Schaffner schaffen sich durch Weggang selbst ab

Luise Ungerboeck, 07. September 2010 18:44
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    Foto: apa

    ÖBB-Chef Kern findet überall Sparpotenzial.

Bis zu 50 Abgänge pro Jahr werden nicht nachbesetzt, über sechs Jahre sollen 300 Schaffner weniger unterwegs sein

Wien - Unruhe hat der Standard-Bericht über die schaffnerlose Zukunft im ÖBB-Personennahverkehr (PV) ausgelöst. PV-Sprecher Thomas Berger versicherte via Aussendung, es sei "zu keinem Zeitpunkt zur Diskussion gestanden, rund 300 Zugbegleiter-Jobs zu kappen". Um im nächsten Satz einzuräumen, dass von dieser Maßnahme "lediglich natürliche Abgänge ausgenommen" seien.

Und der natürliche Abgang beläuft sich laut ÖBB-Angaben bei Schaffnern pro Jahr auf 30 bis 50 Beschäftigte. Über einen Zeitraum von sechs Jahren werden also durch freiwillige Abgänge und Pensionierungen rund 300 Zugbegleiterstellen frei, die laut Standard-Informationen "in der Regel nicht nachbesetzt werden" und - Zufall oder nicht - just jenen 300 entsprechen, der laut einem Protokoll des Projekt-Aufsichtsrats der ÖBB-Personenverkehr-AG mittelfristig wegrationalisiert werden kann. Hundert von insgesamt 400 Zugbegleitern sollen für Kontroll- und Hilfsdienste erhalten werden.

Heftige Reaktionen

Fahrgastverbände reagierten heftig auf die diskutierten, von den ÖBB-Gremien aber noch nicht beschlossenen und auch ÖBB-intern umstrittenen Rationalisierungsmaßnahmen. Der Verein Pro-Bahn forderte das ÖBB-Management auf, "dem Druck der ÖVP, überall einzusparen und so die Services für die Bahnfahrer ständig zu verschlechtern, standzuhalten". Wichtiger wäre und auf Dauer mehr Geld sparen ließe sich, schlägt Pro-Bahn-Obmann Peter Haibach vor, von den 26 Direktoren und mehr als hundert leitenden Angestellten wegzurationalisieren als Schaffner. Auch die Grünen halten Kundenorientierung, Alkoholverbot und Serviceverbesserung für unvereinbar mit der Schaffner-Abschaffnung.

Wie groß der Spardruck in der ÖBB ist und dass schaffnerlos nur eine Sparmaßnahme von vielen sein kann, zeigt allerdings ein Blick auf die Zahlen des ersten Halbjahres 2010, die der Vorstand rund um Neo-Konzernchef Christian Kern dem Aufsichtsrat am Donnerstag präsentieren wird. Allein für die Gütersparte RCA wird heuer erneut ein Minus (Ebit) von gut hundert Millionen Euro erwartet, als Worst Case (der wie 2009 durch Auflösung von Rücklagen gemildert werden wird) sogar 150 Millionen.

Dafür ist man bei Postenbesetzungen handelseins: Die neue ÖBB-IKT, eine Tochter der ÖBB-Infrastruktur-AG, bekommt ein rot-schwarzes Chef-Duo: Herbert Fleckinger und Wolfgang Kalny (ehemals bei Ex-ÖBB-Finanzchef Erich Söllinger). Infra-Finanzchef Gilbert Trattner wird vom Vorstand zum Geschäftsführer von Infra-Beteiligungsmanagement, Mungos Sicher & Sauber und der für Fahrzeugverwaltung und -vermietung zuständigen RailEquipment degradiert. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe, 8.9.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 77
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KnightRider
08.09.2010 20:01
ÖBB sollte lieber schauen, den Fahrplan einzuhalten

Vor drei Tagen im Frühverkehr (8h) ca 20 Minuten Verspätung zwischen Baden und Meidling.
angeblich ein Weichendefekt :))

heute um 7.15 mussten alle Passagiere den Wiesel Richtung Wien in Liesing verlassen und auf die nächste Schnellbahn umsteigen - angeblich ein technischer Defekt :)))

Scheint die Öbb sind mit dem eigenen Fahrplan schon wieder überfordert.

Ich nehme schon wieder immer einen Zug früher, da ich mir die ewigen Verspätungen nicht leisten kann

Der Österreicher
09.09.2010 10:59

Wie wärs mit übersiedeln?

KnightRider
09.09.2010 16:26
Zahle jedes Monat 124,- Euro, da kann man schon die Einhaltung des Fahrplanes erwarten

Kernzone 49,50
1Außenzone 37,10
1Außenzone mit Bus 37,40

KnightRider
08.09.2010 19:55
gerade auf der Südbahn von Wien bis WrNeustadt gibt es dzt fast nur (extrem) junge Schaffner

die dürften alle erst vor wenigen Monaten eingestellt worden sein. Nun will man sie gleich wieder rausschmeissen? (sorry "einsparen")

Gibt es im ÖBB Management überhaupt einen längerfristigen Plan?

Doch der Abgang durch Pensionierung lässt bei der ÖBB ja nicht lange warten.
Kenne in meiner Nachbarschaft einige ÖBB-Schaffner (sorry, Zugbegleiter) die mit 48 in Pension gehen und jetz sehr viel als Pensionisten auf Reisen sind (natürlich fit genug)

Dorian Gray
09.09.2010 10:30
Ich kenne in meiner Nachbarschaft ine paar Vorstände

die verdienen im Jahr 300.000 Euro.
Und arbeiten noch weniger als ihre Nachbarschaftsschaffner.

KnightRider
09.09.2010 16:10
anscheinend ist Ihre Wohngegend um einiges nobler

Joseph Kyselak
08.09.2010 16:30
Puuuh - ist das Bild von Kern nach 15 Stunden Verhandlung mit der Gewerkschaft entstanden? ;-)

fredi 1990
08.09.2010 16:08
sollte man nicht einmal bei den führungskräften sparen?

da werden vorstände eingespart - die arbeiten (wahrscheinlich zu selben verdienst und mit ihren persänlichen mitarbeitern) weiter im unternehmen!

einsparung gleich null!

springflower
08.09.2010 14:34
Ich finde, das geht noch nicht weit genug!

Die meisten Bahnhöfe sind ja sowieso schon menschenleer. Die einzigen Lebenszeichen auf einem österreichischen Bahnhof kommen vom Fahrkartenautomat und vom Lautsprecher. In Marchtrenk z. B. darf man auch nicht mehr auf die reichlich vorhandenen Toiletten gehen. Bitte nur ja keine dringenden Bedürfnisse während der Wartezeit auf den Zug! Aber jetzt geh ich noch einen Schritt weiter: Schafft die Lokomotivführer ab! Das muss doch zu machen sein - so ähnlich wie der Autopilot bei den Fliegern! Und die Arbeitslosen? Ja, zahlt doch der Staat! Wir habens ja! Übrigens - ich glaub so 2/3 Drittel des Steueraufkommens kommen von den unselbständig Erwerbstätitigen! Noch Fragen? Wenden Sie sich vertrauensvoll an unseren Finanzminister!

leo lander
08.09.2010 14:06
hat der Prikopil einen Bruder ? Oder wer ist der Knabe links neben dem Text ?

oder ist er nur untergetaucht und mit neuer Identität wieder aufgetaucht, oder hatte er 2 und nur eine hat sich vor den Regionalzug Wien-Strasshof geworfen?

Das goldene Gfries
08.09.2010 11:17
...ihr könsts als Österreicher

...alle froh sein, einen der besten Manager für diesen extrem schwierigen Job zu haben, er ist sicher der Beste.

Mario Ahner
08.09.2010 10:52
Hauptsache, es gibt rot-schwarze Doppelbesetzungen.

Ein schönes Beispiel für großkoalitionäres Negativsparen.

Stef Hoche
08.09.2010 10:10
die öbb

sollte sich mal lieber überlegen ob sie nicht durch innovative ideen zusatzerlöse generieren kann. denke es würde da einige möglichkeiten geben

Nr 14379
08.09.2010 10:09
Durch die RFID Technologie

kann man in spätestens 10 Jahren eh per Knopfdruck sehen wer ein Ticket hat und wer nicht.

Drastiker
08.09.2010 09:32
Hab die Startseite überflogen..

und beim ersten Blick geglaubt es geht wieder um die Kampusch!?

HermannIn
08.09.2010 09:24
Gratis Öffis ...

Es kann hier nur eine Lösung geben: Öffis gratis machen! Entweder durch geringe Beträge nur von Benutzern bezahlt (a la Österreichcard, aber nicht so teuer) oder gleich ganz aus Steuergeldern. Würde nach ExpertInnenmeinungen so um die 250-300 Millionen Kosten (im Vergleich zu den Ausgaben für Autobahnen und co. ein minimaler Bruchteil), dann wär das Problem gelöst, wir hätten wieder jede Menge Arbeitsplätze geschaffen, was gutes für die Umwelt getan und sozial schwächer gestellten Menschen zu mehr Mobilität verschafft ...

Derfdeswoarsein
 
08.09.2010 11:14
"...wieder jede Menge Arbeitsplätze geschaffen..."

Können Sie das bitte näher erklären, ich begreife es nicht. Wie wollen Sie "Arbeitsplötze schaffen" und gleichzeitig Personal einsparen? Sind Sie ÖVPFPÖ Mandatar?

DasLebenIstSchwerUndDannStirbtMan
08.09.2010 09:56

eine österreichweite jahreskarte zu einem vernünftigen preis wär schon nett.
der wirrwarr mit den verschiedenen regionalen motaskarten ist schon ziemlich lästig- die monatlichen kosten für eine netzkarte zwischen innsbruck und landeck sind ungerechnet zb nur geringfügig weniger als bei der österreichweiten karte.
gefördert wird aber nur die pendlerkarte ( auch mit der aktion, 12 monate fahren, 10 monate zahlen).
man kann also nicht so einfach sagen, ich leist mir die differenz zur österreichkarte. ich find, die möglickeit sollte man den pendlern bieten. damit man sichs auch leisten kann, in der freizeit aufs auto zu verzichten, wenn man mal eine andere strecke fahren will.

Derfdeswoarsein
 
08.09.2010 11:17
Warum wollen Pendler eine Vergünstigung haben?

Das versteh ich nicht! Sind doch viele dieser Pendler erst nach einem Hausbau nach NÖ gezogen. Und es kann doch nicht die Angelegenheit des Steuerzahlers sein, dieses auch noch zu unterstützen.

DasLebenIstSchwerUndDannStirbtMan
08.09.2010 12:13

nein, österreich besteht nicht nur aus wien+ einzugsgebiet.
und bei weitem nicht alle österreichischen pendler pendeln, weil sie aus der großstadt aufs land gezogen sind.

Derfdeswoarsein
 
08.09.2010 12:45
Dann wirf einen Blick ins "gelobte Land".

Da gibt es Menschen, die ihr Leben im WOhnwagen verbringen weil sie der Arbeit nach fahren müssen.

DasLebenIstSchwerUndDannStirbtMan
08.09.2010 13:10

ich seh jetzt den zusammenhang nicht.

finanzminister seppus deppus
08.09.2010 09:54

klar und das geld kommt aus dem bankomat und der strom aus der steckdose? so einfach gestrickt, können sie doch ned sein oder doch?

ihr fm SD

_Buschmann_
08.09.2010 09:17

Ich als Bahnangestellter fühle mich immer mehr gefrozelt. Sparen Sparen Sparen. Um so mehr rumort es in mir wenn ich dann diese "Manager" sehe wie sie sich ihre posten gegenseitig besetzen. Leute die meistens nichts mit der Bahn zu tun haben entscheiden Dinge von denen sie nichts verstehen. Uns wird zwar gesagt wir sollen und können uns einbringen (es gibt jetzt sogar Mitarbeiter TOM's , Team Objective Meetings)aber halbwegs wichtige Sachen werden ignoriert.Dabei hätten Mitarbeiter die ständig mit Zügen, Reisenden und Gütern zu tun haben wirklich teilweise gute Ideen und Vorschläge. Zur Zeit muss ich mich aber immer mehr mehr mit seltsamen Dienstanweisungen und Fahrplanänderungen ärgern. Manchmal denke ich wir vertreiben Kunden absichtlich.

Peter_23
08.09.2010 11:34
Sie vermuten schon richtig: Die ÖBB vertreibt Kunden.

Ist aus Sicht des ÖBB-Managments auch zu verstehen: Die Beschaffung großer staatlich bezahlter Aufträge für die Bauindustrie ist die primäre Aufgabe der ÖBB. Alles andere ist nachrangig.

Bahnfahrende Kunden die sich über den Bahnbetrieb zurecht beschweren, stören dabei klarerweise und werden vertrieben. Dann kann man auch viel einfcaher die Bahnlinien einstellen, wie es ja auch laufend seit Jahren passiert.

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