Kampusch-Biografie

Gewalt, Folter und Todesangst auf 284 Seiten

7. September 2010, 10:59

"Diese Gesellschaft braucht Täter wie Wolfgang Priklopil" - "Der Mann, der mich schlug, in den Keller sperrte und hungern ließ, wollte kuscheln"

Brutalste körperliche Gewalt, psychische Folter, ein Leben in Gefangenschaft voller Angst - so beschreibt Natascha Kampusch in ihrer Autobiografie "3096 Tage" auf 284 Seiten das Martyrium ihrer Entführung. Die schwere Kindheit durch die Trennung der Eltern, Überlebensstrategien und das Heranwachsen bis zum Durchringen zur Flucht finden darin ebenso Platz wie die wohlüberlegte Gesellschaftskritik einer jungen Frau. Das vom List Verlag herausgebrachte Buch kommt am Mittwoch auf den Markt.

"Diese Gesellschaft braucht Täter wie Wolfgang Priklopil, um dem Bösen, das in ihr wohnt, ein Gesicht zu geben und es von sich selbst abzuspalten. Sie benötigt die Bilder von Kellerverliesen, um nicht auf die vielen Wohnungen und Vorgärten sehen zu müssen, in denen die Gewalt ihr spießiges, bürgerliches Antlitz zeigt. Der Täter muss eine Bestie sein, damit man selbst auf der guten Seite stehen bleiben kann." Zu diesem Schluss kommt die heute 22-Jährige abseits ihrer Schilderungen von Todesängsten und Gedanken im "Hochsicherheitstrakt für ein Kind", wie sie ihr Kellerverlies nennt.

"Psychisches Gefängnis"

Mehrmals zitiert Kampusch schonungslos ihre damaligen Aufzeichnungen direkt nach Übergriffen: "Fausthiebe und Tritte, würgen, kratzen, Handgelenk prellen, abquetschen desselbigen, gegen Türrahmen gestoßen. Mit Hammer und mit Fäusten in Magengegend (schwerer Hammer) geschlagen." Unzählige Demütigungen sorgten für ein "psychisches Gefängnis", das ihr lange den Mut zu Fluchtversuchen raubte: "Er hat das ein paar Mal gemacht - mich nackt vor die Haustüre gestoßen und gesagt: 'Lauf doch. Schau doch, wie weit du kommst.' Mit jedem Mal wurde die Welt draußen bedrohlicher." Einschüchterungen durch vermeintliche Sprengfallen standen an der Tagesordnung: "Ich habe bis nach meiner Befreiung an die ominösen Sicherungen geglaubt."

Erste Nacht außerhalb des Verlieses

Zu den besonders bedrückenden Stellen im Buch zählt die Schilderung der ersten Nacht außerhalb des Verlieses - nach vier Jahren im winzigen Kellerverlies - im Bett des Täters, mit Kabelbindern an den Handgelenken an Priklopil gefesselt. "Natürlich setzte er mich auch kleinen sexuellen Übergriffen aus, sie wurden Teil der täglichen Drangsalierungen, wie die Knüffe, die Fausthiebe, die Tritte im Vorbeigehen gegen das Schienbein", schreibt Kampusch. Um Geschlechtsverkehr ging es laut der 22-Jährigen nicht: "Der Mann, der mich schlug, in den Keller sperrte und hungern ließ, wollte kuscheln." Mehr will sie über diesen Teil ihrer Gefangenschaft nicht Preis geben. Neben der Zeit in Gefangenschaft räumte Kampusch ihrer zum Teil unglücklichen Kindheit viel Platz ein. Sie berichtet von alltäglichen Ohrfeigen und Schwierigkeiten nach der Trennung der Eltern, die sie zum dicklichen Kind mit Frust-Essattacken und Bettnässerin machten.

Keine Hinweise zu Komplizen

Wer angesichts der seit Jahren im Raum stehenden Spekulationen über Komplizen Priklopils Ansatzpunkte erhofft, sucht in der Autobiografie vergeblich nach Hinweisen. Mehrmals geht Kampusch auf die vielfach zitierten Widersprüche in ihren Polizeiaussagen ein: "Wahrscheinlich hatte er sich die Hintermänner nur ausgedacht, um mich einzuschüchtern." Ein anderes Mal heißt es: "Dennoch weiß ich bis heute nicht sicher, ob Priklopil - wie er am Anfang immer behauptete - mich im Auftrag anderer gekidnappt oder ob er allein gehandelt hatte. Während meiner Gefangenschaft sprach allerdings, von den anfänglichen Andeutungen Priklopils abgesehen, nichts für Mittäter."

Kritik an Polizei und Behörden

Gegen Ende des Buches kritisiert das Entführungsopfer Polizei und Behörden, wenn Kampusch beispielsweise erzählt, wie sie zwei Beamte nach der Flucht wie eine mögliche Kriminelle behandelten: "'Bleiben Sie, wo Sie sind, und heben Sie die Arme!', blaffte mich einer von ihnen an. So hatte ich mir meine erste Begegnung mit der neuen Freiheit nicht vorgestellt. Mit erhobenen Armen wie eine Verbrecherin an der Hecke stehend, erklärte ich der Polizei, wer ich war." Im Epilog gilt Natascha Kampuschs Kritik vor allem dem fehlenden Verständnis der Öffentlichkeit: "Schleichend schlug die Anteilnahme in Missgunst und Neid um - und manchmal sogar in offenen Hass." (APA)

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ERP
 
52
22.12.2010, 14:39
Ein Vergleich ihrer ersten Worte mit dem Buch:

Ihre ersten Worte an die Journalisten, bevor sie mit Psychologen und Anwälte Kontakt hatte - hier im Wortlaut nachzulesen:

http://www.focus.de/panorama/... 14414.html

"... Der Lebensraum: Mein Raum war hinreichend eingerichtet. Es ist mein Raum gewesen. Und nicht für die Öffentlichkeit zum Herzeigen bestimmt.
Der Lebensalltag: Dieser fand geregelt statt, meist ein gemeinsames Frühstück – er hat ja meist nicht gearbeitet -, Hausarbeit, lesen, fernsehen, reden, kochen..."

Darin fanden sich keine Worte wie "Gewalt, Folter und Todesangst".

Da ist doch die Frage erlaubt: "Was haben geldgierige und mediengeile Anwälte aus ihr gemacht ?"

Mann oder Frau? Was darfs sein?
11
13.12.2010, 02:08

"Diese Gesellschaft braucht Täter wie Wolfgang Priklopil, um dem Bösen, das in ihr wohnt, ein Gesicht zu geben und es von sich selbst abzuspalten. Sie benötigt die Bilder von Kellerverliesen, um nicht auf die vielen Wohnungen und Vorgärten sehen zu müssen, in denen die Gewalt ihr spießiges, bürgerliches Antlitz zeigt. Der Täter muss eine Bestie sein, damit man selbst auf der guten Seite stehen bleiben kann."

Hat die einen Dramaturgen engagiert? Auf jeden Fall war das ein Ghostwriter, das steht ja sowieso fest.

razor blade
23
23.12.2010, 10:20

Nein, zwei Co-AUtorinnen. Sie sollten über so minimale Fähigkeiten wie sinnerfassendes Lesen und die Benutzung einer Suchmaschine verfügen, wenn Sie schon posten müssen.

Mann oder Frau? Was darfs sein?
11
23.12.2010, 11:42
Nein, zwei Co-AUtorinnen.

Und Sie sollten nicht alles glauben, was Sie lesen. lolz.

Gusti Rentner
 
12
6.11.2010, 00:31
Sie berichtet von alltäglichen Ohrfeigen...

Und zwar nach der Trennung der Eltern... VOR der Entführung.

Wofür wurde Adamovic eigentlich (nicht rechtskräftig) am letzten 24. Dezember (!) von der richterlichen Tochter eines der im Ermittlungsverfahren als Staatsanwalt tätig Gewesenen verurteilt ???

Staun.

AlBundyFan
 
14
15.11.2010, 14:30
warum

weil es nicht schlimmer ist ohrfeigen der eltern zu bekommen als 8 jahre bei einem sadisten gefangen zu werden der die dinge macht, die oben im artikel stehen.

ganz abgesehen davon ist es einfach widerlich diese zeit, mit welchen argumenten auch immer, schönzureden.

Felix Kuttinger
 
108
15.10.2010, 16:25
Nur unter Zwang

würde ich dieses Buch lesen. Im Übrigen bin ich sowieso kein Freund des Genre der Phantastik. Von klassischer Mythologie und der volkstümlichen Sagenwelt früherer Jahrhunderte einmal abgesehen.

silver.fish
03
22.12.2010, 18:34

Hab es gelesen, Sie haben keine Ahnung wovon Sie sprechen!

mozi1
23
10.11.2010, 00:03
welche sagenwelt meinen sie?

die schildbürger? oder geht es um einen wicht, der nichts versteht?

alexanderletten
 
36
3.11.2010, 19:16

Wissen Sie, durch das Lesen K.s Lektüre erscheinen sehr viele Postings hier zu Themen um Fr. K. noch dümmlicher, als sie sowieso schon waren.

Eine der besten Formulierungen mM. nach, war zB. diese(sinngemäß):

"Wenn ich Kinder sehe die rumquengeln, wenn sie kleine Aufgaben erledigen sollen welche ihnen übertragen wurden, dann gönne ich ihnen vom Herzen diesen kleinen Widerstand."

Oisa i find des (ned) supa
38
22.10.2010, 17:32
"Schleichend schlug die Anteilnahme in Missgunst und Neid um - und manchmal sogar in offenen Hass."

Stefan Lindemann
84
"3096 Tage"

Irgendwie nicht sehr einprägsam, dieser Titel.

wenn es wenigstens 4096 Tage gewesen wären, so eine wunderbar runde Zahl wäre nicht nur viel leichter zu merken, sie hätte der Folterepisode auch etwas märtyrhaft-poetisches verliehen, an dem sich voyeuristische Leser ergötzen können...

G.O.
57

Sie hätten also Natasche Kampusch gerne noch fast 3 Jahre länger in der Gewalt des Herrn Priklopil gesehen. Damit befürworten Sie ja die Fortsetzung seiner Straftat, getarnt als werbepsychologische Überlegung. Wie human.

Hotblack_Desiato
41
seh ich nicht so

3096 ist 3x1024, was wiederrum 3x 2^10 ist.

bei 4000 müsst schon 4128 sein (was auch interessant ist)

LCD
04

3x1024=3096? Konsultieren Sie den Taschenrechner ihres Vertrauens. IMHO ist es immer noch 3072 (Habe es im Kopf berechnet).
Ditto bei 4x1024=4128. In Wirklichkeit ist es 4096
was ist Ihrer Meinung nach 2x1024? Jetzt nicht mit Taschenrechner schummeln.

Braunhuber
03
Was wollen Sie uns damit sagen?

Dass Sie nicht rechnen können?

ente gut alles gut
512
3. Versuch ...

Frau Kampusch ist eine kluge junge Frau. Und sie wird es schaffen, ein ganz normales Leben zu führen. Auf jeden Fall normaler als die kranken Gemüter, die ihr ihren zweifelhaften "Ruhm" neiden...

TheLaw
52
Wer kauft den so ein Buch? In Graz haben schon 30 Menschen das Buch gekauft. Unglaublich . Wird ein Bettlerseller!

widiwutsch
215
Viele Zeitgenossen haben ein Problem mit ihr,

weil nk mit ihrer stillen und introvertierten Art oft andere, unzutreffende Assoziationen weckt. Wie sehr sie eine sehr überlegte, kühl, und in langen Zeiträumen kalkulierende Frau ist, merkt man vielleicht erst nach einiger Zeit. Ich vermute, dass auch P. sich in dem Kind völlig geirrt hatte, als er beschloss, sich eine Lebensgefährtin zu fangen und zu unterwerfen. In Wirklichkeit war sie stärker als er, weil sie NIE aufgibt und warten kann.
Was mich beeindruckt ist, dass sie es in ihrem Keller geschafft hat, sich ein Maß an Bildung und Reflexion zu verschaffen, das auch "in freier Wildbahn" nur wenige haben und von dem ich bezweifle, dass sie es bei einer normalen Biographie hätte.

Stefan Lindemann
02
Mit der Privatperson N.Kampusch habe ich ueberhaupt kein Problem

Die Privatperson N.Kampusch ist mir gleichgueltig, da weder ich sie persoenlich kenne noch sie mich. Darum sehe ich mich auch nicht qualifiziert, um hier uebertriebene Anteilnahme vorzuheucheln.

Eine Kritik des "Markennamens" Kampusch ist keineswegs eine Kritik der Privatperson. Eine Kritik des Umgangs der Medien und Gesellschaft mit dieser Geschichte schon gar nicht.

Und jedem seine eigene Busspur
92
Also die Selbstvermarktung der Frau

ist schon fast Lugnerreif! Jeder Tag im Priklopil-Verlies wird wohl 1000 Euro bringen. Dennoch würde ich nicht mit ihr tauschen... Aber jetzt das beste drausmachen ist wohl ihre Art mit dem Trauma fertigzuwerden....

ilmagnifico
22

Ein wertvoller Beitrag zur österreichischen Literaturgeschichte.

parapente
31
Nobelpreis?? :-)

AlBundyFan
 
215
schlimm ist ja,daß es anderen opfern gleich ergeht in der gesellschaft die sind halt nicht so bekannt.

in der kleinen zeitung war mal eine 5-teilige serie über verbrechensopfer.

da war die geschichte eines 16jährigen mädchen das jahrelang beinahe täglich von ihrem vater vergewaltigt worden ist.sie hat sich dann dazu entschlossen ihn anzuzeigen.(vater sitzt in haft)

sie selbst wurde von ihrer familie verstossen(mutter glaubt ihr bis heute nicht),in ihrem wohnort konnte es nicht geheimgehalten werden und die leute reden nicht mehr mit ihr,wechseln die strassenseite oder spucken ihr sogar ins gesicht und beschimpfen sie als hure.

das ganze hat sie zur aussage veranlasst "ich wünscht ihr hätte es für mich behalten und mich weiter missbrauchen lassen".

NKs gibt es viele und das verhalten gegenüber verbrechensopfern ist hier kein einzelfall.

Sausewind
00
5.12.2010, 19:33

es ist gesellschaftlich leider immer noch ein Unterschied ob der "leibliche" Vater dem Leibe des Kindes zu nahe kommt oder ein "Fremder".

Die Bibel hat Schuld daran mit ihrem 4. Gebot des "Eltern-ehrens"

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