Das Buch "Weltwissen der Siebenjährigen" regt Eltern und Großeltern an, mit dem Blick ihrer Kinder zu sehen
Wenn dieser Tage die Kindergartenpflicht für Fünfjährige eingeführt wird, dann darf das nicht nur als Entlastung der Eltern von der Betreuung verstanden werden - und sie wird es in den meisten Fällen auch nicht, ist die Pädagogin Donate Elschenbroich überzeugt: "Da ist auch der Wunsch, das Leben mit Kindern und eigene persönliche Weiterentwicklung als eine Wechselbeziehung zu erfahren," schreibt sie über die Eltern und ihr Verhältnis zum Kindergarten.
Elschenbroich, die sich im "Weltwissen der Siebenjährigen" der frühkindlichen Bildung gewidmet hat, nimmt sich im neuen Buch der Eltern und Großeltern an und regt an, die Dinge ihres Lebens mit dem Blick der Kinder zu sehen. Und daran eigene Erinnerung und Erfahrungen zu knüpfen, die man dann weitergeben kann.
Ausgangspunkt dafür war ein Projekt, bei dem Alltagsgegenstände in quasi-musealen Vitrinen der Kindergärten ausgestellt und dann als Anregung für Gespräche in die Familien der Kinder mitgegeben wurden.
Natürlich ist das spannend für die Kinder - aber noch spannender für die Erwachsenen: Die müssten nämlich ihr eigenes (Un-)Wissen überprüfen, wenn sei gemeinsam mit ihren Kindern herausfinden wollen, wie so alltägliche Gegenstände wie ein Kugelschreiber oder eine Wäscheklammer funktionieren.
Das Buch ist aber auch eine Einladung an Erwachsene, sich zu besinnen, was ihnen ihr Besitz bedeutet, worauf sie stolz sein wollen. Oder auch, für welche Gegenstände in ihrem Leben sie sich eigentlich schämen - und warum. (Conrad Seid, DER STANDARD, Printausgabe, 7.9.2010)
Donata Elschenbroich: "Die Dinge - Expeditionen zu Gegenständen des
täglichen Lebens". € 19,90 / 208 S., Kunstmann, 2010