Im Achtelfinale von New York war für den Österreicher Endstation, die Niederlage spielte sich aber auf hohem Niveau ab
New York - Jürgen Melzer ist besser als er glaubt. Vor dem vierten Grand-Slam-Turnier des Jahres in New York hatte er im STANDARD-Interview verlautet, dass ein gesunder und motivierter Roger Federer für ihn unerreichbar wäre. Nun, der Schweizer war in der Nacht auf Dienstag sowohl gesund als auch motiviert, unerreichbar schien er für den Österreicher im Achtelfinale trotz einer 3:6, 6:7 und 3:6-Niederlage nicht.
Starker zweiter Satz...
Den ersten Satz gewann der fünffache US-Open-Sieger noch flott in 27 Minuten, da Melzer zu Beginn der Partie Probleme mit seinem ersten Service hatte, zwei Mal seinen Aufschlag verlor und ihm nur ein Rebreak gelang, im zweiten Satz sahen die Zuseher am Court Arthur Ashe aber bereits ein Match auf Augenhöhe: anders als in Wimbledon, als Federer gegen Melzer nie ernsthaft in Gefahr geriet, konnte der Niederösterreicher seinen Gegner diesmal immer wieder mit sehenswerten Punkten ausspielen. Sein Stopp mag auf der Tour zwar bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad haben, Melzer spielt ihn aber derart ansatzlos, dass selbst Alleskönner wie Federer meist das Nachsehen haben.
...ging mit Pech verloren
Warum Melzer den zweiten Satz dennoch im Tiebreak verlor, ist leicht erklärt: Pech. Zwei Netzroller von Federer gaben letztlich den Ausschlag. Zuvor hatte der Schweizer in diesem Satz keinen Breakball herausspielen können, musste aber sehr wohl zwei Stück hiervon abwehren.
Chancen blieben ungenutzt
Melzer ließ dennoch nicht locker, ging im dritten Satz mit einem Break 1:0 in Führung, gab aber postwendend seinen Aufschlag ab. Auch nach einem weiteren Aufschlagverlust zum 2:4 gab sich der als Nummer 13 gesetzte Österreicher noch nicht geschlagen, hatte Chancen den Rückstand noch einmal wett zu machen, die sogenannten Big Points gingen aber fortan an den Schweizer - Melzer konnte in diesem letzten Satz lediglich einen von acht Breakbällen nutzen. Nach zwei Stunden und drei Minuten verwandelte die Nummer 2 der Welt den ersten Matchball.
"Er ist ein großartiger "shot maker". Er trifft immer ein paar wirklich gute, gefährliche Schläge. Es gibt auch nicht viele Burschen da draußen, die aus einem ersten Aufschlag so einen Return rausholen können", meinte Federer nach seinem vierten Sieg ohne Satzverlust bei diesen US Open. "Es war schwer heute. Jürgen ist ein guter Spieler, hat großartiges Potenzial. Für ihn ist es auch wichtig, dass er so etwas konstant Woche für Woche bringt, was nicht leicht ist. Aber es scheint, als hätte er den Dreh heraußen, fand Federer lobende Worte.
Federer: "Ich hatte wirklich Glück"
Und zum Tiebreak meinte der Schweizer: "Ich hatte wirklich Glück. Vielleicht hätte ich den Tiebreak sowieso gewonnen, aber so ist es eben. Ich habe seine große Frustration nach den zwei Netzrollern und dem 'overrule', das mir einen neuerlichen ersten Aufschlag gegeben hat und ich dann einen Servicewinner bekam, gesehen." Danach habe er Melzer mit drei unrein getroffenen Schlägen gebreakt. "Das waren gute zehn Minuten für mich", gestand Federer.
"Es ist sicherlich die schönste Tennisbühne der Welt. So eine Atmosphäre ist einzigartig. Die Night Session hier in New York ist, glaube ich, der Traum eines jeden Tennis-Spielers", war Melzer angetan. "Wenn man hier auch noch so gut spielt, wie ich das heute gemacht habe... leider mit dem falschen Ergebnis, aber ich hoffe, dass es nicht die letzte Partie auf diesem Platz war."
Für Melzer überwog trotzdem eindeutig die Enttäuschung. "Ich habe das Gefühl gehabt, ich war so knapp dran, das Match mehr als nur offen zu gestalten." Dass er bei den Majors in Paris, Wimbledon und den US Open erst an Nadal und zwei Mal Federer gescheitert ist, gibt Hoffnung auf mehr. "Es ist ein bisschen schade, dass ich jetzt in Wimbledon und hier gleich in den Roger reinrenne. Es ist zwar schön, die Setzung so hoch zu haben, aber es gibt ja auch noch andere."
Federer gegen Söderling
Federer trifft nun im Viertelfinale auf den als Nummer sechs gesetzten Schweden Robin Söderling, der den Spanier Albert Montanes mit 4:6, 6:3, 6:2 und 6:3 bezwang. (pb/APA; derStandard.at; 7. September 2010)