Bildungsausgaben deutlich stärker gestiegen als Zahl der Schüler bzw. Studenten - Gemessen an der Wirtschaftsleistung aber leicht gesunken
Wien - Österreichs Bildungssystem gehört - umgelegt auf die Zahl der Schüler und Studenten - zu den teuersten in der OECD. Die Ausgaben pro Schüler bzw. Student betrugen 2007 von der Volks- bis zur Hochschule 10.974 US-Dollar (kaufkraftbereinigt) pro Jahr - ein Wert, der deutlich über dem OECD-Schnitt von 8.216 Dollar liegt. Übertroffen wird das nur von den USA (14.269 Dollar), der Schweiz (13.031) und Norwegen (11.967), wie aus der am Dienstag veröffentlichten OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2010" (Education at a Glance) hervorgeht.
In allen Bildungsbereichen liegen die österreichischen Ausgaben über dem OECD-Schnitt: das betrifft den Elementarbereich (Kindergärten) mit 6.409 Dollar (OECD: 5.447 Dollar) pro Kopf und die Volksschule mit 8.664 Dollar (OECD: 6.741) ebenso wie den Sekundarbereich (Hauptschule, AHS, BMHS, Berufsschule) mit 10.641 Dollar (OECD: 8.267) und die Hochschulen mit 10.552 Dollar (OECD: 8.970).
Ausgaben steigen stärker als Schüler- und Studentenzahl
Die OECD hat auch untersucht, welche Faktoren zu den Gehaltskosten pro Schüler beitragen, und zwar für den Volksschulbereich und die Sekundarstufe I (Hauptschule, AHS-Unterstufe). In der Volksschule liegen die Lehrer-Gehaltskosten pro Schüler in Österreich bei 2.749 Dollar, um 442 Dollar höher als im OECD-Durchschnitt. Hauptverantwortlich für diese überdurchschnittlichen Kosten ist vor allem die unterdurchschnittliche Klassengröße in Österreich, vermindert werden sie durch die unter dem OECD-Schnitt liegende Unterrichtszeit für die Kinder. Ähnlich das Bild in der Sekundarstufe I.
Die Ausgaben für die verschiedenen Bildungseinrichtungen sind in den vergangenen Jahren deutlich stärker gestiegen als die Zahl der Schüler bzw. Studenten: Im gesamten Schulbereich (von der Volksschule bis zur Matura bzw. Lehrabschluss) sind die Aufwendungen seit dem Jahr 2000 um fünf Prozent gestiegen, während im gleichen Zeitraum die Zahl der Schüler um drei Prozent abgenommen hat. Das hat zu einer Steigerung der Ausgaben pro Schüler um acht Prozent geführt. Im Tertiärbereich (Unis, Fachhochschulen, etc.) sind die Ausgaben seit 2000 um 47 Prozent angestiegen, die Zahl der Studenten dagegen nur um acht Prozent. Dadurch haben sich seit 2000 die Ausgaben pro Student um 36 Prozent erhöht.
Weniger Ausgaben für Bildung
Misst man die Bildungsausgaben an der Wirtschaftsleistung, liegt Österreich ziemlich im OECD-Schnitt, allerdings ist die Entwicklung stagnierend bis rückläufig. 2007 wurden für alle Bildungsbereiche zusammen 5,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aufgewendet, deutlich weniger als noch 1995 mit 6,2 Prozent. Für den gesamten Schulbereich wurden 2007 3,6 Prozent des BIP aufgewendet, 1995 waren es noch 4,3 Prozent. Die Aufwendungen für den Tertiärbereich stagnieren bei 1,3 Prozent (1995: 1,2 Prozent).
Dagegen hat sich der Anteil der Bildungsausgaben an den Gesamtausgaben der öffentlichen Hand von 10,8 Prozent im Jahr 1995 auf 11,1 Prozent im Jahr 2007 leicht erhöht. Im OECD-Schnitt ist dieser Anteil von 12,1 auf 13,3 Prozent gestiegen. Gestiegen ist in Österreich auch der Anteil privater Ausgaben für alle Bildungsbereiche, und zwar von sechs Prozent im Jahr 2000 auf neun Prozent im Jahr 2007. (APA)