Leitl

Export reißt Österreich raus

07. September 2010 12:57
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Österreich konnte im ersten Halbjahr das Außenhandels­volumen erneut steigern, Zugpferd bleibt Deutschland

Wien - Die heimischen Exporte haben im ersten Halbjahr um 12,5 Prozent zugelegt, für das gesamte Jahr rechnet die Wirtschaftskammer mit einem Plus von mindestens sieben Prozent. Voraussichtlich werde die Schallmauer von 100 Mrd. Euro "deutlich" übertroffen, sagte Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl. Auch Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) sieht die heimische Wirtschaft "auf dem besten Weg, unser Exportziel von 100 Milliarden Euro für 2010 zu erreichen".

"Der Export reißt uns raus" so Leitl, der von gut 50.000 Arbeitsplätzen sprach, die durch den Zuwachs bei den Exporten gesichert würden. "Die Exportstärke ist unser wichtigster Trumpf für ein echtes, sich selbst tragendes Wirtschaftswachstum in Österreich", so auch Mitterlehner. Dabei wäre es schon ein Erfolg, wenn die Hälfte des Einbruchs vom Vorjahr (Minus 20 Prozent) heuer wieder aufgeholt wird. 40.000 Exporteure zählt die Wirtschaftskammer, davon sind 2.000 heuer neu dazu gekommen. Auch 2011 sollen 2.000 Firmen motiviert werden, erstmals in den Export einzusteigen. Derzeit werde die Hälfte der Wirtschaftsleistung über Exporte (Waren und Dienstleistungen) verdient, 2012 sollen es wie früher wieder 60 Prozent sein, hat sich die Kammer zum Ziel gesetzt.

Überseeanteil soll steigen

Leitl erhofft sich "Synergien" über eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem Außenministerium. Schon jetzt gebe es ein "starkes Interesse" der Botschafter, sich auch um Wirtschaftsbelange zu kümmern, streut er den Ministeriumsmitarbeitern Rosen. Und "zwischen (Außenminister Michael) Spindelegger und Leitl geht kein Löschblatt dazwischen". Wo es "wechselseitige Vorteile" gebe, "in Ländern wie Oman", könnten Diplomaten und Handelsdelegierte mit gemeinsamer Infrastruktur enger zusammenarbeiten und gemeinsam die Interessen Österreichs vertreten. Die Wirtschaftskammer habe mit den Marketingbüros mit zwei bis drei Mitarbeitern bereits die "Schlankvariante einer Vertretung" geschaffen.

Deutschland ist Zugpferd

"Das Hauptzugpferd für den heimischen Export ist und bleibt Deutschland", dort gehen 30 Prozent der heimischen Exporte hin, stellte Walter Koren, Leiter der Außenwirtschaftsorganisation (AWO) in der WKÖ klar. Darum freut sich Leitl auch sehr über Exporterfolge Deutschlands: Österreichische Firmen können als Zulieferer mitprofitieren.

Daneben liegen die großen Hoffnungsmärkte in Ländern wie China oder Brasilien, aber genau genommen gibt es praktisch überall Chancen. Brasilien, schon Nummer vier in Übersee, sei von der Krise "unberührt geblieben" und stehe vor den Großereignissen Fußball-Europameisterschaft (2012) und Olympia (2014). In Osteuropa sei 2011 mit einem Aufschwung zu rechnen, Tschechien sei in der Region der wichtigste Wirtschaftspartner. Polen sei auch in der Krise gewachsen und investiere stark in Infrastruktur, die Türkei stehe vor überdurchschnittlichem Wachstum. Und Leitl sieht auf Nachfrage auch in Nordafrika wie im Süden Afrikas einige spannende Länder. Österreich habe weltweit 116 "Außenhandelsknoten", darunter 70 vollwertige Außenhandelsstellen, erinnerte er.

Koren rechnet nach dem zweistelligen Plus bei den Ausfuhren im ersten Halbjahr mit einem "nachhaltigen Exportaufschwung". Drei Viertel der Exporteure seien angesichts der Auftragslage für die nächsten 12 Monate optimistisch. Die Wirtschaftskammer habe ihrerseits 2010 1.150 "exportrelevante Veranstaltungen" wie Messen oder Wirtschaftsmissionen veranstaltet, um 31 Prozent mehr als im Jahr davor (870), hob Leitl hervor. Dabei seien die Sachausgaben in zwei Jahren um 15 Prozent gesenkt worden.

Abgesehen von der regionalen Ausweitung der heimischen Ausfuhren, will die Wirtschaftskammer auch eine inhaltliche Differenzierung: Insbesondere sollen die Dienstleistungsexporte ausgeweitet werden, ihr Anteil an den gesamten Ausfuhren soll bis 2015 auf ein Drittel steigen.

Außenhandelsvolumen laut Statistik Austria

Von Jänner bis Juni wurden Waren im Wert von 53,49 Mrd. Euro importiert und um 51,37 Mrd. Euro exportiert. Die Einfuhren stiegen um 12,3 Prozent, die Ausfuhren zogen um 12,5 Prozent an. Die Warenverkehrsbilanz war daher mit 2,12 Mrd. Euro im Minus, geht aus heute, Dienstag, veröffentlichten Zahlen der Statistik Austria hervor.

Aus EU-Mitgliedstaaten bezog Österreich im ersten Halbjahr Waren im Wert von 38,81 Mrd. Euro und lieferte um 36,62 Mrd. Euro, das waren jeweils um 12,7 Prozent mehr. Daraus ergab sich ein Passivum von 2,20 Mrd. Euro. Der Handel mit Deutschland, dem traditionell wichtigsten Handelspartner, legte am stärksten zu, die Importe wuchsen um 2,12 Mrd. Euro bzw. 11 Prozent auf 21,30 Mrd. Euro, die Exporte stiegen um 2,12 Mrd. Euro bzw. 15 Prozent auf 16,28 Mrd. Euro.

Die Einfuhren aus Drittstaaten stiegen im Halbjahr um 11,5 Prozent auf 14,67 Mrd. Euro, die Ausfuhren um 12,1 Prozent auf 14,75 Mrd. Euro.

Im Juni wurden mit 9,77 Mrd. Euro um 23,8 Prozent mehr importiert, die Exporte stiegen um 22,2 Prozent auf 9,53 Mrd. Euro. Die Handelsbilanz für Juni war daher mit 0,24 Mrd. Euro leicht negativ. Aus EU-Mitgliedsländern wurden Waren im Wert von 7,00 Mrd. Euro importiert, Waren im Wert von 6,73 Mrd. Euro wurden dorthin exportiert, ein Plus von 17,4 bzw. 21,3 Prozent. Die Importe aus Drittstaaten beliefen sich auf 2,77 Mrd. Euro und stiegen um 43,6 Prozent, die Exporte nahmen mit 2,81 Mrd. Euro um 24,5 Prozent zu.(APA)

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10 Postings
Macht, Medien und meine Meinung!
08.09.2010 08:05
ehrlich - das würd mich echt interessieren

was exportieren wir ?

Ronzi Zwirbel
07.09.2010 15:43
Tolle Aussichten

Brasilien, schon Nummer vier in Übersee, sei von der Krise "unberührt geblieben" und stehe vor den Großereignissen Fußball-Europameisterschaft (2012) und Olympia (2014).

Peter_23
07.09.2010 16:53
Ja, aber lustig zum lesen

Die APA-Meldungen sind mitunter die mit dem höchsten Humorniveau.

Ernst von Lutenbach
07.09.2010 12:44
Angesichts der Tatsache,

dass es die österreichische Wirtschaft auch ohne wesentliche Steigerung der Binnennachfrage schafft aus der Krise zu kommen, fehlt der Forderung der Metaller nach mehr Lohn jegliche Grundlage.

Exporte schaffen Arbeitsplätze, Lohnerhöhungen vernichten Arbeitsplätze. Der Vergleich macht uns sicher!

robert rittersmann
08.09.2010 08:15

super Idee.
Wenn das alle Länder so intelligent machen, wie Sie vorschlagen wird es nicht lang dauern und die Auslandsnachfrage nach unseren Produkten wird schwinden.
Ein klein wenig nachdenken über Zusammenhänge kann man auch von Ihnen erwarten, oder?

Milchleber
07.09.2010 18:06

"Lohnerhöhungen vernichten Arbeitsplätze"

auf welcher Nudelsuppe sind Sie daher geschwommen?

Schon Ford wusste: "Kostengünstig produzieren (durch bessere Technologie, nicht niedrigen Löhnen) und hohe Löhne zahlen, damit die Arbeiter auch die eigenen Produkte kaufen können"

DAS schafft Arbeitsplätze -> Binnennachfrage, und die bekommt man durch gestärkte Kaufkraft, ergo hohe Löhne.

mistvieh666
07.09.2010 15:14

naja, in bangladesh sind die loehne besonders niedrig.
es gibt leute, die behaupten, dass mittlerweile an die 50% aller kosten sogenannte transaktionskosten sind. also kosten, die nicht durch produktive arbeit sondern durch die schnittstellen zwischen betrieben oder menschen entstehen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Tran... ionskosten
es wird auch behauptet, dass das, was wir uns durch die sozialpartnerschaft an transaktionskosten ersparen der grund fuer unseren erfolg ist.
nun - diese theorie deckt sich jedenfalls eher mit den daten, als die behauptung, oesterreich sei so reich, weil arbeitszeit bei uns nichts kostet.

Linus Tintifax
07.09.2010 13:52
irgendwas haben sie offenbar nicht verstanden

oder sie haben noch nie was von der "sozialpartnerschaft" gehört, deren ziel es ist den sozialen frieden zu wahren z.b. mit gerechten löhnen samt laufender anpassung und arbeitsverträgen, die dieser bezeichnung auch gerecht werden....ich hoffe es ist schön in ihrem elfenbeinturm.

Entropix
07.09.2010 12:20
nieder mit der Globalisierung! ;-)

mistvieh666
07.09.2010 15:06

genausogut koennen sie gegen das atmen protestieren. es ist eine tatsache, die sich unserer einflussmoeglichkeit entzieht.
die gruende des totalen scheiterns der linken sind unter anderem, dass sie
- die realitaet vollstaendig ignorieren
- nie auf die idee kommen, etwas zu verbessern
- immer das rad neu erfinden

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