu Lasten der Schüler) durch geringere Unterrichtszeit für Schüler und durch real stagnierende/sinkende Bildungsausgaben lediglich sparen wollen (Schmied fängt ja gerade erst an) ist ja (außer am Stammtisch) schon länger bekannt.

Traurig an dieser Sache ist ja nur, dass Österreich als Industrieland gerade an der Bildung spart. Als ob die Pensionen in 20-40 Jahren nicht von den heutigen Kindern und Jugendlichen bezahlt werden müssten.

Alfredo di Stefano
07.09.2010 11:55

? Österreich hat die 4. höchsten Bildungsausgaben pro Kopf, wo wird da gespart?

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.